Pascale: Doch, du hast was zu geben …


Pascale: Doch, du hast was zu geben … nämlich DAS HIER und dafür danke ich dir.

Nitya: Ich würde es so sagen: Wenn du z.B. ein Eichhörnchen siehst, dann nimmst du dir etwas, indem du seiner gewahr bist. Das Eichhörnchen gibt dir nichts.

Kleiner Facebook-Dialog vom letzten Montag.

„Mein Beitrag vorgestern schloss mit den Worten: Ich habe nichts, ich kann also auch nichts geben, und kaufen will ich schon gleich gar nix. Ich kann, um es so richtig zennig zusagen, nur nicht-seiend sein.“ Das da oben war also ein Teil von Pascales Kommentar und meine Antwort auf Facebook.

Ich bin Pascale sehr dankbar für ihren Einwand. Nein, ich schulde ihr keinen Dank. Da ist einfach Dankbarkeit in mir aufgestiegen, einfach schon allein deshalb, weil ich jetzt was zum Schreiben habe. Scheint irgendwie ein Thema von mir zu sein. Dankbar bin ich auch Angela, die zum Thema dies schrieb: „Geben, ebenso wie Nehmen kann ja aus verschiedenen Motiven heraus geschehen. ‚Heilend‘ wirkt es in meinen Augen, wenn beide, der Nehmende und der Gebende in ihrem tiefstinneren SEIN sind, ohne ‚Motive‘, Dankbarkeitsbeteuerungen etc. Dann ist das Gegebene nur noch ein Symbol für diese Einheit und es gibt keinen mehr, der gibt und keinen, der empfängt. Das sehe ich als das wahre Mitgefühl an.“
Osho hat gerne den Vergleich mit einer Blume gemacht, die ihre Farbsignale, ihren Duft, ihre Samen in alle Himmelsrichtungen aussendet, gleichgültig, ob sie wahrgenommen werden kann oder nicht. Vielleicht hat ihn das Gleichnis von Jesus über den Sämann inspiriert, wie er bei Lukas 1, 5-8 zu lesen ist:  „Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Der letzte Satz ist der entscheidende: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Eine Blume verströmt sich einfach, das ist ihre Natur. Sie kann nicht anders. Der Sämann hat als Bild einen dicken Nachteil: Viele Missionare fühlen sich als so ein Sämann und halten sich deshalb für auserwählt und etwas ganz Besonderes. Die Blume hält sich für gar nichts, sie ist einfach. Und sie hat auch nicht das Gefühl, die große Gebende zu sein. Das lässt sie selbst frei sein und andererseits steht niemand in ihrer Schuld. Und doch wird der, der ihre Schönheit erkennen und ihren Duft genießen kann voll Freude und Dankbarkeit sein. Das Nehmen-Können ist der entscheidende Punkt. Gebende sind wir alle einfach durch unser Dasein und gehen damit unseren Mitmenschen oft genug auf die Nerven. „Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken“, sagt Goethe. Es sind deine Augen, die die Gebenden sind und gleichzeitig die Empfangenden und die Dankbaren oder auch Nicht-Dankbaren, weil sie völlig verklebt sind.

Tja, das könnte euch – und damit ist nicht nur die SED gemeint – so passen, dass euch jemand diesen Mist glaubt. Man könnte auch sagen, es ist das Lied der „Gebenden“. Der Teufel soll sie alle holen! Wie Angela schrieb, da ist niemand, der gibt und niemand der nimmt. Da ist nur Sehen.

Gebender und Nehmender

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Leo Hartong: Erfahrungen erscheinen im Gewahrsein-Das-Du-Bist


Die Schönheit, das Gefühl der Gnade, das Wunder und auch der Schmerz, der Todeskampf und die dunklen Gedanken sind Erfahrungen, die im Gewahrsein-Das-Du-Bist erscheinen. Dieses Grundlegende Bedingungslose Gewahrsein stellt sich ALS alles dar. Es drückt sich durch den Gedanken „ICH-BIN“ aus. ES ist die Identität – DAS-IST-das-ICH-BIN von allem – und es ist, was du wirklich bist. Es ist das Eine und Einzig Handelnde und Wissende. Es gibt kein kleines „Du“, das etwas tun kann. Alle Handlungen, Gedanken und Empfindungen sind von und aus der Einen Energie. Ohne sie wäre der Körper totes Fleisch.

