Ramesh Balsekar: Was könnte einfacher sein?


Frage: Auf der Ebene, auf der Menschen nicht erleuchtet sind und noch nicht akzeptiert haben, dass das Leben ein unpersönlicher Ablauf ist, haben sie die Illusion vom freien Willen. Gibt es einen anderen Vorschlag oder eine Anleitung, die Sie geben könnten, um Menschen zu helfen, die täglichen Entscheidungen zu treffen?

Ramesh: Verstehen Sie, dass es lediglich der Verstand ist, der die Probleme schafft. Er sagt: „Nun bin ich ein Suchender, ich habe Bücher gelesen, ich weiß, all dies ist ein Traum, ich weiß, ich habe keinen freien Willen, was soll ich also morgen tun?“

Der wichtigste Punkt ist, wenn man Bücher gelesen hat, wenn man Diskussionen gehört hat, dann muss diese Lehre, wenn sie überhaupt einen Wert hat, Veränderungen in der Weise erzeugen, wie sie notwendig sind. Ganz besonders, wenn man nicht störend eingreift. Es ist somit wichtig, dass man nicht versucht, das Leben zu verbessern, das tägliche Leben zu verändern, nicht bewusst etwas hinzufügt, nicht bewusst etwas sein lässt, dass man einfach weiter macht wie bisher.

Was könnte einfacher sein?

aus Ramesh Balsekar, „Erleuchtende Gespräche“

Irgendwie ist mir heute mal wieder ein altes Ramesh-Buch in die Finger gekommen und ich stieß beim Aufschlagen auf obigen Text. Das ist für mich wieder ein ganz schwieriger Text, weil hier offensichtlich mal wieder das Relative und das Absolute in einer nicht gerade glücklichen Vermischung dargeboten werden. Schon in der Fragestellung haben wir es mit vom Ganzen getrennten Wesen zu tun, die nicht erleuchtet sind und irgendwas noch nicht akzeptiert haben, als ob sie – die vom Ganzen getrennten Wesen, die nur als Traumfiguren existieren – je erleuchtet sein und irgendetwas akzeptieren oder nicht akzeptieren könnten. Dann kommt Ramesh und behauptet, dass „es lediglich der Verstand ist, der die Probleme schafft“. Seit wann kann denn der Verstand, der ja auch keine eigenständige Wesenheit ist, irgendetwas erschaffen? Bei Ramesh kann er sogar sprechen. Er sagt: „Nun bin ich ein Suchender, ich habe Bücher gelesen, ich weiß, all dies ist ein Traum, ich weiß, ich habe keinen freien Willen, was soll ich also morgen tun?“ Das mögen alles Gedanken sein, die im Bewusstsein auftauchen, aber da ist weit und breit kein Herr Verstand am Werk.
Nun versucht Ramesh den Wert „der Lehre“ zu beschreiben, er sagt: „Der wichtigste Punkt ist, wenn man Bücher gelesen hat, wenn man Diskussionen gehört hat, dann muss diese Lehre, wenn sie überhaupt einen Wert hat, Veränderungen in der Weise erzeugen, wie sie notwendig sind. Ganz besonders, wenn man nicht störend eingreift.“ Welchen Wert kann die Lehre haben, wenn doch bereits alles vollkommen so ist, wie es sein soll? Da wären wir doch wieder bei dem Sinn angelangt, von dem Ronny gestern sprach und auf die Sinnlosigkeit von allem verwies. Hier scheint Ramesh wieder fast wie ein Bankmanager zu denken, der einfach nichts Sinnloses tun darf.

Ramesh schließt seinen kleinen Text mit den Worten ab: „Es ist somit wichtig, dass man nicht versucht, das Leben zu verbessern, das tägliche Leben zu verändern, nicht bewusst etwas hinzufügt, nicht bewusst etwas sein lässt, dass man einfach weiter macht wie bisher. Was könnte einfacher sein?“ Hach ja, wir können aufatmen und uns entspannen. Und wieder bin ich gerade bei den wundervollen Affen; der Gedanke taucht auf: Das machen die doch schon längst. Ganz ohne Lehre. Einfach so. Ja, was könnte einfacher sein – wenn man bloß kein Mensch wäre mit einem angeblichen Verstand!

 

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