Osho: Es hat eine andere Melodie


Nütze deine Klarheit, Probleme zu erkennen, aber versuche nicht etwas zu ändern, sondern akzeptiere alles so, wie es ist. Werde immer klarer – das ist die einzige Veränderung, die möglich ist, die einzige Entwicklung. Lass dich höher und höher von dieser Woge der Klarheit und Bewusstheit tragen. Wenn du höher aufsteigst, gelangt eine andere Welt in dein Blickfeld. Die Welt bleibt zwar dieselbe, aber durch dein klares Auge siehst du die Welt in einem anderen Licht und allmählich fügt sich alles zusammen. Eines Tages erkennst du dann, dass alles so ist, wie es sein soll. Das ist die Vollkommenheit der Klarheit – alles ist so, wie es sein soll, nichts fehlt, alles ist vollkommen. Diese Welt ist eine vollkommene Welt.

In einem solchen Moment ist deine Bejahung total, und wenn dein Ja total ist, sind alle Wunden geheilt.

Du wirst so ruhig wie Buddha, so unschuldig wie Jesus und so wunderbar vollkommen wie Lao Tse – gewöhnlich und doch außergewöhnlich. Man lebt dasselbe Leben und doch ein ganz anderes – es hat eine andere Melodie. Nutze also deine Klarheit, mm? Genieße sie, freue dich darüber.

aus: Osho, „Und vor allem nicht wackeln“

Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn wir den ganzen Scheiß, den die Herrscher der Erde jeden Tag produzieren, auch noch mit unserer totalen Bejahung vergolden würden?! Dann müssten die ja ihre kriminellen Machenschaften nicht einmal mehr mit diesen leeren Worthülsen wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte verschleiern. Sie könnten ungestraft ihre absolute Diktatur errichten und die Menschheit vollends vernichten und, soweit sie diese noch benötigen, ganz offen versklaven. – Also bitte, spinnt der Typ jetzt total oder hat der CIA ihn gekauft oder was ist da los?

„Man lebt dasselbe Leben und doch ein ganz anderes – es hat eine andere Melodie.“ Darüber kann man wohl nicht diskutieren. Für den einen ist es so, für den anderen ganz anders. Nicht einmal einem Philosophen kann man absprechen, dass er gelegentlich diese ganz andere Melodie des Lebens wahrnimmt, wenngleich ich das eher für ziemlich unwahrscheinlich halte, da er sonst vermutlich nur noch wenig Neigung zum Philosophieren verspüren würde, es sei denn „just for fun“. Dem einen Teil des Satzes würde natürlich auch jeder Philosoph zustimmen: „Nütze deine Klarheit …“ Nur versteht der Philosoph unter Klarheit vermutlich nicht dasselbe wie Osho. Er wird darunter vermutlich die Klarheit des Denkens verstehen. Nun war Osho selbst Philosophieprofessor und ein brillanter Denker und Redner. Und doch meinte er hier mit Klarheit etwas völlig anderes: Die Klarheit des Sehens. Es ist ein beliebtes Vorurteil der Philosophen, Mystiker in einen Topf mit emotional verquasten Sabbleltanten (oder Sabbelonkeln) zu werfen, die keinen klaren Gedanken zustande bringen. Dabei gab es auch unter den Mystikern ganz hervorragende Denker. Es ist halt nur so, wie schon Steven Harrison schrieb, dass nichts dagegen spricht, der brillanteste Denker aller Zeiten zu werden, solange man erkennt, was Gedanken wirklich sind. Na, versuch Letzteres mal einem Philosophen beizupulen, er wird dir mit einem Schwall von Gedanken klar zu machen versuchen, wie sehr du dich auf dem Holzweg befindest und wie unsere größten Geister mit ihren Gedanken der Welt einen großen Dienst erwiesen haben.

