Osho: Im Tantra dreht sich alles um Bewusstheit


Tantra sagt, richte deine Aufmerksamkeit nicht auf das, was getan wurde, richte es auf den Menschen, der es getan hat. Im Yoga liegt der Angelpunkt in den Handlungen. Im Tantra jedoch dreht sich alles um die Menschen, um die Bewusstheit, um dich. Wenn du unwissend bist, sagt Tantra, kannst du nicht anders als verkehrt handeln. Selbst wenn du dir Mühe gibst, einen guten Charakter zu haben, wird dein Gut-Sein zu einer Art von Sünde – denn wie kann ein unwissender Mensch, einer, der fest schläft, gut sein? Wie kann aus Unwissenheit, aus Unbewusstheit gutes Handeln entstehen? Unmöglich! Dein guter Charakter muss eine Maske sein; dahinter verbirgt sich das wirkliche Gesicht des Lasters.

Du magst von Liebe reden, aber lieben kannst du nicht – im Gegenteil: Du hasst. Du magst von Nächstenliebe reden, aber deine Nächstenliebe kann nichts anderes als ein Deckmantel für deine Wut sein, für deine Habgier, deine Eifersucht. Deine Liebe ist giftig. Tief im Kern deiner Liebe steckt der Wurm des Hasses und frisst sie ständig auf. Deine Liebe ist wie eine eiternde Wunde. Sie ist nicht wie eine Blume – wie könnte sie auch?

aus: Osho, „Tantra, die höchste Einsicht“

Alle Dinge dieser Welt sind sinnlos
Und nichts als Keime neuer Leiden.
Kleine Lehren predigen Taten –
Folge nur einer Lehre die groß ist.

aus: Tilopa, „Der Gesang vom Mahamura“

In Tilopas Gesang von Mahamudra (großes Siegel) geht es nur um eines: Alle kleinen Lehren führen fast zwangsläufig in die Irre, da es bei ihnen immer um ein Tun geht und damit um Dualismus. Groß ist eine Lehre, wenn es um die Entwicklung eines einsgerichteten Geistes geht, der vollkommen in der Bewusstheit dieses Augenblicks wurzelt. Der Pfeil in Tilopas Hand will vermutlich genau darauf hindeuten. Osho: „Im Tantra dreht sich alles um die Menschen, um die Bewusstheit, um dich.“

Sigmund Freud sprach in seiner Trieblehre vom Lebens- und vom Todestrieb. Um es kurz zu machen, ich glaube nicht an einen Todestrieb. Ich halte es da mehr mit Wilhelm Reich, der der Auffassung war, dass ein Lebenstrieb, der lange und intensiv genug unterdrückt wurde, umkippt und dann völlig destruktiv wird. Ein lebendiger Fluss, der seiner Lebendigkeit beraubt wurde, indem man ihn durch Kanalisierung beherrschbar und nutzbar macht, ist tot. Hass hat ja noch eine gewisse Lebendigkeit. Wird die Repression von außen weiter getrieben, dann stirbt auch der Hass. Übrig bleiben diese Untoten, die nicht leben und nicht sterben können. Unsere Kultur, die in einem hohen Maße völlig repressiv ist, hat nicht nur hohe Kulturleistungen hervorgebracht, sondern sinnlose Kriege und die Vernichtung der Natur.

Wenn Donald Trump den Saudis für weit mehr als 100 Milliarden Dollar Waffen verkauft, dann kann das nur bedeuten, dass er den Einsatz dieser Waffen gegen Menschen billigend in Kauf nimmt. Es ist der absolute Wahnsinn und von mir aus der Ausdruck des sog. Todestriebs. Dagegen zu protestieren bzw. zu versuchen, diesen Waffendeal zu verhindern, wird im Prinzip wenig verändern, solange sich nicht die Menschen ändern, die diese repressive Kultur hervorgebracht haben. Von Laotse oder Tschuangtse oder anderen könnten sie möglicherweise lernen, wie das geht, mit dem Fluss des Lebens zu fließen und ihn nicht zu regulieren und ihm ihren Eigenwillen aufzuzwingen. Wenn das nicht geschieht, dann wird die Welt weiterhin dem ausgeliefert sein, was Osho so beschreibt: „Du magst von Liebe reden, aber lieben kannst du nicht – im Gegenteil: Du hasst. Du magst von Nächstenliebe reden, aber deine Nächstenliebe kann nichts anderes als ein Deckmantel für deine Wut sein, für deine Habgier, deine Eifersucht. Deine Liebe ist giftig.“ Wie gesagt, das ist nur die Vorstufe für das Absterben des Lebendigen. Wenn sich die Menschheit hier nicht als lernfähig erweist, wird sie gnadenlos untergehen.

Kleine Lehren predigen Taten –
Folge nur einer Lehre die groß ist

Ein Wort noch zu den Zitaten, die auf meinem Blog zu finden sind. Schon in der Schule habe ich Gedicht-Interpretationen gehasst und später hatte ich etwa auf einer Vernissage eine lebhafte Abneigung  gegen Künstler, die dem staunenden Publikum wortreich ihre Werke erklärten. Ein Kunstwerk, das nicht für sich selbst sprechen kann, ist ziemlich wahrscheinlich gar kein Kunstwerk. Ich versuche zumindest mich bei meinen Zitaten jeder Interpretation zu enthalten. Ich weiß doch eh nie, was der Autor in seinem Text tatsächlich ausdrücken wollte. Eigentlich geht es mir in meinen Beiträgen in allererste Linie um meine eigene Sichtweise, und die Zitate dienen mir mehr oder weniger als Aufhänger und auch als Quelle der Inspiration. Letztlich geht es für mich und eigentlich für jeden von euch nur um das, was ihr in euch entdeckt, und nicht darum, die Richtigkeit der eigenen Sichtweise oder irgendwelcher Theorien und Konzepte durch das Zitieren berühmter Autoren gewissermaßen beweisen zu wollen.

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Eine Antwort zu Osho: Im Tantra dreht sich alles um Bewusstheit

  1. Eno Silla schreibt:

    Ein sehr schöner, interessanter Vortrag:

    Gefällt 1 Person

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