Osho: Leben ohne Glaube, ohne Zweifel, ohne Kompromiss


Ein Mann kann unmöglich
zwei Pferde besteigen und zwei Bogen spannen.

Jesus (th,47)

Dies sind die beiden Möglichkeiten, die sich dem Verstand bieten: Besteige beide Pferde oder spring einfach dazwischen. Es gehört Intelligenz dazu, eine sehr durchdringende und scharfe Intelligenz, um zu verstehen, um das Problem zu verstehen – es gibt keine andere Lösung. Ich werde euch keine Lösung geben. Kein Jesus hat jemandem je eine Lösung gegeben; einzig und allein das Verstehen des Problems ist die Lösung. Du verstehst das Problem, und das Problem verschwindet.

Ist es nicht möglich, ohne Glaube, ohne Zweifel zu leben, und auch ohne Kompromiss? Denn der Kompromiss wäre Gift: Es sind solche Gegensätze, dass dein ganzes Leben ein einziger Widerspruch wird. Und wenn Widerspruch da ist, bist du gespalten, geteilt; Schizophrenie ist das Endergebnis. Oder, wenn du das eine wählst und das andere leugnest, dann werden dir die Vorteile der anderen Seite vorenthalten. Der Zweifel gewährt dir Schutz gegen Ausbeutung.  Der Glaube gibt dir Gewissheit – lass eins von beiden fallen, und damit entfällt auch der Vorteil dieser Seite. Wenn du beides wählst, besteigst du zwei Pferde; wenn du einen Kompromiss schließt, erzeugst du eine Spaltung in deinem Wesen – du bist entzweit, du wirst zur Masse. Was also tun? Versteh einfach das Problem und steig von beiden Pferden ab – mach keinen Kompromiss. Dann tritt eine völlig andere Art des Seins auf, kommt eine völlig andere Qualität in dein Bewusstsein. Aber warum tust du das nicht? Weil zu dieser Qualität Wachheit gehört, weil zu dieser Qualität Bewusstheit gehört. Dann brauchst du an niemandem zu zweifeln, brauchst du einfach nur äußerst wachsam zu sein. Deine Wachsamkeit wird zu deinem Schutz gegen deine Ausbeutung.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit“

Leben ohne Glaube, ohne Zweifel, ohne Kompromiss – was bleibt dann noch? Osho nennt keine Lösung und führt seine Zuhörer in die völlige Hilflosigkeit. Da ist ein Mensch in irgendeiner Zwickmühle. Er will das eine, aber nicht vom anderen lassen. Ein Bekannter fällt mir ein, verheiratet, der sich in eine andere Frau verliebte. Er führte das, was man eine gute Ehe nennt, was ihn jedoch nicht daran hinderte, sich auch in diese andere Frau zu verlieben. Zuerst wollte er sich von seiner Frau trennen, dann dachte er, was er damit alles verlieren würde. Dann wollte er vernünftig sein und seine neue Liebe opfern. Aber der  Reiz der neuen Liebe war zu groß. Schließlich beschloss er zweigleisig zu fahren mit einer offiziellen Ehefrau und einer heimlichen Geliebten. Er wählte den Kompromiss und wählte damit die Hölle. „Ein Mann kann unmöglich zwei Pferde besteigen und zwei Bogen spannen“, sagt Jesus und  sagt damit nur, was nicht funktioniert, aber nicht, wie es funktioniert. Es gibt keine Lösung. Jede sog. Lösung wäre nur ein Desaster.

Also, niemand kann auf zwei Pferden reiten. Okay, okay, aber was dann? Osho sagt: „Ich werde euch keine Lösung geben. Kein Jesus hat jemandem je eine Lösung gegeben; einzig und allein das Verstehen des Problems ist die Lösung. Du verstehst das Problem, und das Problem verschwindet.“ Wenn Osho sagt „Einzig und allein das Verstehen ist die Lösung“, heißt das auch: Es gibt keine Lösung. Und jetzt ‚host dein Dreck im Schächterle‘, sitzt mitten in der Zwickmühle und du weißt, es gibt kein Entkommen. Das ist der Moment, den es nicht zu verpassen gilt. Albert Einstein soll diesen schlauen Satz gesagt haben: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Dieser Moment absoluter Hoffnungslosigkeit kann zum Sprungbrett in eine andere Bewusstseinsqualität werden. Im Fokus steht nicht mehr eine Lösung, sondern reine Gegenwärtigkeit. Die Zukunft ist uninteressant geworden, nur dieser Augenblick zählt. Und mit einem Mal bist du bereit, dich führen zu lassen und das Steuer aus der Hand zu geben. Du lässt dich führen, wo auch immer dich das hinbringen wird. Und plötzlich existiert weit und breit keine Zwickmühle mehr.

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13 Antworten zu Osho: Leben ohne Glaube, ohne Zweifel, ohne Kompromiss

  1. Marianne schreibt:

    Das sind echt weise Worte am frühen Sonntagmorgen – die Sonne scheint!

    Liebe Grüße aus Bayern. ❤

    Gefällt 3 Personen

  2. Angela schreibt:

    Zitat: „… Versteh einfach das Problem und steig von beiden Pferden ab – mach keinen Kompromiss. Dann tritt eine völlig andere Art des Seins auf, kommt eine völlig andere Qualität in dein Bewusstsein. Aber warum tust du das nicht? Weil zu dieser Qualität Wachheit gehört, weil zu dieser Qualität Bewusstheit gehört.“…

    Kompromisse führen oft zu Lebensdramen. Jemand bleibt z.B. in seiner Firma, obwohl ihn dort alles anwidert. Aber die Bezahlung ist prima, so kann man es vielleicht noch ein paar Jahre aushalten ….. Dann sagt sich derjenige vielleicht: „Man muss eben Kompromisse machen, nichts ist vollkommen, etc“…. aber er leidet weiterhin stumm vor sich hin .
    Aus dem Konflikt entsteht dann oft eine schwere Krankheit, die sich zu einem Drama auswächst!

