Bankei Eitaku: Buddhas zweihundertfünfzig Gebote


Zwei Priester fragten Bankei: Wir beachten alle zweihundertfünfzig Gebote des Buddhismus. Wir glauben, dies wird uns befähigen, Buddhaschaft zu erlangen. Ist das gut oder schlecht, was würdet Ihr sagen?

Bankei: Daran ist nicht im mindesten etwas falsch. Es ist eine gute Sache. Man kann aber nicht sagen, es sei die beste. Es ist entwürdigend, dass ihr eure Gebote als Verdienstmedaille tragt und euch die „Disziplin-Schule“ nennt, als dächtet ihr, das sei etwas Höheres. Ursprünglich sind die Gebote etwas, das der Buddha einführte, als übelgesinnte Mönche gegen den Dharma verstießen. Die 250 Gebote beschreiben die verschiedenen Arten von Verstößen, welche unehrenhafte Mönche sich zu Schulden kommen lassen. Mönche, mit denen es recht steht, geben sich nicht damit ab, Regeln hochzuhalten, die Verletzungen des Dharma verhindern sollen. Wer nicht trinkt, braucht keine Gebote gegen berauschende Getränke. Wer nicht stiehlt, braucht keine Gebote gegen Diebstahl. Gebote gegen das Lügen erübrigen sich bei einem wahrheitsliebenden Menschen. Ihr sagt, dass ihr die Gebote einhaltet, doch sie einzuhalten oder zu verletzen, ist doch eigentlich etwas, das nur übelgesinnte Mönche angeht. Und wenn ihr anhebt zu sagen: „Wir sind die Gebote-Schule“ und den Geboten überragende Bedeutung beimesst, gebt ihr euch doch eigentlich selbst als übelgesinnte Priester aus. Ist das nicht so, als stellte sich einer, der ein guter Mensch ist, als ein böser Mensch dar und ahmte ihn nach? Würdet ihr das nicht tadelnswert nennen?

Das Ungeborene ist der Geist Buddhas. Wenn ihr in Übereinstimmung mit ihm lebt, so ist da von Anfang an kein Unterschied zwischen Einhalten und Nichteinhalten. Das sind nur nachträgliche Bezeichnungen. Sie sind schon einen oder mehr Schritte vom Ungeborenen entfernt.

aus: Meister Bankei, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“

Kürzlich hat Fredoo auf Facebook mal wieder auf die Gefahren einer zukünftigen Islamisierung hingewiesen, wie sie sich auch in Deutschland vollziehen wird. Er fügte einen Bericht von Barbara Köster hinzu und einen Hinweis auf ihr Buch „Der missverstandene Koran. Warum der Islam reformiert werden muss“. Im Bericht von Frau Köster befand sich eine ellenlange Liste von Dingen, die im Islam grundsätzlich verboten sind. Zweihundertfünfzig Gebote gibt es im Buddhismus, lese ich in dem Text von Bankei. Das scheint so ein Kennzeichen aller Religionen zu sein, dass sie sich gegenseitig mit der Zahl ihrer Ge- und Verbote zu übertreffen versuchen.

Die beiden Priester der buddhistischen „Disziplin-Schule“ fragen Bankei, wie er dazu stehe. Bankei nennt das erst mal eine gute Sache. Gerade als sich die Priester erleichtert entspannen, schlägt Bankei voll zu. Auf den Punkt gebracht sagt er: Ge- und Verbote sind etwas für dummee Schurken. Und er erklärt: „Die 250 Gebote beschreiben die verschiedenen Arten von Verstößen, welche unehrenhafte Mönche sich zu Schulden kommen lassen. Mönche, mit denen es recht steht, geben sich nicht damit ab, Regeln hochzuhalten, die Verletzungen des Dharma verhindern sollen.“ Ist der Dharma etwa ein Gesetzbuch?
Laotse hat es wundervoll auf den Punkt gebracht: „Höchste Tugend weiß von der Tugend nicht; daher gibt es die Tugend. Niedere Tugend lässt von der Tugend nicht; daher mangelt die Tugend. Höchste Tugend ist ohne Tun; ist auch ohne Grund, warum sie täte. Niedere Tugend tut, hat auch einen Grund, warum sie tut. Höchste Menschlichkeit tut, aber ohne Grund, warum sie tut. Höchste Rechtlichkeit tut, doch mit einem Grund, warum sie tut. Höchste Sittsamkeit tut; und wenn ihr niemand erwidert, zwingt sie die andern mit aufgekrempelten Ärmeln.“ Die beiden Priester schienen bisher nur das gekannt zu haben, was Laotse “ niedere Tugend“ nennt. Bankei versucht ihnen klar zu machen, dass Buddhas 250 Gebote absolut nichts mit dem zu tun haben, um was es Buddha ging: Um den „Einen Geist“ oder das „Ungeborene“.

Wenn Barbara Köster ein Buch mit dem Titel schreibt „Der missverstandene Koran. Warum der Islam reformiert werden muss“, so müsste man eigentlich ein Buch schreiben über das Missverständnis aller Religionen. Ihnen allen geht es um die „niedere Tugend“, um Ge- und Verbote. Vom „Einen Geist“ mögen sie gehört haben, sie faseln auch gerne lautstark darüber in ihren Kirchen und Tempeln herum, aber selber damit etwas anfangen können sie nicht. Das, was Jesus bei Matthäus seinerzeit den Priestern gesagt hat, gilt im Grunde für die Priester aller Religionen auf der Welt und für die Politiker in gleicher Weise: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen.“ Und was die Ge- und Verbote anbelangt, sagte er: „Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen.“ Und diesen Quatsch nennen sie dann Religion! (Oder die Politiker sagen: „Das einfache Volk kann politische Maßnahmen nicht verstehen.“)Dass es wie überall Ausnahmen gibt, muss ich nicht besonders erwähnen. Diese mussten und müssen allerdings oft genug um ihr Leben fürchten.

