Karl Renz: Meditation ohne und mit einer Absicht


Du meditierst, weil deine Natur als Bewusstsein Meditation ist und diese Meditation besagt, dass du kein Ergebnis erwartest. Deshalb bist du, wie du bist. Du bist diese Meditation, die ihrer Natur nach Meditation ist – Handlung ohne Absicht.

Sieh einfach, dass das, was getan oder nicht getan wird, zu keinem Ergebnis führt. Im Nichtwissen dessen, was du bist, bist du das Wissen. Statt zu wissen oder nicht zu wissen, bist du. Wenn du also trotz allem, was du wissen oder nicht wissen kannst, ganz und gar bist, dann ist das Meditation, weil du dich nicht nicht verwirklichen kannst. Und dich selbst zu verwirklichen bedeutet darüber zu meditieren, was du BIST. Aus dieser Meditation ergibt sich der gesamte Traum. Das ist eine Meditation dessen, was du bist. Das ist Meditation mit einer Absicht. Momentan ist die Absicht Teil der Meditation – sie wird zu einem persönlichen „Ich“, weil es eine Idee gibt, die vorteilhaft erscheint: „Durch Meditation kann ich werden, was ich werden will, ich kann werden, wonach ich mich sehne.“ Du machst dich selbst zum Objekt des Verlangens, von einem Ziel. Dann gerätst du in dieses Kontrollbusiness. Du wirst „der Meditierende“. Du übernimmst die Meditation.

Aber indem du die Meditation bist, gibt es keinen Handelnden, nur das „Ich bin“, das auf DAS meditiert, was „Ich bin“ ist. Das ist alles.

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“

Ich meditiere nicht. Mir ist selten etwas so Absurdes untergekommen, wie diese Aufforderung zu meditieren. „Du bist Meditation“, sagt der Karl und ich kann ihm nur völlig zu stimmen. Unnötig, daraus ein Ding machen zu wollen. Früher hab ich ja manchmal gedacht: „Du bist vielleicht einfach eine faule Sau. Nu setz dich doch mal auf deinen Arsch und tu, was all die Gurus seit Jahrhunderten empfehlen.“ Ich hab’s gemacht, allein und zusammen mit anderen und mich immer wieder nur gefragt: „Was treibst du hier eigentlich?“ Ich kam mir nur blöd vor. So wie der Karl das hier zu meiner Freude beschreibt, ist Meditation einfach Gewahrsein. Und Gewahrsein geschieht rund um die Uhr. Dafür brauche ich keinen Entertainer und keinen Personal Trainer. Meditation ist nicht machbar, Meditation geschieht einfach ganz von selbst, Meditation ist meine Natur. Und deine auch.

Nochmal zu meinem Aufmerkskeitsschieber, weil man ihn sehr leicht missverstehen könnte. Ich nenne ihn Aufmerksamkeitsschieber und nicht Gewahrseinsschieber oder Schieber für Erscheinungen. Wir sind Gewahrsein. Da gibt’s nichts dran zu schieben. Es geht bei der Schieberei nur um die Frage, wo gerade meine Aufmerksamkeit ist, beim Seher oder beim Gesehenen.

Karl spricht das Thema „Meditation mit Absicht“ an: „Du machst dich selbst zum Objekt des Verlangens, von einem Ziel. Dann gerätst du in dieses Kontrollbusiness. Du wirst ‚der Meditierende‘. Du übernimmst die Meditation.“ „Der Meditierende“ ist nicht der Seher, ist nicht das Gewahrsein. Er erscheint im Gewahrsein und ist selbst nur aus dem Stoff, aus dem die Träume sind. Absichtlich meditieren … ein Affe würde sich selbst nie so „zum Affen machen“. Der sitzt möglicherweise so rum, weil ihm gerade danach ist. Ich vermute, Laotse hätte sich vielleicht einfach so dazu gesetzt, wenn ihm danach gewesen wäre. Der Laotse hat mich offensichtlich in jungen Jahren völlig versaut. Einfach mit einem Kumpel ein bisschen abhängen und vielleicht ein wenig rumlästern über die strebigen Meditierer.

