Die Selige und Heilige Margaretha Ebner: Kein Mitleid


Margaretha Ebner, Dominikanerin und Briefpartnerin Heinrichs von Nördlingen, des Freundes und zeitweiligen Mitarbeiters von Johannes Tauler, berichtete 1346 in ihren tagebuchartig verfassten Offenbarungen von einem Hostienfrevel, der sich in ihrer nächsten Nähe abgespielt haben muss. Er belegt die aktive Mitbeteiligung von Christen an der den Juden überbundenen Schuld hier in einem Einzelfall:

Aus der Kapelle Maria-Stetten bei Medingen entwendete eine Frau, Einwohnerin von Medingen, durch den Rat des bösen Feindes und eines verkehrten christlichen Herzens, zwei ungeweihte Hostien. Die Diebin bot die Oblaten darauf den Juden in Lauingen zum Kauf oder Geldleihpfand an. Dies konnte jedoch nicht unbemerkt geschehen: Eine Christenfrau aber sah dies, und als der Jude nichts dagegen unternahm, gab sie jene dem Gericht an und es ließ sie gefangen nehmen. Und als sie darauf zum Tode verurteilt wurde, schnitt man ihr zuvor ein Kind aus dem Leibe, das getauft wurde, und verbrannte sie danach.

Margaretha mochte nichts von dem Mitleid hören, das viele mit der zum Tode verurteilten schwangeren Hostiendiebin hatten. Margaretha befällt große Traurigkeit wegen der Unehre, die Gott durch den Oblatenraub und den versuchten Verkauf angetan worden sei.

aus: Louise Gnädiger, „Johannes Tauler“

Also für die gottlosen Heiden unter euch: Das sind die zwei ungeweihten Hostien aus der Geschichte der selig und heilig gesprochenen Dominikanerin Margaretha Ebner. Ich behaupte das mit derselben Berechtigung, mit der fromme Christen behaupten, dass diese Oblaten viel mehr sind als Weizenmehl und Wasser. Ungeweiht bedeutet nach ihrem Glauben, dass sich das Gebäck noch nicht in den Leib von Jesus verwandelt hat. Ich hoffe, dass dies hier kein Theologe liest, ich hab nämlich eigentlich keine Ahnung. Also für die echten Christen, ist eine Hostie nach der Weihe das Fleisch von Jesus. Das ganze Zeug ist so hochheilig, dass man seinerzeit mit dem Tode für den Diebstahl dieser im Durchmesser ca. drei Zentimeter großen,  hauchdünnen Oblaten bestraft wurde, selbst wenn die noch nicht geweiht worden waren. Wer glaubt, dass das alle mittelterlicher Hokuspokus ist, der irrt gewaltig. Gut, heute darf man zwar (leider) niemanden mehr auf dem Scheiterhaufen verbrennen, aber was die Bedeutung betrifft, die man den Hostien gegeben hat, hat sich so gut wie nichts verändert.

An dieser Stelle wird vielleicht deutlich, warum Jiddu Krishnamurti so einen ungeheuer großen Wert darauf gelegt hat, immer wieder darauf hinzuweisen, dass das Wort nicht das Ding ist. Das Wort ist ein Symbol für etwas, das nur als Vorstellung existiert. Ein Luftkuss ist nur ein Wort und auch als animiertes Bild immer noch kein richtiger Kuss, also so richtig mit Lippen des einen auf den Lippen des anderen mit Austausch von Wärme, Energie, Bakterien und was weiß ich noch alles. Ein Luftkuss ist zwar sehr hygienisch, aber absolut tot. Und eine Hostie ist verdammt noch mal nur ein Symbol für den Leib von Jesus und nicht der Leib von Jesus. Es findet also kein Kannibalismus statt, sondern lediglich ein eingebildetes Blutbad. Sag ich mal so als ungläubiger Thomas. Schon für diese Aussage wäre ich früher vermutlich gefoltert und verbrannt worden, so wie diese unglückselige, hochschwangere Frau aus Medingen. Sie muss sehr arm und in großer Not gewesen sein, dass sie sich auf dieses Abenteuer eingelassen hat, ausgerechnet auch noch einem Juden zwei nicht einmal geweihte Hostien verkaufen oder als Pfand überlassen zu wollen. Sie wusste, was ihr im Falle einer Entdeckung blühte.