    „Wachheit und Bewusstheit“ würden helfen, da stimme ich Osho ( den ich schon immer großartig fand) vollkommen zu. Das Verrückte ist, dass so viele Menschen ihr Lebensdrama , welches ja aus dem Ego-Verstand entsteht, lieben. Es gibt ihnen nämlich eine Identität und die wollen sie nicht verlieren. Wer wären sie dann noch ?

    Zitat Nitya: „….Im Fokus steht nicht mehr eine Lösung, sondern reine Gegenwärtigkeit. Die Zukunft ist uninteressant geworden, nur dieser Augenblick zählt“…

    Ja, wundervoll, darauf läuft doch im Grunde alles hinaus. Das Alte Loslassen und auf das Leben und ein freundliches Universum vertrauen.
    Wir haben das in unserem Leben oft praktiziert, und wurden, wenn es ernsthaft geschah, nie enttäuscht.

    LG von Angela

    Gefällt 1 Person

  3. Eno Silla schreibt:

    „Die Zukunft ist uninteressant geworden, nur dieser Augenblick zählt. Und mit einem Mal bist du bereit, dich führen zu lassen und das Steuer aus der Hand zu geben. Du lässt dich führen, wo auch immer dich das hinbringen wird. Und plötzlich existiert weit und breit keine Zwickmühle mehr.“

    Genau so, da entsteht eine wunderbare Weite und gelassene Heiterkeit! Da hüpft das Herz vor Freude…

    Vielen Dank und auch von mir einen sonntäglichen Gruß!

    Werde heute mit meiner Nichte ausreiten, durch die Landschaft treiben – sie auf dem Pferdchen und ich auf dem Drahtesel *freu*.

    „Alles was wir sehen oder scheinen,
    ist es nichts anderes als ein Traum
    in einem Traum?“
    Edgar Allan Poe

    Gefällt 4 Personen

  4. punitozen schreibt:

    …. Heute , Hier-Jetzt heiter , wünscht Punito einen anregenden Tag ,
    Allen im Nitya- Blog .
    Punito

    Gefällt 2 Personen

  5. Eno Silla schreibt:

    Da es mich gerade mal wieder erwischt hat hier jetzt, immer wieder wunderschön:

    Mein absolutes Lieblingsmantra, wunderbar auf dem Fahrrad vor sich hinzusingen.

    Gefällt 3 Personen

  6. Hermann. schreibt:

    Nitya: Danke für den inspirierenden Blog – den Tipp hab ich von Wolf Schneider :-).
    Zum heutigen Beitrag: … „Dieser Moment absoluter Hoffnungslosigkeit kann zum Sprungbrett in eine andere Bewusstseinsqualität werden“ …. ja, stimmt wahrscheinlich, ich nenne das für mich „positives kapitulieren“ ….
    und „… einzig und allein das Verstehen des Problems ist die Lösung. Du verstehst das Problem, und das Problem verschwindet“ – ich bilde mir ein, inzwischen diverse Probleme verstanden zu haben und das ist vermutlich auch die halbe Miete; verschwunden sind sie allerdings dadurch noch nicht …. und quälen tun mich einige davon immer noch.
    Grüße an alle & schönen Restsonntag.

    Gefällt 1 Person

    • Nitya schreibt:

      Lieber Herrmann,

      es geht nicht um das Verstehen diverser Probleme. Nee, das ist nicht mal ein Viertel der Miete auch nicht ein Achtel oder noch weniger. Gemeint ist: Du verstehst das Wesen ALLER Probleme. Es geht also nicht um den Inhalt dieses und jenes Problems, sondern darum, zu verstehen, dass es nie ein Problem gegeben hat, es sei denn, dass du aus einer Herausforderung des Lebens ein Problem gemacht hast.

      Gefällt 1 Person

  7. fredoo schreibt:

    hilfreich … womöglich ….
    probleme bekommt man nicht … und hat sie dann …
    probleme nimmt (!) man – dann als problem …
    probleme löst man auch nicht …
    probleme werden stets nur um-dekoriert …
    das problem am problem ist das problem …

    ohne diese selbst vergebene kategorie „problem“ ist es nix anderes wie – ereigniss .

    und er-eig-niss ist einfach nur geschehen , dass durch er-eignung (=ereigniss) zur eigenen erfahrung wird … gewissermaßen wird dem „neutralen“ geschehen eine figur (= der held) aufgepfropft . ein trick der erinnerungsfunktion im menschlichen organismus , um einfach effektiver erinnern zu können , wird ein held / akteur / autor hinzugefügt …

    wenn es eine ursache für „probleme“ gibt , ist es nicht das stets „neutrale“ geschehen , sondern dessen verarbeitung in der erinnerung . nur mit dem hinzugefügten „held“ erscheinen geschehnisse dann plötzlich als probleme …
    doch nix falsch daran , ist einfach nur ne graue brille der betrachtung , letztlich ohne unterschied zur rosaroten brille der freude oder des glücks … auch das nur eine folge der „held“-addition in erinnerung … halt nur deutlich beliebter … warum auch immer …

    🙂

    Gefällt 2 Personen

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