Wei Wu Wei: ICH, schauend


Ich, negativ, so negiere ich das Positive,
Ich, positiv, negiere so das Negative.
Außerhalb solcher Konzepte,
Bin ICH, weder negativ noch positiv,
Die Negation von beidem.

Doch es gibt niemals derart zweierlei ‚Ich‘
Oder auch nur eins, denn sie existieren nur als Vorstellung.

aus: Wei Wu Wei ,“Nachrufe“

 „ICH, schauend“, sagt Wei Wu Wei, und nicht „ich schauend“. Solange darüber gestritten wird, was es eigentlich ist, was da schaut, können sich die beiden Fraktionen nur in stiller oder lautstarker Verzweiflung über die Uneinsichtigkeit der Gegenseite übertreffen.

Ich, negativ, so negiere ich das Positive, Ich, positiv, negiere so das Negative“, sagt Wei Wu Wei und meint damit wahrscheinlich nicht ein negativ oder positiv gestimmtes Ich, sondern die Verneinung bzw. die Bejahung der Existenz eines Ichs. Beide Optionen sind für ihn nichts als Konzepte. Wenn diese Konzepte verschwunden sind, bleibt nur ICH, das weder die eine noch die andere gedankliche Option ist.

Ikkyû Sôjun hat dieselbe Aussage  bildhaft dargestellt. Er spricht von einem Boot und meint damit vermutlich wieder nichts anderes als die Existenz bzw. Nicht-Existenz eines Ichs. Dieses Ich ist, sagt er, und ist nicht. Wenn diese Vorstellung verschwunden ist, sind mit ihm sowohl die Verneinung wie die Bejahung der Ich-Vorstellung verschwunden.

In seinen vierzig Versen über die Wirklichkeit sagt Ramana Maharshi: „Wozu nützt die Diskussion, ob die Welt wirklich oder lediglich eine unwirkliche Erscheinung ist, ob ihr Bewusstsein eigen ist oder nicht, ob sie Glück oder Leid bedeutet? Der egolose Zustand, der diese dualistischen und nicht-dualistischen Überzeugungen überschreitet, in dem man die Welt lässt und sich selbst durch Ergründung erkennt, ist allen lieb und teuer.“

„Luja sog i!“

Also sicherheitshalber: Mit dem egolosen Zustand meint der Ramana vermutlich/hoffentlich nicht so’n abgehobenen, heiligen Kram. Um den Zustand muss sich niemand bemühen, der ist schon immer der Fall und wenn du dich auf’n Kopf stellst und mit die Beene Hurra schreist! Überleg dir mal lieber, wie du das geschafft hast, das so lange erfolgreich zu verdrängen!

 

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4 Antworten zu Wei Wu Wei: ICH, schauend

  1. Brigitte schreibt:

    Wieder mal ein klasse Talk mit Edgar Hofer. Ein Genuss 🙂

  2. punitozen schreibt:

    Ich ?
    Schau mal an –
    Wat `n Ding !


    weder posi noch negativ
    Punito

    • Eno Silla schreibt:

      „Vielleicht kann es als das sicherste Zeichen von ‚Fortschritt‘ gewertet werden – wenn man die Vorstellung schon nicht aufgeben will -, dass die Idee von ‚Fortschritt‘ ganz und gar bedeutungslos wird und es keine Sorge mehr über Dinge wie ‚Befreiung‘ gibt, dass im eigenen Sein eine Art ‚Hohlraum‘ entsteht, eine gewisse Lockerheit, Hingabe ohne eigenes Wollen an das, was auch immer passieren mag.“

      „“Was wird ein Zuhörer von mir denken? Was kann er von mir denken? Der einzige Schluss, den er ziehen kann, ist der, dass ich absolut – wie auch relativ – verrückt bin!“ schloss Maharaj mit einem lauten lachen.“ aus: Pointers

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