Karl Renz: Meditation ohne Meditierenden


Du meditierst, weil deine Natur als Bewusstsein Meditation ist und diese Meditation besagt, dass du kein Ergebnis erwartest. Deshalb bist du, wie du bist. Du bist diese Meditation, die ihrer Natur nach Meditation ist – Handlung ohne Absicht. Vielleicht erkennst du, dass das, was getan oder nicht getan wird, zu keinen Ergebnissen führt. Im Nicht-Wissen dessen, was du bist oder nicht bist, bist du das Wissen. Statt zu wissen oder nicht zu wissen, bist du. Wenn du also trotz allem, was du wissen oder nicht wissen kannst, ganz und gar bist, dann ist das Meditation, weil du dich nicht nicht verwirklichen kannst.

Und dich selbst zu verwirklichen bedeutet, darüber zu meditieren, was du BIST. Aus dieser Meditation ergibt sich der gesamte Traum. Das ist eine Meditation dessen, was du bist. Das ist Meditation mit einer Absicht. Momentan ist die Absicht Teil der Meditation – sie wird zu einem persönlichen „Ich“, weil es eine Idee gibt, die vorteilhaft erscheint: „Durch Meditation kann ich werden, was ich werden will, ich kann werden, wonach ich mich sehne.“ Du machst dich selbst zum Objekt des Verlangens, von einem Ziel. Dann gerätst du in dieses Kontrollbusiness. Du wirst der „Meditierende“. Du übernimmst die Meditation.

Aber indem du Meditation bist, gibt es keinen Handelnden, nur das „Ich bin“, das auf DAS meditiert, was „Ich bin“ ist. Das ist alles.

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“

Den Weg studieren bedeutet,
sich selbst studieren.
Sich selbst studieren bedeutet,
sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen bedeutet,
in Harmonie zu sein mit allem,
was uns umgibt.

Dogen Zenji

Erwartet eine Blume, die sich am Morgen für die Sonne öffnet, ein Ergebnis? Erwartet sie mit ihrer Farbigkeit und ihrem Nektar das Ergebnis, dass sie damit Insekten anlockt? Oder wie ist es mit dem Löwen, der eine Gazelle jagt – erwartet er, sie zu kriegen, um sie anschließend zu verspeisen und so seinen Hunger zu stillen? Man könnte sich noch unendlich viele solcher Beispiele ausdenken und irgendwelche Leute fragen, die meisten würden diese Fragen wohl mit einem Ja beantworten. Karl sagt, dass deine Natur als Bewusstsein Meditation ist und diese Meditation besagt, dass du kein Ergebnis erwartest, und ich stimme ihm völlig zu und füge hinzu, dass dies fortwährend der Fall ist, ob du dir dessen bewusst bist oder nicht.
Ich erzählte das schon mehrmals: Als ich einmal beinahe zwischen zwei Lastzüge geraten wäre und im letzten Augenblick das Lenkrad herumriss und in einen Feldweg raste, könnte man dies eine instinktive Handlung nennen. Aber damit ist wenig ausgesagt. Ich könnte es auch so sagen: Angesichts des sicheren Todes war da nicht die geringste Ich-Vorstellung, kein Gedanke, keine Zeit und Handeln geschah vollkommen aus sich heraus. Von Samurais wird erzählt, dass das die hohe Zen-Kunst etwa der Schwert-Meisterschaft sei. Was sie in langem Training möglicherweise erreichen, geschah in meinem Beispiel ohne jedes Training. Und was vielleicht irgendwie besonders klingt, ist tatsächlich überhaupt nicht besonders. Es scheint nur besonders, weil wir alle so verkopft sind, weil wir alle solche Egomanen sind. Meine Eichhörnchen führen mir jeden Tag vor, wie das ist, ohne Ich-Vorstellung, ohne Gedanken, ohne Zeit, es vollkommen aus sich heraus handeln zu lassen. „Du bist diese Meditation, die ihrer Natur nach Meditation ist – Handlung ohne Absicht.“ Bei den Eichhörnchen kann man die Wahrheit dieses Satzes unmittelbar miterleben. Aber für uns Menschen sind das ja nur niedere Instinkte.

