Niu-t’ou Fa-jung: Den Nicht-Geist walten lassen

Ist der Eine Herz-Geist verdunkelt,
Wirst du die vielfältigen Erscheinungen missverstehen.
Die Dinge kommen und gehen ganz spontan,
Wozu sich verrenken in Ablehnung und Habenwollen?

Geburt trägt das Siegel des Ungeborenen,
Geburt und Erleuchtung sind ein und dasselbe.
Willst du einen reinen Herz-Geist erlangen,
Musst du den Nicht-Geist walten lassen.

In allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung –
Dies ist die subtilste aller Einsichten.
Das Wissen von Dharmas ist Nicht-Wissen,
Nicht-Wissen weiß um das Wesentliche.

aus: Niu-t’ou Fa-jung, „Hsin-ming“

Niu-t’ou Fa-jung, der große Bilderstürmer, vernichtet mit einem Streich nicht nur sieben, sondern gleich alle heiligen Kühe. Eine dieser heiligen Kühe ist die Notwendigkeit der Innenschau für den sog. Mystiker. „Was sind sie von Beruf?“ – „Diplom-Mystiker. Ich sitze den ganzen Tag mit geschlossenen Augen da und schaue nach innen.“ Innenschau im Sinne einer Ablehnung einer „Außenschau“ ist so  eine heilige Kuh. Dahinter steht nichts anderes als der verdunkelte Eine Herz-Geist, der die vielfältigen Erscheinungen im sog. Außen missversteht. Kein Wunder. dass dem hl. Antonius alle seine äußeren Feindbilder in seinen Meditationen und Träumen erschienen.

Nicht-Geist und Herz-Geist sind untrennbar eins. Wenn Niu-t’ou Fa-jungs Patriarchenvorgänger Seng-ts’an davon sprich, sich seiner Meinungen zu enthalten oder in meiner „Übersetzung“ ihnen nicht zu glauben bzw. sie als Gedanken ohne jede Bedeutung zu erkennen, dann meint er damit genau diesen Nicht-Geist. Wenn der Geist zum Nicht.Geist geworden ist, ist er damit gleichzeitig zum Herz-Geist geworden, zum Buddha-Geist, Christus-Bewusstsein oder wie immer wir das nennen wollen.

„In allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung“, sagt Niu-t’ou Fa-jung. Und damit kein Erleuchteter. Er ahnte wohl schon, dass irgendwann irgendwelche Heinis Erleuchtungskongresse veranstalten würden. Jesus hätte sie wohl mit der Geißel in der Hand aus dem Tempel vertrieben. Niu-t’ou Fa-jung nennt das die subtilste aller Einsichten: „Das Wissen von Dharmas ist Nicht-Wissen, Nicht-Wissen weiß um das Wesentliche.“ Würden die Erleuchtungskongresse „Kongresse des Nicht-Wissens“ genannt, würde wohl niemand kommen. Warum auch?

Übrigens: „Ist der Eine Herz-Geist verdunkelt, wirst du die vielfältigen Erscheinungen missverstehen.“ Wenn Eno auf seinen Fahrradtouren ein Bildchen schießt und hier reinsetzt, ist das nichts anderes als Buddhas Hand mit dem Blümchen. Manche muss man ja mit der Nase draufstoßen, deshalb setz ich hier von Zeit zu Zeit dieses hochheilige Bild rein.

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4 Antworten zu Niu-t’ou Fa-jung: Den Nicht-Geist walten lassen

  1. fredoo schreibt:

    der Zwilling von meinem „Timba“ …

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