Osho: Tantra sagt: Sag Ja. Sag Ja zu allem.

 

Das ist die Sicht von Tantra: Tantra sagt: Sag Ja. Sag Ja zu allem. Du brauchst nicht zu kämpfen, du brauchst nicht einmal zu schwimmen – lass dich einfach von der Strömung tragen. Der Fluss bewegt sich von allein, er fließt ganz von selbst, und alles Wasser erreicht schließlich das Meer.  Stör den Fluss nicht, hör auf, den Fluss anzutreiben – mehr braucht’s nicht. Geh einfach mit. Dieses Mitgehen, dieses Treiben lassen, Sich-Tragen-Lassen – das ist Tantra. Wenn du Ja sagen kannst, gibst du alles in Gottes Hand. Wenn du Ja sagen kannst, worüber willst du dich dann beschweren? Wie kannst du dann unglücklich sein? Dann ist alles so, wie es sein soll. Du kämpfst nicht, du lehnst nichts ab – du nimmst alles an. Und mach dir klar, dass dieses Mitnehmen etwas anderes ist als das übliche Sich-Abfinden.

aus: Osho, „Tantra – Die höchste Einsicht!

Ist das die höchste Einsicht oder versucht uns da gerade jemand einzuschläfern? Osho war ja ziemlich sensibel und allergisch gegen alles Mögliche. Wenn ich mich recht erinnere, gegen Wolle zum Beispiel. Also war Wolle verboten für die Besucher seiner Vorträge. Oder gegen Parfüms. Also wurde jeder, der die Vortragshalle betreten wollte, vorher von den hiermit beauftragten Personen beschnüffelt, die jedem den Eintritt verwehrten, der irgendwie künstlich roch und wenn er oder sie noch so gut roch. Es hätte bei Osho einen Asthmaanfall auslösen können. Dann gab es noch die Body-Guards, die jeden, der eine Gefahr für Oshos Leib und Leben werden könnte, sofort überwältigten, die sogar jemanden, der während eines Vortrags seinen Husten nicht unterdrücken konnte, aus der Vortragshalle entfernten. Ich weiß nicht, ob dies alles aus eigenem Antrieb aus Fürsorge für den Meister geschah oder in seinem Auftrag, zumindest geschah es mit seiner Billigung. „Du kämpfst nicht, du lehnst nichts ab – du nimmst alles an“, sagt Osho hier. Wird hier wieder Wasser gepredigt und Wein gesoffen? Denn das ist ja immerhin klar: Abgelehnt wurden alle Wolle-Träger, Parfümierten, Hustenden und Gewalttätigen, sie wurden zumindest nicht als Zuhörer angenommen und ausgeschlossen.

Also ich kann das alles gut verstehen und nachvollziehen. Ich lasse auch nicht jeden bei mir rein. Eigentlich so gut wie niemanden, weil ich meine Ruhe haben will und mich allein pudelwohl fühle. Andererseits, also das klingt jetzt auf den ersten Blick wie ein totaler Widerspruch, mit gefällt Oshos Sicht bzw. die Sicht von Tantra. Wie soll ich das jetzt zumindest mir selbst erklären? „Sag Ja zu allem.“ Alles schließt mich selbst doch um Gottes willen nicht aus. Ich nehme mal als Beispiel eine Katze. Beim Einkaufen habe ich an sie gedacht und ihr einen leckeren Fisch mitgebracht. Katzi kommt auch gleich neugierig an und will wissen, ob und was ich mitgebracht habe. Sie schnüffelt an dem Fisch herum und wendet sich dann völlig desinteressiert ab. Katzi hat Nein zu dem Fisch gesagt. Sie hat aber Ja zu dem gesagt, was sie in diesem Moment in sich vorfand: Heute kein Interesse an Fisch, zumindest nicht an diesem.Falls ich jetzt Oshos Sicht oder die Sicht Tantras falsch verstanden haben sollte, kann mich ihre Sicht mal sonst was. Ich werde nicht den Schierlingsbecher trinken, den mir irgendwelche Idioten zum Trinken hingestellt haben und Katzi auch nicht. Sokrates hatte seine guten Gründe es dennoch zu tun und wenn ich mal den Tod einem beschissen gewordenen Leben vorziehen werde, würde ich selbstverständlich auch den Schierlingsbecher trinken. Aber dann würde ich eben ein Ja zum Schierlingsbecher in mir vorfinden. Da ich aber im Gegensatz zu Osho ein völlig zurückgezogenes Leben führe, muss ich mir auch keine Body-Guards und Sheriffs vor die Tür stellen, was einem ollen Kriegsdienstverweigerer sowieso total gegen den Strich gehen würde.

