Niu-t’ou Fa-jung: Nichts zu erklären, nichts zu erreichen



Im Gehen und Kommen, im Sitzen und Stehen,
Hör einfach auf, etwas festzuhalten,
Wo keine Richtung zu bestimmen ist,
Wie könnte es da Kommen und Gehen geben?

Kein Sammeln ist nötig und kein Zerstreuen,
Es gibt weder langsam noch schnell.
Die leuchtende Stille ist Von-selbst-So,
Das ist nicht zu erklären, da gibt es nichts zu erreichen.

aus: Niu-t’ou Fa-jung, „Hsin-ming“

Was wäre der Buddhismus ohne die tiefe menschliche Weisheit des Taoismus? Nein, Buddha kann nix für das, was sich alles so Buddhismus nennt. Jesus ist schließlich auch völlig unschuldig daran, was die Stellvertreter Gottes auf Erden alles in seinem Namen veranstaltet haben. Und die Taoisten – soll niemand glauben, dass die von diesem überall zu beobachtenden Niedergang verschont geblieben seien. Aber diese Zeit der Begegnung zwischen Buddhismus und Taoismus im ersten Jahrtausend u.Z. in China war einfach der reinste Urknall. Auf diesem Gebiet gibt es keine Tradition, auf die man sich berufen könnte. Das muss immer wieder ganz neu von Einzelnen entdeckt werden, da hilft kein Gott und kein Engel.
Niu-t’ou Fa-jung  sagt: „Im Gehen und Kommen, im Sitzen und Stehen, hör einfach auf, etwas festzuhalten, wo keine Richtung zu bestimmen ist, wie könnte es da Kommen und Gehen geben?“ Witzig die Formulierung: Wie könnte es im Kommen und Gehen Kommen und Gehen geben? Du bist immer da, wo du gerade bist. Jeder Schritt ist nur möglich, wenn der vorausgegangene Schritt nicht festgehalten wird. Buddha ist daher geschritten, Laotse, Niu-t’ou Fa-jung und all die anderen; wer an ihnen festhält, kann nur auf die Nase fallen. Insofern bin ich immer wieder ganz erstaunt, wenn mich jemand etwa mit irgendwelchen altehrwürdigen Sutras zurechtzuweisen versucht. Die gehen mir aber sowas von am Allerwertesten vorbei! Entweder ich kann über etwas freudestrahlend grinsen oder eben nicht. Ein anderes Kriterium hab ich nicht. Also zum x. Male: Ich bemühe mich Null um Seriosität. Ich habe den Beamten nicht hingeschmissen, um mich jetzt in eine spirituelle Zwangsjacke zwängen zu lassen.

„Kein Sammeln ist nötig und kein Zerstreuen, es gibt weder langsam noch schnell. Die leuchtende Stille ist Von-selbst-So; das ist nicht zu erklären, da gibt es nichts zu erreichen.“ Stell dir vor, es gäbe weit und breit keinen Buddha, keinen Laotse, keinen Niu-t’ou Fa-jung, keinen Wegweiser, niemanden, der versuchen würde, dir ein Licht aufzustecken, … das ist im Grunde die Situation, in der du dich befindest. Bis auf eine kleine Kleinigkeit: Da gab es vor dir schon all diese erleuchteten Geister. Nu erweise ihnen allen den ihnen gebührenden Respekt, indem du zusiehst, wie du sie alle wieder loswirst. „Triffst du Buddha unterwegs, töte Buddha!“ Du musst erst all die erleuchteten Geister umbringen, bevor dir klar werden kann, dass dir niemand helfen kann. Du musst ganz bei Null anfangen. Musste Buddha auch und all die anderen.

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