Osho und Tilopa: Der große Geist

 



Das starke Feuer des Geistes
verbrennt mit einem Blitz
den Schleier der Unwissenheit.

In einen einzigen Augenblick wird alles Unwissen verbrannt – das ist plötzliche Erleuchtung.

Wer sich an den Geist klammert,
erkennt die Wahrheit nicht,
die jenseits davon ist.

Wenn du dich an den kleinen Geist klammerst, an dein Denken und deine Gefühle, bleibst du blind für alles, was jenseits dieses kleinen Geistes liegt – für den großen Geist – denn wie sollte das möglich sein? Wenn du dich festklammerst, klebt dein Bewusstsein an dem, woran du dich klammerst. Wie kannst du das Subjekt erkennen, wenn du dich an das Objekt klammerst? Du musst dein Klammern aufgeben.

Wer sich an den Geist klammert, ist identifiziert,
er erkennt die Wahrheit nicht, die jenseits davon ist.
Wer sich bemüht, das Dharma einzuüben,
erkennt die Wahrheit nicht, die jenseits aller Übung ist.

Alles Üben ist Sache des kleinen Geistes. Alles Tun kommt aus dem kleinen Geist. Das unbeteiligte Schauen ist das einzige, was über den kleinen Geist hinausgeht.

aus: Osho, „Tantra, die höchste Einheit“

„Wer sich an den Geist klammert, ist identifiziert, er erkennt die Wahrheit nicht, die jenseits davon ist“, sagt Tilopa. Und Osho fügt hinzu: „Wenn du dich festklammerst, klebt dein Bewusstsein an dem, woran du dich klammerst. Wie kannst du das Subjekt erkennen, wenn du dich an das Objekt klammerst?“ Wenn Tilopa hier von „der Wahrheit“ spricht, meint er nicht eine in irgendeiner Weise beschreibbare Wahrheit. Denn die wäre natürlich nur ein Objekt neben unendlich vielen anderen Objekten. Osho: „Wenn du dich an den kleinen Geist klammerst, an dein Denken und deine Gefühle, bleibst du blind für alles, was jenseits dieses kleinen Geistes liegt – für den großen Geist.“ Was soll das eigentlich sein, „der große Geist“? Tja, da kann sich jetzt jeder was drunter vorstellen – oder es bleiben lassen, weil das völlig für die Katz wäre. Nur eines ist klar: Alles, woran man sich klammern kann, kann es nicht sein, weil das ein Objekt wäre. Deshalb sagt Osho: „Du musst dein Klammern aufgeben.“
Tilopa spricht zweimal vom Geist: „Das starke Feuer des Geistes verbrennt mit einem Blitz den Schleier der Unwissenheit.“ und dann: „Wer sich an den Geist klammert, erkennt die Wahrheit nicht, die jenseits davon ist.“ Osho spricht vom großen und vom kleinen Geist und nimmt damit dem Zuhörer bzw. dem Leser schon die halbe Arbeit ab. Natürlich meinen beide dasselbe. Das starke Feuer des Geistes kann den Schleier der Unwissenheit nur dann mit einem Blitz verbrennen, wenn der „kleine“ Geist sich selbst vollkommen vergessen hat. Wenn der „kleine“ Geist vom „großen“ Geist gehört oder gelesen hat, seiner teilhaftig werden will und sich an seine Vorstellung vom „großen“ Geist klammert, kann er die Wahrheit nicht erkennen, die jenseits seiner Vorstellung ist. Ach ja, der kleine Geist! Der ist schon ganz okay, nur … „Schuster bleib bei deinen Leisten!“ kann man da nur sagen. Was nicht sagen will, dass nicht auch Schuster sich ganz für „das starke Feuer des Geistes“ öffnen können – konnten, muss man ja schon fast sagen. Geschichtliche Beispiele gibt es dafür zur Genüge. Heute schmeißen die Leute ihre alten Treter lieber weg und kaufen sich im Supermarkt neue. Da ist dann nicht mehr viel Raum und Muße für das starke Feuer des Geistes.

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3 Antworten zu Osho und Tilopa: Der große Geist

  1. fredoo schreibt:

    Es ist wieder das „denken danach“ , das Sätze erzeugt , wie „Du musst das Klammern lassen“ .

