Bankei Eitaku: Blut mit Blut abwaschen

 

Gedanken, die sich einstellen, aus dem Geist zu verbannen, ist wie das Abwaschen von Blut mit Blut. Vielleicht gelingt es dir, das ursprüngliche Blut fortzuspülen, doch dann bist du immer noch besudelt von dem Blut, das du zum Waschen benutztest. Und du magst weiterwaschen, solange du willst, die Blutflecken werden nie verschwinden. Da du nicht weißt, dass dein Geist ursprünglich ungeboren und unsterblich und ohne Verblendung ist, glaubst du, deine Gedanken besäßen Wirklichkeit, und so bleibst du an Geburt und Tod im Lebensrad gebunden. Du musst dir klarmachen, dass deine Gedanken flüchtig und unwirklich sind. Ohne an ihnen zu haften und ohne sie von dir zu weisen, lass sie einfach von selbst kommen und gehen. Sie sind wie Spiegelbilder. Ein Spiegel ist strahlend klar und spiegelt alles, was vor dir erscheint. Doch das Bild bleibt nicht im Spiegel. Der Buddha-Geist ist zehntausendmal klarer als jeder Spiegel und überdies wunderbar erleuchtend. Alle Gedanken verschwinden spurlos in sein Licht.

aus: Meister Bankei: „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“

So, das war jetzt mal wieder lehrbuchreif und die meisten werden wohl verstehen, was Bankei hier sagt. Und, hat es dir geholfen, aus dem Kopf herauszukommen? Falsche Frage, du hast mal wieder nicht aufgepasst, Nitya! Es geht nicht darum, irgendwo herauszukommen. Du hast aber auch wieder mal gar nix kapiert! Muss die Lady mit der hübschen Zunge da oben aus dem Spiegel herauskommen? So ein Schwachsinn!

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron‘ und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Nur ein Nebelstreif, nur ein Spiegelbild und doch wird es für real gehalten mit unabsehbaren Folgen für den, der es für real hält. Heute machen wir sog. Selfies und halten das Bild „von uns“ fest und verschicken es vielleicht sogar oder veröffentlichen es auf einer der sozialen Plattformen. Es gibt wirklich viele Arten, wie wir uns das Leben schwer machen können.

Bankei sagt: „Du musst dir klarmachen, dass deine Gedanken flüchtig und unwirklich sind. Ohne an ihnen zu haften und ohne sie von dir zu weisen, lass sie einfach von selbst kommen und gehen. Sie sind wie Spiegelbilder.“ Ein Selfie will auf jeden Fall festhalten. Ich kann auch an einem Spiegelbild festhalten, wenigstens in meiner Erinnerung. Und ich kann an jedem Gedanken, jeder Vorstellung festhalten allein dadurch, dass ich an die Realität dieser Nebelstreifen glaube und das kann böse enden.

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

Das hat der Goethe gut erkannt, dass wir unseren Vorstellungen gnadenlos ausgeliefert sind, wenn wir glauben, dass sie wahr (im Sinn von real) sind. „Ohne an ihnen zu haften und ohne sie von dir zu weisen, lass sie einfach von selbst kommen und gehen“, schlägt Bankei deshalb vor, aber nicht einmal das ist machbar. Das wäre schon wieder so etwas wie „das Abwaschen von Blut mit Blut“. Eine meditative Grundhaltung dem Leben gegenüber wäre sicher sehr hilfreich, denn in Zeiten besonderer Bedrängnis ist es eher unmöglich damit beginnen zu wollen, seine Gedanken und Vorstellungen kommen und gehen zu lassen. Vielleicht habt ihr Lust euch die ersten 8 Minuten dieses Musikstücks von Hildegard von Bingen anzuhören und vielleicht hilft es euch dabei, den nicht wahrnehmbaren Grundton des Buddha-Geistes in euer Leben zu integrieren.

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5 Antworten zu Bankei Eitaku: Blut mit Blut abwaschen

  1. Brigitte schreibt:

    Da lese ich nun „Blut mit Blut abwaschen“ und finde diesen Text so treffend, dass ich ihn in meiner Kiste abspeichern will, und denke noch dabei, diesess Buch hätte ich gern. Plötzlich fällt mein Blick auf einen Link, den ich anklicke, der Browser öffnet eine website und just in diesem Moment wird gerade noch für eine Minute ein kostenloser Download für das ganze Buch angeboten. Wow *freu*

    Jetzt könnte man sich natürlich Gedanken drüber machen, ob ein auftauchender Gedanke nicht doch ….,-) ach nee, lieber freu ich mich über das unerwartete Geschenk und genieße weiterhin die schöne Musik 🙂

    Gefällt 1 Person

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