Osho: Wahl ist Knechtschaft, Nicht-Wahl Freiheit.


Wahl ist Knechtschaft, Nicht-Wahl Freiheit. Im selben Moment, wo du für etwas bist, gehst du der Welt auf den Leim. Wenn du der Versuchung widerstehen kannst, wenn du ohne zu wählen bewusst bleiben kannst, verschwindet der Leim von allein, denn wenn du für nichts bist, produzierst du keinen Klebstoff – der Leim wird nämlich durch dein Wählen produziert. Dieses Wort „wählen“ muss also gründlich verstanden werden, denn nur aus diesem Verständnis heraus kann in dir die Freiheit aufblühen, nicht zu wählen. Was hindert dich daran, wahl-los zu sein? Wie kommt es, dass du sobald du einen Menschen oder ein Ding siehst, eine unsichtbare Welle empfängst, die in dir Zu- oder Abneigung auslöst, ohne dass es dir überhaupt bewusst ist, dass du eine Wahl getroffen hast? Eine Frau geht vorbei, und in dir sagt eine Stimme: Wie schön! Von Wählen ist keine Rede, aber die Auswahl ist schon getroffen, denn von einer Frau zu sagen, dass sie schön ist, bedeutet: Die würde ich mir aussuchen.

aus: Osho: „Tantra – Die höchste Einsicht“

Ich hab mir mal wieder einen Virus eingefangen und stand wie schon so oft völlig belämmert mit meinem Rechner in der Landschaft rum. Hab ich das gewählt? Gott sei Dank kam mir ein Freund zu Hilfe. Konnte ich auch nicht wählen. Immerhin hab ich ihn um Hilfe gebeten. Hab ich das gewählt?  Ich sag jetzt mal unter Vorbehalt ja. Na ja – „ich“. Mir geht es in diesem Blog ja weniger darum, irgendwelche Wahrheiten zu verspritzen, sondern nur darum, wenn’s gut geht, zum Selbst-Hingucken zu inspirieren. Osho macht da eine Aussage und ich kenne genug Statements von ihm, wo er etwas ganz anderes mitteilt. Es geht also nicht darum, ob Osho recht hat oder nicht, sondern nur darum, zu gucken, was meine (augenblickliche) Antwort ist, die ich in mir vorfinde. Genau das liebe ich ja so an Osho, dass er auf nichts festzunageln ist. Also vielleicht ist es uns allen ja immer wieder möglich, im Geist von Nagarjunas Catuṣkoṭi an solche Aussagen heranzugehen, anstatt über sie zu diskutieren. Alle Stand-Punkte sind – weder falsch noch richtig.
„Wahl ist Knechtschaft, Nicht-Wahl Freiheit“, sagt Osho und schließt dabei die unbewusste Wahl bei der Wahl mit ein. Na fein, kommt da gerade bei mir hoch. Ich sehe also einen Menschen oder ein Ding und empfange eine unsichtbare Welle, die in mir Zu- oder Abneigung auslöst. Ja und, frag ich mal ganz blöd. Was ist daran verkehrt? Okay, okay, da wurde anscheinend unbewusst eine Wahl getroffen. Wird diese Wahl, bewusst oder unbewusst nicht in jedem Augenblick getroffen? Da kommt so’ne miese Bazille angeflogen und mein Immunsystem empfängt eine unsichtbare Welle der Abneigung. Und mir ist das auch noch völlig unbewusst. Na so was! Und ich soll jetzt keine Wahl wählen, weil ich sonst in Knechtschaft lebe? Hä? Wie soll das gehen?

Ich erinnere eine Aussage von Osho, in der er die Sache so auf den Punkt bringt: „Kein Kampf! Wenn aber der Kampf kommt? Dann kämpfe nicht gegen den Kampf!“
Mit wem spricht Osho da eigentlich? Wer soll nicht kämpfen? Wer soll wahl-los sein? Wir können mit diesem ganzem Kram rumjonglieren, bis wir schwarz sind oder vollends gaga. „Es gibt keinen Handelnden“ heißt doch nicht, dass nicht gehandelt wird, nicht gekämpft, nicht gewählt! Dass irgendetwas getan oder nicht getan werden soll. Es geht nicht einmal darum, ob die Welt nun real oder nur ein Traum ist. Es geht einzig und allein um diese Frage, mit wem Osho da redet oder wer dieser Handelnde sein soll. Da ist keine Entität namens Ich auszumachen, die kämpft, die wählt oder sonst irgendetwas tut. Das ist alles.

Was soll das Streiten, ob die Welt nur Schein,
Ob Wirklichkeit? Ob ihr Bewusstsein eigen,
Ob nicht – und ob sie Freude oder Leid bedeute?
Gilt doch für alle gleich das Glück:
Die Welt zu lassen, um das Selbst zu finden,
Und ohne <ich> und ohne alles Streiten
In jenem höchsten Stande <Selbst> zu sein.

Ramana

Und selbst das ist schon wieder missverständlich ausgedrückt: Da ist niemand, der die Welt lassen könnte, um das Selbst zu finden. Selbst das wäre die Tätigkeit einer Entität namens Ich – und die ist nun wirklich nur ein Traum.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Osho: Wahl ist Knechtschaft, Nicht-Wahl Freiheit.

  1. Brigitte schreibt:

    Filmtipp! Wer Resonanz verspürt und Interesse hat, kann diesen Film noch bis 22.01. auf Arte ansehen:

    »“Der lautlose Tanz des Lebens“ ist eine filmische Meditation – jenseits klassischer Porträtfilme. Er erlaubt es dem Zuschauer, in die Stille und Langsamkeit der Mojave-Wüste einzutauchen, die Verbundenheit allen Lebens zu entdecken und Teil des lautlosen Tanzes zu werden.«

    Der lautlose Tanz des Lebens

  2. Inge schreibt:

    „…sondern nur darum, wenn’s gut geht, zum Selbst-Hingucken zu inspirieren.
    Es geht also nicht darum, ob Osho recht hat oder nicht, sondern nur darum, zu gucken, was meine (augenblickliche) Antwort ist, die ich in mir vorfinde“.

    …und genau das geschieht immer deutlicher – D A N K E !
    (wobei, zugegeben, auch oft auf richtig und falsch geprüft wird)

    Herzlichst – Inge
    (…heute sowieso schon extrem gute Laune in der Luft!)

  3. Eno Silla schreibt:

    Ist nicht jedes Wort Knechtschaft? Und gleichzeitig Freiheit?
    Was ist eigentlich irgendetwas? Ich rätsele und rätsele, mal glaube ich, „Das ist es!“, ich drehe mich um und auch das wieder vorbei… Da kann ich nur noch staunen, über dies alles, ständiger Wandel und doch unendliche Wiederholung, absolut frisch und neu und nix als ein alter Hut.
    Ich weiß nichts, aber manchmal kommt es mir wie alles vor.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s