Es geht aber gar nicht um einen Dienst an der Welt. Es geht um schlichte Wahrheit (das schlichte Sosein) und die will niemandem einen Dienst erweisen, die will einfach nur sein und sich nicht die Bohne um die Meinung kümmern, die irgendjemand über sie absondert. Noch einmal einen meiner Lieblingshinweise des 3. Ch’an-Patriarchen Seng-ts’an in der Nityaschen Version: „Suche nicht nach dem Wahren, glaube nur nicht deinen Meinungen.“ Wie will einer je das Wahre erkennen, wenn er ständig dem Wahren etwas hinzufügt? So wird alles Wahre zur Lüge. Jede Meinung ist eine Hinzufügung, jede Vorstellung, etwa die Welt oder die Menschheit zu retten, ist eine Hinzufügung. „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose…“ schrieb Gertrude Stein in ihrem Gedicht „Sacred Emily“. Schließlich wollte sie sich ja ausdrücken, aber eigentlich ist schon das Wort „Rose“ zu viel.
Seit Jahrmillionen verrichten die Tiere, die Pflanzen, die Steine ihren „Dienst“ an dieser Erde und haben sie zu diesem wundervollen Planeten werden lassen, der sie ist, einfach durch ihr Sosein. Und dann kommt der Mensch und zerstört und zerstört und hört nicht auf zu zerstören mit seinen Religionen, seinen Philosophien, seiner Aufklärung, seinem ganzen größenwahnsinnig gewordenen Bewusstsein, was diese Erde aus sich selbst heraus so wunderbar hat entstehen lassen.

Osho sagt: „Lass dich höher und höher von dieser Woge der Klarheit und Bewusstheit tragen. Wenn du höher aufsteigst, gelangt eine andere Welt in dein Blickfeld. Die Welt bleibt zwar dieselbe, aber durch dein klares Auge siehst du die Welt in einem anderen Licht und allmählich fügt sich alles zusammen. Eines Tages erkennst du dann, dass alles so ist, wie es sein soll.“ Alle Polaritäten des Lebens sind Ausdruck seiner Vollkommenheit. Aus dieser Klarheit heraus lebt man dasselbe Leben und doch ein ganz anderes – es hat eine andere Melodie, einen anderen Duft, eine andere Leichtigkeit – und eine tiefe Stille.

Diese Erde ist nicht zu retten, jedenfalls nicht durch den Menschen, der dabei ist sie vollends zu zerstören. Die Erde retten, der Erde dienen, vielleicht sogar im Namen des Herrn, dieses oder eines anderen, … das ist alles Teil des menschlichen Größenwahns. Das menschliche Bewusstsein glaubt, sich ungestraft über die Natur stellen zu können, über die Tiere, die Pflanzen, die Steine, … und da haben die Religionen, die Philosophien, die Aufklärung ihr gerüttelt Maß dazu beigetragen. Ich denke gerade an das kleine Reklambüchlein mit den Texten von Lao-Tse in der Übersetzung von Günter Debon, das in jungen Jahren mein ständiger Begleiter war. Völlig zerfleddert und mit Tesafilm völlig verklebt brachte es mir diese Melodie in mein Herz zurück, von der Osho spricht, diesen Duft des Einfachen, Gewöhnlichen, Unbesonderen. Es gibt keinen größeren Dienst, den ich dieser Welt erweisen kann, als den, nichts Besonderes sein zu wollen, sondern einfach nur der zu sein, der ich bin. Das schafft jedes Eichhörnchen, warum sollte ich das nicht hinkriegen können?Ich könnte jetzt auch ein wenig herumspekulieren und mich fragen, ob nicht auch die Zerstörung von Mutter Erde Teil der Vollkommenheit sei. Aber offen gestanden, dazu hab ich nicht die geringste Lust. Wenn es dazu käme und ich das noch erleben würde, dann wäre es immer noch Zeit mit Alexis Sorbas zu rufen: „Hey, Boss, hast du jemals etwas so schön zusammenkrachen sehen?“

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14 Antworten zu Osho: Es hat eine andere Melodie

  1. Nitya schreibt:

    Ich fürchte, das wird noch ein langer Weg bis zum „Eichhörnchen“.

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  2. Angela schreibt:

    Zitat: „… Diese Erde ist nicht zu retten, jedenfalls nicht durch den Menschen, der dabei ist sie vollends zu zerstören….“

    Gab es da nicht den buddhistischen Mönch, der Folgendes sagte: “ Alles, was ich in den zwanzig Jahren als Mönch gelernt habe, kann ich in einem Satz zusammenfassen: Was entsteht, vergeht auch wieder, das weiß ich.“

    Dieser Mönch hat gelernt, dass es unsinnig, ist, dem, „WAS IST “ Widerstand entgegenzusetzen. Alles, was existiert, alle Formen sind nun einmal vergänglich. Aber es muss auch etwas Beständiges geben, das Bewusstsein, aus dem die Klarheit entstehen KANN.

