Osho: dein ganzes Leben als Geschenk hinwerfen

Es ist nicht einfach, herauszufinden, woher deine Güte kommt … Wenn du kein Dieb bist, weil du noch Angst davor hast, geschnappt zu werden, wirst du noch am selben Tag, wo du gewiss bist, dass dich niemand schnappen kann, zum Dieb – denn wer hält dich davon ab? Nur deine Angst war das Hindernis. Du tötest deinen Feind nicht, weil du weißt, dass man dich fängt. Aber wenn eine Situation kommt, wo du den Mann töten kannst, und du kannst nicht geschnappt werden, kannst nicht dafür bestraft werden, wirst du ihn sofort töten. Es ist also nur Schwäche, dass du gut bist.

Aber wie kann aus Schwäche das Gute entstehen? Denn Güte braucht überfließende Energie. Güte ist ein Luxus, vergesst das nicht. Heiligkeit ist ein Luxus – sie kommt aus Überfluss. Wenn zu viel Energie da ist, so viel, dass du davon überflutet wirst, dann lässt du andere daran teilhaben. Dann kannst du nicht ausbeuten, denn das ist nicht nötig. Dann kannst du von Herzen geben, weil du so viel hast; du bist wirklich überladen. Du möchtest austeilen und verzichten, möchtest dein ganzes Leben als Geschenk hinwerfen und weggeben.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit“

Wenn sich ganz viele winzige Wassertröpfchen in einer Wolke zu größeren Tropfen verbinden, werden sie so schwer, dass sie als Regentropfen auf den Boden fallen müssen. Osho sagt: „Wenn zu viel Energie da ist, so viel, dass du davon überflutet wirst, dann lässt du andere daran teilhaben.“ Auch hier gibt es keine Wahl. Die ganze Natur birst geradezu vor Energie und lässt die ganze Welt daran teilhaben.

„Wird die Lebensenergie durch bestimmte physikalische Faktoren aufgereizt, kann sie in einen erstarrten Zustand verfallen, in dem sie destruktive, lebensfeindliche Wirkungen hat. Diese Form der Orgon-Energie nannte Reich DOR, Deadly Orgone (tödliches Orgon). Wilhelm Reich stellte grundsätzlich zwei Erscheinungsformen von DOR fest: eine »natürliche«, deren Ursprung zunächst nicht geklärt ist, die für die Entstehung von Dürren und die Ausbreitung der Wüsten ursächlich ist; und eine »künstliche«, die durch eine starke Aufreizung der atmosphärischen Orgon-Energie durch technische Faktoren wie Nuklearstrahlung, Elektrizität, Elektromagnetismus etc. entsteht.“ (Quelle)

Ich finde das sehr interessant, dass Reich hier unterscheidet zwischen einem „natürlichen“ und einem „künstlichen“ Einfluss auf die Lebensenergie. Das, was hier nur im „künstlichen“ Bereich vorwiegend auf den technischen Bereich bezogen wurde, würde ich gern erweitern um denjenigen, der für diese technische Entwicklung zuständig ist, und das ist nun mal der Mensch. Der Mensch, der aus seiner „Natürlichkeit“ herausgefallen ist, in dem er sich mit seinem Verstand völlig vom Ganzen abgeschnitten hat. Selbstverständlich ist alles Natur – deshalb die Tüttelchen – auch das, wofür das Stichwort DOR steht, das Destruktive, das Lebensfeindliche. Brahma, Vishnu und notwendigerweise auch Shiva … das Zerstörerische ist immer auch Teil des Lebens. Und diese Aufgabe zu erfüllen, ist im Augenblick anscheinend in einem besonderen Maße den Menschen zugedacht worden. Die Folge ist ein ungeheuer großer Hunger nach Energie, obwohl wir doch in einem Meer von Energie schwimmen. Wir quetschen aus der Erde auch noch den letzten Tropfen Öl heraus oder Gas und die Sprechzimmer der Ärzte sind voll mit Menschen, die depressiv sind, unter einem sog. Burnout leiden und sich völlig ausgebrannt fühlen. Ein totaler DOR-Zustand.

