WEI WU WEI: Wie können wir doch noch die Welt retten?

 

Nicht-Handeln auf der Ebene des Seins wird, indem es sich Ausdruck verschafft, zu Richtig-Handeln auf der Ebene der Existenz. Richtig-Handeln kann alles bedeuten, von Gewalt bis hin zu dem, was wir als Untätigkeit ansehen – auch Untätigkeit ist immer eine Form des Handelns.

Die Mehrzahl unserer Handlungen sind Fehlhandlungen. Wir sind närrische Affen, die permanent unnötige Dinge tun, besessen von der Notwendigkeit des ‚Tuns‘, mit panischer Angst vor Untätigkeit, die ‚Tatkräftigen‘ meist bewundernd, ungeachtet des Chaos‘, das sie verursachen. Ebenso unkritisch verachten wir die ‚Untätigkeit‘ und sind blind für das Gedeihliche, das ihrem Weg folgt. Das eine- Verherrlichung – ist das übliche Ergebnis falschen Handelns, das andere – Verachtung – die übliche Bewertung von Untätigkeit, die jedoch Richtig-Handeln ist.

Darauf gründet sich, so denke ich, die taoistische Aufforderung zum Nicht-Handeln (wu wei). Dieser Hinweis ist notwendig, da die bloße Übersetzung der chinesischen Ideogramme keinen Unterschied trifft zwischen (noumenalem) Nicht-Handeln und (phänomenaler) Untätigkeit.

In einer bestimmten Situation kann die dynamische Kraft von Nicht-Handeln größer sein als die eines aktiven Tuns. Nicht-Handeln, das dynamisch begründet ist, erfordert Weitsicht und Selbstkontrolle, da uns das tätige Sein leichter fällt als Untätigkeit. Die Dynamik der Untätigkeit kennzeichnet sie als Richtig-Handeln.

aus: WEI WU WEI, „Fingerzeige zum Mond“

Die blöde Frage, wie wir doch noch die Welt retten können, stammt natürlich von mir. Und die kurze Antwort darauf wäre: Indem wir aufhören, sie zu zerstören. Und was machen wir mit den Herrschenden, den Regierenden und ihrem Heer von Beamten? Was machen wir mit dem Militär und der Polizei? Und vor allem – was machen wir mit den wirklich Herrschenden, den Reichen und Mächtigen, die hinter den Regierungen stehen? Was machen wir mit diesen ganzen pathologisch-mafiösen Strukturen? Sollen wir denen einfach das Feld überlassen und nichts tun?

Wie wär’s denn damit, ihnen tatsächlich einfach das Feld zu überlassen und nichts zu tun? Ich denke an den Gandhi-Satz aus dem Poesie-Album: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Welche Veränderung wünscht du dir denn für die Welt? – „Ja, aber, dann müssen doch alle mitmachen!“ – „Da kannste lange warten!“

Wei Wu Wei sagt: „Die Mehrzahl unserer Handlungen sind Fehlhandlungen. Wir sind närrische Affen, die permanent unnötige Dinge tun, besessen von der Notwendigkeit des ‚Tuns‘, mit panischer Angst vor Untätigkeit, die ‚Tatkräftigen‘ meist bewundernd, ungeachtet des Chaos‘, das sie verursachen.“ Aber man kann doch diesen durchgeknallten Mafiosi nicht einfach das Feld überlassen! Man sieht doch, wohin das geführt hat. Also: „Lasst uns handeln! Lasst uns Petitionen schreiben, außerparlamentarische Opposition betreiben, den Marsch durch die Institutionen versuchen, demonstrieren, rebellieren, eine Revolution anzetteln … „Wir sind närrische Affen, die permanent unnötige Dinge tun, besessen von der Notwendigkeit des ‚Tuns‘, mit panischer Angst vor Untätigkeit,…“ Hatten wir schon alles x-mal durchexerziert, nicht wahr? Reine Gschaftlhuberei, wie die Bayern sagen. Gebracht hat’s … na ja, schaut euch den Zustand der Welt an.

Das einzige, was noch nie wirklich ausprobiert wurde, war: „Nicht-Handeln auf der Ebene des Seins wird, indem es sich Ausdruck verschafft, zu Richtig-Handeln auf der Ebene der Existenz.“ Wei Wu Wei liefert noch eine Klarstellung mit: „Darauf gründet sich, so denke ich, die taoistische Aufforderung zum Nicht-Handeln (wu wei). Dieser Hinweis ist notwendig, da die bloße Übersetzung der chinesischen Ideogramme keinen Unterschied trifft zwischen (noumenalem) Nicht-Handeln und (phänomenaler) Untätigkeit.“ Es geht also nicht um phänomenale Untätigkeit, die sowieso nur auf dem Friedhof existieren könnte, sondern um noumenales Nicht-Handeln! Und damit hier keine falschen Vorstellungen über das Ergebnis dieser „Methode“, die gar keine Methode ist, entstehen kann, weist Wei Wu Wei auf diesen wichtigen Punkt hin:Richtig-Handeln kann alles bedeuten, von Gewalt bis hin zu dem, was wir als Untätigkeit ansehen.“

Ich nehme mal den Vulkan als Sinnbild für noumenales Nicht-Handeln. Der phänomenale Vulkan handelt natürlich in keiner Weise. Aber natürlich personifizieren ihn die Leute und machen aus ihm einen Handelnden, der je nach Lust und Laune die Menschen ärgert. Ich nehme an, das kennt mehr oder weniger jeder von sich. Wenn ich über einen Stein stolpere, kann es durchaus sein, dass ich „Scheiß-Stein!“ blöke. Nein, auch Wei Wu Wei verspricht niemandem einen Rosengarten. Die blühenden Landschaften sind eine Domäne von Helmut Kohl. Wenn man überhaupt eine Prognose wagen wollte, dann käme dabei bestenfalls heraus, dass, falls es auch bei den Menschlein nur noch noumenales Nicht-Handeln gäbe, die Zerstörung der Erde aufhören würde. Das wäre doch schon mal was. Oder?

„Ach das könnte schööön sein, …“

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3 Antworten zu WEI WU WEI: Wie können wir doch noch die Welt retten?

  1. ananda75 schreibt:

    „Alle meine Probleme kommen aus Aktion“
    Illuminatus – DAS Kult-Buch meiner Jugend
    … und so manche Sätze schlugen ein und blieben drin, bis heute…
    „Ich werde mal ein paar Tage oder ein paar Jahre darüber meditieren“

    Ich fall übrigens immer noch darauf rein😃
    Vor ein paar Tagen habe ich beschlossen, keine Pläne mehr zu machen und erst am nächsten Tag fiel mir auf, dass das ein Widerspruch in sich ist 😁
    Alles Liebe 💚

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  2. Alexander Berg schreibt:

    Wenn man erkennt, dass die alten Ordnung dazu gedacht ist, wie es nicht funktioniert, kommt man irgendwann auf das eigene „Ich“ und seine Programmierungen.

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Alexander, hallo und Grüß Gott!

      Na ja, die alte Ordnung funktioniert ja bestens. Fragt sich nur in wessen Sinn. Wenn man zuguckt, wie die Welt immer schneller zerstört wird, kann man natürlich kaum von einem gelingenden Funktionieren sprechen.

      Das eigene „Ich“ mit seinen Programmierungen … fein dass du drauf gekommen bist. Diejenigen, die es in erster Linie interessieren sollte, interessieren sich leider nicht die Bohne dafür.

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