    Formuliert als eine Art Arbeitsanweisung , gezeugt aus der Bertrachtung „danach“ .
    Als das AHA geschah … was hier plötzliche Erleuchtung genannt wird … Es gibt ja unendliche Versuche der Formulierung … die dummerweise alle nicht „treffen“ …

    Ich benutze gern die Vokabel „bemerken“ … weil es dieses „ein Augenblick später“ betont .
    Erst ist , warum auch immer , plötzlich DAS … leer von Sprache … unwörterbar … erst dann kann „bemerken“ stattfinden …
    Da ist also kein „klammern (=Identifizieren/interpretieren) was gelassen werden könnte“ , als aktive ( im Jetzt entstehende Handlung , die zu „etwas“ führen könnte ) , sondern das „loslassen des Klammers“ konnte lediglich > bemerkt werden , als Phänomen .. Da hat halt plötzlich nix mehr zu „etwas“ führen können … Und erst das innere Formulieren baut eine Art Brücke über diesen „leeren MOMENT“ in dem es in seinem Stil Geschichte konstruiert und eine Ursache und eine Wirkung verbindet … Ja da versucht dann der innere Schwatzkopf sofort auch aus diesem >leeren MOMENT eine Geschichte zu bilden … in dem das davor mit dem danach „gebrückt wird zu einer „loslassenden Klammerung“ …
    Aha ! in diesem AHA hat ja gar kein Klammern stattgefunden … Aha … also ist „Klammern“ der Schlüssel zum zum … Klassischer Irrtum des Denkers , der Ursache und Wirkung zwanghaft benutzen muss und hier sogar noch verwechselt … verwechseln muss … …
    Dieses Aha über (!) das AHA ist nachträglich , verblüfft , und doch … schon wieder „klammernd“ in dem es Handlung auch in das interpretiert (=klammert) was da unleugbar Klammerfrei war …
    Kann unser aller Denken nicht anders ? … Ja … es kann nicht anders …
    Nur in dieser „Aktivierung“ funktioniert Sprache … Sprache die ja auch unsere Erinnerung konfiguriert … Wir „erinnern“ ja in/mit Sprache …
    plötzlich … unveranlasst ! … unbedingt ! … stürzt die gewohnte Geschichte „ich und/(!) die Welt“ in ihre Basis zurück … da ist (bewusst ohne Attribut formuliert) ÜBRIGBLEIBEN … oder auch UNMITTELBARKEIT (pur) … wirklich ohne Ursache im zuvorigen Handeln des „Betroffenen“ … dessen Erinnerung jedoch , wieder nachträglich eine Autorenschaft konstruieren muss … allso wird eine Art Auslöser „det janzen“ konstruiert ( im obigen Text das Lassen von Klammern )
    Genauer betrachtet ist es scheißegal ob da zuvor Klammern war oder nicht … bzw. ist es deshalb scheißegal , weil da jedes (!) Zuvor nur mit Klammern funktionieren kann …
    Desderwegen benutze ich gerne den (indirekten) sprachlichen Hinweis , dass dieses AHA nicht erreicht oder verursacht wird , sondern … schlicht zugemutet … ( ohne jegliche Eigenleistung ) …
    Da gibt es eine >leere Erinnerung (=besagtes AHA) … völlig ohne jede Art von Attribut … nur mit einem „feinen Frieden“ gefüllt ( „fein“ hier im doppelten Sinne des Wortes verstehbar … „verstehbar“ hier im Sinne von „intuitiv ahnend“) … dieses staunend emotional kommentierte ist genau in seiner Unverständlichkeit , aber auch Unvergessbarkeit (!) , damit wiederum jederseits neues Staunen gebärende Mysterium , genau das was man „wahr“ nennen kann … nicht wahr im Sinne von „überzeugend“ mit Inhalt , sondern wahr im Sinne von unfüllbar mit Inhalt …