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11 Antworten zu Osho: Tantra sagt: Sag Ja. Sag Ja zu allem.

  1. GleichXAnders schreibt:

    Hallo,
    bin zufällig auf Deine Seite geraten und habe mit Interesse und Freude herumgestöbert. Vielen Dank für die Inspiration. Heute bist Du, denke ich, Ja-sagend dem Tantra-Osho in die Falle gegangen. Dein Verstand wollte sich aus etwas Bescheibenden ne Vorschrift für künftige Lebenssituationen basteln – so erschuf er unbewußt wieder die Zeit und auch die Idee von Richtig/Falsch gleich mit. Und dein Verstand schöpfte sich in nullkommanix sofort als ICH. Wie kann ICH beim Schierlingsbecher Ja sagen? Wir werden erleben, wie wir die Fragen beantworten werden, wenn die Frage ansteht. Die Gedankenschleife, die Du heute gedreht hast, drehe ich auch oft. Manchmal habe ich Glück und sie hört auf – wohl weil da eine Instanz im Geist auf fortgesetzte Unlogik aufmerksam geworden ist. Wenn die Schleife gedreht wird, fühle ich mich bedrückt. Hört sie auf, leicht.
    Ich glaube, der Osho möchte dem Geist empfehlen, Ja zu sagen, da es keinen Sinn ergibt, die gegenwärtig wahrgenommen Welt zu verneinen. Wenn in dieser Welt mein Geist gerade zu irgendetwas Nein gesagt hat, ist an diesem Weltmoment einschließlich des Neins nichts mehr zu ändern. Dazu noch Ja zu sagen, ist bei Osho vermutlich als vorübergehende spirituelle Übung gemeint. Denn wirklich Ja sagen können wir nicht. Das nachgeschickte Ja ist nach einigem Nachdenken stattgehabte Augenwischerei. Ewige Wichtigtuerei.
    Ein herzlicher Gruß von GleichXAnders

    • Nitya schreibt:

      Lieber GleichXAnders,

      ich musste ganz schön über deinen Kommentar grinsen. Eine „Du-Botschaft“ nach der anderen. Du scheinst zu wissen, was Osho beabsichtigte und dass ich in seine Falle gegangen bin. Ich kann dir nur sagen, ich liebe meine Gedankenschleifen und fühle mich kein bisschen bedrückt dadurch. Und nachdem ich gar nichts weiß, geh ich mal leichtsinnigerweise davon aus, dass du ebenso gar nichts weißt, obwohl du bei mir den Eindruck erweckst, den großen Durchblick zu haben. Ist ja toll, dass du schon weit bist und keine Gedakenschleifen mehr drehst, auch wenn dein Kommentar das genaue Gegenteil davon darstellt. Damit findest du dich jedoch in bester Gesellschaft. Auch Osho predigte gelegentlich Wasser und genoss den Wein der Absurdität in vollen Zügen. Und was den Tod betrifft, sei beruhigt, ich stand ihm oft genug gegenüber um wissen zu können, dass er keinerlei Schrecken für mich bedeutet. Ich geb ja selten einen Rat. Wer bin ich denn, das zu tun? In diesem Fall kann ich ihn mir allerdings nicht verkneifen: Vielleicht kriegst du es ja noch hin zu erkennen, dass du von nichts eine Ahnung hast. Das ist wirklich sehr befreiend. Und genieße deine Gedankenschleifen!

  2. fredoo schreibt:

    Wie so oft bei Texten der „Weisen“ (Jnanis genannt im Advaita) ist der Kontext der Aussage recht entscheidend .
    Hören da „dem Davorne“ erwartungsvolle Davorsitzer zu , wird schnell eine „imperative“ Duftnote in das Gesagte „implantiert“ …
    Dieser „Imperativ“ befriedigt nicht die Suche nach Wahrheit ( verfälscht dies eher ) sondern er befriedigt die emotionale Bedürftigkeit der (meisten) Davorsitzer …
    Endlich hätten sie etwas zu tun , um gegen ihr Elend anzugehen …
    Dieses Sedativum zu verteilen , scheint die Hauptaufgabe der Davorsitzer zu sein … besonders wenn diese Massen anziehen … Ein Phänomen , dem wohl auch Osho nicht so ganz entkam , und dem ein Herr Moji zur Zeit gerade so richtig deftig auf dem Leim zu gehen scheint …
    Aus einem nüchtern Berichter , der eher ent-täuschend formulieren kann , mutiert ein „Großer Tröster des Davorsitzen“ , dem die Not ein Anliegen ist …
    Dumm nur für ihn und die Getrösteten , dass diese Not reine Einbildung ist , und in vielen Fällen der Trost diese sogar noch mehr „füttert“ …
    Nun ja … ich war noch nie zum Therapeuten geboren , und kann gut reden …