Osho fragt: “ Aber wie kann aus Schwäche das Gute entstehen?“ Alle möchten immer nur haben, haben, haben. Haben will nur, wer glaubt, nicht genug zu haben. Im anderen Fall – Osho: „Wenn zu viel Energie da ist, so viel, dass du davon überflutet wirst, dann lässt du andere daran teilhaben. Dann kannst du nicht ausbeuten, denn das ist nicht nötig. Dann kannst du von Herzen geben, weil du so viel hast; du bist wirklich überladen. Du möchtest austeilen und verzichten, möchtest dein ganzes Leben als Geschenk hinwerfen und weggeben.“ Das hat nichts mit der Heiligkeit einer Mutter Theresa zu tun, nichts mit Moral und irgendwelchen Geboten christlicher Nächstenliebe, das ist einfach ein Naturgesetz. Wenn die Wolke zu voll ist mit großen, schweren Regentropfen, dann muss sie sich über die Erde ergießen. Da hat sie gar keine Wahl.

Und wie kommt dieser gruselige Energiehunger zustande? Ich würde sagen, wer sich für den Macher hält und damit für den Verantwortlichen und damit für den Schuldigen, der badet bereits in DOR. Du bist nicht das Begrenzte, für das du dich hältst, sondern … „Offene Weite – nichts von heilig“.

Ich muss in dem Zusammenhang gerade mal wieder an diese unvergessliche  Prüfungsstunde im Fach Sport denken. Die Jungs waren sportlich ziemlich aktiv und vor allem in einem Kung Fu-Verein. Aber es gab in der Klasse natürlich auch die „Schwammerln“, die Mehlsäcke, die vor jede Herausforderung am liebsten davon gelaufen wären. Und dann, also so was hab ich wirklich noch nie gesehen, die Sportler halfen ihren Schwammerln, wo sie nur konnten, bejubelten auch ihren kleinsten Erfolg, kurz es herrschte in dieser Klasse ein derart liebevoller Geist – die Wolken regneten, dass es die reinste Überschwemmung gab, und die Erde öffnete sich dankbar und voller Freude für diesen Segen. Wir drei von der Tankstelle … äähhh … Prüfungskommission saßen nur noch da und heulten, so anrührend war das alles.

So, und zum krönenden Abschluss gibt’s wieder Kerstin pur:

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 8 Kommentare

Ikkyû Sôjun: unser altes Versprechen

Der Baum verödet,
Die Blätterfallen,
Doch es wird immer wieder Frühling.
Wie Blumen und Bäume
Sich neu beleben,
Grünt unser altes Versprechen.
Shin, o Shin,
Dies tiefe Gefühl,
Sollte ich je es vergessen,
Für Jahrmillionen
Will ich geboren werden
Als niederes Tier!

aus: Ikkyû Sôjun, „Im Garten der schönen Shin“

Was ist das für ein altes Versprechen, von dem Ikkyû da spricht – ein altes Versprechen, das sich wie die Blumen und Bäume im Frühling immer wieder neu belebt? Na ja, könnte ich sagen, der Ikkyû war halt verliebt, da fangen die Leute schon mal gerne zu schwärmen an. Der wird sich schon abregen, wenn sich seine Hormone wieder normalisieren. Hmm, dieser Ikkyû verliebte sich ja nicht nur gern, er war auch ein großer Dichter, Kalligraph und zu allem Überfluss auch noch ein erleuchteter Zen-Meister. Vielleicht wollte er ja nicht nur seinen Frühlingsgefühlen Ausdruck verleihen, sondern es ging ihm noch um etwas ganz anderes. Vielleicht um das Eigentliche? Zen-Meistern geht es immer um das Eigentliche. Ich weiß nicht warum, da fällt mir der Logion 22 aus dem Thomas-Evangelium ein:
Jesus sieht Säuglinge. Er sagt zu seinen Schülern: diese Säuglinge gleichen denen, die ins Reich eingehen. Sie sagen zu ihm: Werden wir denn klein ins Reich eingehen? Jesus sagt zu ihnen: Wenn ihr die Zwei zu Einem macht, das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, wenn ihr das Männliche und das Weibliche in euch zu einem Einzigen macht, damit das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist – wenn ihr Augen schafft anstelle eines Auges, Hände anstelle einer Hand, Füße anstelle eines Fußes, Wirklichkeit anstelle eines Bildes, dann werdet ihr ins Reich eingehen.

