Osho: Was immer du als Abhängigkeit erlebst, das hasst du


Und wenn ihr das Männliche und das Weibliche
zu einem Einzigen macht,
so dass das Männliche nicht mehr männlich
und das Weibliche weiblich ist,
dann werdet ihr in das Königreich eingehen.

aus: Jesus, „Thomas-Evangelium“

Dann bist du in es eingegangen; du bist vollkommen geworden, du bist nicht geteilt, du bist unteilbar geworden. Jetzt hast du ein Selbst. Jetzt hast du Freiheit und Unabhängigkeit, jetzt fehlt dir nichts, bist du in dir vollendet. Solange dieser Kreis nicht zustande kommt, wird dir etwas fehlen. Und du wirst von anderen abhängen, um ihn zu erfüllen.

Darum sieht Sex wie Sklaverei aus – und er ist es! Er sieht nach Abhängigkeit aus, und was immer du als Abhängigkeit erlebst, das hasst du. Daher das ständige Kämpfen mit dem Geliebten, mit der Geliebten: Du hasst es, du kannst nicht vom anderen fort, weil du abhängig bist. Und niemand möchte von irgendjemandem abhängig sein, weil jede Abhängigkeit Einschränkung ist; denn der andere will herrschen, der andere will besitzen – und wenn du abhängig bist, musst du dem anderen eine gewisse Herrschaft erlauben, weil du ja Angst hast. Dies ist eine zweiseitige Abmachung: „Ich will von dir abhängen, du willst von mir abhängen, so können wir uns beide gegenseitig in gewisser Weise besitzen, können wir uns in gewisser Weise gegenseitig beherrschen.“ Aber niemand mag Herrschaft und Besessen-Werden. Darum ist die Liebe ein solches Elend. Und wenn du einen Menschen liebst und gleichzeitig hasst, wie kannst du glücklich sein? Selbst der schönste Mensch wird hässlich.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit“

„Aber niemand mag Herrschaft und Besessen-Werden. Darum ist die Liebe ein solches Elend. Und wenn du einen Menschen liebst und gleichzeitig hasst, wie kannst du glücklich sein?“ Lassen wir mal „die Liebe“ aus dem Spiel, denn was sollte Liebe mit Beherrschen und Besitzen zu tun haben? Das Wort „Liebe“ verunklärt in diesem Zusammenhang nur alles. John Henry Mackay bekannte in den Schlusszeilen seines Gedichts „Anarchie“:

„Ich bin ein Anarchist!“ – „Warum?“ – „Ich will
Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!“

Genau da liegt natürlich der Hase im Pfeffer: Nicht beherrscht und besessen werden wollen, aber selbst beherrschen und besitzen wollen, ist das, was allgemein unter der Überschrift „Liebe“ geschieht. Wobei zum  Beherrschen wollen auch die Verschleierung des Herrschaftsanspruchs gehört. Darin unterscheidet sich „der gemeine Mensch“ in keiner Weise von Politikern. Die arbeiten auch immer zum Wohle aller, nur nicht zum eigenen Wohl. Also (rein theoretisch) schätze ich den Räuber noch eher, der mit vorgehaltenem Colt „Geld oder Leben“ will. Mein Geld, mein Leben. Er deklariert sich nicht als Gutmensch, sondern als ausgesprochener Bösewicht. Der angebliche Gutmensch, der stets das angeblich Beste für den anderen will, versucht den anderen mit seinem moralischen Anspruch in seinen natürlichen Reaktionen zu täuschen und zu lähmen, während besagter Räuber genau auf dieses Kampfmittel verzichtet. Hat er auch nicht nötig, mit dem Colt in der Hand. Im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt, wird gesagt, was darauf hinweist, dass die so verstandene Liebe auch nichts anders sei als eine Form des Krieges. Und so sieht dann die Kriegserklärung aus: „Willst du mit mir gehen?“

Dieser Krieg wird auf allen Feldern menschlicher Beziehungen so lange toben, wie nicht das geschehen ist, was Jesus so beschrieben hat: „Und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, so dass das Männliche nicht mehr männlich und das Weibliche weiblich ist, dann werdet ihr in das Königreich eingehen.“ Predigt Jesus hier Gender-Politik? Keineswegs. Gemeint ist hier die Überwindung der Idee der Halbheit.

Ideal und Wirklichkeit

Osho: „Dann bist du in es eingegangen; du bist vollkommen geworden, du bist nicht geteilt, du bist unteilbar geworden.“ Das Wort „geworden“ gefällt mir nicht. Es hat nichts mit einem Werden zu tun. Du siehst, du bist das Unteilbare. Du bestehst nicht aus einer Hälfte, die nach ihrer angeblich fehlenden Hälfte hungert. Das Yin-Yang-Symbol darf nicht auseinandergerissen werden. Du bist vollkommen, du bist nicht geteilt, du bist unteilbar. Du bist Freiheit und Unabhängigkeit, nichts fehlt dir, du bist in dir vollendet. Immer gewesen. Nun kannst du mit anderen sein oder allein. Beides ist Luxus und keine scheinbare Notwendigkeit.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s