Buddha: Handlungen geschehen, doch gibt es keinen Handelnden


Soll er gesagt haben, der Buddha, und ich kann ihm da nur völlig zustimmen. Dass Handlungen geschehen – ich denke, darüber wird niemand mit mir streiten wollen. Das ist alltägliches Erleben.

Handlungen geschehen,
doch gibt es wirklich keinen Handelnden?

Darüber kann man stundelang dämliche Diskussionen führen oder einfach gucken. Dass der Bauarbeiter von seinem Presslufthammer bewegt wird, sollte nicht vorschnell zu der Überzeugung führen, dass wir grundsätzlich nur „Bewegte“ sind und uns nicht selbst bewegen können. Man könnte ja erst mal grob unterscheiden zwischen dem, was wir scheinbar oder tatsächlich selbst tun und dem, was von alleine handelt, ohne einen um Erlaubnis zu fragen. Zum Beispiel meine Leber. Die arbeitet getreulich ununterbrochen für das Gesamtwohl meines Körpers und ich kriege es nicht einmal mit. Der Atem ist so ein Zwischending. Er macht seine Arbeit ganz von selbst, aber ich kann auch willentlich die Luft anhalten oder irgendeine Yogaatemtechnik vollziehen. Ja und dann könnte ich jetzt aufstehen und mir einen Kaffee machen. Will ich jetzt einen Kaffee? Nein. Ich hab doch gerade einen getrunken. Hab ich entschieden und die Handlung bewusst unterlassen. – Oder doch? Ach, ich mach mir doch noch einen. Bis gleich.

Na, seht ihr, ich hab gehandelt. Von wegen, es gibt keinen Handelnden! – Na ja, man muss schon ein bisschen genauer hingucken. Zuerst war da bei mir so ein Zögern. Dann quakte der Verstand: „Du hast doch eben einen getrunken! Das ist ungesund!“ Und die Entscheidung, keinen zu trinken, war da. Aber wer hat das entschieden? Kurz darauf tauchte die Gegenentscheidung auf: „Mir ist aber jetzt nach einem Kaffee. Scheiß auf die Gesundheit!“ Also sah ich mich aufstehen und einen Kaffee machen. Wie fühlte sich das an? Ich fühlte mich wie ein Spielball von irgendwelchen Impulsen, die weiß der Geier irgendwoher kamen.

Also das ist jetzt das A und O der ganzen Geschichte. Wenn da keine Klarheit herrscht, kann man den ganzen Spirikram an die Wand klatschen. Kann man sowieso, aber dann hätte man einen wirklich guten Grund dafür. Wer das jetzt nicht nur nachplappert, weil’s der Buddha vorgesagt hat, sondern weil’s für ihn einfach absolut klar ist, dass es keinen Handelnden gibt, der hat im Grunde ausgesorgt. Kann ja jeder jederzeit überprüfen. Ohne einen Handelnden geschieht einfach, was geschieht und „Ich“ komm in der ganzen Geschichte einfach nicht mehr vor. Schuld? Wer ist schuld, dass da gerade ein Blatt vom Baum gefallen ist? Wer ist schuld, dass da gerade jemand ein Messer zwischen die Rippen gekriegt hat? Ja aber dann könnte ja jeder … „tut“ doch sowieso „jeder“. Ob das nur geglaubt oder nicht geglaubt wird, was der Buddha gesagt hat, macht nicht den geringsten Unterschied in Bezug auf das, was geschieht. Das Blatt wird weiter vom Baum fallen und das Messer wird weiter zwischen den Rippen stecken. Und gleichzeitig macht es einen himmelweiten Unterschied. Für wen denn, wenn da gar kein Handelnder, Denkender, Fühlender, etc. existiert? Dass da kein Handelnder existiert, heißt ja nicht, dass da nichts existieren würde. Gewahrsein ist und Erscheinungen, die endlos im Gewahrsein auftauchen und wieder verschwinden.

