Karl Renz: Was ist das, was dem Bewusstsein vorausgeht?


Jede Praktik wird dich zu dem bringen, was du bist, aber keine spezielle Praktik. Alles, was man tut, ist immer das Beste, was man tun kann und was man tut, kommt aus dem, was Quelle ist, aus dem Selbst. Keine Frage, was getan wird, wird vom Selbst getan – um das zu werden, was Selbst ist. Sobald Bewusstsein auftaucht, ist Bewusstsein Selbsterforschung.

Diese Selbst-Erforschung wird dich ganz sicher zu dem bringen, was dem Bewusstsein vorausgeht. Aber dafür gibt es keine spezielle Technik. Deshalb ist das „Wer bin ich?“ von Ramana Maharshi nichts weiter als ein Hinweis. Es ist keine Technik. Es kehrt nur das um, was zum „ich bin so und so“ geführt hat. „Wer bin ich?“ führt in die unbekannte Offenheit der Existenz. Aber es wird trotz der Technik passieren und nicht wegen ihr, weil das Selbst keinen Grund hat und durch keine Technik kontrolliert oder verursacht werden kann.

aus: Karl Renz, „Erstes und Letztes“

„Das ‚Wer bin ich?‘ von Ramana Maharshi ist nichts weiter als ein Hinweis. Es ist keine Technik.“ Da kann ich nur nicken. Wo er recht hat, hat er recht. Ein Hinweis dient dazu, etwas zu sehen, was vorher nicht gesehen wurde, etwas zu erkennen, was vorher nicht erkannt wurde. Wer bin ich also? Man könnte noch gut Byron Katies „Wer bist du ohne diesen Gedanken?“ hinzufügen, wenn jemand mit dem neti neti nichts anfangen kann. Am Ende steht fast zwangsläufig die Einsicht, dass ich immer noch bin, auch wenn ich all das, was ich zu sein geglaubt habe, nicht bin. Ich bin jenseits aller Vorstellungen und auch jenseits jeder Ich-Vorstellung. Vorstellung ist nun mal Vorstellung und stellt sich stets vor das, was der Vorstellung vorausgeht.

„Bewusstsein ist Selbsterforschung“, sagt der Karl. Und: „Keine Frage, was getan wird, wird vom Selbst getan – um das zu werden, was Selbst ist.“ Da sind Fragen aufgetaucht: Tut das Selbst etwas? Und tut es etwas, um zu …? „Das Selbst tut etwas, um das zu werden, was es ist.“ Muss ich das verstehen? Ich bin ja schon gut geschult durch die Texte des werten Herrn Fredoo, aber das geht ja wohl noch ein Stück darüber hinaus. Auch dass das Bewusstsein Selbsterforschung sein soll, will mir nicht so recht einleuchten. Bewusstsein ist für mich zunächst einmal ganz einfach bewusstes Sein, Dasein. Darin mag Selbsterforschung auftauchen oder ein Regenschauer oder was weiß ich. Irgendwie scheine ich unter Bewusstsein etwas anderes zu verstehen als der Karl und manche andere. Karl sagt: „Diese Selbst-Erforschung wird dich ganz sicher zu dem bringen, was dem Bewusstsein vorausgeht.“ Ich habe keine Ahnung, was dem Bewusstsein vorausgeht, weil ich der Ansicht bin, dass hierfür die Voraussetzung Bewusstsein wäre.  Ohne Bewusstsein kann keine Aussage über das gemacht werden, was dem Bewusstsein vorausgeht. Vielleicht macht der Karl ja einen Unterschied zwischen Bewusstsein in Verbindung mit einem Objekt und einem völlig objektfreien Bewusstsein. Das könnte ich verstehen, aber so … versteh ich bloß Bahnhof.

 

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5 Antworten zu Karl Renz: Was ist das, was dem Bewusstsein vorausgeht?

  1. fredoo schreibt:

    Diesem „Bahnhof“ muss ich mich anschließen …
    Irgendwie scheinen mir da bei Karlchen und nicht nur bei ihm , Begriffe vermischt , bzw . nicht genug differenziert benutzt zu werden …