Wenn man sich das wirklich anschaut, wird klar, dass es keinen Denkenden getrennt von Gedanken gibt, dass der Denker selbst nichts anderes ist, als ein von selbst aufsteigender Gedanke. Dasselbe trifft auf Gefühle und Handlungen zu. Durchschaue den Tanz und erkenne, dass es keinen Sehenden gibt, nur Sehen. Man kann sich dem Zentrum nicht nähern; ES ist die klare Leere, die DU BIST. Alle Erscheinungen sind Inhalt dieses Zentrums oder ewigen Kontexts. Alles andere, wie z.B. Vorstellungen, Gedanken, Gefühle, Körper, Sterne, Monster, Bäume und so weiter sind vergänglicher Inhalt. Wisse, dass du bereits und immer der Unwissbare Wissende Kontext bist und entspanne.

aus: Leo Hartong, „Betrachtungen vom Spielfeldrand“
„Durchschaue den Tanz und erkenne, dass es keinen Sehenden gibt, nur Sehen.“ … „Wisse, dass du bereits und immer der Unwissbare Wissende Kontext bist und entspanne.“ Hmm, durchschaue, wisse, entspanne … ob der Leo glaubt, dass solche Aufforderungen irgendetwas bewirken? Äußere Entspannung ist die Folge innerer Entspannung, innere Entspannung ist die mögliche Folge, wenn sich etwa ein stressendes Problem in Wohlgefallen aufgelöst hat, ein stressendes Problem könnte sich aufgelöst haben, wenn gesehen werden kann, dass es auf einer Täuschung beruhte, … Die Geschichte mit der Schlange und dem Seil fällt mir ein. Ich stelle mir vor, ich gehe mit einem Freund in der Dämmerung spazieren. Plötzlich sehe ich vor mir eine große Schlange und erschrecke zu Tode. Mein Freund lacht und sagt: „Sieh‘ doch, das ist doch nur ein Seil! Also reg dich ab und entspann dich!“ Ich kann mich aber nicht abregen und entspannen. Mein Freund kann ja viel glauben, aber wenn es nun doch eine Schlange ist? – Am nächsten Morgen gehe ich noch einmal zu der Stelle, wo die Schlange lag, und tatsächlich: Es ist nur ein Stück von einem Seil. Erleichtert atme ich auf und etwas entspannt sich in mir.

Ich kann Sehen, Erkennen, Entspannen usw. niemandem befehlen. Es muss ganz von allein geschehen. Hätte damals Heinz Butz mich aufgefordert: „Spüren Sie’s!“ – ich hätte überhaupt nichts gespürt – außer Stress. Was zum Teufel soll ich denn spüren? Wovon redet dieser Idiot? Heinz Butz fordert mich zu überhaupt nichts auf. Er war in einem anderen Zustand als er mehr zu sich als zu mir flüsterte „Spüren Sie’s?“ und es war klar, dass das nicht einmal eine Frage war und dass darauf auch keinerlei Antwort erwartet wurde. Er sprach eigentlich von sich und dem, wo er gerade war, und das war für mich wie ein Sog, der mich mit in diesen Raum mit hinein nahm. Sog ist das falsche Wort, ich spürte keinen Sog. Mir fällt nichts Blöderes ein als das Beamen aus den Star Trek-Filmen. Er nahm mich auch nicht mit, es geschah einfach.

Ich lese die Worte von Leo Hartong und kann eigentlich nur nicken und sagen: Ja, so kann man das ausdrücken. Aber es sind halt eben nur Worte und – vermutlich habe ich sie schon zu oft gehört – sie bleiben irgendwie nur in meinem „Denkapparat“ hängen und erreichen mich nicht. Wenn ich in einen Baum hineinschaue, der sich im Wind bewegt, sind da weder Worte noch „ich“. Nur Schauen. Gleichzeitig, und das klingt wahrscheinlich nicht nur wie ein Widerspruch, bin ich froh über all die wundervollen Zeugnisse all der vielen Menschen, die ihre Erfahrungen mit Worten zum Ausdruck gebracht haben. Vielleicht liegt es bei dem Textauszug von Leo Hartong auch daran, dass er einen etwas lehrbuchmäßigen Ton pflegt. Wahrscheinlich fehlt mir das Gefühl für seine persönliche Betroffenheit. Ein Beispiel: Wenn Buddha sagt: „Handeln geschieht, doch gibt es keinen Handelnden“, erreicht er meinen Verstand. Wenn er sagt: „Durch die vollkommene unübertroffene Erleuchtung habe ich wahrlich nichts hinzugewonnen“, spüre ich seine persönliche Betroffenheit.