Ikkyû und seine blinde Shin, zwei und doch nicht zwei. „Shin, o Shin“ sagt er, „dies tiefe Gefühl, sollte ich je es vergessen, für Jahrmillionen will ich geboren werden als niederes Tier!“ Was vergessen? Dieses tiefe Gefühl, dieses Wissen darum, dass sie nicht zwei sind, dass sie nicht getrennt sind, nie getrennt waren. Sie sind zwei und doch nicht zwei. Das Namaste-Mudra will nichts anderes als das in Erinnerung rufen: „Ich begegne dir, als ob wir zwei wären. In Wahrheit sind wir nicht zwei.“ Mit solchen Grußformeln ist es halt wie mit all diesen Ritualen: Die wahre Bedeutung ist im täglichen Gebrauch längst in Vergessenheit geraten. Sollten sich zufällig einmal zwei begegnen, die nicht zwei sind, benötigen sie natürlich keine Rituale mehr. Das Erkennen geschieht auf einer viel tieferen Ebene. Es ist dasselbe wie mit den Worten:

Alle Worte sind dem Unbefreiten nutzlos,
da sie nur Vorstellungen erzeugen;

alle Worte sind dem Befreiten nutzlos,
da er sie nicht benötigt.

Shankara

Ach ja, das alte Versprechen: Das hat sich ja gewissermaßen zwangsläufig jede Zweiheit gegeben. Und dann kam das große Vergessen. Oder ist es gar kein Vergessen, sondern einfach der prickelnde Reiz, ein Gegenüber zu haben? Nun, das eine schließt das andere nicht aus.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 6 Kommentare

Kerstin: Nur ein kleiner Gedankenpups

 

Ein paar Gedanken zu den beiden Videos, die Kerstin gestern veröffentlicht hat. Osho hat da was sehr Schönes gesagt: „Beobachte einfach, schau einfach, ohne dich anzustrengen, bemühe dich nicht, mühelose Bewusstheit. Anfangs erscheint das sehr widersprüchlich – keine Mühe und Bewusstheit – aber sobald du es versuchst, hast du den Kniff schnell raus. Es ist ein Kniff. Und sobald du den Kniff raus hast, sobald du auch nur einen einzigen Moment mühelose Bewusstheit erfahren hast, bist du auf der richtigen Spur; du wirst nie wieder derselbe Mensch sein.“

Was für ein Kniff, verdammt nochmal? Kann mir jemand verraten, wie der Kniff geht? – Nun, meine Erfahrung ist: Da gibt es keinen Kniff. Wozu auch? Bewusstheit ist von Natur aus völlig mühelos. Sich um Bewusstheit bemühen zu wollen, ist einfach nur total gaga. Um noch mal meine süßen Eichhörnchen zu bemühen: Ich habe noch nie erlebt, dass sie sich um Bewusstheit bemüht hätten. Sie sind einfach Bewusstheit. Und ich hoffe, ich verrate euch ein großes Geheimnis: Ich auch, ich bin auch Bewusstheit und ihr auch und auch Kerstins Fliege oder die beiden Lärchen vor meinem Küchenfenster. Wir sind und sind umgeben von reiner Bewusstheit. Was für ein komischer Witz, nach Bewusstheit streben zu wollen!