Wir glauben so unendlich hoch über unseren Mitgeschöpfen, den Tieren und den Pflanzen zu stehen, weil wir scheinbar absichtsvoll denken, planen, gestalten können. Na ja, wenn wir uns die Ergebnisse dieser so besonderen menschlichen Fähigkeit betrachten, müssten wir uns eigentlich am nächsten Baum aufhängen. Diese „Fähigkeit“ hat uns ganz offensichtlich an den Rand des Abgrunds geführt. Karl: „Du machst dich selbst zum Objekt des Verlangens, von einem Ziel. Dann gerätst du in dieses Kontrollbusiness. Du wirst der ‚Meditierende‘. Du übernimmst die Meditation.“ Sogar die Meditation! Wir wollen alles übernehmen und genau das hat zu diesem katastrophalen Ergebnis weltweit geführt.

Dogen Zenji: „Sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt.“ Eichhörnchen können das mit links.

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26 Antworten zu Karl Renz: Meditation ohne Meditierenden

  1. mafa76 schreibt:

    Das stimmt alles, aber haben wir eine Wahl etwas anderes zu tun als das was wir müssen? Selbst wenn wir das mit dem Kopf erkennen, solange es uns nicht bis ins tiefste durchdringt machen wir den gleichen Scheiß weiter obwohl wir es wissen. Wie lange lese ich schon Bücher, bin auf Satsangs … vom Kopf verstanden, aber solange mich das emotional nicht irgendwie erfasst fühlt es sich alles immer sinnloser an dieses ganze Wissen darüber… Das macht mich sogar etwas depressiv … doch selbst das muss wohl so sein

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    • Nitya schreibt:

      Liebe mafa,

      wenn der Fokus des Bewusstseins zu sehr auf den Kopf gerichtet ist, was ja vermutlich viel mit Angst zu tun hat, mit der Suche nach Sicherheit und dem Wunsch, das Leben kontrollieren zu können, dann passiert genau das, was du da so schön beschrieben hast, einschließlich der depressiven Verstimmungen. Wenn das bei dir so ählich ist, wäre es vielleicht hilfreich, sich ganz auf den Körper einzulassen, dich handweklich zu betätigen, zu joggen, auf einen Berg zu klettern, dich zu verlieben, Risiken einzugehen, … alles, was dich aus denKopf bringt. Sag ich mal so. 🙂

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      • mafa76 schreibt:

        Ja verlieben wäre mal wieder nett 😉 . Ich bin extrem im Kopf. Viel zu extrem. Und da ist auch viel Angst, das ist mir bewusst. Bewegen tue ich mich relativ viel, wandere auch viel. Hat sich aber nicht groß geändert.Risiken eingehen, ist leicht gesagt 😉 wahrscheinlich brauche ich einen Stoß von hinten.

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  2. fredoo schreibt:

    mal mein tipp an miss mafa :
    „““…. fühlt es sich alles immer sinnloser an dieses ganze Wissen darüber…“““
    da , genau da , ist das nadelör durch das das tau hindurch muss … also – also diese sinlosigkeit nicht vermeiden oder gar ablenken , sondern mutig mitten hindurch …
    dummerweise kann man auch das nicht >tun … jedoch kann man es aufmerksam „bemerken“ , wenn es geschieht , und man es gewissermassen „mutig“ (vorauswissend und damit gelassen) begleitet …

    es ist letztlich eine umpolung des inneren standings , von dem all diese satsangeure und weisheitstexter und -innen schreiben …
    und jede umpolung funktioniert nur über die kulmination eines widerstandes hinweg !
    also ist eine steigerung der verzweiflung , eine kulmination der verwirrung , keinesfalls bedrohliches warnsignal fürs eigene überleben , kein zeichen einer überforderung , sondern hoffnungsvolles anzeichen , einer bereits bestens stattfindenden umpolung des „inneren standings“ … nur so , mit dieser sich steigernden wahrnehmung eigener unfähigkeit und inkompetenz , kann diese > umpolung überhaupt stattfinden … ja , genau das (!) ist ihre „methode“ …
    wenn man so will , kann gesagt sein „der weg ist die permanente steigerung der verwirrung“ – und „das ziel ist erreicht , in dem der weg verschwindet , und die verwirrung ( und ein ziel ) in tuto zum witz wird “ .
    wir müssen das als „ich“ gar nicht so richtig mitbekommen … das ding läuft völlig automatisch …
    fütter dein „ich“ nur mit mut und vertrauen „in die götter (=deine bestimmung)“ , damit es diese zeit der kulmination von verwirrung halbwegs überstehen kann … denn danach ist keinesfalls glückseliger friede freude eierkuchen , sondern ein leben in umpolung wartet , das besagtes „ich“ vor wieder neue herausforderungen stellt .

    also , stay cool , und geniesse die zeit des wandels …

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    • mafa76 schreibt:

      Danke … Ja das fühlt sich für mich irgendwie genau danach an was in mir abgeht. Boa ist manchmal kaum auszuhalten, vor allem noch an zu grauen Tagen wie heute wenn man dazu auch noch Urlaub hat. Und die Fluchtwege im Moment fast bei null sind.. Irgendwas in mir rebelliert, will Sinn finden und sich ablenken. Und gleichzeitig steht ihm die völlige Erschöpfung dagegen. Wie ein unglaublich kraftzehrender Kampf in dem das Ergebnis eigentlich feststeht, aber nicht akzeptiert wird von was auch immer…

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      • Alexandra schreibt:

        Liebe Mafa, das verstehe ich total, ich bin auch so ein Kopfmensch. Im Moment passiert bei mir einfach viel Wahrnehmung. Gedanken springen so schnell ins Hirn, analysiere und interpretieren, bevor überhaupt ein Gefühl wahrgenommen werden kann. So funktioniere ich wohl schon lange, aber das habe ich nie bewusst mitbekommen. Und dann merke ich wie sich der Körper gleich verspannt, die typische Abwehrhsltung entsteht. Und dann natürlich wieder Gedanken darüber, die mir sagen, dass das falsch ist und wie es richtig sein müsste. Und dann kommt immer öfter der Impuls, einfach den Atem oder irgendeine körperliche Regung einfach nur wahrzunehmen. Wie einfach – und doch so verdammt schwer durch die jahrzehntelangen Konditionierungen, die einem immer weismachen wollen, dass alles anders sein sollte als es gerade ist…. mir hilft da auch viel Bewegung, meine Tiere,…

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      • mafa76 schreibt:

        Hallo Alexandra, ich bin übrigens Männlich :)) Aber das spielt keine Rolle. Ja ich weiß was du meinst, vom fühlen bin ich schon lange sehr weit weg. Bei mir wird alles mit dem Kopf behandelt und zerdacht.
        Ich finde da im Moment keinen Weg heraus. Dazu kommt noch das ich glaube ziemlich sensibel bin, manche nennen das vielleicht auch hochsensibel keine Ahnung, aber ich merke extrem schnell wenn Spannungen oder Menschen um mich herum sind die irgendwie negativ sind. Davon gibt es leider mehr als genug, von daher isoliere ich mich auch immer mehr von Menschen, da mir die meisten einfach irgendwie Kraft abziehen. Das macht mich aber irgendwie auch einsam, und gleichzeitig fehlt mir der Kontakt zu Menschen. Vielleicht kenn ich auch einfach nur nicht die richtigen die ich in meiner Phase gerade bräuchte. Man kann ja leider nicht mit vielen Leuten über dieses Thema sprechen, auch ein Grund warum man dann hier in so einem Blog landet und bemerkt, man ist ja gar nicht verrückt, da gibt es ja noch mehr von dieser Sorte 🙂 Naja was hat man für eine Wahl , irgendwie geht’s weiter, und irgendwann vielleicht auch mal wieder Berg auf

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  3. Alexandra schreibt:

    Ja, das ist komisch, dass man auf der einen Seite „vom fühlen weit weg ist“ und auf der anderen seite merkt wie andere ticken, das spürt und sich dann meistens in Gegenwart bestimmter Menschen einfach nicht wohl fühlt. Das kenne ich auch und zwar in immer stärkerem Maße. Ich brauche immer weniger Menschen um mich und bin auch recht rigoros was Freunde angeht. Weniger ist da mehr….

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    • mafa76 schreibt:

      Ja genau, genauso geht es mir auch. Interessant wie ähnlich es anderen doch auch geht. Weniger ist wirklich mehr, ich hatte früher eigentlich viele Freunde, aber zu den meisten fühle ich irgendwie einfach keine Verbindung mehr. Naja, man muss seinen Weg sowieso alleine gehen, das wurde mir mit den Jahren immer klarer …

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    • Nitya schreibt:

      „Ja, das ist komisch, dass man auf der einen Seite „vom fühlen weit weg ist“ und auf der anderen seite merkt wie andere ticken, das spürt und sich dann meistens in Gegenwart bestimmter Menschen einfach nicht wohl fühlt.“

      Zweimal das Wort „fühlen“. In den 70er Jahren ging das auch in Deutschland los mit „Sensitivity-Training“, die Amis waren uns da mal wieder ein paar Jahre voraus. Sich sensibel machen für unterschiedliche Texturen: Wie fühlt sich Filz an, wie Cord oder Samt, wie Moos, wie Kies, wie Federn, ….? Fühlst du deine Aura und die des Menschen neben dir, sogar ein Stuhl hat eine Aura? Wir haben alle dieses Spürbewusstsein verloren, war die Erkenntnis dahinter, wir müssen es uns egelrecht wiedererobern.

      Und auf der anderen Seite dieses meist sehr vom Ego dominierte „Ich fühl mich nicht wohl“ mit wem auch immer. Er gibt mir nicht, was ich von ihm haben will oder das Falsche. Das ist ein weites Feld, auf dem viele Entdeckungen zu machen sind. Da muss man sehr genau unterscheiden zwischen wirklichem Fühlen und Spüren und dem, was mehr mit den (enttäuschten) Erwartungen und Vorstellungen zu tun hat, also wieder mehr mit dem Kopf..

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      • mafa76 schreibt:

        Ja das stimmt, Ich glaube sogar das ich garnicht mehr richtig unterscheiden kann, vielleicht meinte ich mit fühlen sogar das sich „gut“ fühlen. Habe schon lange keine richtig tiefe Freude mehr empfunden, so wie als Kind. Vielleicht fühle ich sogar zu extrem und nehme dies garnicht mehr als fühlen wahr sondern als spüren… Wenn ich z.B. bei der Arbeit bin und ständig Kollegen andere hinterm Rücken niedermachen…Deren ganze Art wie sie mit Menschen umgehen, kostet mich viel Energie oder wie auch immer man das nennen mag. Und gleichzeitig, wenn ich die Art wahrnehme wie sie über andere herziehen spüre ich das sie das auch Angst machen. Sie sind selbst sehr unsicher und tun das deswegen. Ich bin aber nicht im Stande dagegen zu halten oder meine Meinung darüber zu äußern. Ich nehme das dann einfach zu stark in mich auf ohne vielleicht Stellung zu beziehen das das nicht OK ist. Vielleicht auch um den heuchlerischen Frieden zu wahren…. Ach wie gern würde ich viel öfters meine Meinung abgeben, aber dann hätte ich wahrscheinlich keinen Job mehr und noch weniger „Freunde“ Authentisch zu sein ist in heutiger Zeit glaube ich etwas sehr seltenes geworden weil sich jeder gleich verletzt „fühlt. und naja ich mich wahrscheinlich auch …

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      • Nitya schreibt:

        Lieber mafa, jetzt sag ich mal ganz locker vom Hocker und nur als Provokation gemeint:

        Na und, dann wärst du halt deinen Job los!

        Ich sag das bloß, um die Alternativen aufzuzeigen: Ein Leben im Dauerstress und Dauerunglück – oder ein Leben im vollen Risiko und das in jeglicher Hinsicht. Du könntest ja auch deinen Job loswerden, weil du „Rückrat gezeigt“ hast und hinterher trotzdem gestresst und unglücklich sein, vielleicht noch mehr als vorher. Keine Sau kann dir irgendeine Garantie geben. Ich habs gemacht und es keine Sekunde bereut. Aber es hätte auch ganz anders kommen können. Also – das war jetzt um Gottes willen keine Empfehlung von mir.

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      • mafa76 schreibt:

        Ja ich weiß dass du recht hast, aber diese Geist Körper Konstruktion hat sich dazu noch nicht entschieden. :))
        Nein im Ernst, vielleicht kommt der Punkt wo ich das mache , im Moment kann ( tut) ich es ‚ noch’ nicht. Es ist ja auch nicht jeden Tag so und es gibt auch noch viel Gutes. Und es bezieht sich auch nicht nur auf meine Arbeit, es gibt noch andere Tausende von Situationen wo ich merke das ich nicht sage was ich denke. Ja, man könnte jetzt sagen dann tue es doch. Nein mit freiem willen würden das vielleicht funktionieren 🙂 Ich bewundere da sehr Werner Ablass, dem ist es einfach scheißegal was andere denken, sehr radikal, aber dafür ‚ beneide ‚ ich ihn.:) Naja ich bin halt wie ich bin und er wie er 😉

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      • Nitya schreibt:

        Ich bin auch nicht Werner Ablass und mir ist auch nicht scheißegal, was andere denken. Menschen, denen scheißegal ist, was andere denken, brauchen keinen besonderen Mut zu sagen, was sie denken. Das ist für sie nichts Besonderes. Das sind halt die Achter im Enneagramm. Da gibt’s also auch gar nichts zu bewundern. Ich bin ein Neuner und will um Gottes willen gar kein Achter oder sonst was anderes sein. Jeder kann nur seinen eigenen Weg gehen. Also kann ich dir nur raten, niemanden zu bewundern, sondern deinen ureigenen Weg zu finden, wie du mit dem ganzen Scheiß umgehen kannst. Die Suppe musst du hinterher jedenfalls immer ganz allein auslöffeln.

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      • Nitya schreibt:

        Keine Schuld, kein Verdienst. Nur das, was ist.

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      • Alexandra schreibt:

        Mafa, was du geschrieben hast, hätte ich auch schreiben können. Kenne ich sehr gut, das alles. Obwohl mir zum Glück immer mehr scheissegal ist was andere von mir denken. Bis ich wieder in eine Situation komme, wo ich merke, dass dem doch nicht so ist. Aber ich sage viel mehr als früher meine Meinung und das fühlt sich gut an.und wenn mir auch scheissegal ist, was andere von mir denken, bekomme ich mehr Mitgefühl. Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass ich gefühlsmäßig ein Anfänger bin. Ich will das mal in einem Beispiel beschreiben: jemand der sein Leben lang Farben nie in vollem Umfang und in den vollen Kontrasten sieht sondern eher verschleiert, weiß gar nicht, wie bunt die Welt ist. Wenn ich nicht einen Mann an meiner Seite hätte, der gefühlsmäßig das volle Gegenteil von mir ist, wüsste ich gar nicht, dass man mehr und anders fühlen kann als ich. Und obwohl ich mit ihm bald dreißig Jahre sehr glücklich verheiratet bin, ist mir ( oder besser uns) dieser Kontrast erst seit kurzem so richtig klar geworden. Das ist irgendwie auch faszinierend. Er kommt aus seinem fühlen gar nicht raus, was auch nicht unproblematisch ist. Ich bin immer schön auf Distanz zum Gefühlen. Dabei bin ich alles andere als kalt. Aber so wie schöne Gefühle sich in mir breit machen wollen, kommt so ein sätzchen im Unterbewusstsein: fühle lieber nicht zu viel, da kommen auch noch schlimme Gefühle“ oder so ähmliches. Und schon, Schwubs, macht das System zu. Dagegen kann ich nix machen und ich lerne gerade, halt genau das wahrzunehmen was da erscheint. Und dann kommt immer öfter als Gedanke: spür einfach das was ist. U d dann bin ich mal für Momente aus dem Kopf heraus.

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      • Alexandra schreibt:

        Lieber Nitya, was passiert ist folgendes: ich nehme stärker Stimmungen von anderen Menschen wahr, und in Bezug auf meine lieben Lehrerkolleginnen stresst es mich einerseits mehr, wenn ich deren Stress spüre. Und ich kann dann oft diese stressigen Situationen kaum aushalten. Will da einfach nur meine Ruhe. Auf der anderen Seite spüre ich die Energiender Kinder (1.klasse) auch immer mehr und das ist anders. Lebendiger, frischer, authentischer, direkter. Das tut irgendwie gut, obwohl es da natürlich auch heftige Probleme gibt. Und die kleinen Egos sich auch schon heftig nach vorne schieben. Aber eben das auch authentischer irgendwie….

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      • Nitya schreibt:

        Liebe Alexandra,

        ich arbeite nun schon seit ca. 35 Jahren als Primärtherapeut. Primärtherapie ist schwerpunktmäßig Gefühlstherapie. Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen: Mehr fühlen bedeutet einerseits ein reicheres Leben und andererseits bei Gott nicht weniger Schwierigkeiten, sondern oft sogar sehr viel mehr Schwierigkeiten. Wenn ich alles an mir abprallen lassen kann, hab ich es halt oft entschieden einfacher im Leben. Jedenfalls oberflächlich betrachtet. Aber das hast du ja auch schon längst herausgefunden. Alles hat seinen Preis, auch eine stabile Abwehr, an der alles abprallt. Wenn dann irgendein wirklich dicker Schicksalsschlag kommt und die ganze Abwehr mit einem Schlag zusammenkracht, dann können Menschen, die schon immer mit dem Fühlen verbunden waren, oft sehr viel besser damit umgehen. Sie leiden zwar auch, haben aber gelernt, mit ihrem Leiden zu leben. Alles Leben ist auch leiden, Auch. Genauso wie es Freude ist und und und. Das Leben ist farbig und nicht grau. Und wer tiefer und tiefer erfahren will, was da alles in ihm herumwest, der muss sich auf den Weg des Fühlens machen.

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  4. mafa76 schreibt:

    Vielleicht ist beneiden auch nicht das richtige Wort. Trotzdem vergleicht mein Kopf eben und sieht dass es auch anders geht. Und ja mir ist bewusst dass ich meinen eigenen Weg gehen muss, habe ich oben ja geschrieben. Hab ja keine Wahl 🙂 weiter geht’s …

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  5. mafa76 schreibt:

    Hallo Alexandra, ja ich verstehe was du meinst, sehr gut sogar. Wie ähnlich Menschen sich doch sind. Ich glaube bei mir hat es auch viel mit der Erziehung meiner Eltern zu tun. Viel Selbstbewusstsein wurde mir nie beigebracht, Lob gab es nie. Dann noch eine sehr enttäuschende Ehe, beziehungsweise ein Mensch der mich extrem enttäuscht hat. Naja es braucht viel um wieder Vertrauen und selbstbewusstsein aufzubauen, gerade in der heutigen Zeit… aber es geht voran, und wie bei dir, gibt es auch bei mir immer mehr Augenblicke, in denen ich meine Meinung sage … aber manchmal wäre es nett wenn einfach mal alles gut wäre, diese ständige ankämpfen, immer dagegen ist schon ziemlich erschöpfend. Pausen gibt es keine …

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    • Alexandra schreibt:

      Lieber Mafa,
      Ja, die Konditionierungen machen viel aus. Bei mir ist es, denke ich, meine Mutter, die mir das verdrängen von Gefühlen vorgelebt hat. Aber das Bohren in der Vergangenheit bringt meistens auch nicht wirklich was. Denn niemand ist daran schuld. Diese Erkenntnis kam mir schon recht früh, als ich mir klar machen konnte, wie meine Eltern konditioniert wurden. Kein Täter, alles greift ineinander…

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      • mafa76 schreibt:

        Ja ich kenne diese Sätze wie kein Täter usw. Ändert nur leider nichts daran wie es ist solange das nur theoretisch verstanden wird. Sollte dieser Erkenntnis wirklich irgendwann mal meinen ganzen Körper durchströmen, dann vielleicht ja. Aber es ist auch nicht so das ich jemand böse wäre, mir ist schon klar das sie und auch mein Vater nicht anders konnten. Trotzdem sitz ich die Scheisse jetzt aus 😉

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  6. Alexandra schreibt:

    Lieber Nitya,
    „Und wer tiefer und tiefer erfahren will, was da alles in ihm herumwest, der muss sich auf den Weg des Fühlens machen.“ genau das ist mir klar, aber ebenso, dass man sich eben ncitbeinfsch auf so einen Weg machen kann. Weil man ja wirklich überhaupt nichts in der Hand hat. Seine eigene Welt entdecken, die gar nicht meine Welt ist, heißt alles entdecken, was da so auftaucht. Gedanken, Gefühle, Verdrängung von Gefühlen, Angst vor Gefühlen usw. alles was ich vielleicht tun kann, obwohl das auch nur geschieht, ist ständig die grauschleier von der Brille putzen. Von der ich bis vor kurzem nicht mal wusste, dass sie auf der Nase sitzt. Vielleicht sollte ich besser sagen putzen lassen, auch wenn da niemand ist, der das für nicht tut. Seufzend der putzaktion hingeben… so vielleicht… auch wenn ich weiß, dass mir nicht alles gefallen wird, was ich dann sehe. Etwas in mir will das sehen und etwas geht dagegen an. Was mir hilft, ist immer wieder in der stillen Gegenwart von Nabala zu sein.

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Alexandra,

      du schreibst: „Weil man ja wirklich überhaupt nichts in der Hand hat.“ Ist das wahr? Ist das wirklich wahr? Oder bloß wahr, weil das Werner Ablass, Ramesh Balsekar und und und gesagt haben?

      Ja, es ist wahr. Und es ist nicht wahr und es ist sowohl wahr wie falsch und weder wahr noch falsch. Das ist das, warum mir die Spiris so auf den Keks gehen. Da werden Wahrheiten verabsolutiert und man kann das dann nur noch gläubig nachbeten – oder es bleiben lassen.

      Wir sind nicht die Handelnden und jetzt handle gefälligst! Das Leben ist völlig paradox und jede Einseitigkeit ist eine Mausefalle. Bei Grün darfst du an der Ampel über die Straße gehen. Dann kommt ein besoffener Idiot und schert sich einen Scheißdreck um dein Recht. Jetzt kannst du auf die Seite springen oder dich überfahren lassen und sterbend röcheln: „Aber ich war im Recht!“

      „Alles was ich vielleicht tun kann, obwohl das auch nur geschieht, ist ständig die Grauschleier von der Brille putzen, von der ich bis vor Kurzem nicht mal wusste, dass sie auf der Nase sitzt. Vielleicht sollte ich besser sagen „putzen lassen“, auch wenn da niemand ist, der das für mich tut.“ Das hast du aber gut gelernt. Ich nenne das „spiritual correctness“. Alles richtig, hilft bloß niemandem.

      Und in der stillen Gegenwart von Nabala zu sein, hilft natütlich auch nur für den Moment, in dem du in der stillen Gegenwart von Nabala bist. Der sei dir von Herzen gegönnt. Aber …

      Wenn du sie siehst, grüß sie ganz herzlich von mir. Sie ist wirklich eine ganz Süße.

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      • mafa76 schreibt:

        Genau das ist das Problem, und ich merke selbst an mir dass ich mich mit dem ganzen Kram immer mehr in eine völlig schwachsinnige scheinbare Handlungsunfähigkeit treibe. Vielleicht ist es sogar gefährlich sich solche Sachen überhaupt oder zu extrem reinzuziehen.Es mag ja Menschen geben, bei denen das so ist. Was auch immer da geschah, bei mir geschah das nicht, und in dem man diesen Kram irgendwie glaubt denkt man man müsste nichts mehr tun. Aber ich sehe das langsam auch ein dass das in eine völlig falsche Richtung läuft…

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      • Alexandra schreibt:

        Danke, Nitya!

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