Kaiser, Gott, Jesus und wir höchstpersönlich


So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! (Lk 22:21)

Matthäus und Markus berichten die Geschichte in gleicher Weise. Nur im Thomas-Evangelium, dem ältesten Evangelium (?), wird die Geschichte etwas anders berichtet:

Man zeigt Jesus eine Münze und sagt zu ihm: die Königsbeamten (die zu Kaisar-Caesar Gehörigen) verlangen Steuern von uns. Er sagt: Was dem König gehört, gebt dem König. Was Gott gehört, gebt Gott. Was mir gehört, gebt mir! (Thomasevangelium Logion 100)

Dieser Geschichte vorausgegangen war eine andere Geschichte, die Lukas so berichtet: „Da gingen die Pharisäer und hielten Rat, wie sie ihn in der Rede fangen könnten. Und sie sandten ihre Jünger samt den Herodianern zu ihm und sprachen: ‚Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und auf niemand Rücksicht nimmst; denn du siehst die Person der Menschen nicht an. Darum sage uns, was dünkt dich: Ist es erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht?‘ Als aber Jesus ihre Bosheit merkte, sprach er: ‚Ihr Heuchler, was versucht ihr mich? Zeiget mir die Steuermünze!‘ Da reichten sie ihm einen Denar. Und er spricht zu ihnen: ‚Wessen ist das Bild und die Aufschrift?‘ Sie sprachen zu ihm: ‚Des Kaisers.‘ Da spricht er zu ihnen: ‚So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!‘ Und als sie das hörten, verwunderten sie sich, und sie ließen ihn und gingen davon.“ ( Lk 22, 15-22)

Die Herodianer waren die Königsbeamten (die zu Kaisar-Caesar Gehörigen), von denen Thomas erzählt. Herodes ist auf Steuereinnahmen angewiesen. Gott braucht keine Steuereinnahmen. Es ging also bei dem Stichwort Gott um die Pharisäer. Und dann ist da noch, oh Wunder, ein dritter Steuerbegünstigter bei Thomas, nämlich Jesus selbst. Man kann das jetzt alles metaphorisch verstehen, etwa so, dass man zwar dem Kaiser bzw. Herodes die Steuern zubilligt, nicht aber Gott oder Jesus. Letztere erwarten etwas ganz anderes von uns. Aber das wäre dann unsere Interpretation und würde nicht dem Bericht des Thomas entsprechen. Der spricht von drei Interessengruppen, die alle die Hand aufhalten: Herodes, die Pharisäer und die Gruppe (Essener?) um Jesus.
Die beiden Figuren oben werden von der Hure „La belle Impéria“ (Honoré de Balzac) in Konstanz auf ihren Händen getragen: Der Künstler selbst sieht sie „als nackte Gaukler, die sich die Insignien der Macht widerrechtlich aufgesetzt haben“. Nackte Gaukler sind sie natürlich allesamt und zwar nicht nur die kirchlichen und weltlichen Herrscher, sondern jeder von uns, und irgendetwie haben wir uns alle irgendwas in und auf den Kopf gesetzt. Jeder will etwas ganz Besonderes sein und ist doch nur ein phänomenaler Pups, ein einziger Witz. Osho: „Sei dir selbst ein Witz, der dich erheitert.“ Wir sind bereits ein einziger Witz, nackte Gaukler eben, und das Leben bekäme viel mehr spielerische Leichtigkeit, wenn wir darüber lachen könnten: „Ich bin erwacht, ich bin erleuchtet! – huahahahihihoho….“
Ich, und um Gottes willen nicht nur ich, weiß viel zu wenig über die alten Kelten, obwohl ich angeblich einer sein soll, um irgendeine präzise Aussage über sie machen zu können. Alles, was ich über sie gelesen habe, deutet darauf hin, dass es bei ihnen eine Zeit gab, in der das mit „Kaiser und Papst“ noch funktioniert hat. Natürlich gab es weder Kaiser noch Papst bei ihnen, dafür waren sie viel zu dezentral organisiert. Also vielleicht eher so etwas wie Häuptling und Medizinmann – in diesem Fall Häuptling  und Druide, wie sie bei „Asterix und Obelix“ zu bewundern sind. Dieses Prinzip der doppelten Führung gab es zu allen Zeiten auf der ganzen Welt. Solange es sich dabei um so etwas wie die Führung der Besten (Aristokratie) handelte, war alles bestens geregelt. Eine zwangsläufige Erbfolge war dabei ausgeschlossen. Die Druiden mussten eine zwanzigjährige Ausbildung durchlaufen und die Stammesführer mussten sich ständig neu als gute Krieger und Organisatoren bewähren, sonst wurden sie von den Stammesmitgliedern durch einen geeigneteren Führer ersetzt. Die Druiden waren wohl die höchste allgemein anerkannte Instanz.

Die Aristokratie ist bei uns total in Verruf gekommen, weil sich im Lauf der Zeit auf der ganzen Welt so etwas wie erbliche Kastenzugehörigkeit herausgebildet hat, bei der es mehr um Macht und die Sicherung der Macht ging, als um die eigentliche Aufgabe der Besten, für das Wohl und Wehe des Ganzen zu sorgen. Kaiser und Papst sind sichtbarer Ausdruck der Pervertierung dieses ursprünglich so sinnvollen Prinzips der Aristokratie. Und Demokratie mit seinen angeblich so schützenswerten Werten ist für mich nur eine totale Heuchelei. Wir erhoffen von jedem Klempner, dass er nicht pfuscht, dass er sein Handwerk versteht und uns nicht übers Ohr haut. So einfach war zu Beginn auch das Prinzip der Aristokratie: „Soll’s doch der machen, der’s am besten kann!“
Heute macht’s der, der sich selbst am besten verkaufen kann  – und der macht’s ja gar nicht oder nur katastrophal schlecht. Das ist gleichbedeutend mit dem Niedergang und dem Untergang eines ganzen Volkes, weil es nur noch mit kulturlosen, mafiösen Strukturen zu tun hat, aus denen es sich selbst nicht mehr befreien kann und stattdessen nur noch auf einen neuen Messias wartet. Wolf Biermann in guten Tagen: „Wartest du auf bessre Zeiten / Wartest du mit deinem Mut / Gleich dem Tor, der Tag für Tag / An des Flusses Ufer wartet / Bis die Wasser abgeflossen / Die doch ewig fließen.“ Da können die Volksgenossen lange warten … und schlimmstenfalls kommt so ein neuer Messias. Mohandas Karamchand Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

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