Ja aber, hihi, das Denken, das verdammte Denken, wenn nur nicht immer wieder Fridolin, der Meisterplapperer, pausenlos plappern würde! Dann, dann könnte ich vielleicht bewusst sein. Ich muss also lernen, Fridolin endlich sein gottverdammtes Maul zu stopfen!

Natürlich, ja, das ist das Denken. Und? Was zum Teufel soll verkehrt sein am Denken? Wenn Gedanken kommen, dann kommen Gedanken. Sie kommen und gehen wie der nächste Windhauch und die Windstille und der nächste Windhauch … Wie könnte das alles die Bewusstheit umbringen – dich umbringen?! Bewusstheit kommt und geht nicht. Bewusstheit nimmt wahr … Windhauch, Windstille, Windhauch, Windstille, … Manchmal wird das bemerkt, manchmal nicht – na und, dann wird es halt nicht bemerkt. Wenn das Mäuslein die Katze nicht rechtzeitig bemerkt, dann wird es halt gefressen. Soll vorkommen.
Kerstin sagt da diesen göttlichen Satz: „Das bedeutet gar nichts!“ Der ganze Gedankensalat bedeutet gar nichts. Das ist einfach Gedankensalat. Es gibt da so eine buddhistische Meditationstechnik: Da sagt sich der Meditierende nach jedem Gedanken, der in ihm aufsteigt, dreimal das Wort „Gedanke“. Gedanke, Gedanke, Gedanke. Damit soll sich der Meditierende darüber möglichst dauerhaft bewusst machen, dass seine Gedanken nur Gedanken sind. Na ja, wem’s hilft, soll diese Totschlagmeditation machen. Aber eigentlich, so ganz unter uns gesagt, ist das, was Kerstin da sagt, vollkommen genug: „Das bedeutet gar nichts!“ Und weil es gar nichts bedeutet, darf es auch einfach da sein. Oder fragst du dich, wenn dir hinten raus ein laues Lüftchen entfleucht, was das wohl jetzt wieder zu bedeuten hat? Eben. Du furzt einfach munter vor dich hin und denkst dir nix dabei, wenn du nicht gerade in feiner Gesellschaft bist. Aber was hast du auch in einer feiner Gesellschaft verloren! Am besten entfleuchst du auch wie ein Furz aus dem Allerwertesten der feinen Gesellschaft und rettest dich in völlige Bedeutungslosigkeit. Dann, dann kannst du vielleicht auch so völlig entspannt wie dieses süße Weib auf dem Bildchen da oben in die Gegend lächeln.

Also, so als kleine Eselsbrücke, wenn dir mal wieder einer entfleucht, erinnerst du dich vielleicht: Das hat so wenig Bedeutung wie jeder noch so tiefsinnige Gedanke von dir. Nur ein kleiner Gedankenpups.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Rumi: Schlaf Kindchen, schlaf …



Schlaf weiter! 

Jene, die diese Liebe nicht wie ein Strom mitreißt,
jene, die diese Morgendämmerung nicht
wie einen Becher reinen Quellwassers trinken
oder den Sonnenuntergang wie ein Festmahl genießen können,
jene, die sich nicht ändern wollen –

 lass sie schlafen!

 Diese Liebe ist jenseits des Studiums der Theologie,
dieser alten Bauernfängerei und Scheinheiligkeit.
Wenn du auf diese Weise weiterkommen willst,

 schlaf weiter!

Ich habe meinen Verstand aufgegeben.
Ich habe meine Kleider in Fetzen gerissen
und sie weggeworfen.
Wenn du nicht vollkommen nackt sein kannst,
verhülle dich mit einem schönen Kleid aus Worten

 und schlaf!

Ein Leben ohne Liebe ist bedeutungslos.
Liebe ist das Wasser des Lebens.
Trinke es ganz, mit Herz und Seele!

Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī

Nisargadatta wird u.a. gern mit diesem Hinweis zitiert: „Die Liebe sagt, Ich bin alles, die Weisheit sagt, Ich bin nichts. Zwischen diesen beiden fließt mein Leben.“ Als Osho einmal gefragt wurde, welchen Weg er empfehlen würde, den Jnana-Weg oder den Bhakti-Weg, antwortete er, wenn ich das recht erinnere: Ein Weg führe ganz von selbst in den anderen. Er würde jedoch empfehlen, mit dem Jnana-Weg zu beginnen, weil über die Liebe so viele Missverständnisse existierten, dass man dabei leicht auf einen Irrweg geraten könne. Das Gedicht von Rumi steht ganz am Ende eines langen Weges und es schließt ganz selbstverständlich das mit ein, was als Jnana-Weg verstanden wird.

Rumi bringt in seinen letzten Zeilen die Quintessenz seines Lebens zum Ausdruck: „Ein Leben ohne Liebe ist bedeutungslos. Liebe ist das Wasser des Lebens. Trinke es ganz, mit Herz und Seele!“ Aber das ist seine Erfahrung, ganz seine Erfahrung, und so billigt er jedem anderen ganz selbstverständlich zu, seinen Weg zu gehen und seine ureigenen Erfahrungen zu machen. Wie hätte er seinen ureigenen Ausdruck, seinen Duft verhindern können? Jeder von uns muss sich auf seine Weise ausdrücken. Alles, was nicht einfach absolut nackt ist, ist nichts als Schlaf, sagt Rumi. Er nennt es Schlaf, und weiß doch, dass keiner anders sein kann als er ist, und so sagt er: Schlaf ruhig weiter. „Schlaf weiter!“ ist so etwas wie ein Erlauben und ein Weckruf zugleich, die er als kleines Glöckchen in den Wind gehängt hat.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 11 Kommentare

B-E-W-U-S-S-T-H-E-I T

 

1991 bin ich innerhalb Hamburgs umgezogen. Meine erste Amtshandlung war, mir dieses Symbol aus einem Brett auszusägen und es mir an die Haustüre zu schrauben. Das Ding hängt immer noch da. Irgendwie hatte ich wohl die Hoffnung, dass mich meine Besucher fragen würden, was das sein soll. Ob das das Zeichen einer Sekte wäre oder sonst irgendeine Bedeutung hätte. Ich muss sagen, die meisten Besucher fragten eher nicht und die, die fragten, waren mehr an irgendeiner kurzen Antwort interessiert – so in der Art „Ich bin bei den Zeugen Jehovas“ oder „Das ist das Zeichen meines Tai Chi-Vereins“. Das hätte ihnen völlig genügt. Einige wenige fragten nach der Bedeutung. Ich versuchte es zu erklären, aber all meine Erklärungen blieben den Fragenden im Kopf hängen, is ja auch strohtrocken:

Im I-Ging steht für das Yang ein durchgezogener Strich, für das Yin ein unterbrochener Strich. Ich habe in meinem Symbol die beiden Zeichen nicht parallel angeordnet, sondern sie sich überkreuzen lassen. Yang bildet die Vertikale und steht für formlose und zeitlose Bewusstheit. Yin bildet die Horizontale und steht für alles, was der Bewusstheit gerade gegenwärtig ist, alles, was erscheint. Der Kreis außen rum weist darauf hin, dass Vertikale und Horizontale untrennbar eins sind. Buddha, also der Eine Geist oder Bewusstheit, sitzt einfach da – nee, er sitzt natürlich nicht, steht nicht, liegt nicht, er ist einfach da und das schon immer – und lässt alle Erscheinungen so an sich vorüberziehen. Alle Ziele, alle Methoden, alles Erreichenwollen, alles Bewerten, na ja alles halt, was vorgestellt, erdacht, durch die Sinne wahrnehmbar ist.

