Nisargadatta: Ich habe mich vom Sein distanziert


Die Ärzte haben diagnostiziert, dass dieser Körper Krebs hat. Wäre jemand anderes so froh wie ich, bei so einer ernsten Krankheit? Die Welt ist deine direkte Erfahrung, deine eigene Beobachtung. Was auch immer passiert, es geschieht auf dieser Ebene. Aber ich bin nicht auf dieser Ebene. Ich habe mich von Sattva Guna, vom Sein, distanziert.

Der endgültige Zustand der Spiritualität ist der, in dem zu keiner Zeit Bedürfnisse gespürt werden, in dem nichts für irgendetwas nützlich ist. Dieser Zustand wird Nirvāna oder Nirguna genannt, die ewige und endgültige Wahrheit. Die Essenz und das Gesamtergebnis dieser ganzen Rede wird Sad-guru Parabrahman genannt, der Zustand, in dem es keinerlei Bedürfnisse mehr gibt.

Was nach der Auflösung des Universums, wenn überhaupt keine Spur von Schöpfung mehr erkennbar ist, übrig bleibt, ist mein vollendeter Zustand. Durch die Schöpfung und Zerstörung des Universums hindurch bleibe ich immer unberührt. Ich habe diesen Teil nicht erklärt: Mein Zustand hat nie die Schöpfung und Zerstörung des Universums gespürt. Ich bin das Prinzip, das alle Schöpfungen, alle Zerstörungen überlebt. Das ist mein Zustand und auch deiner, aber du erkennst es nicht, weil du dich an dein Sein klammerst. Das zu erkennen ist nur möglich, wenn man von unerschütterlichem Glauben unterstützt wird, von jenem ewigen Sad-guru Parabrahman. Dieser Zustand, dieses Parabrahman Prinzip, ist ewig und ist auch der Sad-guru. Er ist das ewige Eigentum eines jeden Schülers eines Gurus.

aus: Nisargadatta, „Bewusstsein und das Absolute“

Worauf richtet sich gerade meine Aufmerksamkeit?

Nisargadatta ist in der Hindu-Tradition aufgewachsen und drückt sich, wen wundert’s, wie ein Hindu aus. Für einen im Westen aufgewachsenen Menschen klingt das alles erst mal ziemlich unverständlich und ungeheuer heilig. Je unverständlicher, desto heiliger. Nisargadatta sagt: „Die Welt ist deine direkte Erfahrung, deine eigene Beobachtung. Was auch immer passiert, es geschieht auf dieser Ebene. Aber ich bin nicht auf dieser Ebene. Ich habe mich vom Sein, distanziert.“ Nun, seine ganze Ausdrucksweise entstammt dieser Ebene, da mag er sich noch so sehr von ihr distanziert haben. Nisargadatta sagt weiter: „Ich bin das Prinzip, das alle Schöpfungen, alle Zerstörungen überlebt. Das ist mein Zustand und auch deiner, aber du erkennst es nicht, weil du dich an dein Sein klammerst.“ Wenn es auch dein Zustand ist, von dem er hier spricht, dann hat dieser Zustand nichts mit Hinduismus und Sanskrit-Begriffen zu tun und es ist völlig legitim, deine Begrifflichkeiten zu verwenden, um überhaupt intellektuell verstehen zu können, wovon er spricht.
Prof. Bömmel: Da stelle mer uns wieder janz dumm. Es gibt zwei Ebenen: Die Ebene der Dinge und die Ebene ohne Dinge. Oder anders gesagt: Die Ebene der Escheinungen und die Ebene des Gewahrseins. Wenn ich die Ebene der Dinge, der Escheinungen, als „Ebene des Seins“ bezeichne, dann kann ich die Ebene ohne Dinge, die Ebene des Gewahrseins die „Ebene des Nicht-Seins“ nennen. Das ist allerdings eine sehr verwirrende Bezeichnung, denn in dem Moment, in dem ich von der Existenz dieser Ebene ausgehe, hat auch sie ihr eigenes Sein. Nicht-Sein würde hier bedeuten, dass mein Sein als getrennte Erscheinung in ihr nicht ist.

Ich hoffe, der Bömmel lässt dat so als einfach jenuch durchjehn.

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5 Antworten zu Nisargadatta: Ich habe mich vom Sein distanziert

  1. ananda75 schreibt:

    Also. .. ganz ehrlich. .. ich bin da – noch? – nicht, aber ich find das überhaupt nicht umständlich oder übertrieben heilig 😊

    Das ist genau das, was ich immer mein, das muss möglich sein – und wenn er das auch sagt. ..
    Das gibt doch Hoffnung 😊

    Danke dir dafür, lieber Nitya ❤

    • Nitya schreibt:

      Liebe Ananda,

      das muss nicht möglich sein (Zukunft), das ist längst der Fall. Wurscht ob er das sagt oder niemand sagt. Hoffnung bedeutet: Nicht jetzt. Ist aber schon längst passiert.

      • ananda75 schreibt:

        grins – ja, das dachte ich auch, als ich das Wort Hoffnung schrieb 😊
        … auch schon „muss“ 😏
        Hab’s so stehen lassen… warum?
        Um meine Bescheidenheit und Demut des Mensch-Seins auszudrücken und mir eins gegrinst 😏
        Dank dir noch mal
        Ein guter Start in den Tag 😊

  2. Inge schreibt:

    Kann der ‚Aufmerksamkeits-Schieber‘ auch in der Mitte stehen bleiben?
    Und wenn ja – bin ich dann tot?
    oder ist das auch längst der Fall?

    • Nitya schreibt:

      Es soll ja Leute geben, bei denen der Aufmerksamkeitsschieber ganz rechts kleben geblieben ist. Keine Ahnung, ob es die gibt. Ansonsten würde ich sagen, wandert der Schieber hin und her und tanzt seinen Schieber nach Lust und Laune. Na ja, statistisch halten sich ja manche Schieber lieber links als rechts auf, aber das tut der Liebe keinen Abbruch.

      Tote können nicht schreiben. Ich vermute also: Die Inge lebt!

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