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Wir haben nichts, wir geben nichts, wir wollen auch nichts kaufen



Kennen die meisten von euch vermutlich nicht mehr. Das war so eine Klappe an der Haustür, durch die hindurch man mit den Leuten reden konnte, die es gewagt hatten, die Türglocke zu betätigen und so den familiären Frieden zu stören. Die Türe war gesichert mit einem normalen Schloss und einem zusätzlichen Sicherheitsschloss, dann befand sich noch eine schwere Eisenkette an der Tür, die man seitwärts an einem Haken einhängen konnte, dann eine kleine Kette zum Einhängen, wie sie auch heute noch benützt wird, ein großer schwerer Eisenriegel und ein kleinerer Riegel. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Jedes Mal, bevor wir schlafen gingen, absolvierte unser Vater sein Abendritual und inspizierte vor allem die Wohnungstüre, ob auch alles abgesichert war. Meine Mutter sagte immer: „Ich fühle mich wie in’ner Gruft.“
Es war nach 1945. Ich kam selbst mit einem Hocker nicht an das Fensterchen an der Türe, aber leider konnte ich nicht verhindern, dass ich größer wurde. Und irgendwann hatte ich die nötige Größe erreicht und konnte das Fensterchen erreichen, es öffnen und sogar hinausgucken. Also musste ich als Jüngster von fünf Kindern gelegentlich auch dran glauben, wenn es klingelte. Meine Eltern hatten nämlich keine Lust, die Tür zu öffnen. Meist waren es Kriegskrüppel, Kriegswitwen oder Flüchtlinge mit ihren Kindern, Bettler, Hausierer, Missionierer aller Art, die da vor der Tür standen. Ich habe nicht gesehen, dass meine Eltern ihnen je etwas gegeben hätten und so mussten wir Kinder auch jedes Mal durch das Fensterchen das immer gleiche Sprüchlein hinausrufen: „Wir haben nichts, wir geben nichts, wir wollen auch nichts kaufen.“ Letzteres war den zahlreichen Hausierern geschuldet, die ihr Glück bei uns versuchen wollten. Und danach – Zack, Klappe schnell zu. Und dann kamen die Fragen und das ewige Lamento meines Vaters: „Wer war das denn wieder? Der Staat wird schon für dieses arbeitsscheue Gesindel sorgen und das natürlich von meinen Steuergeldern usw. usw. …“
Diese  Fensterklappe war der reinste Alptraum für mich. „Draußen vor der Tür“ standen diese elenden Figuren. Mein Gott, wer geht schon ohne Not betteln? Und hinter mir stand dieser absolut unbarmherzige Vater, der sich darin gefiel, immer wieder die Weisheit seines Vaters weiterzureichen: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Die Weisheit der Millionäre, wie er meinte. Ich hatte ja wirklich nichts zu geben, wir bekamen ja keinen Pfennig Taschengeld. Den bekam nicht einmal meine Mutter. Es war eine harte Lehre für mich und ich lernte so eine Kaste kennen, die mir bis  heute fremd geblieben ist und immer fremd bleiben wird. Aber es hatte natürlich auch seinen Vorteil, mitzubekommen, wie die Programme der Mitglieder dieser Kaste ticken, zu der ich mich nie zugehörig fühlen konnte und wollte.

Manchmal fühle ich mich nolens volens an dieses Sprüchlein von damals erinnert, etwa wenn mich jemand fragt, wie ich denn von „A nach B“ gekommen sei. Erstens ist mir das gar nicht so richtig bewusst, dass ich jetzt in „B“ angekommen bin, weil ich einfach immer nur bin, was und wo ich bin, und zweitens, weil ich sowieso keine Ahnung habe. Was ist „A“, was „B“? Und so könnte ich eigentlich wieder nur sagen: Ich habe nichts, ich kann also auch nichts geben, und kaufen will ich schon gleich gar nix. Ich kann, um es so richtig zennig zusagen, nur nicht-seiend sein.