„Aha“, sagten meine Besucher vielleicht und „interessant“ und das war’s dann auch schon wieder. Damals gab’s noch keinen Computer, den hatte ich erst später. Dann dauerte es noch ne ganze Weile, bis ich mit dem Ding so einigermaßen klar kam und irgendwann fing ich dann damit an, das Symbol figürlicher, farbiger und beweglich zu machen. Irgendwie auf die Sprünge geholfen hat das jedoch meines Wissens auch niemandem. Das wirft manchmal ja so blöde Fragen auf wie: Warum soll das denn irgendjemandem auf die Sprünge helfen? Und wie komme ich überhaupt dazu, irgendjemandem auf die Sprünge helfen zu wollen? Bin ich irgendwie größenwahnsinnig? Na ja und dann kriegte ich meine Antwort.
Ich musste sooo lachen. Passiert war ja alles Mögliche vorher. Aber dann hatte ich ohne jede Absicht und in absoluter Unschuld in meiner Antwort auf einen Kommentar in meinem Blog das Wörtchen „Bewusstheit“ geschrieben. Kerstin liest den Kommentar, ebenfalls ohne jede Absicht und in absoluter Unschuld und „Da hab ich’n Hammer auf’n Kopf gekriegt“, sagt sie freudestrahlend in ihrem Video. Also von den ollen Ch’an-Heinis wird ja berichtet, dass sie ausgesprochene Schläger waren. Ein Hammer auf den Kopf hätt’s aber auch nicht gebracht. Das wären ebenso vergebliche Versuche wie sich ein schlaues Symbol an die Tür zu schrauben. Bringt’s einfach nicht. Nichts bringt es! Ist das nicht herrlich?! Ich hab ja jahrelang anderen beigebracht, wie man seinen Zuhörern was beibringen kann. Die berühmten didaktischen Prinzipien halt: „Lernzielorientierung, Leistungssicherung und –kontrolle“. Hihi, alles Quatsch. Wenn es um’s Eigentliche geht, sind alle Beteiligten einfach nur Idioten. Es ist nicht machbar. Es ist einfach ein Geschenk des Himmels. Manche nennen es ja auch einen Fluch der Hölle. Keine Ahnung warum. Vielleicht fliegt dir gerade eine kleine Fliege ins Auge und du: „Ich hab’n Hammer auf’n Kopf gekriegt!“ Scheinbarer Auslöser kann alles sein. Oder auch nicht. Bei mir war’s halt das geflüsterte „Spüren Sie’s?“ vom Heinz Butz. Sowas reicht für’n ganzes Leben.

Und dann ist die Welt immer noch die Welt und doch ist da plötzlich etwas, das nie wieder verloren gehen kann. Wir haben uns ja lange und mit Inbrunst gezofft, die Kerstin und ich. Das mussten wir allem Anschein nach nochmal haben. Und plötzlich ist da nur noch ein großes Lachen und das, was ich gestern von Rumi zitiert habe, die letzten Zeilen: „Die Welt so voll, dass davon niemand mehr zu reden vermag. Vorstellungen, Sprache, selbst der Ausdruck ‚miteinander‘ … das alles ist dann sinnlos geworden.“ Oder wie es Heraklit so schön gesagt hat:

Wachende haben eine Welt gemeinsam.
Schlafende haben jeder eine Welt für sich.

 Ich kann euch sagen: Jemanden NICHT ins Bewusstsein katapultieren zu wollen, ist sehr entspannend. Ich kann’s nur jedem empfehlen.

Bewusstheit ist, völlig ungefiltert das wahrzunehmen, was jetzt ist.

Kerstin

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 7 Kommentare

Osho: Intelligenz ist rebellisch


Es ist immer so – dasjenige, welches verloren geht, ist immer das beste. Wenn du ein Vater bist und fünf Kinder hast, wird nur das beste Kind Widerstand zu leisten versuchen und dich zurückweisen, wird nur das beste Kind sich behaupten. Die durchschnittlichen werden sich dir immer fügen, aber das eine, das nicht durchschnittlich ist, wird rebellieren, weil sein ganzer Geist rebellisch ist. Intelligenz ist rebellisch.  Je intelligenter, desto rebellischer. Und diejenigen, die nicht rebellisch sind, die Ja-Sager sind, sind praktisch tot; du magst sie mögen, aber sie haben kein Leben in sich. Sie gehorchen dir, nicht weil sie dich lieben, sondern sie folgen dir, will sie schwach sind, will sie Angst haben, weil sie nicht allein stehen können, weil sie kein Standvermögen haben – sie sind Schwächlinge, impotent.