    >Stör den Fluss nicht, hör auf, den Fluss anzutreiben – mehr braucht’s nicht. Geh einfach mit. Dieses Mitgehen, dieses Treiben lassen, Sich-Tragen-Lassen – das ist Tantra.Wenn du Ja sagen kannst, gibst du alles in Gottes Hand. Wenn du Ja sagen kannst, worüber willst du dich dann beschweren? Wie kannst du dann unglücklich sein? Dann ist alles so, wie es sein soll. Du kämpfst nicht, du lehnst nichts ab – du nimmst alles an. ja gesagt wird … ja , dass Existenz nichts anderes wie > ja-sagen ist , und niemals etwas anderes sein kann …
    Dieses >Bemerken ist für mich der Schlüssel ….
    Nicht erkennen von etwas Neuem , Unbekannten …
    Sondern eine Art „existenzielles Bemerken“ der schieren Existenz … „hinter“ allem Persönlichen … damit auch „hinter“ jeder Not … „hinter“ jedem Wissen …
    Nicht zu „machen“ , aber jederzeit zu bemerken …
    Da kommt natürlich die Frage eines notgeplagten Davorsitzeres „und wie kann ich bemerken ?“ …
    Tja … its tricky … wesderwegen es ja das offenbare Geheimnis genannt wird …
    Dann wenns aufhört „zu wollen“ tritt es hervor , auf den „Bemerkungshorizont“ … ganz von allein … ohne jegliches Bemühen … völlig automatisch und unvermeidlich …
    Jedoch nicht in der Kontur eines „Etwas“ … sondern mit dem „Duft der wissenden Ahnung“ …
    Nichts genaues weiß man nicht … Und genau dies „Genaue“ ist der Vertreiber / Bedecker dieser „wissenden Ahnung“ , die wir alle als Geschenk der Götter in unser Leben mitnehmen durften … und die schon seit Anbeginn unserer Tage DA ist ….

    • Alexandra schreibt:

      Es kann ja nie anders als Dasein, nur scheint es manchmal / häufig überdeckt,… von dem Rausch wissen zu wollen, die Welt erklären zu können, zu müssen, jemand sein zu müssen… dieses unsinnige bemühen, den fluss abtreiben zu wollen, typisch Mensch halt…

    • Wilhelm schreibt:

      „Nun ja … ich war noch nie zum Therapeuten geboren , und kann gut reden … “

      Werter Herr fredoo, stell dir vor, du gehst spazieren und kommst an einem See vorbei und siehst, wie ein Mann gerade dabei ist, sich in demselben zu ertränken. Wirst du intressiert zusehen, wie erfolgreich der Mann in seinem Bemühen sein wird? Oder wirst du versuchen, in von seinem in deinen Augen vielleicht unsinnigen Tun abzuhalten? Wirst du versuchen, mit ihm ein Gespräch darüber zu beginnen, ob er sich sicher ist, überhaupt zu existieren? Oder wirst du ihn möglicherweise fragen, was ihn so sehr belastet, dass er meint, es nicht mehr aushalten zu können, und versuchen, mit ihm einen Ausweg aus seinem Dilemma zu finden? Oder wirst du ihm einen Prügel auf den Kopf hauen und den Bewusstlosen beim nächsten Polizeirevier abliefern? Es gibt bestimmt noch mehr Optionen – welche läge dir denn am meisten?

