Osho: Die Perle ist das zuschauende Selbst


Berge verändern sich, Wolken verändern sich, nur der Himmel bleibt gleich – er währt ewig. Dasselbe ist in dir: Dinge um dich her verändern sich, und Wolken, und in dir verändern sich die Gedanken – aber der Himmel des Selbst, das zuschauende Selbst, bleibt gleich. Das ist die Perle: Das zuschauende Selbst. Es ist formlos, es kann sich also nicht ändern. Wo eine Form ist, muss Veränderung eintreten, wo keine Form ist, wie kann es Veränderung geben? Es ist formlos, nirakar.

Wenn du zu deiner inneren Formlosigkeit hingehst, wird sie dir am Anfang leer erscheinen, weil du die Formlosigkeit nicht kennst. Hab keine Angst, fürchte dich nicht, tritt ein. Wenn du dich an sie gewöhnt hast, wenn du dich in ihr eingerichtet hast, dann ist die Leere keine Leere mehr; sie wird Formlosigkeit. Wenn diese Formlosigkeit erreicht ist, hast du die Perle. Dann hast du das Eine auf Kosten des Vielen erworben. So, wie es steht, hast du auf Kosten des Einen das Viele erworben. Und das Eine ist die Perle, das Viele sind nur falsche Steine. Sie mögen sehr wertvoll aussehen, aber sie sind es nicht, weil sie nicht ewig währen.

Nityata, Ewigkeit, ist das Kriterium der Wahrheit. Vergiss es nicht: Was ist Wahrheit? Das, was währt. Was ist ein Traum? Das, was beginnt und zu einem Ende kommt: Das, was nicht ewig währen kann. Suche also nach jener Perle, die dir niemand entreißen kann, nicht einmal der Tod.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit“

Osho bezieht sich hier auf dieses Gleichnis im Thomasevangelium, in dem Jesus sagt: „Das Königreich des Vaters gleicht einem Kaufmann, der eine Ware erwarb und darin eine Perle fand. Dieser Kaufmann war weise, denn er verkaufte die Ware und kaufte die Perle für sich allein. Sucht auch ihr nach dem Schatz, der nicht aufhört zu bestehen dort, wohin keine Motte dringen und ihn zerfressen kann und wo ihn kein Wurm zerstört.“ (Logion 76)

Wer anfängt zu suchen, sucht immer etwas, was er finden kann, und das kann nur eine Form sein. Genau dies lässt tausend Missverständnisse entstehen. „Die Perle“ ist nur ein Symbol, nur ein Gleichnis, nur ein Fingerzeig. Jesus liebte Gleichnisse und wurde genau deshalb immer wieder so schrecklich missverstanden. Wer „die Perle“ für ein Objekt hält, kann nur in Teufels Küche landen und befindet sich in heilloser Verwirrung. Alles, was benannt werden kann, ist es nicht. Die tiefsten esoterischen Geheimnisse sind es nicht, denn sie können weitergegeben werden und alles, was weitergegeben werden kann, kann nur Form sein. Jesus kostete es letztlich das Leben, dass er nicht verstanden wurde, dass die Menschen seine Gleichnisse wörtlich nahmen. Der Verstand ist süchtig nach Geschichten. Heinz Butz sagte: „Ja, gell, das sind so Gschichten.“ und ging seines Weges. „Werdet Vorübergehende!“ forderte Jesus die Menschen auf. Der Verstand liebt Geschichten mehr als alles andere, darüber kann man sich austauschen, diskutieren, Meinungen bilden. Was für ein Schlachtfest für den Verstand. Jesus: „Dieser Kaufmann war weise, denn er verkaufte die Ware und kaufte die Perle für sich allein.“ Gib den Menschen Geschichten, ganz besonders Lügengeschichten, und sie sind selig.

Der Begriff „suchen“ hat es wirklich in sich. Es gibt nichts zu suchen, es kann nur gefunden werden, indem gesehen wird, dass „ich es bin“. Jede Suche führt davon weg. Osho sagt: Wenn du zu deiner inneren Formlosigkeit hingehst, wird sie dir am Anfang leer erscheinen, weil du die Formlosigkeit nicht kennst.“ Nun, niemand kann zu seiner inneren Formlosigkeit „hingehen“. Der, der sucht, der, der hingeht, muss sich in der Formlosigkeit verlieren, muss sich in der Formlosigkeit vergessen. Dies kann nicht gemacht werden, es geschieht oder es geschieht nicht. Viele nennen es deshalb Gnade. Osho sagt: „Sieh den, der sieht und du tauchst in die Formlosigkeit.“ Den sehen, der sieht, ist nicht möglich. Ich muss schon diese Formlosigkeit sein. Da ich sie schon immer und bis in alle Ewigkeit bin, kann das nur … ich vermeide jedes Verb an dieser Stelle, weil dies immer wieder nur zur Idee des Tuns führt.


Und die Welt – nur ein Traum?
Für das zuschauende Selbst: Ja, natürlich.

 

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17 Antworten zu Osho: Die Perle ist das zuschauende Selbst

  1. Alexandra schreibt:

    Nichts Wirkliches kann bedroht werden. Nichts Unwirkliches existiert. (Zusammenfassung des Kurs in Wundern). Mein Koan gerade. (Mit irgendeiner Nuss muss sich ja der verstand beschäftigen)

    Gefällt 1 Person

  2. Marianne schreibt:

    In den so genannten „Thomasakten“ gibt es noch das Perlenlied: http://www.ewigeweisheit.de/apokryphen/gnosis/das-lied-von-der-perle
    Da geht einer los und macht sich auf die Suche, findet die Perle und kommt in einem „neuen Gewand“ nach Hause. Die gefundene Perle wird zur Opfergabe.
    Eine Metapher für Trans-FORM-ation – das Wandeln der Form.
    Das gibt es schon auch, oder nicht?

    Gefällt 2 Personen

  3. Ayni schreibt:

    BeDenke bitte………..
    BeVor Du Andere verurteilst, bewertest oder (irgend~)eine absolute Wahrheit behauptest, daß…….

    …..Du lediglich 1% des elektromagnetischen Spektrums siehst & nur 1% des akustischen Spektrums hörst. Wenn Du Dies hier und jetzt liest, reist Du mit einer Geschwindigkeit von 220km/ Sek. durch die Galaxie. 90% aller Zellen in deinem Körper beinhalten ihre eigene mikrobielle DNA und sind nicht „Du“. Die Atome in deinem Körper sind zu 99,9999999999999999 % leerer Raum & nocht nicht einmal mit einem dieser Atome bist Du geboren worden….jedoch, sie enstammen alle ausnahmslos dem Bauch eines Sterns. Menschen haben 46 Chromosome, zwei (!) weniger als der alltägliche Erdapfel. Die Existenz eines Regenbogens ist abhängig von einer konischen & lichtempfindlichen Schicht deiner Augen; Tiere ohne diese Zapfen der Netzhaut sehen keinen Regenbogen. Siehe….Du siehst nicht nur & lediglich einen Regenbogen, Du kreirst ihn. Es ist wahrlich verblüffend & staunenswert (!),…..insbesondere wenn Du unwissend wahrnehmend in Erwägung ziehst, daß alle diese wunderschönen Farben, die Du siehst, weniger als 1% des elektromagnetische Spektrums repräsentieren.

    OrIgIn: ‚Out of kNoWWhere‘

    Gefällt 3 Personen

    • Alexandra schreibt:

      Und wir sehen genau die Farben, die der Organismus, den wir sehen, nicht herstellt!

      Gefällt 1 Person

    • punitozen schreibt:

      Poem of The Atoms

      O day, arise! The atoms are dancing.
      Thanks to Him the universe is dancing.
      The souls are dancing, overcome with ecstasy.
      I’ll whisper in your ear where their dance is taking them.
      All the atoms in the air and in the desert know well, they seem insane.
      Every single atom, happy or miserable,
      Becomes enamoured of the sun, of which nothing can be said.

      Oh Sun! Do rise so the atoms dance!
      The One who causes the earth and the heavens to dance

      Joyful souls, in ecstasy, they dance
      I whisper into your ears where the dance is leading them

      Inside the cell or out in the space
      In the wilderness and in the air
      Adore them cause they, too, like us are befuddled and amazed

      Whether in the state of keen pleasure or in the state of deep sorrow
      Each atom, by the ineffable sun,is mystified and perplexed“

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  4. punitozen schreibt:

    ……..Wo eine Form ist, muss Veränderung eintreten, wo keine Form ist, wie kann es Veränderung geben? …..
    Einer sagt so , der Nächste so , u.s.w .
    L.G.Punito

    Gefällt 3 Personen

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