Schaut euch um, die Leute, die ihr für gut haltet, sind fast immer diejenigen, die schwach sind. Ihr Gutsein kommt nicht aus ihrer Stärke, es kommt aus ihrer Schwäche. Sie sind gut, weil sie nicht wagen, böse zu sein. Aber was für ein Gutsein ist das, das aus der Schwäche kommt? Gutsein muss aus überfließender Stärke kommen, nur dann ist es gut, denn dann hat es Leben, ein flutartiges Leben.

Wann immer also ein Sünder zum Heiligen wird, hat seine Heiligkeit ihre eigene Größe. Aber wann immer ein gewöhnlicher Mensch zum Heiligen wird, aufgrund seiner Schwäche, ist seine Heiligkeit blass und tot, ist kein Leben in ihr.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit“ (Über das Thomas-Evangelium)

Osho bezieht sich hier auf Logion 107 im Thomas-Evangelium:

Jesus sagte: Das Königreich ist wie ein Hirte, der einhundert Schafe hat. Eines verirrte sich, welches das größte war. Er ließ die neunundneunzig zurück, er suchte nach dem einen, bis er es fand. Erschöpft sagte er zu dem Schaf: Ich liebe dich mehr als die neunundneunzig.

Wer ist das nun, den der Hirte angeblich mehr liebt als alle anderen? Mit fällt dazu nur der „Beta“ ein. Das Bild hatte ich schon mal drin. Der Widder im dunkelblauen Feld ist kein Rebell, seine Schafe sowieso nicht und das schwarze Schaf auch nicht und auch nicht der gegnerische Widder im roten Feld. Der einzige Rebell ist tatsächlich das Schaf im hellblauen Feld, das irgendwie nirgendwo dazuzugehören scheint.

Nun stellen sich wahrscheinlich viele unter einem Rebellen einen strahlenden Helden vor, dessen Konterfei später auf Millionen T-Shirts prangen wird.

Aber davon spricht weder Jesus noch Osho. Che Guevara war kein Rebell, er war ein Revolutionär, das ist etwas völlig anderes. Für mich hat Laotse den Rebellen als das verirrte Schaf am schönsten beschrieben (Kapitel 20):

Brich ab das Lernen, so bist du sorgenfrei! Sind denn »jawohl!« und »Recht gern!« Wirklich einander so fern? Sind denn das Gute, die Schlechtigkeit wirklich einander so weit? »Wem andere Menschen sich beugen, dem musst auch du dich beugen«: Welch Öde doch! Und kein Ende noch! Die Menschen alle sind ausgelassen, als säßen sie zechend beim Opferfest, als stiegen sie auf zu den Frühlingsterrassen. Ich allein liege noch still, kein Zeichen hab ich gegeben, gleich einem kleinen Kinde, das noch nie gelacht hat im Leben; bin schwankend, bin wankend, als hätt ich die Heimat verloren. Die Menge der Menschen hat Überfluss; nur Ich bin gleichsam von allem entblößt. Wahrlich, Ich habe das Herz eines Toren, so dunkel und wirr! Die gewöhnlichen Menschen sind hell und klar; nur Ich bin trübe verhangen. Die gewöhnlichen Menschen sind strebig-straff; nur Ich bin bang-befangen. Ruhelos gleich ich dem Meere; verweht, ach, bin gleichsam ich ohne Halt. Die Menschen machen sich nützlich all, nur Ich bin halsstarr, als ob ich ein Wildling wäre. Nur Ich bin von den andern Menschen verschieden – der ich die nährende Mutter verehre. (Übers. Günter Debon)

