Pascale: Doch, du hast was zu geben …


Pascale: Doch, du hast was zu geben … nämlich DAS HIER und dafür danke ich dir.

Nitya: Ich würde es so sagen: Wenn du z.B. ein Eichhörnchen siehst, dann nimmst du dir etwas, indem du seiner gewahr bist. Das Eichhörnchen gibt dir nichts.

Kleiner Facebook-Dialog vom letzten Montag.

„Mein Beitrag vorgestern schloss mit den Worten: Ich habe nichts, ich kann also auch nichts geben, und kaufen will ich schon gleich gar nix. Ich kann, um es so richtig zennig zusagen, nur nicht-seiend sein.“ Das da oben war also ein Teil von Pascales Kommentar und meine Antwort auf Facebook.

Ich bin Pascale sehr dankbar für ihren Einwand. Nein, ich schulde ihr keinen Dank. Da ist einfach Dankbarkeit in mir aufgestiegen, einfach schon allein deshalb, weil ich jetzt was zum Schreiben habe. Scheint irgendwie ein Thema von mir zu sein. Dankbar bin ich auch Angela, die zum Thema dies schrieb: „Geben, ebenso wie Nehmen kann ja aus verschiedenen Motiven heraus geschehen. ‚Heilend‘ wirkt es in meinen Augen, wenn beide, der Nehmende und der Gebende in ihrem tiefstinneren SEIN sind, ohne ‚Motive‘, Dankbarkeitsbeteuerungen etc. Dann ist das Gegebene nur noch ein Symbol für diese Einheit und es gibt keinen mehr, der gibt und keinen, der empfängt. Das sehe ich als das wahre Mitgefühl an.“
Osho hat gerne den Vergleich mit einer Blume gemacht, die ihre Farbsignale, ihren Duft, ihre Samen in alle Himmelsrichtungen aussendet, gleichgültig, ob sie wahrgenommen werden kann oder nicht. Vielleicht hat ihn das Gleichnis von Jesus über den Sämann inspiriert, wie er bei Lukas 1, 5-8 zu lesen ist:  „Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Der letzte Satz ist der entscheidende: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Eine Blume verströmt sich einfach, das ist ihre Natur. Sie kann nicht anders. Der Sämann hat als Bild einen dicken Nachteil: Viele Missionare fühlen sich als so ein Sämann und halten sich deshalb für auserwählt und etwas ganz Besonderes. Die Blume hält sich für gar nichts, sie ist einfach. Und sie hat auch nicht das Gefühl, die große Gebende zu sein. Das lässt sie selbst frei sein und andererseits steht niemand in ihrer Schuld. Und doch wird der, der ihre Schönheit erkennen und ihren Duft genießen kann voll Freude und Dankbarkeit sein. Das Nehmen-Können ist der entscheidende Punkt. Gebende sind wir alle einfach durch unser Dasein und gehen damit unseren Mitmenschen oft genug auf die Nerven. „Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken“, sagt Goethe. Es sind deine Augen, die die Gebenden sind und gleichzeitig die Empfangenden und die Dankbaren oder auch Nicht-Dankbaren, weil sie völlig verklebt sind.

Tja, das könnte euch – und damit ist nicht nur die SED gemeint – so passen, dass euch jemand diesen Mist glaubt. Man könnte auch sagen, es ist das Lied der „Gebenden“. Der Teufel soll sie alle holen! Wie Angela schrieb, da ist niemand, der gibt und niemand der nimmt. Da ist nur Sehen.

Gebender und Nehmender

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4 Antworten zu Pascale: Doch, du hast was zu geben …

  1. Angela schreibt:

    Lieber Nitya!

    Zitat: „… Das Nehmen-Können ist der entscheidende Punkt….“ …“ Eine Blume verströmt sich einfach, das ist ihre Natur. Sie kann nicht anders.

    Und doch, so sehe ich es jedenfalls … geben wir allem in der Natur durch unser stilles Gewahrsein, ohne den Verstand einzuschalten, durch unsere Freude und Dankbarkeit über all die empfundene Schönheit und den Frieden auch etwas zurück. Wie könnte es auch anders sein, wir sind nicht von der Natur getrennt, sondern durch das allumfassende Bewusstsein verbunden. Durch unser auf sie gerichtetes Bewusstsein kann sich die Blume ihrer eigenen Schönheit bewusst werden.

    LG von Angela

    • Nitya schreibt:

      „Durch unser auf sie gerichtetes Bewusstsein kann sich die Blume ihrer eigenen Schönheit bewusst werden.“

      Liebe Angela,

      jetzt hast du mich ins Grübeln gebracht. Das klingt für mich irgendwie so nach Trennung. „Unser Bewusstsein“ – „ihre eigene Schönheit“. Ich muss grad an einen Film denken, in dem amerikanische Muttis ihre kleinen Mädchen wie kleine Prinzessinnen ausstaffierten und sie auf Schönheitswettbewerbe mitschleiften und ihnen ständig ganz entzückt versicherten, dass sie die Schönsten im Lande seien. Und die kleinen Mädchen wurden sich so „ihrer eigenen Schönheit bewusst“.

      Bin ich mir „meiner eigenen Schönheit bewusst“? Wenn das Wort „eigen“ fehlen würde, hätte ich wahrscheinlich kein Problem mit dem Satz. Ich glaube nicht, dass ich mich auch nur ein klein bisschen schöner fühlen würde, wenn mir etwa eine Frau sagen würde, wie schön ich bin. Oder jemand sagen würde, wie klug ich bin oder was auch immer. Da ist Schönheit im Bewusstsein, aber niemand, der schön ist. Würde ich so sagen zu früher Morgenstund nach dem ersten Kaffee.

      Herzlichst
      Nitya

      • Angela schreibt:

        Lieber Niya!

        Einverstanden, ich nehme das „eigene“ zurück. Hauptsächlich wollte ich sagen, dass sich alles „wechselseitig“ befruchtet, das nicht nur EINE Seite empfängt und die andere nur GIBT.
        Es ist schwer auszudrücken, aber für mich fließt BEWUSSTSEIN , welches ja in allen Formen vorhanden und miteinander verbunden ist, hin-und her und zurück.
        So kann durch meine Erkenntnis, mein (liebendes) Gewahrsein auch die Natur in gewisser Weise zur Selbsterkenntnis gelangen.

        LG von Angela

      • Nitya schreibt:

        Liebe Angela,

        du schreibst: „Hauptsächlich wollte ich sagen, dass sich alles ‚wechselseitig‘ befruchtet, das nicht nur EINE Seite empfängt und die andere nur GIBT.“ und damit bin ich restlos glücklich. Manchmal macht das ja richtig Spaß, wenn man um Worte ringen muss, bis es sich so richtig schön rund anfählt.

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