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Osho: Es hat eine andere Melodie


Nütze deine Klarheit, Probleme zu erkennen, aber versuche nicht etwas zu ändern, sondern akzeptiere alles so, wie es ist. Werde immer klarer – das ist die einzige Veränderung, die möglich ist, die einzige Entwicklung. Lass dich höher und höher von dieser Woge der Klarheit und Bewusstheit tragen. Wenn du höher aufsteigst, gelangt eine andere Welt in dein Blickfeld. Die Welt bleibt zwar dieselbe, aber durch dein klares Auge siehst du die Welt in einem anderen Licht und allmählich fügt sich alles zusammen. Eines Tages erkennst du dann, dass alles so ist, wie es sein soll. Das ist die Vollkommenheit der Klarheit – alles ist so, wie es sein soll, nichts fehlt, alles ist vollkommen. Diese Welt ist eine vollkommene Welt.

In einem solchen Moment ist deine Bejahung total, und wenn dein Ja total ist, sind alle Wunden geheilt.

Du wirst so ruhig wie Buddha, so unschuldig wie Jesus und so wunderbar vollkommen wie Lao Tse – gewöhnlich und doch außergewöhnlich. Man lebt dasselbe Leben und doch ein ganz anderes – es hat eine andere Melodie. Nutze also deine Klarheit, mm? Genieße sie, freue dich darüber.

aus: Osho, „Und vor allem nicht wackeln“

Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn wir den ganzen Scheiß, den die Herrscher der Erde jeden Tag produzieren, auch noch mit unserer totalen Bejahung vergolden würden?! Dann müssten die ja ihre kriminellen Machenschaften nicht einmal mehr mit diesen leeren Worthülsen wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte verschleiern. Sie könnten ungestraft ihre absolute Diktatur errichten und die Menschheit vollends vernichten und, soweit sie diese noch benötigen, ganz offen versklaven. – Also bitte, spinnt der Typ jetzt total oder hat der CIA ihn gekauft oder was ist da los?

„Man lebt dasselbe Leben und doch ein ganz anderes – es hat eine andere Melodie.“ Darüber kann man wohl nicht diskutieren. Für den einen ist es so, für den anderen ganz anders. Nicht einmal einem Philosophen kann man absprechen, dass er gelegentlich diese ganz andere Melodie des Lebens wahrnimmt, wenngleich ich das eher für ziemlich unwahrscheinlich halte, da er sonst vermutlich nur noch wenig Neigung zum Philosophieren verspüren würde, es sei denn „just for fun“. Dem einen Teil des Satzes würde natürlich auch jeder Philosoph zustimmen: „Nütze deine Klarheit …“ Nur versteht der Philosoph unter Klarheit vermutlich nicht dasselbe wie Osho. Er wird darunter vermutlich die Klarheit des Denkens verstehen. Nun war Osho selbst Philosophieprofessor und ein brillanter Denker und Redner. Und doch meinte er hier mit Klarheit etwas völlig anderes: Die Klarheit des Sehens. Es ist ein beliebtes Vorurteil der Philosophen, Mystiker in einen Topf mit emotional verquasten Sabbleltanten (oder Sabbelonkeln) zu werfen, die keinen klaren Gedanken zustande bringen. Dabei gab es auch unter den Mystikern ganz hervorragende Denker. Es ist halt nur so, wie schon Steven Harrison schrieb, dass nichts dagegen spricht, der brillanteste Denker aller Zeiten zu werden, solange man erkennt, was Gedanken wirklich sind. Na, versuch Letzteres mal einem Philosophen beizupulen, er wird dir mit einem Schwall von Gedanken klar zu machen versuchen, wie sehr du dich auf dem Holzweg befindest und wie unsere größten Geister mit ihren Gedanken der Welt einen großen Dienst erwiesen haben.

