Linji: Was fehlt euch denn?


Alle hängen von Gräsern und Blättern ab, wie Geister, die sich an Bambus und Bäume hängen. Sie sind in der Tat die Geister wilder Füchse. Sie kauen auf der trockenen Scheiße herum, die alte Meister hinterließen. Blinde Idioten! Sie verschwenden die Opfergaben aus den zehn Richtungen und behaupten: „Ich habe meinem Zuhause entsagt!“ Doch ihr Verständnis bleibt armselig.

Lasst mich euch sagen: „Da ist kein Buddha, kein Dharma, keine Übung, kein Erwachen.“ Dennoch geht ihr hierhin und dorthin, um etwas zu finden. Ihr setzt einen Kopf auf den, den ihr schon habt. Schaut doch mal hin! Was fehlt euch denn?

Schüler des Weges, eure eigene gegenwärtige Aktivität ist nicht von der des Buddha und der Patriarchen verschieden. Ihr glaubt dies aber nicht und sucht nach etwas außerhalb. Außerhalb gibt es keinen Dharma. Selbst innen ist er ungreifbar. Statt blind den Worten des  Bergmönchs zu vertrauen, ist es am besten, ihr enthaltet euch jeglicher Spitzfindigkeit.

Lasst all die täuschenden Gedanken, die bereits entstanden sind, nicht länger fortdauern. Lasst all die täuschenden Gedanken, die noch nicht aufgetaucht sind, gar nicht erst entstehen. Dies ist bereits wertvoller als eine zehnjährige Pilgerreise.

aus: Linji Yixuan,“Linji Yulu“

Ja, was wäre, wenn du nie davon gehört hättest: „Buddha, Dharma, Übung, Erwachen“? Also meine Eichhörnchen haben nie davon gehört und die Birke vor meinem Fenster auch nicht. Und – hat es ihnen geschadet? Haben sie deshalb je aufgehört zu sein, was sie sind? Was für einen Sinn könnte es also für dich machen, zu hoffen bzw. zu befürchten, nicht das zu sein, bzw. aufzuhören, das zu sein, was du bist? Linji fragt: Da ist kein Buddha, kein Dharma, keine Übung, kein Erwachen.“ Dennoch geht ihr hierhin und dorthin, um etwas zu finden. Ihr setzt einen Kopf auf den, den ihr schon habt. Schaut doch mal hin! Was fehlt euch denn?“ Was hofft ihr zu finden, was sucht ihr eigentlich?

Linji: „Schüler des Weges, eure eigene gegenwärtige Aktivität ist nicht von der des Buddha und der Patriarchen verschieden.“ Ist im Prinzip auch nicht verschieden von der Aktivität der Eichhörnchen und Birken. Wie kommt es, dass Letztere und die Erstgenannten sich einfach mit ihrem Sosein begnügen und ihr nicht? Hinter was jagt ihr eigentlich her? Linji sagt dazu: „Alle hängen von Gräsern und Blättern ab, wie Geister, die sich an Bambus und Bäume hängen. Sie sind in der Tat die Geister wilder Füchse. Sie kauen auf der trockenen Scheiße herum, die alte Meister hinterließen. Blinde Idioten!“ Da haben irgendwann mal irgendwelche Meister in grauer Vorzeit irgendwas von „Buddha, Dharma, Übung, Erwachen“ gefaselt und ihr kaut auf dieser trockenen Scheiße herum und hofft, das würde euch die ewige Seligkeit bringen! Ihr kaut die ganze Zeit auf euren eigenen eingebildeten Gespenstern herum.

Wie wäre es denn, wenn das, was in diesem Augenblick ist, alles wäre? Wenn da einfach nicht mehr wäre als das, was gerade ist? Linji schlägt vor: „Lasst all die täuschenden Gedanken, die bereits entstanden sind, nicht länger fortdauern. Lasst all die  täuschenden Gedanken, die noch nicht aufgetaucht sind, gar nicht erst entstehen.“

Hier sind wir, hier und jetzt.
Das ist alles, was ist.
Und wenn das nicht schön ist,
Mann, dann ist nichts schön.

Also sagst du:
Nun, ich kann es zwar jetzt nicht schön haben,
aber später, wenn alles erledigt ist,
wird es schön sein.

Ein Später existiert nie.
Was geschieht mit
der Lebensversicherung, Miete,
dem Planen, Sparen, den Verpflichtungen?

Nichts geschieht damit!

Ram Dass

 

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7 Antworten zu Linji: Was fehlt euch denn?

  1. Gabi schreibt:

    Der gute, alte Ram Dass! Vor ein paar Wochen habe ich das Buch – Be here now- rausgekramt, und wieder fand ich seine eigene Geschichte am Spannendsten. Statt hinter der Erleuchtung und Glückseligkeit herzurennen; denn leider ist mir zu Ohren gekommen, dass es das geben soll; würde ich viel lieber mit euch am Lagerfeuer abhängen und „echte“ Geschichten aus dem Leben hören und darin knisternd eintauchen. Auch, wenn es halt nur G’schichten sind, gell?

  2. Gabi schreibt:

    Ram Dass‘ schönster Buchtitel ist: Subtil ist der Pfad der Liebe….hach! Was für eine Verheissung und Sehnsucht ! Mit wundervollen mystisch- spooky Geschichten aus dem Zusammensein mit seinem Guru. – Die Lagerfeueridee lass ich mal stehen, wenn man dich schon auf keine Bühne kriegt zum erzählen….

  3. Gabi schreibt:

    Huch, Kommentar weg. Again: Der schönste Buchtitel kommt auch von Ram Dass. Kleine Geschichten über das Zusammensein mit seinem Guru, wundervoll spooky und indisch- mystisch. “ Subtil ist der Pfad der Liebe“ Soviel Sehnsucht und Verheissung in einem Buchtitel, hach. . Die Lagerfeueridee lass ich mal stehen, wenn man Dich schon nicht auf eine Bühne kriegt zum Erzählen.. .

  4. Nitya schreibt:

    Liebe Gabi,

    über Neem Karöli Baba hatte ich auch mal was im Blog:

    https://satyamnitya.wordpress.com/2016/03/18/neem-karoli-baba-ram-dass-ist-wuetend/

    Ein wundervolles Pärchen die beiden Hübschen.

    Und das Lagerfeuer lassen wir wirklich einfach mal stehen. Da steht es nämlich gut und es ist so schön zum Träumen. Hach …

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