Erscheinungen erscheinen auf allen möglichen Ebenen, zum Beispiel auf Gefühlsebenen. Freude erscheint, Wut erscheint, Trauer erscheint, Schmerz erscheint, Sehnsucht erscheint, Zuneigung erscheint, Hass erscheint, scheinbar endloses Leiden erscheint, … und das alles, ohne dass es dafür eines Handelnden bedürfte, nur ein scheinbar Handelnder treibt unter all den Erscheinungen scheinbar sein Unwesen. Mehr ist nicht. Wenn das einmal gefressen wurde, verändert sich scheinbar etwas. Ich hab das mit dem animierten gif oben darzustellen versucht. Da muss nichts gemacht werden, dass das geschieht. Kommen, gehen, kommen, gehen, kommen, gehen, … Es geht total gegen alle unsere Konzepte. „Selbst ist der Mann“, „ohne Fleiß keinen Preis“, … wir sind randvoll mit diesem Käse und niemand überprüft das mal, bevor er es weitergibt. Man fragt sich wirklich, wie all die zahllosen Pflanzen und Tiere es ohne diese Sprüche geschafft haben, halbe Ewigkeiten lang zu überleben, und wieso wir es in kürzester Zeit geschafft haben, das alles einschließlich uns selbst an den Rand völliger Vernichtung zu treiben. Vielleicht sollten wir mal unsere ganzen dämlichen Sprüche entsorgen. Sie sind noch gefährlicher als z.B. unser Plastikmüll.

Lebenskünstler ohne Moral

 

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2 Antworten zu Buddha: Handlungen geschehen, doch gibt es keinen Handelnden

  1. fredoo schreibt:

    Ich empfehle einen kleine Zusatz zu Buddhas Spruch „Handlungen geschehen , doch es gibt keinen Handelnden“ > Handlungen geschehen , doch es gibt keinen seperat Handelnden .
    Selbst die anscheinend seperate Handlung steht immer in einem unzertrennbaren Wirkzusammenhang zum andauernd (!) dynamisch wirkenden Gesamten .
    Also „handelt“ immer nur dieses „dynamische Ganze“ …
    das „Seperate“ ist nur ein Nebeneffekt der beschränkten Wahrnehmungsfähigkeit des Organismus , der dieses „Gesamthandeln“ nur unter bestimmten , seltenen Umständen jedoch auch dann nur in ihrer (noch) „potentiellen“ Form , dann als unbestimmbare Vibration, bemerken kann …
    Realisiert sich diese Potentialität im (anscheinend) Einzelnen ( was die Potentialität ebenso andauernd „machen“ muss , ansonsten wäre sie starre Unfruchtbarkeit ) , entlässt die Vibration diese >einzelne Handlung … Jedoch … ist nicht diese Handlung >wirkend , also wirklich , sondern wirklich ( = erwirkend / auswirkend ) ist immer nur diese unendlich potente Vibration …
    Damit „stimmt“ der Satz des Herrn Shakjamuni in dem Sinne das „es gibt“ synonym für „wirklich“ steht …
    Also … Es gibt keine einzeln wirkende (=wirkliche) Handlungen , sondern nur Auswirkungen aus DER Wirklichkeit , damit kann es auch keinen (einzeln) wirkenden Handeln geben .
    Dieser (einzeln) wirkende Handelnde ist nur eine Vorstellung , die die Erinnerungsfunktion des menschlichen Organismus als Hilfsmittel (=verkürzende Reduzierung) dieser Erinnerungsfunktion benutzt . Ja benutzen muss ( insofern ist auch nix „falsch“ an dieser Vorstellung ) , da eine >komplette (!) Erinnerung eines so hoch komplexen Ereignisses wie „eine Handlung“ jedes Gehirn völlig überfordern müsste . Damit ist die Energiesparmassnahme des Gehirns ( = automatische Verkürzung von komplexer Wirklichkeit zu einer seperaten / abgetrennten (Einzel)Handlung ) mehr als nur sinnvoll . Sinnvoll dann , wenn Du die nächsten Minuten überleben möchtest , und nicht ein verkochtes Gehirn erleben möchtest . Es ist also nix „falsch“ an dieser Wahrnehmung ( eines seperat Handelnden ) , doch ist sie verkürzt , damit verfälschend , da sie die unentrinnbare „Mitwirkung“ des Ganzen an >jeder Handlung ausblendet , beziehungsweise übersehen muss , mangels passender Wahrnehmungskapazität .

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  2. Peter schreibt:

    Lieber Nitya, ist es nicht ein verrücktes göttliches Liebes-Spiel, dass sich der Nichthandelnde an den „Rander völliger Vernichtung“ treibt? Völliger Vernichtung, wie es sich mir scheinbar in der äusseren Welt zeigt. Das kann sehr Weh tun, bis hin zur Verzweiflung. Lass ich mich auf diese Welt ein. Doch auch in meiner Innenwelt sieht es nicht anders aus. Aber diese berührt nur meinen Wesenskern und nicht den von irgendeinem Anderen. Auch hier kann es Weh tun, doch befreiend. Scheint alles nicht in der Ordnung zu sein, so sieht es hin und wieder aus. Herzlichst, Peter

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