    Noch erwähnen möchte ich , das die formulierte Plötzlichkeit des Erwachens , ein falsches Bild von Besonderheit erzeugt.
    Ich behaupte , gespeist aus langjähriger Beobachtung und vielerlei Gesprächen mit Mit-Betroffenen , dass es halt keinesfalls ein seltenes , besonderes Ereignis ist , sondern das es wohl , im Gegenteil im wahrsten Sinne des Wortes alltägliches Erleben ist (als hypnotisch fixiertes „Ich und die Welt“) und , ja , dass es dieses Erleben sogar erst ermöglicht … Dieser MOMENT konfiguriert erst unser aller Erleben … Ähnlich dem Zwischenraum bei einer Filmrolle … Bild Zwischenraum Bild … Erst dieser leere Zwischenraum lässt die Bewegung der Bilder als Phänomen der Wahrnehmung möglich werden …
    Somit ist also der leere MOMENT nicht unbekanntes Mysterium , sondern altvertraute Tatsächlichkeit , für jeden von uns !
    Was macht dann den Unterschied ? … letztlich nur das bemerkte Bemerken …
    Manchmal , bei mancheinem , ist womöglich das Auftauchen der „Leere“ dergestelten , das es nicht nur die Geschichte ( wie gewohnt) nähren kann ,sondern in Verblüffung gebettet , halt als Unterbrechung bemerkt wird …
    Auch dazu das Bild aus dem Kino – der Filmriss ( zumindest den Älteren noch bekannt ) … Überschreitet der Zwischenraum eine gewisse Dauer , wird er – auch – als Zwischenraum bemerkbar … Da diese „Dauer“ aber nunmal völlig in der „Eigenverantwortung“ der Leere liegt , wie sie sich halt beliebt , in den Zeitverlauf hinein zu ereignen … ist es völlig klar , dass der Betroffene da nur Registratur ist und nicht Akteur …
    Das einzige was zu sagen ist , jeder einzelne Tag beinhaltet die uneingeschränkte Chance … > das „Bemerken“ stattfinden kann …
    Was darüber hinaus noch gesagt werden kann , ob oder ob nicht das einmal – so – geschieht , macht keinen echten Unterschied … auch … nur Dekoration … dann halt mit „Bemerkung“ als Dekorationsvariante …

    nu aber jenuch geschwatzt …

    😉

    Gefällt 1 Person

    • Nitya schreibt:

      Danke, werter Fredoo, das muss ich jetzt erst mal verdauen.

      So, 1 1/2 Stunden später Mittagessen halbwegs verdaut; ob ich deinen Text richtig gekaut und verdaut habe, wage ich nicht zu behaupten, werter Herr Fredo. Deinen Schlusssatz finde ich jedenfalls schon mal sehr treffend: „Was darüber hinaus noch gesagt werden kann , ob oder ob nicht das einmal – so – geschieht , macht keinen echten Unterschied … auch … nur Dekoration … dann halt mit ‚Bemerkung‘ als Dekorationsvariante …“ Es macht wirklich keinen echten Unterschied, nur wird das der eine sagen können und der andere wird hysterisch aufjaulen. Für Letzteren liegen Welten dazwischen.

      Du schreibst: „Noch erwähnen möchte ich , das die formulierte Plötzlichkeit des Erwachens , ein falsches Bild von Besonderheit erzeugt.“ Macht es wirklich so einen großen Unterschied, ob ich das ein erstes bewusstes Bemerken oder plötzliches Erwachen nenne? Auch ein erstes bewusstes Bemerken wirkt als etwas Besonderes. Im Unterschied zu dem, was so unter Erwachen vestanden wird, bleibt da in der Regel nichts zurück. Es wird alsbald wieder vergessen. Im Gegensatz dazu das sog. Erwachen. Du hast das ja sehr gut beschrieben: „Da gibt es eine >leere Erinnerung (=besagtes AHA) … völlig ohne jede Art von Attribut … nur mit einem „feinen Frieden“ gefüllt ( ‚fein‘ hier im doppelten Sinne des Wortes verstehbar … *verstehbar‘ hier im Sinne von ‚intuitiv ahnend‘) … dieses staunend emotional kommentierte ist genau in seiner Unverständlichkeit , aber auch Unvergessbarkeit (!) , damit wiederum jederseits neues Staunen gebärende Mysterium , genau das was man ‚wahr‘ nennen kann … nicht wahr im Sinne von ‚überzeugend‘ mit Inhalt , sondern wahr im Sinne von unfüllbar mit Inhalt …“

      Nochmal danke für deinen Kommentar!

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