Osho: Zum zweiten Mal geboren (2)

 

Das ist die Bedeutung von der Geburt Jesu – dass er aus einer Jungfrau geboren wurde. Aber die Leute nehmen alles wörtlich, und dann verstehen sie alles falsch. Aus einer Jungfrau bedeutet: Aus dem Einen. Der andere ist nicht da, wer also kann korrumpieren? Wer kann eindringen? Die Jungfräulichkeit bleibt absolut rein, weil es kein anderes gibt. Wenn ein anderer da ist, hast du deine Jungfräulichkeit verloren. Wenn im Geist der andere da ist, hast du deine Unschuld verloren. Sich des anderen bewusst zu sein, sich nach dem anderen zu sehnen, heißt, die Jungfräulichkeit verlieren. Diese zweite Geburt kann jungfräulich sein, aber die erste Geburt muss aus dem  Sex kommen – es gibt keine andere Möglichkeit, es kann keine andere geben.

Jesus wird aus dem Sex geboren, wie jeder andere auch; und auch das ist recht so, das sollte so sein. Jesus ist wie ihr – in der Saatform; aber in seiner Blüte ist er absolut anders, weil eine zweite Geburt stattgefunden hat; ein neuer Mensch ist geboren. Der Jesus, der aus der Maria geboren wurde, ist nicht mehr da; er hat sich selbst die Geburt gegeben. In der alten Essener-Sekte heißt es: Wenn ein Mensch transformiert wurde, ist er sein eigener Vater. Dies ist der Sinn: Wenn wir sagen, dass Jesus keinen Vater hat, bedeutet das, dass Jesus jetzt sein eigener Vater geworden ist. Das erscheint absurd, aber so ist es nun einmal.

Die zweite Geburt ist eine jungfräuliche Geburt – und dann bist du wieder unschuldig. Und diese Unschuld ist höher als die eines Kindes, weil das Kind tatsächlich erst seine Unschuld verlieren muss. Sie ist ein Geschenk der Natur, das sich das Kind nicht verdient hat und ihm daher wieder genommen werden muss. Wenn das Kind wächst, wird es seine Unschuld  verlieren – und es muss wachsen! Aber ein Weiser bleibt unschuldig; diese Unschuld kann nun nicht mehr fortgenommen werden.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit“ – Über das Thomasevangelium

Das ist natürlich eine etwas unglückliche Formulierung von Osho, wenn er sagt: „Sie [die Unschuld] ist ein Geschenk der Natur, das sich das Kind nicht verdient hat und ihm daher wieder genommen werden muss.“ Hieraus könnte man schließen, dass man sich das, was einem nicht wieder genommen werden kann, erst mal verdienen muss. Es ist keine Sache eines Verdienstes. Wenn eine Raupe sich verpuppt und dann irgendwann den Panzer der Verpuppung sprengt, hat sie sich dann ein Schmetterlingsdasein verdient? Es geschieht einfach. Und wenn ein eben geschlüpfter Schmetterling von einer Libelle gefressen wird, ist das dann ungerecht gegenüber der gewaltigen Lebensleistung des Schmetterlings? Es geschieht einfach und hat absolut nichts mit Verdienst und Gerechtigkeit zu tun. Und niemand ist schuldig geworden.