Es geht aber gar nicht um einen Dienst an der Welt. Es geht um schlichte Wahrheit (das schlichte Sosein) und die will niemandem einen Dienst erweisen, die will einfach nur sein und sich nicht die Bohne um die Meinung kümmern, die irgendjemand über sie absondert. Noch einmal einen meiner Lieblingshinweise des 3. Ch’an-Patriarchen Seng-ts’an in der Nityaschen Version: „Suche nicht nach dem Wahren, glaube nur nicht deinen Meinungen.“ Wie will einer je das Wahre erkennen, wenn er ständig dem Wahren etwas hinzufügt? So wird alles Wahre zur Lüge. Jede Meinung ist eine Hinzufügung, jede Vorstellung, etwa die Welt oder die Menschheit zu retten, ist eine Hinzufügung. „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose…“ schrieb Gertrude Stein in ihrem Gedicht „Sacred Emily“. Schließlich wollte sie sich ja ausdrücken, aber eigentlich ist schon das Wort „Rose“ zu viel.
Seit Jahrmillionen verrichten die Tiere, die Pflanzen, die Steine ihren „Dienst“ an dieser Erde und haben sie zu diesem wundervollen Planeten werden lassen, der sie ist, einfach durch ihr Sosein. Und dann kommt der Mensch und zerstört und zerstört und hört nicht auf zu zerstören mit seinen Religionen, seinen Philosophien, seiner Aufklärung, seinem ganzen größenwahnsinnig gewordenen Bewusstsein, was diese Erde aus sich selbst heraus so wunderbar hat entstehen lassen.

Osho sagt: „Lass dich höher und höher von dieser Woge der Klarheit und Bewusstheit tragen. Wenn du höher aufsteigst, gelangt eine andere Welt in dein Blickfeld. Die Welt bleibt zwar dieselbe, aber durch dein klares Auge siehst du die Welt in einem anderen Licht und allmählich fügt sich alles zusammen. Eines Tages erkennst du dann, dass alles so ist, wie es sein soll.“ Alle Polaritäten des Lebens sind Ausdruck seiner Vollkommenheit. Aus dieser Klarheit heraus lebt man dasselbe Leben und doch ein ganz anderes – es hat eine andere Melodie, einen anderen Duft, eine andere Leichtigkeit – und eine tiefe Stille.

Diese Erde ist nicht zu retten, jedenfalls nicht durch den Menschen, der dabei ist sie vollends zu zerstören. Die Erde retten, der Erde dienen, vielleicht sogar im Namen des Herrn, dieses oder eines anderen, … das ist alles Teil des menschlichen Größenwahns. Das menschliche Bewusstsein glaubt, sich ungestraft über die Natur stellen zu können, über die Tiere, die Pflanzen, die Steine, … und da haben die Religionen, die Philosophien, die Aufklärung ihr gerüttelt Maß dazu beigetragen. Ich denke gerade an das kleine Reklambüchlein mit den Texten von Lao-Tse in der Übersetzung von Günter Debon, das in jungen Jahren mein ständiger Begleiter war. Völlig zerfleddert und mit Tesafilm völlig verklebt brachte es mir diese Melodie in mein Herz zurück, von der Osho spricht, diesen Duft des Einfachen, Gewöhnlichen, Unbesonderen. Es gibt keinen größeren Dienst, den ich dieser Welt erweisen kann, als den, nichts Besonderes sein zu wollen, sondern einfach nur der zu sein, der ich bin. Das schafft jedes Eichhörnchen, warum sollte ich das nicht hinkriegen können?Ich könnte jetzt auch ein wenig herumspekulieren und mich fragen, ob nicht auch die Zerstörung von Mutter Erde Teil der Vollkommenheit sei. Aber offen gestanden, dazu hab ich nicht die geringste Lust. Wenn es dazu käme und ich das noch erleben würde, dann wäre es immer noch Zeit mit Alexis Sorbas zu rufen: „Hey, Boss, hast du jemals etwas so schön zusammenkrachen sehen?“

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Steven Harrison: Wir sind a-moralische, strategische Wesen


Wir gefallen uns, wenn wir uns moralisch verhalten. Wenn wir unmoralisch sind, müssen wir uns verbergen oder werden an den Pranger gestellt. Sind wir bloßgestellt worden, so haben wir auf rituelle Weise in den Kreis der moralischen Wesen zurückzukehren. Unsere moralischen Systeme sind darauf ausgerichtet, Macht und Kontrolle zu bewahren. Bewegen sich unsere Wünsche innerhalb des moralischen Rahmens, dann haben wir Macht. Wenn nicht, dann müssen wir im Schatten wirken und dafür den Preis bezahlen: Uns droht Buße oder schlimmer noch Kreuzigung. Wir berichten unsere Sünden, bekennen, dass wir einen Fehler gemacht haben. Wir sind schlecht, aber selten geben wir zu, dass wir eigentlich das bekommen haben, was wir wollten. „Asche auf mein Haupt“ ist eigentlich die Eintrittskarte zu noch mehr von dem, was wir wollen. Wir sind weder moralische noch unmoralische Wesen; wir sind a-moralisch und wir sind strategisch. Wir verfolgen eine Strategie, die nachträglich an die einmal begonnene Handlung angepasst wird.