      • fredoo schreibt:

        Ach … werter Nitya … ich bin doch (insgeheim) auch so ein Seelentröster …. psssst … und hab so manche Stunde im Bemühen verbracht , „hilfreich“ zu sein … Jedoch bedarf es da für mich eher einer intimen Eye-to-eye-Situation und nicht öffentlichem Gejammere …
        Außerdem … mitlerweile hat sich ja oft genug das „provozierende subversiv unterminierende Ernüchternde“ dass der Herr fredoo in den letzten Jahren bei eigenem Agieren gerade im virtuellen Geschreibe unter Suchern bei sich feststellen musste , als mindestens ebenso „hilfreich“ erwiesen , wie die Methode „Zuwendung“ …
        Es mag jedoch sein , dass dies eher einem Gegenentwurf zum „Herzensgeschwumsel“ im Spirizirkus geschuldet ist …

      • Wilhelm schreibt:

        Da sprichst du mir Wort für Wort aus dem Herzen.

  3. fredoo schreibt:

    Sorry … da haben sich ein paar Textfragmente des Kopierten dazwischen geschmuggelt … 😉

  4. Norbert G. Matausch schreibt:

    Lieber Nitya,

    nach längerer Pause mal wieder ein Lebenszeichen von mir 🙂
    Wahrscheinlich ist dir das eh wurscht (könnte ich mir vorstellen, du kriegst geschätzte acht Phantastillionen Zuschriften auf jeden Artikel), aber da mußt du jetzt durch, hehehe.

    Kannst du dich noch an unseren letzten kurzen Austausch erinnern? Wo ich schrieb, ich widme mich wieder intensiv der Meditation, und du anzweifeltest, daß das die Lösung sei? Nun, die Antwort liegt irgendwo dazwischen: Durch Meditation habe ich mich wieder runtergefahren, oder zumindest war das eine ulkige Koinzidenz, daß ich wieder ruhiger wurde, als ich wieder verstärkt klischeehaft-klassisch meditierte. So.

    Mittlerweile habe ich eine ordentlich fiese Erkrankung ausgeheilt (bei der wir Sorge hatten, daß ich nicht mehr lange auf unserem schönen Planeten weilen würde), und in Verbindung mit dem Schrecklichen, was ich kurz „die Sache mit unseren Kindern“ nenne (Du weißt wahrscheinlich bescheid) hat sich bei mir tatsächlich echte Gelassenheit eingestellt (ich bin jetzt nämlich erleuchtet, mußt du wissen).

    Was vorher in mir/bei mir schon lange konzeptionell, aber oberflächlich, existiert hatte, ist jetzt irgendwie fleischlicher geworden. Das fühlt sich sehr gut, dieses echte Ist-mir-doch-wurscht-Gefühl, aus dem heraus ich wählen kann 🙂

    In jedem Fall habe ich im Angesicht des Sterbens wirklich für mich verstanden, was Osho mit all seiner Zwiespältigkeit und Paradoxität meint. Oder zumindest ergibt meine Interpretation seiner Dinge wirklich tiefen Sinn.

    So. Viel geschwafelt, wenig gesagt, das lob ich mir 🙂

    Alles Liebe
    Norbert

    • Nitya schreibt:

      Lieber Norbert,

      ham se dich olles Brathähnchen lange genug am Spieß gedreht und dich endlich als ungenießbar vom Spieß genommen? Herzlichen Glückwunsch! Nu sieh bloß zu, dass du dich nicht am nächsten Spieß wieder aufspießt. Vielleicht hast du ja so ein doofes Am-Spieß-gegrillt-werden-Programm?

      Ich hab doch gar nix gegen klischeehaft-klassische Meditation. Ist halt nicht meins, das ist alles. Wenn’s dir die gewünschte Ruhe gebracht, dann war’s doch prima, besser jedenfalls als Psychopharmaka oder so’n Mist. Fein, dass du jetzt erleuchtet bist! Das haste dir auch wirklich redlich verdient.

      Du schreibst:“ In jedem Fall habe ich im Angesicht des Sterbens wirklich für mich verstanden, was Osho mit all seiner Zwiespältigkeit und Paradoxität meint.“ Ui, das musste mir gelegentlich mal verklickern. Jetzt, wo dich nicht Gevatter Tod aber die Erleuchtung erwischt hat, ist es sicher total aufregend, deinen erhellenden Worten diesbezüglich zu lauschen.

      Herzlichst
      Nitya

      • Norbert G. Matausch schreibt:

        😉

        Ich bin natürlich derart brachial erleuchtet, daß ich auf solche Fragen grundsätzlich mit “OOOOMMM“ antworte!

        Alles nur Worte und Jonglage. Hey, wir sind Zirkusdirektoren 🙂

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