Gestern hatte ich das Video von Yod Udo Kolitscher im Blog und es ging bei ihm u.a. um das kindliche Bedürfnis geliebt zu werden, ohne sich diese Liebe verdienen zu müssen. Die zweite Geburt hat nichts mit Verdienst zu tun und auch nichts mit einem Bedürfnis geliebt zu werden. Sie ist das endgültige Ende dieser klebrigen Stalkerei, wie sie nicht nur in Rosamunde Pilcher-Filmen zu bewundern ist. Die zweite Geburt ist aus so etwas wie Notwendigkeit entstanden. So wie die Raupe ihre Verpuppung aus einer Notwendigkeit heraus sprengen muss, so muss ein Mensch seinen Panzer sprengen, den er sich in seiner Kindheit zulegen musste. Da kann man sich nur fragen, warum das eigentlich so selten geschieht bei den Menschen. Die Antwort liegt auf der Hand. Raupen denken nichts und glauben nichts. Sie lassen geschehen, was geschehen will. Und ihr genetisches Programm treibt sie einfach weiter, ob sie wollen oder nicht. Bei Menschen funktioniert das in aller Regel nicht und so muss meist ihre innere Not so groß werden, dass sie sich entweder einen Strick kaufen oder anfangen, sich ihrer totalen Verstrickung in irgendwelche Programme bewusst zu werden.
Ich habe meinem Doc mal erzählt, dass sich etwas in mir die Hände reibt, wenn er mir etwas verschreibt, was nichts bewirkt. Das ist natürlich völlig idiotisch und entspricht diesem blöden Rebellenprogramm, das der Yod gestern beschrieben hat. „Ätsch, das hast du dir so gedacht! Aber mich kriegst du nicht klein!“ Ich muss immer grinsen, wenn sich dieses Programm in mir meldet – und mein Doc hoffentlich auch. Und damit hat das Programm auch schon seine Wirkkraft eingebüßt. Das Rebellen-Programm darf nicht verwechselt werden mit der Rebellion, von der Osho gern spricht, darf nicht verwechselt werden mit Nietzsches Löwen. Das Rebellen-Programm ist halt nur genauso ein Programm wie das Kamel-Programm. Im einen Fall wird halt brav Ja gesagt, im anderen brav Nein. Wirkliche Rebellion wird sich der einengenden Programme bewusst, verweigert ihnen den roboterhaften Gehorsam und genießt lieber das Leben, genießt die wiedergewonnene Kreativität, genießt die wiedergewonnene Unschuld. Dass es da zu Konflikten mit Menschen kommt, die sich ihrer Programmierung noch nicht hinlänglich bewusst geworden sind, liegt auf der Hand. Da kann es nur zu ständigen Missverständnissen kommen.
Osho sagt: „Ein Weiser bleibt unschuldig; diese Unschuld kann nun nicht mehr fortgenommen werden.“ Wenn ich beispielsweise Jesus nehme, so war er in den Augen der Obrigkeit absolut schuldig. Sie mussten zu diesem Urteil kommen, da es ihrer Programmierung entsprach. Das „Hosianna“ entsprang der Hoffnung auf den Messias, das „Kreuziget ihn“ dem Urteil derjenigen, die sich unter einem Messias etwas ganz anderes vorgestellt hatten. Der Begriff Unschuld ist sowieso irreführend, eigentlich müsste es heißen „jenseits von Schuld und Unschuld“. Die Tiere, die gestern in den Videos, die Brigitte in den Blog reingestellt hatte, konnten dieses „Jenseits von Schuld und Unschuld“ sehr schön zeigen. Jesus hat seine Botschaft hinterlassen. Die programmierten Gläubigen konnten sie zwangsläufig nur falsch verstehen. Leben konnten sie die Botschaft nicht einmal ansatzweise. Es kann also beispielsweise nie um eine Nachfolge Jesu gehen, sondern darum, dass der Einzelne sich seiner eigenen Programmierung in seiner ganzen Tragweite bewusst wird. Jesus sprach: „Den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, den siehst du; aber den Balken, der in deinem Auge ist, den siehst du nicht. (Thomas-Evangelium: Logion 26)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Osho: Zum zweiten Mal geboren (2)

  1. punitozen schreibt:

    …Es kann also beispielsweise nie um eine Nachfolge Jesu gehen, sondern darum, dass der Einzelne sich seiner eigenen Programmierung in seiner ganzen Tragweite bewusst wird. Jesus sprach: „Den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, den siehst du; aber den Balken, der in deinem Auge ist, den siehst du nicht. (Thomas-Evangelium: Logion 26)…..

    Alles nur geklaut?

    Das christliche Matthäusevangelium ähnelt passagenweise frappant dem Talmud
    ( Quelle : Jüdische Allgemeine vom 24.02.2011 )
    Redensartlich ist die Jesus zugeschriebene rhetorische Frage »Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?« (Matthäus 7,3). Die Autorenschaft an dieser eindrucksvollen literarischen Metapher kann für sich jedoch auch der jüdische Gesetzeskommentar reklamieren. »Wenn jemand zu einem sagte: nimm fort den Splitter zwischen deinen Augen, so erwiderte ihm dieser: nimm fort den Balken zwischen deinen Augen« (Awoth 2,20). Stilistische und metaphorische Ähnlichkeiten fallen auch auf, vergleicht man Matthäus (7,2) » … mit dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden« und die talmudische Version »Mit dem Maße, mit dem ein Mensch misst, misst man ihn« aus Sanhedrin 100a.

    wer wars? Hat Matthäus abgeschrieben? Oder haben umgekehrt, wie manche christlichen Theologen glauben, rabbinische Autoren den Evangelisten plagiiert? Dann hätten sie Grundregeln ihres Glaubens verletzt. In Copyrightfragen unterscheidet das Judentum zwischen dem erlaubten Zitieren einer bestimmten Quelle – »b’schem omro« – und dem verbotenen »genevat da’at«, dem Raub von Gedankengut. Quellenangaben sind daher ein Muss. Deshalb finden sich in den rabbinischen Schriften immer wieder Formulierungen wie »Rabbiner X sagte im Namen von Rabbiner Y.« Der jüdischen Tradition zufolge zeigt der Schüler damit nicht nur, was er gelernt hat, sondern erweist seinem Lehrer auch den nötigen Respekt .

    Gefällt 1 Person

    • Nitya schreibt:

      Ach, lieber Punito,

      über so was kann ich mich gar nicht aufregen, obwohl ich mich ja gern aufrege. Klar haben die alle von einander abgeschrieben. Die Christen von den Juden, und die von den Ägyptern, die Moslems von den Christen oder umgekehrt – und soll nicht sogar Jesus von Buddha abgeschrieben haben, falls es die beiden überhaupt je gab? Ist doch völlig wurscht, sag ich mal.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s