Bankei: Sagt euch los vom selbstsüchtigen Denken!


Kein Vater, keine Mutter möchte, dass das eigene Kind zu einem Schurken oder Taugenichts wird, den alle hassen und der schließlich vor Gericht gestellt wird und womöglich sogar unter dem Schwert des Henkers verblutet. Wenn ihr euch nicht aufrichtig um Rechtschaffenheit bemüht, dürft ihr von Achtung gegenüber den Eltern nicht einmal reden. Ihr alle solltet den Entschluss fassen, heute damit anzufangen, denn es gibt wahrlich nichts, was wunderbarer wäre als die Fürsorglichkeit und Liebe, mit der Eltern ihre Kinder umgeben. Sie kümmerten sich um euch, als ihr noch nicht wissen konntet, was um euch her vorging. Sie zogen euch groß, bis ihr für euch selbst denken konntet. Ihr wusstet nichts von Buddhismus. Nun habt ihr seine wunderbaren Lehren erfahren und kommt hierher, um vom ungeborenen Buddha-Geist zu hören. Besinnt euch einmal: Das ist nur aufgrund von tiefer Elternliebe möglich. Die Eltern zu ehren für alles, was sie für uns taten, das ist die natürliche Haltung eines guten Sohnes und einer guten Tochter. Wenn ihr mit dem Weg der kindlichen Liebe und Achtung übereinstimmt, ist euer Geist der Buddha-Geist. Wenn wir vom Geist der kindlichen Liebe und vom Buddha-Geist sprechen, so glaubt nicht, das sei zweierlei. Da ist nur ein Geist, und er ist mit allen Dingen innig verbunden.

Sagt euch los vom selbstsüchtigen Denken, das euch in Zorn geraten lässt, euch unglücklich über dieses und begierig nach jenem macht. … Wenn ihr jetzt von aufbrausender Art gewesen seid, andere beschimpft und euch über alles aufgeregt habt, ohne euch etwas dabei zu denken, so wart ihr in einem großen Irrtum befangen. Ihr habt die wahren Gründe nicht gekannt und euch mit der irrigen Ansicht zufrieden gegeben, Zorn sei nun mal eine der üblichen Verhaltensweisen unter Menschen. Da ihr nun aber erfahren habt, wie man ungeboren wird, solltet ihr von jetzt an nichts mehr tun, was euren Buddha-Geist außer Kraft setzt.

aus: Meister Bankei, „Die Lehre vom Ungeborenen“

Eieiei, das ist ja mal wieder ’ne Predigt! Wenn ich mich darauf einlasse, werde ich irgendwie ganz wirr im Kopf und muss mich zwingen, überhaupt „zuzuhören“. Ich weiß ja nicht, ob der Bankei das macht, weil die Leute genau das von ihm erwartet haben, oder ob er das tatsächlich glaubt, was er da sagt. Da redet er vom Buddhismus, kennt vermutlich Buddhas Hinweis, dass es keinen Handelnden gibt, und kommt dann mit Forderungen an seine Zuhörer daher und wertet, indem er von einem guten Sohn und einer guten Tochter spricht. Er sagt: „Wenn ihr mit dem Weg der kindlichen Liebe und Achtung übereinstimmt, ist euer Geist der Buddha-Geist.“

Huang-po sagte: „Worin unterscheiden sich diejenigen, die es durch Anwendung eines bestimmten Grundsatzes oder durch Schaffen einer besonderen Umgebung, durch Schrift, Lehre, Alter, Zeit, Name, Wort, oder mit Hilfe ihrer sechs Sinne zu erlangen suchen, von hölzernen Puppen?“ Will Bankei aus seinen Zuhörern „hölzerne Puppen“ machen? „Sagt euch los vom selbstsüchtigen Denken!“, sagt er. Wem sagt er das? Huang-po sagt: „Man braucht sich um das wahre Wesen weder zu sorgen noch zu bemühen.“ Und Bankei: „Da ihr nun aber erfahren habt, wie man ungeboren wird, solltet ihr von jetzt an nichts mehr tun, was euren Buddha-Geist außer Kraft setzt.“ Wie man ungeboren wird – man ist es nicht, man kann es werden, wenn
Laotse: „Meinst du etwa, du könntest das Universum ergreifen und es verbessern? Ich glaube nicht, dass du das kannst. Das Universum ist vollkommen, es kann nicht verbessert werden. Es zu verbessern heißt, es zu zerstören. Es zu ergreifen heißt, es zu verlieren.“ War das Bankei nicht klar?

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4 Antworten zu Bankei: Sagt euch los vom selbstsüchtigen Denken!

  1. fredoo schreibt:

    Es ist immer wieder evident … diese Durchmischung derer „davorne“ mit schlichtem Bericht und Therapie … mit Andeutung in Ahnung und Anweisung zu einem besseren Leben , gar einem vortrefflichen …
    wie kommt dies ?
    Tja , wohl weil der „davorne“ auch weiterhin Ambitionen hat … seine Familie betreuen will , seine Besucher beraten möchte … einfach weil dies … auch … Teil seiner Eigenart sein mag …
    Problematisch wird es , wenn er vergisst , den Unterschied deutlich zu machen … zwischen HINweis mit schlichtem Bericht … und ANweisung in betreuender Intention …
    Aber selbst bei einem Buddha und auch bei einem modernen Osho lassen sich diese „Durchmischungen“ in seinen Texten finden … besonders wenn diese einem lebendigen Gespräch mit einem konkreten persönlichen Gegenüber entstammen …
    Auch bei einem selbst ( oder dem Herrn Nitya 😉 lassen sich ab und an derartige „Vermischungen“ bemerken …
    Wir werden wohl mit dieser Form der Zuwendung bei uns allen leben müssen ….

    🙂

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