Karl Renz: Die Wirklichkeit macht keinen Unterschied


Shiva ist Selbst, ist Parabrahman. Das, was Shiva ist, ist Shiva. Aber durch das Licht Shivas wird sich Shiva seiner SELBST gewahr, dann wird er relativ und somit zu einer relativen Erfahrung von Licht. Sich seiner selbst gewahr zu werden, wach, das ist das Licht Shivas. Aber das Licht Shivas ist nicht Shiva. Es ist Shivas Licht. Und dann kommt Shivas Raum und dann das ganze Universum Shivas. Aber diese Dreiheit, die Verwirklichung ist, entspricht nicht der Wirklichkeit. Sie macht keinen Unterschied. Es ist der Weg, auf dem Shiva sich selbst verwirklicht. Aber es ist nicht das, was sich selbst verwirklicht. Daher fängt es damit an, dass es sich als Licht Shivas verwirklicht. Als Gewahrsein. Und dann kommt „Ich bin“ und dann, was auch immer.

Das, was niemals anfängt und niemals aufhört, ist vor, während und nach der Erfahrung. „Vor“ heißt hier, dass es trotzdem ist. Die Ursache braucht also niemals eine Ursache, sie muss nicht einmal wach oder sich ihrer gewahr sein. Sie ist also nicht anders. Ich sage nicht, dass das einen Unterschied macht. Es ist nur so, dass deine Wirklichkeit bereits da ist, bevor jemand da ist, der sie verwirklicht. Bevor der Erfahrende da ist, ist bereits das vorhanden, was der Erfahrende ist.

aus: Karl Renz, „May It Be As It Is“

Lassen wir mal den Hindus ihren Lord Shiva und schauen, was da für uns tumbe Mitteleuropäer in dem drinsteckt, was der Karl uns hier offeriert. Er sagt da beispielsweise: „Die Ursache braucht also niemals eine Ursache, sie muss nicht einmal wach oder sich ihrer gewahr sein.“ Sie braucht nicht und sie muss nicht. Und es ist ein einziges Wunder, dass sie dennoch auch wach und ihrer gewahr wird. Es gibt keinerlei Notwendigkeit dafür.

Die ursachenlose Ursache fängt ggf. damit an sich als Licht zu verwirklichen, als Gewahrsein. „Und dann kommt ‚Ich bin‘ und dann, was auch immer.“ Das ist faszinierend, das zu erleben, diese Geburt des Gewahrseins, das sich als Licht ankündigt. Bevor „was auch immer“ erscheint, ist da nur dieses Licht des Gewahrseins und das absolute Wissen „ich bin“. Was bin ich? Nicht dies, nicht das, außer mir ist nichts. Und dann erst, gewissermaßen als dritter Schritt, wie der Karl es beschreibt, taucht dann so nach und nach und dann ziemlich schlagartig „was auch immer“ auf und mit ihm möglicherweise die Identifikation mit diesem und jenem.

Hier noch einmal, was Wei Wu Wei in diesem Zusammenhang gesagt hat: „Es ist wohl unwahrscheinlich, dass sogar Erwachte diese Dualität der Wahrnehmung transzendieren können, denn selbst die Wahrnehmungen der Erwachten sind vermutlich noch der Zeit unterworfen. Es genügt wohl, dass wir den begrifflichen Dualismus transzendieren, um unsere Augen für die Wirklichkeit zu öffnen, dass wir aus unserem mentalen Traum aufwachen und im Traum des Einen Geistes bleiben, solange wir unser Fleisch tragen und seine Organe benutzen.“

Es ist nur schwierig, den begrifflichen Dualismus zu transzendieren, wenn reines Gewahrsein und das Wissen, dass ich und nur ich bin, aufgrund eigenen Erlebens völlig fehlen. Welchen Grund könnte dann jemand haben, den begrifflichen Dualismus zu transzendieren? Dann sind halt die anständigen, hart arbeitenden Menschen gut und sollten belohnt werden und die Kriminellen, Tagediebe, Säufer, Huren und Glücksspieler schlecht und sollten bestraft werden. Dann wäre ihre Welt wieder in Ordnung und es gibt nicht den geringsten Anlass dafür, irgendetwas transzendieren zu sollen.