Trauen wir uns, dieses ganze Spiel zum Fenster rauszuwerfen und damit unseren a-moralischen Zustand zuzugeben, und damit auch einzugestehen, dass es keinen offensichtlich Handelnden gibt? Es kann keine Vergebung geben, denn es gibt keinen Sünder.

Nun bin ich natürlich hocherfreut, endlich ein a-moralisches Leben frei von Schuld führen zu dürfen. Das Problem ist freilich, dass mein Gegenüber das Gleiche tun könnte. Somit ist keinesfalls sichergestellt, dass ich aus dieser chaotischen, neuen Welt auch das Beste für mich herausholen werde. Lass uns also lieber schnell einen Vertrag abschließen und alle Übertretungen tunlichst verheimlichen. So nahe liegend dies ist, es hat den Nachteil, dass es nicht funktioniert. Unabhängig vom moralischen Kodex ist der Ausdruck dieser Moral von den Umständen abhängig; und die entziehen sich meiner Kontrolle, genauso wie deiner.

aus: Steven Harrison, „Was kommt?“

Ich musste sofort an eine Frau aus einer einwöchigen Gruppe denken, die ich mal vor vielen Jahren angeboten hatte. Ja, es ist erlaubt, wütend zu sein, fuchsteufelswütend sogar. Und da war diese Frau, die immer ganz still nur so dasaß. Sie fragte mehrmals, ob sie wirklich zeigen dürfe, was sie fühle. Irgendwann traute sie sich und legte los. Aber wie, wow. Da gab es einen Mann in der Gruppe, der jetzt die volle Dröhnung abbekam. Die ganzen angesammelten Verletzungen und die schier grenzenlose Wut entluden sich über diesen Kerl. Aber anstatt nun reumütig seine Schuld einzugestehen und um Vergebung zu bitten, legte der seinerseits los und beschimpfte die arme Frau mit den übelsten Worten. Diese wurde nun abwechselnd rot und blass, bis sie sich schließlich ein Herz fasste und sich bitter darüber beschwerte, dass sie hier eben doch nicht ihre Gefühle zeigen dürfte. Doch, durfte sie natürlich. Nur durfte der Kerl, über den sie da so hergefallen war, selbstverständlich ebenso seine Gefühle zeigen.

„Wir sind a-moralisch und wir sind strategisch“, sagt der Steven. Die Frau war a-moralisch, als sie endlich einmal diesem Arsch eine auf die Mütze hauen wollte. Und sie war strategisch, als sie sich mehrfach abzusichern versuchte: „Darf ich wirklich?“ Letzteres verstand sie allerdings falsch. Mit „darf ich?“ meinte sie „darf ich ungestraft?“, also „darf ich zuschlagen, ohne selbst dafür geschlagen zu werden?“ Genauso stellen sich viele das vor, was Steven da „empfiehlt“: „Trauen wir uns, dieses ganze Spiel zum Fenster rauszuwerfen und damit unseren a-moralischen Zustand zuzugeben, und damit auch einzugestehen, dass es keinen offensichtlich Handelnden gibt? Es kann keine Vergebung geben, denn es gibt keinen Sünder.“ Das klingt doch wirklich sehr verlockend, aber es schützt niemanden davor, „dafür den Preis zu bezahlen: Uns droht Buße oder schlimmer noch Kreuzigung.“ Vor allem, wenn wir dann auch noch zugeben würden, bekommen zu haben, was wir haben wollten und darauf verzichten, als arme Sünderlein reuevoll Asche auf unser Haupt zu streuen.