    Ich versuche mir zu helfen , in dem ich unterscheide zwischen Bewusst-HEIT und BewusstSEIN … BewusstHEIT meint ( für mich ) einen Zustand eines Organismus , der „etwas“ erfasst … ein Zustand , der jedoch wie jeder Zustand vergänglich und be-dingt ist , nämlich an diesen Organismus .
    „Vor“ dieser Bewusst-HEIT steht (Bewusst)SEIN …
    Bewusstsein ist damit die Quelle für jede Bewusstheit …
    Während in BewusstHeit die Vorstellung eines Objektes (oder mehrerer) , also einer Trennung entsteht , bleibt in der Quelle BEWUSSTSEIN ( hier in Versalien geschrieben , da = ABSOLUT gemeint ) stets die >umfassende quasi „Allheit“ erhalten . Jede „Ausformung“ aus der Potentialität , als „Einzel-Objekt“ muss (!) Ab-Bildung bleiben , da ansonsten die unendliche Potentialität endlich würde , da vermindert , um besagtes „Objekt“ .
    Da dieses BEWUSSTSEIN stets „Allwissend“ , da = unendliche Potentialität enthaltend , ist , und bleibt ! , könnte eigentlich der Wortteil „Bewusst“ verzichtbar sein , da da einfach nur SEIN ist …
    Da jedoch SEIN , häufig im Verständnis „personalisiert wird , also als „Container“ von Geschichte(n) gesehen wird , ist wohl das Attribut „Bewusst“ doch nicht so unangebracht …
    „Bewusst“ meint hier ja umfassend erfüllt mit all dem , was je „wissend“ = (!) wirkend sein könnte …
    Desderwegen benutze ich dazu gerne auch den Zusatz All-Bewusst-SEIN …
    Es ist jedoch in diesem (All)BewusstSEIN lediglich eine Potentialität von „etwas“ zu wissenden = wirkenden enthalten. Wissend meint hier nicht nur kognitives Erfassen , sondern auch und gerade direkt erlebtes . Wird diese Potentialität jeweils > tatsächlich ( = in Tat zur Sache/Objekt werdend) , erfüllt/ergibt dies dann , wenn es „bemerkt“ wird , eine BewusstHEIT .

    so oder ähnlich versuche ich mir das sprachliche Dilemma von „BewusstSein/Heit“ zu erklären … manchmal auch ganz anders 😉 … was ich gerne Freiheit des Lebens und Denkens nenne.

    • Nitya schreibt:

      „… manchmal auch ganz anders 😉 … was ich gerne Freiheit des Lebens und Denkens nenne.“
      So halte ich es auch gern, werter Herr Fredo. „Die Freiheit nehm ich mir.“

      Ich versuch das so hinzukriegen: Bewusstheit ist für mich ohne Objekt. Es ist einfach bewusste Gegenwärtigkeit.

      Bewusstsein kann völlig identifiziert sein und ist damit obekt-gläubig: „Ich bin stolz, ein Deuscher zu sein.“ oder „Ich bin St. Pauli-Fan“ usw.

      Dann gibt es das Bewusstsein, das sich auf Objekte bezieht, das Objekte wahrnimmt, ohne sich damit zu identifizieren.

      Und schließlich gibt es das objektfreie Bewusstein. Von mir aus gerne groß geschrieben: BEWUSSTSEIN.

  2. fredoo schreibt:

    ergänzend … weil sich auf den Titel beziehend …
    „was geht dem Bewusstsein voraus ?“

    wenn es als BewussHEIT gemeint ist , geht diesem BEWUSSTSEIN voraus .
    wenn es als BEWUSSTSEIN gemeint ist ( wie es der Herr fredoo versteht ) geht ihm nix voraus …
    da da bereits im Wortsinne keine weitere Hirarchie der Begriffe mehr möglich ist .
    BEWUSSTSEIN ( aus der Dualität heraus betrachtet ) ist quasi der Urknall in Potenzialität , jedoch (!) jeden anderen Urknall , der möglich wäre , ebenso enthaltend.
    Damit ist dieses „Bewusstsein“ , (aus Bewustsein betrachtet) , genau genommen , völlig impotent , da es immer nur alles zur gleichen Zeit in allen nur möglichen Richtungen , bewirken könnte …
    Und gleichzeitig ist es ( aus Bewusstheit betrachtet ) unendlich potent .
    Dieses Widerspruch , oder Anachronismus , entsteht immer , wenn man denkend „Bewusstsein“ erforscht .

    zieht sich jedoch der Denker demütig in ein Staunen zurück ( bzw. wird ihm das „zugemutet“ durch die Ereignisse seines Lebens ) , verbleibt da ein tiefer Friede , der dies „Bewusstsein“ gar nicht verstehen muss , da ohnehin unmöglich , aber sich doch in großer Freude seines Spieles erfreuen kann .

  3. Alexandra schreibt:

    Man fängt an und beschäftigt sich mit all dem Kram, liest so einiges, Gedanken kommen, bewusstes Wahrnehmen der eigenen Wesenheit, der Gedanken, des Körpers, der Gefühle und Emotionen, der unterdrückten Gefühle und Emotionen usw. Und dann steckt man immer wieder fest in dem was man will, was das Hirnchen einem so glauben lassen will und dann wird das wieder gesehen und überlegt: ist da eigentlich „jemand“? Usw usw und je mehr „gesehen“, wahrgenommen, gefühlt wird lebt man weniger im Kopf, in all den Vorstellungen, in all den Konjunktiven, den „hätte ich mal lieber…“, das fühlt sich ganz nach Bewusstsein an . Oder Bewusstheit oder was auch immer. Das Schwierige ist, dass diese Begriffe jeder ein bisschen anders gebraucht, jeder anders mit seinem Hintergrund-„Wissen“ mit diesen Begriffen umgeht. Und dann bleibt letztendlich nur Verwirrung, nix mehr von wissen. Scheiß auf die Begriffe!

  4. fredoo schreibt:

    werte alexandra … es ist zwar ein wenig wie das verraten eines zaubertricks … aber genau darum geht bei all dem geschwatze um dies „wissen“ … zu erleben , dass noch dem allerletzten begriff der boden unter den füßen wegfliegt … 😉

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