Viele sagen jetzt vielleicht: Was hab ich mit Religion zu schaffen? Da kann ich nur sagen: Was machen gerade unsere Staatslenker in Reaktion auf die Ausschreitungen während des G20 Gipfels? Bestrafen, noch  mehr bestrafen, mit der ganzen Härte des Gesetzes bestrafen, neue Gesetze beschließen, Rote Flora auflösen, Olaf Scholz zum Rücktritt zwingen, Trump ist leider ’ne Nummer zu groß, aber Putin noch ein paar Sanktionen aufhalsen und alle Feinde niederbomben. Halleluja, das ist Religion vom Feinsten. Prinzip des wechselseitigen Erzeugens? Die Einsicht, dass alles mit allem zusammenhängt? Was soll denn das sein? Über das eigene Versagen nachdenken? Fehlanzeige. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs hat noch nie etwas anderes drauf gehabt und was da sonst noch so als Gott rumrennt auch nicht.

Ich würde den beiden Priestern nicht geantwortet haben: „Daran ist nicht im mindesten etwas falsch. Es ist eine gute Sache.“ Ich hätte ihnen vielleicht geantwortet: Das ist eine Geißel eures selbst gebastelten Gottes.

Mansur Al-Halladsch starb,
weil er sagte: „Anal Haq“
(„Ich bin die Wahrheit“)
Hat Jesus das nicht auch gesagt?
Kreuziget ihn! Kreuziget ihn!

Leichen pflastern ihren Weg

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7 Antworten zu Bankei Eitaku: Buddhas zweihundertfünfzig Gebote

  1. Alexandra schreibt:

    Und unsere Gesetzesbücher werden dicker und dicker… ständig kommen neue Gesetze und Erlasse hinzu, weil man ja irgendwelche Gesetzeslücken genutzt hat, manches noch nicht bedacht wurde und und und… Wahnsinn! Bei den Indianern gab es keine einzigen Gesetze. Verstieß man gegen grundlegende Übereinkünfte , wurde man aus dem Stamm ausgestoßen. Zeitweise oder Lebens lang. Das war Strafe genug und meistens überlebte das der ausgestoßene nicht. Heute wirken bei uns manche verbote schon grotesk: da findet man im Aldi ein Schild auf der Glasabdeckung der Tiefkühlschränke: “ nicht auf die Glasabdeckung steigen!“ Tja, anscheinend passiert es, sonst wäre das Schild nicht nötig. Und steht nicht auch auf Mikrowellen, dass man da seine Katze nicht drin trocknen soll? Oh man oh man!

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    • Nitya schreibt:

      Als ich noch im Allgäu unterwegs war, fuhr ich mal in einen Copyshop, um was zu kopieren. Der Ladenbesitzer warnte mich: Fahren Sie mit ihrem Auto weg, da kommt gleich eine Dachlawine runter. Ich ignorierte seine Warnung und erledigte erst meine Kopiererei. Als ich gerade in mein Auto steigen wollte, ging es los. Ich hatte die Fahrertür offen und wollte gerade einsteigen, da kam der ganze Schneesegen runter. Das Dach von meinem kleinen Fiat-Panda war runtergedrückt bis zu den Sitzen, das Auto voller Schnee, ich voller Schnee – und auf der anderen Straßenseite der Copyladenbesitzer: „Den müssen Sie anzeigen, den müssen Sie anzeigen. Der hat immer noch kein Schneegitter auf seinem Dach!“ Ich winkte bloß ab, schüttelte mir den Schnee runter, holte den Schnee aus meinem Auto setzte mich auf den Fahrersitz und drückte das Dach wieder hoch. Bei so einer Blechkutsche ging das relativ leicht. Dann fuhr ich davon.

      Das hätte mir auch in den Bergen passieren können. Hätte ich da den lieben Gott anzeigen sollen? Ich hab’s nicht so mit dem Anzeigen. Hätte ich auf den Ladenbesitzer gehört, wäre ich vielleicht ungeschoren davon gekommen. Irgendwie bin ich es gewöhnt, meine Dinge selbst zu regeln.

      Liebe Alexandra, dein Schild „Nicht auf die Glasabdeckung steigen!“ zeigt, wohin wir schon gekommen sind. Es geht nur noch um mögliche Schadensersatzansrüche. Wenn man sich die Summen anguckt, die in Amerika für solche Dinge bezahlt werden müssen, dann siehste du, was für ein Wahnsinn da ausgebrochen ist.

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  2. Eno Silla schreibt:

    I had a dream, about a man.
    He is not from our world.
    He came down from the sky and spoke to me.
    He said, „We are from the Third Planet.“

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  3. Baboji schreibt:

    Das Schicksal von Al-Halladsch ist wahrlich traurig. Und heute noch, werden die Sufis als „Scharlatane“ angesehen. Der dogmatische Denker wird es nie fassen können, dass, wenn so jemand wie Al-Halladsch oder auch Jesus das „ICH“ benutzt, dass er damit mitnichten sich selbst als Person meint.

    So führten schon oft in der Geschichte, Missverständnisse zum Tode. Doch was tun? Vielleicht könnte man sich ein wenig von den Daoisten abschauen und sich zurückziehen/zurücknehmen. Derjenige, der solche Aussagen hören möchte, der wird auch so kommen. Missionierung kam noch nie gut – das Dilemma der Wahrheit (die ich bin).

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  4. fredoo schreibt:

    Ein feiner Rat …
    „hinterlasse keine Spuren“ …
    auch aus der Daoisten-Ecke …

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