Osho: Es ist am besten, mit der Energie zu gehen


So arbeitet nun mal der Verstand: Wenn du dich entschließt nichts zu essen, entsteht das Bedürfnis, zu viel zu essen. Durch Unterdrückung erzeugst du das Problem. Wenn du zu deinem Verstand „Nein“ sagst, rebelliert er und leistet Widerstand. Hast du ein Problem, ist es also am besten, mit der Energie zu gehen, anstatt dagegen zu kämpfen. Wenn du das Gefühl hast, dass du zu viel isst, dann iss so viel du kannst – brich alle Rekorde. Wenn Sex dein Problem ist, dann lebe ihn so aus, bis du einfach erschöpft bist.

Wenn man mit etwas kämpft, erzeugt man eine gewisse Faszination und alles, was man zur Sünde erklärt, wird sofort zu einem großen Vergnügen. Viele Dinge, die man für vergnüglich hält, sind völlig belanglos, sie haben diesen Glanz nur, weil die Gesellschaft sie verdammt. In diesem Punkt hat sich die ganze Menschheit viel zu lange in die Irre führen lassen. …

Lebst du deine Begierden aus, gehst du darüber hinaus, und plötzlich fühlst du dich abgestoßen und siehst das Dumme daran. Dann ist es nicht mehr der Verstand, der sagt, dass es dumm ist – das wäre sinnlos – sondern es ist eine existenzielle Erkenntnis. In deinem innersten Wesen erkennst du, wie dumm es ist und dann brauchst du dich nicht anzustrengen, sondern es fällt einfach von dir ab. Allein die Erkenntnis verändert dich. …

aus: Osho, „Und vor allem nicht wackeln“

Kürzlich haben sich auf Facebook mal wieder ein par Spiris das Maul darüber zerrissen, ob Osho nun nur ein bisschen oder halb oder ganz oder gar nicht erleuchtet war, wo er doch Lachgas und Valium genommen haben soll. Als ob das eine irgendetwas mit dem anderen zu tun hat! Aber wir sind ja alle auf Perfektion getrimmt und unsere Heiligen müssen allesamt lupenreine Saubermänner und –frauen sein ohne Fehl und Tadel. Leider hat diese Haltung auch Folgen für uns selbst. Auch wir müssen ohne Fehl und Tadel sein, und sollten wir dergleichen ausnahmsweise einmal bei uns entdecken, ist der erste Reflex, das zu verbergen. Das ist jedoch noch nicht die schlimmste Auswirkung. Viel schlimmer ist, dass das, was unserer Meinung nach nicht sein darf, ausgemerzt werden muss. Wir fangen an, es zu unterdrücken. Alles, was nicht der Norm entspricht, muss erbarmungslos platt gemacht werden.

Ich bin ein fauler Sack? Das darf nicht sein. Also zwinge ich mich notfalls mithilfe eines Coachs zu einem Fitnessprogramm. Ich bin ein Gierschlund und viel zu dick? Das darf nicht sein. Also zwinge ich mich notfalls mit einer Gruppe Gleichgesinnter zum Fasten oder wenigstens zu einem Diätprogramm. Ich bin Kettenraucher, Alkoholiker, sexsüchtig, spielsüchtig, … Die Welt der Suchtgruppen wartet schon auf mich.

Osho sagt: Du bewirkst nur das Gegenteil von dem, was du dir vorgenommen hast. Der Verstand ist immer dagegen. Zuerst redet er dir ein, du müsstest etwas für dich tun, etwas zu deinem Besseren ändern, und dann boykottiert er alle deine Versuche. Leute, die abnehmen wollen, kennen den berühmten Jojo- Effekt. Es ist ein Hundeleben. Aber ist das wahr, was Osho da empfiehlt? Das kann nur jeder für sich herausfinden. Wenn du mit dem Rauchen aufhören willst, steck dir gleichzeitig fünf Zigaretten in den Mund und rauche den ganzen Tag Kette bis du grün im Gesicht wirst. Aber hörst du dann wirklich auf? Oder schwörst du dir nur am Abend: „Nie wieder!“ Und am nächsten Morgen gilt dein erster Griff der Zigarettenschachtel. Wie oft haben wir uns schon dieses „Nie wieder!“ geschworen, weil wir die Nase voll hatten von den Folgen unserer Begierden. Nie wieder fang ich was mit einer Frau / einem Kerl an! Und dann …? Vielleicht hast du noch nicht genug gesündigt. Denn das Zeichen sind nicht deine Schwüre und guten Vorsätze, sondern dass der ganze Quatsch einfach von dir abfällt. Es ist kein Thema mehr, es interessiert dich nicht mehr. Und dass das so ist, bemerkst du vielleicht erst gar nicht und vielleicht irgendwann später einmal.
Wenn der Tipp von Osho nicht funktioniert, vielleicht liegt’s ja daran, dass du doch nur aus einem Katzenjammer heraus heilige Schwüre ausgestoßen hast, aber insgeheim doch an deinen alten Gewohnheiten und Programmen festhalten willst. Aber das klingt jetzt ja schon fast wieder so, als seist du an irgendetwas schuld. Mit dem sog. Ego ist es ja auch nichts anderes. Was für ein Witz, sein Ego loswerden zu wollen!