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8 Antworten zu Karl Renz: Meditation ohne und mit einer Absicht

  1. Alexandra schreibt:

    Ich glaube zum „richtigen“meditieren bin ich auch zu faul. Wenn mir mal danach ist,lege ich mich bei entspannender Musik hin und bin mal ganz da. Oft fühlt es sich an, als würden dann die körpergrenzen aufgelöst, es kribbelt überall. Det Jedankenmaschinchen hat dann immer mal wieder für ein paar Sekunden Sendepause – oder wird wahrgenommen… gestern allerdings ging’s vom denken gleich in den Halbschlaf. Warum mache ich das nun (eher selten)? Da ist auf jeden Fall der Versuch mal von dieser Illusion in der Illusion, der Gedankenwelt, ein bisschen Abstand zu bekommen… also schon mit ner Absicht. Vielleicht damit mein Aufmerksamkeitsschieber auch hin und wieder mal den Weg nach rechts findet.

    Gefällt 1 Person

  2. Hagen Unterwegs schreibt:

    Da, mein lieber Nitya, ist er wieder: Der Punkt, an dem ich mich reibe.

    Ich stimme Dir total zu, wenn Du sagst, dass man Meditation „ist“ und es daher nicht zu „machen“ braucht. Und ich habe – nach dem zahlreichen Lesen Deiner Blogartikel – auch Deine Kritik daran verstanden, dass man, dadurch, dass man etwas „macht“, dieses zum Objekt degradiert.

    Wenn ich aber auf meinen bisherigen Weg zurückblicke, ist mein Eindruck, dass ein jegliches seine Zeit hat: Machen und auch sein.

    Hätte ich mich nicht irgendwann mal auf Meditation eingelassen, hätte ich nie von diesem Bewusstsein gekostet, mit dem ich dadurch in Berührung gekommen bin.

    Eben dieses Bewusstsein lehrt mich auch, dass es der Meditation gar nicht bedarf, weil ich dieses Bewusstsein „bin“.

    Verstehst Du mein Dilemma?

    Herzliche und gesegnete Grüße!

    Hagen

    Gefällt 2 Personen

    • Nitya schreibt:

      Mein lieber Hagen,

      ich verstehe dein Dilemma, muss aber hinzufügen, dass da gar keines ist, es sei denn – wie hat das der Herr Fredoo so hübsch ausgedrückt: „… ohne dies wiederum zur Anweisung zu pervertieren“ – es denn also, das du mein Geschreibsel als Aufforderung verstehst,. dies oder das zu tun oder zu lassen. Ich schreibe einfach von mir, einfach von da aus, wo ich mich gerade befinde, ohne den geringsten Anspruch, damit richtig zu liegen. Was weiß denn ich schon, was richtig und was falsch ist? Mein Lebensweg ist gepflastert mit ganz viel Mist.

      Herzlichst
      Nitya

      Gefällt 3 Personen

  3. fredoo schreibt:

    Meditation ist (für mich) Sport …
    Ein Ertüchtigungsversuch der Eigenwahrnehmung …
    Dieser Blick nach innen war mir auch immer eher Last und Mühe , als wirklich erquicklich .
    Ähnlich wie beim Herrn Nitya plagten mich da auch (aber nur kurzfristig) Visionen eines sozial stimulierten schlechten Gewissens einfach ein fauler Sack zu sein … bin ich auch … und zwar mit Freuden .

    ohne dies wiederum zur Anweisung zu pervertieren kann ich nur den Weg nach außen empfehlen … statt Innenschau ( bei mir gabs da ohne nicht viel zu entdecken ) … der „weiche Blick“ (nach außen) … (möglichst) absichtslose Betrachtung dessen , was da gerade „serviert wird“ vom Leben …
    minderte Widerstand , aktivierte die „Curiosity“ , … einfach erbaulich fein … und noch mehr ? … dazu war und bin ich einfach zu faul …

    😉

    Gefällt 1 Person

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