Niútóu Fǎróng: In allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung


Die Natur des Geistes ist ungeboren.
Was nützen da Wissen und Ansichten?
Ursprünglich gibt es kein einziges Ding –
Wie könnte man da von Verblendung und Läuterung sprechen?

Ein Kommen und Gehen, ganz ohne Ende,
So sehr du auch suchst, du wirst Es nicht finden;
Doch wenn du in völligem Nichttun verweilst,
Wird die lichte Stille von selbst offenbar.

Was du vor dir hast, ist nichts als leere Soheit,
Beharrst du auf Wissen, verfehlst du die Essenz;
Begreifst du klar diesen Zustand der Lichtheit,
Sind Dunkel und Unwissenheit sogleich durchleuchtet.

Ist der Eine Herz-Geist verdunkelt,
Wirst du die vielfältigen Erscheinungen missverstehen.
Die Dinge kommen und gehen ganz spontan,
Wozu sich verrenken in Ablehnung und Habenwollen?

Geburt trägt das Siegel des Ungeborenen,
Geburt und Erleuchtung sind ein und dasselbe.
Willst du einen reinen Herz-Geist erlangen,
Musst du den Nicht-Geist walten lassen.

In allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung –
Dies ist die subtilste aller Einsichten.
Das Wissen von Dharmas ist Nicht-Wissen,
Nicht-Wissen weiß um das Wesentliche.

aus: Niútóu Fǎróng, „Xing Ming“

„In allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung – dies ist die subtilste aller Einsichten. Das Wissen von Dharmas ist Nicht-Wissen, Nicht-Wissen weiß um das Wesentliche.“ Huch, ich dachte, ich sei erleuchtet oder wenigstens erwacht. Und nu – Pustekuchen! War wohl nischt, wa? Aber wir lassen uns nicht unterkriegen! Ein Erleuchtungskongress nach dem anderen und kein Ende. Mir wird ganz zweierlei, wenn ich diesen Rummel sehe. Zwischen Viagra-und Fett-weg-Reklame tummeln sich allüberall die Erwachten und geben ihre Ratschläge verbunden mit einer Urlaubsreise in den sonnigen Süden kostengünstig ab. Und da kommt nu dieser Ochsenkopf und will einem das ganze Geschäft versauen, indem er behauptet, es gäbe in allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung. Hmm, überleg ich gerade: Ob man daraus wohl noch ein Geschäft machen könnte? Wie wäre es, wenn ich eine Seminarreise auf den Himalaya anbieten würde mit dem Thema: „Wie erreiche ich ‚kein bisschen Erleuchtung‘?“

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7 Antworten zu Niútóu Fǎróng: In allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung

  1. Peter schreibt:

    …kein bisschen??…wirklich nicht??…nit möööglich??…oohh und ich dachte doch bisher, dass ist möglich ….nun kann ich mich ja endlich entspannen…doch oh Schreck lass nach, schon wieder dieses blah, blah, blah…und nun??…“In allen Dimensionen kein bisschen Erleuchtung“ – da bin ich jetzt um ein Wissen scheinbar reicher und der Verstand (was damit auch immer gemeint sein mag) frohlockt nun im Hintergrund….es ist echt nur noch zum Lachen. Was für ein Theater, was für ein Spiel. Wer sich so etwas nur ausdenken kann…einfach genial

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  2. Alexandra schreibt:

    Also mich erleuchtet gerade die Sonne – im Südfrankreich, wohin ich mit meine Mann spontan mit Zelt geflüchtet bin. In den wilden cevennen, wandern in der Einsamkeit. Na wenn das nicht erleuchtet…. vielleicht erfreut es ja auch nur. Das tut es im Moment auf jeden Fall, wenn ich mit den Wetterbericht von Deutschland anschaue…😘😘

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  3. meintao schreibt:

    wundervoll:) liebe grüsse und danke

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