Gestern besuchte mich ein Freund, der mir davon erzählte, dass es ihm immer darum ging, Lösungen zu finden. Als er das sagte, war mir klar, dass ich keine Lösungen vorweisen kann. Also wenn mir unterwegs ein Schuhbändel reißt, werde ich ganz sicher eine Lösung suchen und wohl auch eine finden. Aber wie man etwa von seinen Süchten loskommt, also ehrlich gestanden, ich habe keine Ahnung. Es gibt unendlich viele Methoden, aber ob sie wirken, steht für mich in den Sternen. Die ganze Gesellschaft ist süchtig. Und ich bin es auch, musste ich gestern hören: Internetsüchtig. Na ja, sei’s drum. Ich warte ja schon dauernd, dass es von alleine abfällt.

Wahrscheinlich sollte ich nicht mehr darauf warten.

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2 Antworten zu Osho: Es ist am besten, mit der Energie zu gehen

  1. Gabi schreibt:

    Lieber Nithya, -wir sind so auf Perfektion getrimmt und unsere Heiligen müssen allesamt lupenreine Saubermänner sein-
    diese Perfektionsnummer spielt ja wirklich überall rein, die ganze Eso-Spiriszene unterwandert mit diesem Selbstverbesserungs-und-Weltverbesserungswahn. Regt mich echt auf und hat mich voll im Griff. Mein Ex ist Paradiesgestalter und das hat einen echten Schaden in meinem System hinterlassen, diese ständige subtile Aufforderung unbedingt verbessert werden zu müssen.
    „Du bist der Schöpfer deiner Realität“ – auch so ein Satz, hinter dem alle herhecheln. Bin so froh über deinen Blog, und über alle, die den Gegenpol zu der Schöpferthese vertreten, wie olle Werner Ablass, Alexander Wagandt macht das ganz fein und wie sie alle heissen. Eigentlich haben die Katholiken das hübsch hingekriegt. Erst sündigen, dann beichten und du hast dein Schuld- und-Sühnekonto wieder auf 0. Wissen tun wir letztendlich eh nichts.
    In dem Sinn einen schönen faulen und internetsüchtigen Tag!

    • Nitya schreibt:

      Liebe Gabi,

      es ist ja nicht nur die Eso-Spiriszene, du kannst getrost die Psychoszene und den American Way of Life mithinzufügen. Eigentlich woll sie alle die Welt verbessern.

      Der Satz „Du bist der Schöpger deiner Realität“ führt allerdings meist zu einem ziemlichen Missverständnis. Wenn ich zum Beispiel ein Anhänger der Notwenigkeit der permanenten Selbstverbesserung bin, dann habe ich mir damit eine Realität geschaffen, die eine einzige Folterkammer ist.
      Heute erinnerte Werner Anahata Krebber auf „Mystik aktuell“ an diese Buddhaworte:
      __________________________________________________

      Wir sind, was wir denken.
      Alles, was wir sind, entsteht mit unserem Denken,
      mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.

      Sprich und handle mit unreinem Geist, und Ungemach wird dir folgen.
      Wie das Rad dem Ochsen folgt, der den Karren zieht.

      Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht mit unserem Denken,
      mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.

      Sprich oder handle mit reinem Geist, und Beglücktheit wird dir folgen,
      wie dein Schatten, unerschütterlich.
      ___________________________________________________

      Ich würde es vielleicht so ausdrücken wollen: Du schaffst dir nicht deine Realität, sondern du hast unter den Folgen deiner Vorstellungen zu leiden. Aber wer schaft die Vorstellungen?

      Übrigens die Katholiken: Hört sich zwar etwas moderater an als das, was die Evengelen postulieren, aber von Schuld gehen beide aus. Und die heilige katholische Inquisitionhat gezeigt, wie wenig moderat letztlich auch die Katholen sind.

      Danke für deine frommen Wünsche, ich werde weiter völlig schuldfrei vergnügt meiner Internetsucht frönen und muss dafür nicht einmal in den Beichstuhl gehen. 😀

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