Kommt der Ehemann nach Hause und erzählt seiner Frau freudestrahlend, dass er es gerade mit der neuen, jungen Nachbarin getrieben hat und dass es endlich mal wieder atemberaubend geil gewesen sei. Er fühle sich wie neugeboren! „Oh“, sagt die Frau, „das freut mich wirklich für euch. Das hast du dir ja auch schon längst mal wieder gewünscht.“ Pustekuchen, die wird ihm was husten, die Koffer packen und zu ihrer Mutter ziehen (jedenfalls im Film, aber der war auch schon ziemlich alt). Keine Ahnung, was Ehefrauen heute so machen, Gott sei Dank bin ich aus dem Alter schon raus. Aber ich fürchte, es wird kein Zuckerschlecken für den a-moralischen, angeblich nicht-handelnden Mann. Insofern stimme ich dem Steven zwar völlig zu, einen wirklichen Nutzen kann ich allerdings auch nicht erkennen. Ich würde unserem a-moralischen, nicht-handelnden Mann ein Leben in einer Einsiedelei empfehlen. Da kann seine Haltung möglicherweise von Nutzen sein.

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Karl Renz: Du bist die Ursachenlosigkeit selbst

So wisse
Immer und überall
in Allem
lebt und weilt Atman.
Ich bin das alles,
Leere und Nichtleere.
Es gibt keinen Zweifel.

Dattatreya, „Avadhuta Gita“, 1.33

Diese absolute Ausweglosigkeit, diese vollkommene Hilflosigkeit, das ist das Paradies. Das ist allmächtig, weil die Hilflosigkeit deutlich macht, dass es keine Kontrolle über ein Innerhalb oder ein Außerhalb gibt. Für DAS, was du bist, passiert niemals etwas, und niemand sonst kann kontrollieren, was du bist. Kein Umstand kann dich ändern oder dir irgendetwas anhaben, da es alle Umstände nur wegen dir gibt, du aber nicht aufgrund von etwas anderem bist. Du bist die Ursachenlosigkeit selbst. Alles, was eine Ursache hat, ist nicht, was du bist. Deshalb kann das objektive oder empfundene Leben oder Nicht-Leben niemals das ewige Leben berühren, das du bist. Also sei ES. Es gibt keinen praktischen Hinweis darauf, wie man das werden kann.

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“
Einmal kam so’n Typ zu mir, ein Manager, weiß nicht mehr von was; er kam zu mir zu einem Vorgespräch, weil er sich beschissen fühlte und herausfinden wollte, ob Primärtherapie für ihn das Richtige wäre. Wir plauderten so eineinhalb Stunden miteinander. Am Schluss stand er auf, strahlte wie ein Honigkuchen und sagte: „Jetzt brauch ich keine Therapie mehr. Danke.“ Ich strahlte ebenfalls wie ein Honigkuchen und wir verabschiedeten uns herzlich. Wenig später tauchte er wieder auf, weil er das Bedürfnis hatte, wenigstens eine Sitzung zu bezahlen, schließlich müsse ich ja auch meine Brötchen bezahlen. Wir alberten also noch eine Weile herum, diesmal ließ er sich nicht davon abhalten zu bezahlen, und wir schieden lachend voneinander.

Karl sagt: „Diese absolute Ausweglosigkeit, diese vollkommene Hilflosigkeit, das ist das Paradies. Das ist allmächtig, weil die Hilflosigkeit deutlich macht, dass es keine Kontrolle über ein Innerhalb oder ein Außerhalb gibt.“ Das versteht auf Anhieb keine Sau. Dem Manager damals ist nach erster heftiger Ablehnung, oh Wunder, ein plötzliches Licht aufgegangen. Und eben dieses Erkennen hat ihm seine ganze (eingebildete) Last von den Schultern genommen. Er konnte sich gar nicht mehr einkriegen vor Lachen. Er war sein Leben lang und das mit großem Erfolg der große Macher gewesen, der sich für alles und jedes und vor allem für das Ergebnis seines Handelns verantwortlich gefühlt hatte. Die Last dieser Verantwortung hatte ihn völlig niedergedrückt. Als er die Unsinnigkeit seiner Vorstellung sah, erschien ihm das tatsächlich wie das Paradies. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch weiterhin ganz wunderbar seinen Job machen wird. Er war einfach ein Manager, so wie ein Sänger ein Sänger ist oder ein Forscher ein Forscher. Aber er war befreit von der fixen Idee, dass er verantwortlich für die Ergebnisse „seines“ Handelns war. Ein Handelnder zu sein, der nicht der Handelnde ist … das war das Paradies für ihn.

