Jeshua: Ich werde euch erwählen


Jeshua sagt:
ich werde euch erwählen,
einen aus tausend,
zwei aus zehntausend
und sie werden Einzige sein.

Thomasevangelium 23

Vielleicht einer von Tausenden
strebt nach der Freiheit.
Unter denen,
die nach Freiheit streben –
und glauben,
erfolgreich zu sein –
kennt kaum jemand
die gesamte Wahrheit Meines Seins

Bhagavad Gita 7,3

Was soll das sein: Die gesamte Wahrheit Meines Seins, die kaum jemand kennt? Was ist an dieser Wahrheit so verborgen, dass sie nur einer unter Tausenden erkennen kann? Da spricht etwa Wei Wu Wei von „Das offenbare Geheimnis“, Toni Parsons von „Das offene Geheimnis“ – so offenbar oder offen scheint das dann ja doch nicht zu sein.

Gestern zitierte Werner Anahata Krebber den Angelus Silesius mit dem Vers:

Mensch in dem Ursprung
ist das Wasser rein und klar.
Trinkst du nicht aus dem Quell,
so stehst du in Gefahr.

Wie aus „dem Quell“ trinken, wenn dieser für fast alle Menschen offenbar und doch völlig verborgen ist? Da gab es so viele „Einzige“, wie Jeshua sie nannte, die das scheinbar Verborgene für alle offenbar werden lassen wollten. Und was hat es gebracht? Eine dumpfe Masse anscheinend bis in alle Ewigkeit. Ein Einziger, das ist dagegen wie ein einzigartiger, kostbarer Solitär.

Oh Gott, das möchte ich auch sein, denkt sich so’n armes Ego und fängt ggf. zu suchen und zu streben an und mit ihm ein Heer von Suchern und Strebern. Dabei ist jeder schon immer dieser Solitär und nicht nur einer von Tausenden von Irgendwassen. Das ist halt das Elend mit der Sprache. Kaum sagt irgendeiner von diesen anerkannten Heinis einen Satz, schon wird das durch die Gehirnmühle gedreht und verhackstückt und verwurstet und was dabei rauskommt ist oft nicht zu fassen.

Shankara war dieser Solitär und er schien das große Geheimnis nicht verraten zu wollen, da er meinte, alle Worte seien sowieso nutzlos. Und wenn wir dann noch den Solitär Seng-ts’an dazu bitten, kriegen wir zu hören, dass es sowieso keinen Sinn macht, nach dem Wahren, also dem großen Geheimnis, Ausschau zu halten, da es vollkommen genügen würde, keine Vorstellungen darüber zu kreieren, die uns alle eh nur wahnsinnig machen können.

Ist das irgendwie klar, was das bedeutet? Es gibt nur einen Solitär, und das Einzige, was das verschleiert, ist die Vorstellung, dass mein Sosein nicht genug ist und ich irgendetwas erreichen müsste, um endlich auch ein Solitär zu werden. Also wenn das kein Witz ist – na ja, wenn’s nicht so abgrundtief traurig wär für den, der das glaubt. Wenn ich schon Gott ins Spiel bringen will, dann ist jedes Herumpfuschen an seinem Ausdruck, also an mir, Götteslästerung.

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2 Antworten zu Jeshua: Ich werde euch erwählen

  1. Eno Silla schreibt:

    Gib auf!
    Ein bereits älterer Mönch kam zu einem Zen-Meister und sagte:“Ich habe in meinem Leben eine Vielzahl von spirituellen Lehrern aufgesucht und nach und nach immer mehr Vergnügungen aufgegeben, um meine Begierden zu bekämpfen. Ich habe lange Zeit gefastet, jahrelang mich dem Zölibat unterworfen und mich regelmäßig kasteit. Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde und ich habe wahrhaft gelitten, doch die Erleuchtung wurde mir nicht zuteil. Ich habe alles aufgegeben, jede Gier,jede Freude, jedes Streben fallengelassen. Was soll ich jetzt noch tun?“
    Der Meister erwiderte: „Gib das Leiden auf!“
    Aus: Marco Aldinger – Geschichten für die kleine Erleuchtung

  2. fredoo schreibt:

    …. und nachdem der Mönch bemerkte , dass er das Leiden auch nicht aufgeben konnte , geschah ihm ein „Pling“ und er entdeckte , dass er letztlich doch nur eines aufgeben konnte … und zwar das Irgendetwas-Aufgeben …
    und als ihm selbst dies nicht gelang … kam ihm aus tiefsten Grund ein Lachen …
    das Lachen des Aufgebens vom Aufgeben …
    was ihn fürderhin durchschüttelte , selbst wenn er mal wieder aufs neue was aufgeben wollte …

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