Wei Wu Wei: Ich ziehe eine Ratte vor

  • „Du siehst müde und hungrig aus!“ sagte das Kaninchen teilnahmsvoll.
  • „Bin ich,“ antwortete die Eule.
  • „Also dann, warum isst du nicht und schläfst dann eine Weile?“
  • „Nichts da zum Essen und nicht schläfrig.“
  • „Erlaube mir,“ meinte das Kaninchen, „ich stehe zur Verfügung und bin bereit.“
  • „Du!? Bist du Buddhist oder so etwas Ähnliches geworden?“
  • „Ja,“ erwiderte das Kaninchen schüchtern, „das macht solchen Spaß!“
  • „Also bietest du dich mir an?“
  • „Mit Freuden, “ sagte das Kaninchen, mit begeisterter Stimme und bebender Nase. Ein Opfer zu bringen bedeutet großes Glück.“
  • „Tut mir Leid, da spiele ich nicht mit!“
  • „Warum nicht?“ fragte das Kaninchen gekränkt.
  • „Buddhisten mögen nichts Appetitanregendes oder Schmackhaftes,“ klackerte die Eule, „ich ziehe eine Ratte vor!“

aus: 0.0.0.: „Weisheit jenseits der Welt … wie sie die Eule dem Kaninchen verkündete“
Ich hab vielleicht gelacht, als ich diese kleine Geschichte von Wei Wu Wei gelesen habe. Ich hör schon die ganzen Moralapostel gackern: „Was gibt’s denn da zu lachen?“ Mannomann, wie oft musste ich diesen Satz schon hören oder „Am Lachen erkennt man die Narren“ oder was anderes in der Preislage. Als Konfirmant hab ich mal gelernt:

Ihr habt gehört, dass gesagt ist „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. (mt 5,38/9)

Nun, unser Pfarrer, war Rechtshänder, und ich tat alles, dass er meiner rechten Backe nicht zu nahe kam; insofern musste ich ihm auch nicht meine andere darbieten. Ansonsten hat sich mir der tiefere Sinn dieser Empfehlung bis heute noch nicht erschließen können und ich fürchte, dass da mal wieder der Vatikan seine Finger im Spiel gehabt hatte oder irgendwelche Politiker. Und die dusseligen Sklaven lassen alles mit sich geschehen, weil unser Herr Jesus Christus das angeblich gesagt hat und sie glauben, auf diese Weise mal in den Himmel zu gelangen. Da sind mir ja noch die muselmanischen Jungs lieber, die sich Hoffnungen auf ihre 72 Jungfrauen machen. Da weiß man doch wenigstens, was man hat. 72 Jungfrauen sind 72 Jungfrauen und die darf man alle entjungfern. Na dann, Halleluja. Die Christenkerle, die armen Schweine, müssen ihr Halleluja ganz ohne die Hoffnung auf zahlreiche Jungfrauen singen. Aber vielleicht singen sie es ja dann gerade deshalb?

Der Eule von Wei Wu Wei schmecken giftige Ratten besser als sich selbstaufopfernde buddhistische, christliche oder ähnlich gesinnte Gutkaninchen. Da dies weniger an der Qualität des Fleisches liegen dürfte, hat es wohl mehr mit der Gesinnung dieser potenziellen Beutetiere zu tun. Lieber eine richtig scharfe Ratte als ein fades, bigottes, suizidales Kaninchen, wird sich die Eule gedacht haben. Schmeckt einfach besser und liegt nicht so schwer im Magen.

Erst mal kriegen! Hihi…

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9 Antworten zu Wei Wu Wei: Ich ziehe eine Ratte vor

  1. punitozen schreibt:

    ……… Ihr habt gehört, dass gesagt ist „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“
    Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen,
    sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt,
    dem biete die andere auch dar .
    Mir erschloss sich diese erhellende Aussage schon , lieber Nitya .
    Hat jedoch nix mit irgendeinem Theologen oder Politikinterpretation zu tun .
    Liebe Grüße
    Punito

    • Nitya schreibt:

      Na dann klär mich mal auf, lieber Punito.

      • punitozen schreibt:

        Hier wurde die BLUTRACHE thematisiert !
        Nix Kirche , Papst oder Politikergeschwätz .
        .

      • Nitya schreibt:

        Bedaure, lieber Punito. Die andere Backe hinzuhalten schießt für mich meilenweit über das Ziel, auf Blutrache zu verzichten, hinaus. Das ist für mich blanker Masochismus.

    • punitozen schreibt:

      Himmihergottsakramentnitya ! Keine Backe hinhalten . Konflikte verhindern bevor sie entstehen , dann brauchste keene Backe hinhalten . Och nicht im Namen der Familie , des Herrn e.c.t.
      Einfach deine Sache auf NICHTS stellen !

      • Nitya schreibt:

        Wie ich schon schrieb, mein lieber fluchender Punito: „Nun, unser Pfarrer, war Rechtshänder, und ich tat alles, dass er meiner rechten Backe nicht zu nahe kam; insofern musste ich ihm auch nicht meine andere darbieten.“

  2. Elwood schreibt:

    War auch mal im Gedanke so ein Backe-Hinhalter. War ja gut eingeübt in meiner Kindheit. Wen ich der Gewalt schon ohnmächtig gegenüber steht, so konnte ich mich wenigsten moralisch als was Besseres fühlen. So hab ich lange darüber gegrübelt und glaubte nur so könnte „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ unterbrochen werden. Tja, wenn alle nur an dasselbe glauben, ist alles Friede Freude Eierkuchen und Rumgesalbere auf Kirchentagen. Doch dann kommt doch diese Fruh, welche doch so genauso nicht ein mm zurückweicht wie dieser Nitya-Rotzlümmel umd es kracht im Karton zu diesem Thema, „Ne, ich lass mir doch nicht von so einem Kadaver am Kreuz die Schuld einreden und auch noch die Backe hinhalten? – son Quatsch…“. Jetzt seh ich das alles nur als Idealismus, geboren aus der Ohnmachtskompensation. Bin ich jetzt ein Pantoffelheld?

    oder war ich früher einer?

    Keine Ahnung….

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