Interessant ist die Haltung der später selig und heilig gesprochenen Dominikanerin aus dem näheren Umfeld von Johannes Tauler. Das Einzige, was sie bekümmerte, war die Unehre, die man aus ihrer Sicht Gott angetan hatte. So etwas wie christliche Nächstenliebe war ihr anscheinend völlig fremd. Die Not der armen Frau interessierte sie nicht im Geringsten. Man schnitt der Ärmsten am lebendigen Leib noch den Bauch auf und holte das Kind heraus, um es noch ganz schnell zu taufen, bevor es wie die Mutter sterben musste. Diese bestialische Gnadenlosigkeit, die wir auch heute noch bei der Vollstreckung von. sog. Ehrenmorden oder eines Scharia-Urteils beobachten können, ist die unmittelbare Folge des Glaubens, dass das Symbol das Ding sei, für dass es steht. Solange wir unser Leben von unseren aberwitzigen Einbildungen bestimmen lassen, sind wir dem Untergang geweiht. Der Vollzug der totalen Trennung von Staat und Kirche ist so was von überfällig.

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13 Antworten zu Die Selige und Heilige Margaretha Ebner: Kein Mitleid

  1. Nitya schreibt:

    Ich hatte fast 24 Stunden keinen Server mehr zur Verfügung. Das passiert in letzter Zeit mit schöner Regelmäßigkeit, deshalb der heutige Beitrag zur ungewohnten Stunde, falls sich jemand gewundert hat.

  2. Alexandra schreibt:

    „Gut, heute darf man zwar (leider) niemanden mehr auf dem Scheiterhaufen verbrennen,“
    Warum „leider“?

    • Nitya schreibt:

      Weil die christlichen Fundamentalisten es heute so gern täten wie damals.

      • Alexandra schreibt:

        Wenn die christlichen fundamentalisten wüssten, wie ähnlich sie den islamischen fundis sind…. naja, kritische Selbstbeschau war noch nie deren Stärke. Übrigens befinden sich die meisten christlichen Fundamentalisten in Randgruppen, die keine Kirchensteuern beziehen. Unseren mennoniten im Dorf würde ich ja sowas fast zutrauen zumindest wenn ich sehe, wie die ihre Kunden der erziehen.

      • Alexandra schreibt:

        Falsches knöpfchen gedrückt.. und schwups war es abgesendet… also Kinder erziehen. Die dürfen hier nicht in den Religionsunterricht weil der viel zu unchristlich ist. Sie dürfen nicht ins Theater, was unsere Moslems dürfen. Und sie kommen alle aus Russland. Armes Deutschland!

      • Nitya schreibt:

        Wenn ich schon das Wort „dürfen“ höre, kann ich die Krise kriegen.
        Wer hat mir etwas zu erlauben oder zu verbieten?

      • Alexandra schreibt:

        Leider ist das vermehrungspotential dieser Leute überdurchschnittlich hoch. Da man ja auch nur sex darf wenn man sich redlich vermehren will. 10 Kinder sind da keine Ausnahmen. Und dann gibts ne Mutter-und-Kind -Kur und ne Urkunde vom Bundespräsidenten. Aber eine 15 jährige Schwangere wird zuhause rausgeschmissen. Mittelalter!👹💩

  3. Peter schreibt:

    War es je anders? Die Worte als Ausdruck von Geschehenem, von Zukünftigem, von Vorstellungen, Empfindungen usw. usf, ob es meine oder deine oder von Irgendjemanden die sind, scheinen immer wieder das Futter zu sein, je nach Sichtweise, an denen man sich festbeißt. Und wenn sie dann noch ausgeschmückt werden mit Handlungen, kann so ein Wort-Handlungs-Haufen echt zum Scheiterhaufen werden. Heute genau so wie damals. Und wenns mir geschieht, kann ich es nur hinnehmen, ob Scheiterhaufen oder was auch sonst. Keine andere Wahl. Ausweichen nicht möglich. Die Geschichten scheinen sich in etwa zu wiederholen. Wen wunderts dann noch? Doch auch meinem Geschreibsels entgegen, mag vielleicht auch oberflächlich hier und da ankommen, kann ich von mir nicht behaupten, dass es mich nicht trifft, berührt und durchwühlt, wenn ich all der Greuel, der Unmenschlichkeiten von damals und von heute gewahr werde. Das Inhumane scheint auch nicht abzureißen. Wie noch weiter? Die Spezie Mensch am Scheitelpunkt angekommen, noch nach Worten ringend und nach Handlungen dürstend und doch scheint a l l e s so nahe, so einfach……in Liebe

  4. TeggyTiggs schreibt:

    …Kirche ist mir völlig schnurzpiepegal…Staat auch…also mag man sie trennen oder nicht…bemerkenswerter erscheint mir, dass die guten Kirchgänger sich am Leib Christi laben und obendrein von seinem Blute schlürfen…ei, ei, wer da schlechtes bei denkt…

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