    Osho : “ Die Welt bleibt zwar dieselbe, aber durch dein klares Auge siehst du die Welt in einem anderen Licht und allmählich fügt sich alles zusammen. Eines Tages erkennst du dann, dass alles so ist, wie es sein soll….“

    LG von Angela

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Angela,

      die Hindus kennen diese Dreieinheit von Erschaffen, Bewahren und Zerstören symbolisiert durch Brahma, Vishnu und Shiva. Man könnte es auch das Rad der Wandlungen nennen, denn darum geht es ja letztlich. Das Erschaffen beginnt nicht bei Null und das Zerstören endet nicht in einer Null. Eines geht aus dem anderen hervor. Und ja, in der Mitte des Rades ist das zeitlose Ewige, aus dem alles hervorgeht.

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  3. Christian schreibt:

    Guten Morgen,

    man kann natürlich aller Veränderlich mit Akzeptanz zustimmen – die Erkenntnis von Anicca ist auch Ausdruck und Wahrheit allen Seins und eines Teils – dessen wir auch sind. Eben so beeinhaltet wei wu wei als Konzept auch das Nichthandeln als Aufforderung zum Handeln wenn es zu handeln gilt – und dies ist natürlich jetzt der Fall für uns als Protagonisten einer Realiät, die zusehends zu einer totalen Dystopie verkommt.

    Sicherlich tröste ich mich zuweilen auch mit der Erkenntnis alles geht seinen Weg – aber was haben wir die nächsten Generationen davon – wenn digitale Demenz und Autismus durchschlägt und es nur mehr ein paar Götter im Olymp gibt die sich einer gesichts- und gehirnlosen Masse erfreuen – soVielfalt und Ausdruck aller Möglichkeiten auf dem Tisch einiger Egos zu opfern scheint mir nicht so sinnvoll auch im Sinne der Evolution..

    Tja – es wird schon alles gut gehen…

    Danke NItya für deinen Blog – du bereitest mir jeden Tag Freude mit den „Geschichten“ und einen Stupser für einen achtsamen Tag 🙂

    Liebe Grüße Christian

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    • Nitya schreibt:

      Ja, lieber Christian,

      jede Einseitigkeit erscheint auch mir völlig absurd. Ich gehe immer noch zum Zahnarzt, wenn ich träume, zum Zahnarzt gehen zu sollen. Der Traum ist unsere Realität, ob ich sie Traum nenne oder wie auch immer. „Ich träum gerade, dass es mir ordentlich weh getan hat, Herr geträumter Zahnarzt.“ 😉

      Herzlichst
      Nitya

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    • Angela schreibt:

      Lieber Christian!
      Zitat: „… Sicherlich tröste ich mich zuweilen auch mit der Erkenntnis alles geht seinen Weg – aber was haben wir die nächsten Generationen davon ……“

      „Hingabe“ heißt in meinen Augen nicht „Nichts zu tun“, sondern es heißt, dass alles Tun nicht mehr reaktionär ist. Es kommt dann aus dem tiefen inneren Verlangen, etwas zu bewirken.
      So nach dem Motto: “ Tu alles, was du tun musst, aber gleichzeitig nimm das an, was IST.“
      Das ist wieder die verflixte , so schwer verständliche Dichotemie!

      Wenn man seinen Widerstand gegen das, WAS IST, aufgibt, fallen die Ego-Motivationen, Angst , Gier und Kontrolle nämlich weg , und ES, das große Selbst kann herausscheinen. So entsteht dann eine andere Bewusstseinsqualität zum Segen der Menschheit.

      LG von A n g e l a

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  4. fredoo schreibt:

    Auch ich würde den Satz „der Mensch ist dabei, die Erde zu zerstören“ in einer Hinzufügung differenzieren .