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15 Antworten zu Karl Renz: Die Wirklichkeit macht keinen Unterschied

  1. Alexandra schreibt:

    Hmmmmm, der „mentale Traum“ und der „Traum des einen Geistes“… in meinem Kopf rattern so viele mentale Vorstellungen herum, die völlig überflüssig sind, aber mit aller Macht an der Vorstellung hängen, ich sei „jemand“… der Traum des Geistes reicht eigentlich, aber anscheinend nicht, sonst wären da ja nicht noch die mentalen „Tagträume“, die mir so klug die Welt erklären (wollen), mich aber am wirklichen Wahrnehmen (anscheinend) hindern….eine Welt in der anderen Welt, wie die russische Matruschka

  2. Eno Silla schreibt:

    Mal was lustiges aus dem Kasperle-Theater:

    • Wilhelm schreibt:

      Wohl dem, dem da das Lachen nicht im Halse stecken bleibt.

    • Wilhelm schreibt:

      Lieber Eno, dein Video hat es geschafft, du hast ihm den Rest gegeben!

      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Nitya, genau das ging mir auch sofort durch den Kopf, als ich die Nachricht vorhin hörte…
        Ich dachte so bei mir: was für ein grandioses Scheitern, eines mutlosen Menschen, ich würd mir erstmal richtig einen hinter die Binde kippen, an seiner Stelle. Nur so, spontaner Gedanke gedacht 🙂 .

      • Wilhelm schreibt:

        Ich denke, das wird er ganz von alleine tun. Soviel Machtgier und Instinktlosigkeit hat halt manchmal doch Folgen. Und Gabriels Wehklagen haben vielleicht auch noch was bewirkt. Genossenverrat mögen die Sozis nicht so gern hören, obwohl es an der Tagesordnung ist. Solidarität ist ihnen doch angeblich in die Wiege gelegt worden.

  3. Ronny schreibt:

    „Wir begehen das Fest von der ewigen Geburt, die Gott der Vater geboren hat und ohne Unterlass in der Ewigkeit gebiert, während dieselbe Geburt jetzt in der Zeit und in der Menschennatur sich ereignet. Der heilige Augustin (und er Heilige Karl) sagt, diese Geburt geschehe immer. So sie aber nicht in mir geschieht, was hilft es mir dann? Denn dass sie in mir geschehe, daran liegt alles.“ (Meister Ekhart – Mystische Schriften) Von „Hilfe“ will ich hier nicht reden, doch diesem: „Denn dass sie in mir geschehe, daran liegt alles.“ dem kann ich nur zustimmen

  4. Eno Silla schreibt:

    Zur Erkenntnis führ’n vier Wege:
    Ein Weiser nutzt der Logik Stege,
    Der Empiriker Erfahrung sucht,
    Dem Theologen reicht das Buch.

    Nicht durch das Buch, Logik und Lehren
    Lässt sich der Mystiker bekehren.
    Er reinigt Körper, Seele, Herz,
    Richtet die Sinne gotteswärts.

    Denn er vertraut der Schöpfung Macht,
    Er liebt und singt und trinkt und lacht,
    Öffnet sich weit dem Diesseitsleben,
    Lebt heute ohne Zukunftsstreben.

    Scham vor dem Gestern, Angst vor dem Morgen,
    Quälend arge Daseinssorgen
    Können das Leben nicht vergälen,
    Nur Liebe, Freude, Lachen zählen.

    Omar Khayyam

    http://www.medienverlag.at/media/products/0610784001324290800.pdf

  5. Alexandra schreibt:

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