Der so Beschriebene wird nie auf einem T-Shirt prangen und er wird auch nicht den geringsten Wert darauf legen, auf diese Weise geehrt zu werden. Es wäre ihm ganz im Gegenteil höchst suspekt, so suspekt, wie irgendwo im Mittelpunkt zu stehen oder einen Orden für was auch immer zu kriegen. Das ist nicht irgendeine tugendhafte Bescheidenheit, es ist ihm einfach zutiefst zuwider und völlig unverständlich. Das verirrte Schaf fühlt sich mit seinem Außenseitertum und seiner Alleinheit am wohlsten:

am liebsten ist mir, wenn keiner kommt
fallende Blätter und herumwirbelnde Blüten
ziehe ich als Weggefährten vor

Ikkyû Sôjun

Wer jetzt meint, das verlorene Schaf sei ganz schön arrogant und glaube wohl, was Besseres zu sein, als alle anderen, der hat sich schwer getäuscht. Gleichgültig, was Jesus und Osho da abgesondert haben, das verirrte Schaf fühlt sich weder von irgendeinem Hirten vor allen anderen geliebt, noch braucht es so einen Hirten und es fühlt sich auch nicht, wie Osho das meint, als das beste Kind. Es irrt einfach herum und kennt keine Wahrheit. Vielleicht sollte man es eher ein armes Schwein nennen als ein verirrtes Schaf. Oder doch nicht?

So und hier unten seht ihr so ein armes Schwein bzw. verirrtes Schaf, und ich  muss euch sagen, ich hab mich wie ein Schneekönig gefreut, als ich mir das anguckte. Ich hab’s mir gleich runtergeladen und wieder auf youtube hochgeladen, bevor es vielleicht wieder verschwindet.

Draußen,
jenseits der Vorstellungen von Richtig und Falsch,
liegt ein Feld.

Dort werden wir uns treffen.
Wenn die Seele sich daselbst ins Gras niederlässt,
ist die Welt so voll, dass davon niemand mehr zu reden vermag.
Vorstellungen, Sprache, selbst der Ausdruck „miteinander“ …
das alles ist dann sinnlos geworden.

Rumi

Wie schön, dich endlich getroffen zu haben!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Samarpan: Immer wieder red‘ ich von dir


von dem ist die Rede

Ich muss meinen Ruf, dass ich ein Schreiberling von edlen Sachen wie Erleuchtung und Erwachen wäre, noch’n bisschen besser ruinieren. Der gute Samarpan ist ein paar Monate älter als ich, ist also auch 75 und hat allem Anschein nach so seine altersgemäßen Zipperlein wie ich auch. Im Gegensatz zu mir bietet er seit vielen Jahren Satsangs an und wird als Neo-Advaita-Lehrer bezeichnet. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er übers Wasser läuft und in außerkörperlichen Sphären herumschwebt, sondern dass er wie jeder einigermaßen vernünftige Mensch darauf schaut, dass seine Zipperlein sich in Grenzen halten. Vielleicht reden Samarpan oder ich eines Tages nur noch über Windeln und ob wir wieder ins Bett geschissen haben oder nicht. Bis dahin tun wir halt unser Möglichstes, dass es gar nicht dazu kommt, jedenfalls nicht so bald. Jemand hat mal zu mir gesagt: „Alter Mann hat viele Worte“, und genauso ist es und so sabbeln wir einfach, solange wir noch können, munter vor uns hin. Solang’s nur aus dem Mund rauskommt, ist doch alles okay.
Also Samarpan, er beschäftigt sich offensichtlich schon länger mit dem Thema DMSO, ich bisher noch gar nicht. Aber ich werde jetzt die Ohren spitzen und ihm und vor allem diesem Dr. Hartmut Fischer lauschen und so vielleicht etwas Hilfreiches zum Thema DMSO erfahren. Gute Unterhaltung also:


Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare