Mose vs. Miraculix?


Damals [La- Tène-Kultur, ca. 450 -15 v.Chr.] befand sich das Keltentum auf dem Höhepunkt seiner kulturellen Entfaltung: Keltische Stammesverbände siedelten fast in ganz Europa, von der iberischen Halbinsel bis in die Ukraine, von Irland bis Kleinasien. Der Einfluss des keltischen Geistes und der keltischen Kultur auf die weitere Entwicklung in Europa war paradoxerweise stark prägend, obwohl sich die Kelten nicht imstande zeigten, ein größeres Reichswesen zu gründen. Ihre Einflussnahme erfolgte in einer Weise, die nicht in Verbindung mit äußerer Machtentfaltung, sondern nur in geistig-seelischer Hinsicht wirksam werden konnte. Die Verwaltung eines straff organisierten Reiches mit Hilfe einer hierarchisierten Beamtenschaft, wie sie Rom in Perfektion ausübte, wäre der dynamischen Wesensnatur der Kelten als etwas Erstarrendes, Zwingendes erschienen. Obgleich die Einrichtung des Königtums im keltischen Bewusstsein eine so außerordentliche Rolle spielte, stand man jeder Form von äußerer Machtkonzentration misstrauisch gegenüber; die Selbständigkeit einzelner Herrschaftsgebiete oder Stammeseinheiten wurde streng gewahrt.

Obwohl Kelten bis ins nordwestsibirische und ostmitteleuropäische Galizien, in die Lombardei, auf den Balkan, nach Siebenbürgen und auf der Krim, bis nach Irland, Skandinavien und ins kleinasiatische Galizien zogen, war ihr Herrschaftsbereich undefinierbar, ohne erkennbare Grenzen, ohne Zentralgewalt oder autoritären Zusammenhalt, lediglich verbunden durch eine einheitliche Religion und durch eine gemeinsame Sprache, die sich in den einzelnen Regionen geringfügig differenzierte. …

Man kann die Kelten an ihrer religiösen Bewusstseinshaltung von anderen Völkern unterscheiden; in ethnischer Hinsicht jedoch sprachen Griechen und Römer meist von Mischstämmen wie Kelto-Iberern, Kelto-Skythen, Kelto-Thrakern, Kelto-Liguren, Kelto-Griechen, oder Gallo-Romanen. Indem Kelten mit anderen Volksstämmen verschmolzen, wurden diese von ihrer Geisteskraft durchdrungen und „befruchtet“.

aus: Markus Osterrieder, „Sonnenkreuz und Lebensbaum“

Russisches Kreuz keltischen Ursprungs

Dr. Markus Osterrieder ist freischaffender Historiker, Publizist, Gastdozent, Vortragender und Reiseleiter. Ein ganz besonderes Anliegen ist ihm, die gemeinsamen Wurzeln der keltischen und der slavischen Kultur herauszuarbeiten. Er schreibt: „Das alte Russland wurde nicht nur von Byzanz aus christianisiert. Ein wichtiger Kulturweg führte im frühen Mittelalter vom Nordwesten in das Land. Schwedische Varäger und norwegische Vikinger wie die Könige Olav I. Tryggvason und Olav II. der Heilige wurden zu Vermittlern christlicher Einflüsse, die ihren Ursprung weit im Westen, in Irland und Britannien hatten. Das irokeltische Christentum mit seiner freiheitlichen, auf das Individuum gerichteten Spiritualität, die auch die Natur mit einbezieht, wird heute im orthodoxen Russland neu entdeckt – nicht zuletzt auch als eine Kulturbrücke nach Europa, welche die von der Machtpolitik bestimmte Ost-West-Teilung überwinden kann.“ Quelle

http://www.ardmediathek.de/tv/Kunscht/Rilke-und-Russland-im-Literaturarchiv-/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=18349524&documentId=42930742

Nur 2 Minuten und nur verfügbar bis 06.08.2017

In der politischen Diskussion taucht immer wieder der Begriff der Leitkultur auf und schon mancher hat sich am Kopf gekratzt und sich gefragt, was um Gottes willen denn das nu wieder sein soll. Gehören etwa für die Bayern Lederhose und Dirndl, das Oktoberfest, der sonntägliche Kirchgang, die Sprache, die Berge etc. zu ihrer Leitkultur? Was verstehen wir unter dem christlichen Abendland? Oder sind es Werte wie Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung, die man heutzutage meist vergeblich im politischen Alltag suchen muss? Oder gehört etwa das zu unserer Leitkultur, was das folgende Video uns vorführt? Na denn, Prost, Mahlzeit!