„Du bist die Ursachenlosigkeit selbst. Alles, was eine Ursache hat, ist nicht, was du bist.“ Du tust immer dein Bestes, auch Frau Merkel tut ihr Bestes und sogar ich. Wir können gar nicht anders. Und wenn etwas nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben, wer könnte da schuldig sein? Wenn ich mal wieder vergessen habe, die Herdplatte auszuschalten – ich habe mein Bestes getan. Mehr als mein Bestes kann ich nicht tun und auch Frau Merkel nicht und auch nicht du. Da ist weit und breit kein Schuldiger auszumachen. Und wenn einer stinkfaul, kriminell oder sonst so etwas in der Preislage ist? Auch er tut sein Bestes. Und das Ergebnis seines Soseins liegt nicht in seiner Hand. Da gibt es weit und breit keine Schuld. – Na, mach das mal einem christlich durchtränkten Menschen klar, der doch mit absoluter Sicherheit weiß, dass wir spätestens seit Adam und Eva alle allzumal Sünder sind, schuldig, schuldig und nochmals schuldig. Wenn klar ist, dass ich die Ursachenlosigkeit selbst bin, dann hat sich nicht nur mein Wahn, dann haben sich auch „die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens“ in Wohlgefallen aufgelöst.

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Ikkyû Sôjun: Ich folge demselben Weg wie Buddha



Ich folge demselben Weg wie Buddha,
der mit einem blanken Pfeiler verkehrt.
In diesen Zeiten erlangen ketzerische Lehren
nur schwer Anerkennung.
Die Anhänger von Blendwerk
imitieren die großen Meister Chinas
und haben keine Spur
von Buddhas Gesetz in der Brust

Ikkyû Sôjun

Was ist Buddhas Weg, was sein Gesetz? Ich kann weder Buddha noch Ikkyû Sôjun interpretieren oder vorgeben, ich wüsste ihre Antwort. Auch Buddha, auch Ikkyû konnten nur ihre ureigene Antwort kundtun und mehr kann ich natürlich auch nicht. Ikkyû sagt nicht: „Ich folge Buddha“, sondern „ich folge demselben Weg.“ Und hier wiederum „Ich folge demselben Weg wie Buddha, der mit einem blanken Pfeiler verkehrt“. Da gab es, glaub ich, mal eine Geschichte mit einem Stein-Buddha und dem blanken Pfeiler in einem Tempel. Die Aussage war: Zwischen beiden ist nicht der geringste Unterschied. Übertragen auf einen lebenden Buddha könnte daraus abgeleitet werden: Beide sind nur Erscheinungen dessen, was jenseits aller Erscheinungen ist. Insofern unterscheiden sich die beiden nur in unseren Beurteilungen.

Ikkyû fährt fort: „In diesen Zeiten erlangen ketzerische Lehren nur schwer Anerkennung.“ Wir erinnern uns: Der Begriff „Ketzer“ ist abgeleitet von den Katharern (den Reinen), die im 12. bis zum 14 Jh. im Süden Europas versucht haben, ein asketisches Leben jenseits der katholischen Kirche zu leben und die von dieser als Häretiker ausgerottet wurden. Auch Ikkyû sah, wie weit sich seine Zen-Brüder von der Haltung der chinesischen Patriarchen entfernt hatten. Für sie war er zweifellos ein Ketzer. Was Ikkyû auch durch seinen ganzen Lebensstil ausdrückte, war für sie in keiner Weise mit der Lehre des Zen vereinbar. Das Dumme an der Sache war nur, dass es diese Lehre nie gegeben hat.

Und so sah sich Ikkyû um sich herum nur von hohlen Phrasen und leerer Symbolik umgeben. Er schreibt: „Die Anhänger von Blendwerk imitieren die großen Meister Chinas und haben keine Spur von Buddhas Gesetz in der Brust.“ Buddhas Geist ist nicht zu fassen und kann auch nicht weitergegeben werden. Hierarchien, Ämter, Titel, Urkunden und kostbare Roben versuchen alle nur darüber hinwegzutäuschen, dass der Geist verloren gegangen ist. Ikkyû hatte hier mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen wie etwa die christlichen oder muslimischen Mystiker. Anders als die dualistischen Katharer gründete Ikkyû keine Ketzer-Organisation, sondern blieb in seiner Abgeschiedenheit vollkommen allein.

 

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