    Der Mensch ist dabei , als Gattung , die Erde in der Art und Weise zerstörend zu verändern , das er selbst als Gattung nicht mehr besonders heimelig dort wird weiter existieren können .
    Der Mensch zerstört nicht die Erde.
    Der Mensch zerstört das Bett auf dieser Erde , in dem er selber gerne kuschelig liegen möchte ( und ja auch könnte ) .
    Die Erde wird auch diese Seuche bestens überleben , und sogar diese „Aktionen“ dieser eigenartigen selbstmörderisch blinden Gattung wiederum als Impuls zur erneuten Fruchtbarkeit zu nutzen wissen.
    Ob aber diese Veränderungen dann der Gattung HomoSapiens taugen werden , ist die große Frage. Skepsis scheint da mehr als berechtigt.
    Sich also als Mit-Mensch für einen vernüftigeren Umgang mit der Resource Gaben der Erde einzusetzen , dient gar nicht sosehr dieser Erde ( die würde wie gesagt sogar diesen Wahnsinn des Menschen wieder (aus)nutzen können ) , es dient dem reinen Egoismus der HomoSapiense.

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    • Nitya schreibt:

      Ich denke auch, dass es dem Menschen nicht gelingen dürfte, die Erde zu zerstören. Unbewohnbar für sich selbst zu machen, allemale. Und er bemüht sich ja auch redlich, daszu schaffen.

      Werter Fredoo, du schreibst: „Sich also als Mit-Mensch für einen vernüftigeren Umgang mit der Resource Gaben der Erde einzusetzen , dient gar nicht sosehr dieser Erde ( die würde wie gesagt sogar diesen Wahnsinn des Menschen wieder (aus)nutzen können ) , es dient dem reinen Egoismus der HomoSapiense.“

      Das hab ich mir auch schon oft gedacht: Wenn die Menschen doch nur auf intelligente Weise wirkliche Egoisten wären! So wie Laotse, Buddha, Jesus, …

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      • fredoo schreibt:

        yep … das ist ja der witz … es mangelt der gattung homosapiens letztlich am im „spirituellen“ so gescholtenen vernüftigen egoismus …
        ich , als fredoo , hoffe da als mit-glied und mit-gehangenen der spezies „mensch“ nur auf eines … diese enorme fähigkeit von systemen … gerade der chaotisch gewordenen … sich wieder selbst harmonisch zu organisieren … womöglich mag dies ja auch diese selbstzerstörerische tendenz des menschen , der egoismus einfach nicht auf seine gattung in gänze zu transportieren vermag , zumindest halbwegs zu kompensieren …
        wenn nicht … tja … dann wars ne schöne zeit als sapiens …
        bis dahin , so oder so , gilt es für mich , zumindest die gaben der eigenen kritischen vernuft , dieser erhofften fähigkeit der systeme zur selbst(re)organisation zur be-nutzung anzubieten …

        Gefällt 3 Personen

  5. Eno Silla schreibt:

    Ist das nicht alles (wie) Traum
    Der Mensch – du und ich
    Und das ganze Gehampel

    Traum des einen Geistes
    Dieser ganz anderen Melodie
    Unbedingbar alles durchtönend

    Gefällt 3 Personen

    • Nitya schreibt:

      Jein, würde ich sagen, lieber Eno. Wenn du morgen nichts mehr zu essen hättest, würdest du träumen, elendiglich zu verhungern und zu verrecken, und das würde sich verdammt real anfühlen.

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      • Eno Silla schreibt:

        Jein finde ich gut, lieber Nitya, drückt es doch dieses grundlegende Nicht-Wissen aus. Alles fühlt sich so wahnsinnig real an, selbst die Albträume in der Nacht und doch ist es nur ein flüchtiges Erscheinen, selbst der Schmerz des Verhungerns…

        Ich fahre jetzt raus, in die Sonne, der ganz anderen Melodie hingegeben lauschen 🙂 !

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  6. Hat dies auf DER Weg zum MenschSEIN in Freiheit und SELBSTbestimmung – Die Lösung ist da, nun muss der Weg nur noch gegangen werden. – Wer geht mit? rebloggt und kommentierte:
    Ich bin so ruhig wie Buddha, so unschuldig wie Jesus und so wunderbar vollkommen wie Lao Tse – einzigartig und doch nicht artig, gewöhnlich und doch außergewöhnlich.

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