Na ja, auch dies ist vermutlich Teil der menschlichen Kultur, seit man überhaupt von einer Kultur sprechen kann. Für mich ist es reine Unkultur, imperiale Macht-Politik, Raubtierkapitalismus, die Herrschaft des Verstandes und des Menschen über den Menschen und die gesamte Natur, deren Teil er doch ist.  1. Mose 1,28: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.“ Schöne „Neue“ Welt, die gar nicht so neu ist, schöne Leitkultur!

Und der Gegenpol: Globalisierung, ja. Mischstämmig, ja. Grenzenlosigkeit, ja. Dezentral, ja. Freie Selbstverwaltung, ja. Vereint nur durch eine gemeinsame zutiefst spirituelle Geisteshaltung, ja. Das ist der keltische Geist, der, obwohl die Kelten sich längst in anderen Völkern aufgelöst haben, nie völlig verschwunden ist und von Zeit zu Zeit deutlich sichtbar geworden ist. Das ist der keltische Geist, der stets, wenn er sichtbar wurde, vom imperialen Geist Roms, seiner Vorläufer und Nachfolger, zerstört werden musste. Und damit hier kein Missverständnis entsteht: Mose und Miraculix sind beide in jedem von uns.

Ich habe das oben genannte Buch von Markus Osterrieder auf seiner Seite entdeckt und es mir antiquarisch für sündhaft viel Geld besorgt, weil ich das Thema so wichtig finde. Insbesondere die tiefe kulturelle Gemeinsamkeit von Deutschland und Russland, die vom angloamerikanischen Imperium so sehr gefürchtet wird, dass es in das öffentliche Bewusstsein ziemlich erfolgreich unglaublich viel Angst, Misstrauen, Hass und Feindschaft gesät hat. Ich möchte jetzt hier gar nicht eine deutsch-russische Freundschaft propagieren, das braucht ihre Zeit, aber eine Rückbesinnung auf den nicht-imperialen keltischen Geist würde dieser Erde sicher gut tun.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Mose vs. Miraculix?

  1. Alexandra schreibt:

    Wasser privatisieren? Dann werde ich zum Asterix! Fehlt nur noch der Zaubertrank, den würde ich dann wohl brauchen. Wasser mit Strom zu vergleichen ist pervers. Arm muss erzeugt werden, ist eine zivilisationserfindung. Wasser ist eine urlebensquelle. Aber vielleicht sollten bald auch die Tiere im Wald für das Wasser bezahlen.

    Gefällt 2 Personen

  2. Alexandra schreibt:

    Ich geh sogar noch en bisschen weiter und weiß nicht, ob das nun links oder keltisch oder sonstwas ist. Wie kann jemand Land besitzen? (Leider sind die Bauern oft nicht die intelligentesten Menschen, jedenfalls bei uns nicht. Und Land kann ja einfach vererbt werden. Der Bauer braucht nicht mal ne Ausbildung. Und rechnen muss er auch nicht können. Wenn dann mal das Mischungsverhältnis beim spritzen nicht so stimmt, was kann er dann dafür?) Naja, vielleicht ist das auch indianisch. Mit denen fühle ich mich eh irgendwie verbunden. Bin wahrscheinlich in einem vorigen Leben als Häuptling Schreiender Büffel durch die Gegend getigert.

    Gefällt 1 Person

  3. punitozen schreibt:

    ……..Ich möchte jetzt hier gar nicht eine deutsch-russische Freundschaft propagieren, das braucht ihre Zeit, aber eine Rückbesinnung auf den nicht-imperialen keltischen Geist würde dieser Erde sicher gut tun……..

    Mir ist das geistige Reich das liebste und die oberste aller geistigen und
    weltlichen Monarchien.

    Ludwig van Beethoven

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s