Karl Renz: Kann das Formlose durch die Form berührt werden?

Oh Verstand, für dich gibt es weder Tag noch Nacht,
kein Aufgehen oder Untergehen.
Wie können die Weisen dann glauben,
dass das Formlose durch die Form berührt wird?

aus: Dattatreya, „Avadhuta Gita“ [1.64]

Was bewirkt, dass sich die Welt dreht? Wie kommt es zum Sonnenuntergang? Zum Sonnenaufgang? Was ruft das gesamte Universum hervor? Niemand wird das je wissen. Aber DAS, was ist – DAS, durch das das ganze Universum ist, bringt dich hierher, um dem zuzuhören. Du kannst sagen, dass dich der absolute Träumer, der die gesamte Existenz träumt, hier sitzen lässt und mich auch. Vielleicht gibt es darin ein Warum? – aber warum eigentlich nicht? Wenn es einfach so sein muss, warum nicht?

aus: Karl Renz, „Erstes und Letztes“
Das ist nett vom Karl, dass er sich zu den Sitzenbleibern gesellt und nicht versucht, sich als ein darüber Erhabener darzustellen. Er sagt: „Was bewirkt, dass sich die Welt dreht? Wie kommt es zum Sonnenuntergang? Zum Sonnenaufgang? Was ruft das gesamte Universum hervor? Niemand wird das je wissen.“ Natürlich versuchen seit Menschengedenken Wissenschaftler, Sterndeuter, religiöse Führer und ich weiß nicht wer, Antworten auf diese Fragen zu finden, Theorien und Konzepte werden entwickelt, Glaubenssysteme geschaffen … aber bis heute ist es noch niemandem gelungen, Licht ins Dunkel zu bringen. Karl sagt: „Du kannst sagen, dass dich der absolute Träumer, der die gesamte Existenz träumt, hier sitzen lässt und mich auch.“ Auch das sind natürlich nur Metaphern. Wie könnte die Existenz eines absoluten Träumers auch nachgewiesen werden? Letztlich halten wir uns alle in der „Wolke des Nichtwissens“  auf und wissen absolut gar nichts, nicht einmal ob wir nur Geträumte sind. Nur eines ist vollkommen klar: Das, was keine Form hat, was nicht begriffen werden kann, weil es völlig objektlos ist, Bewusstheit, die niemandem vermittelt werden kann und die uns in absolutem Nichtwissen sitzen lässt, wie das der Karl ausgedrückt hat.

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4 Antworten zu Karl Renz: Kann das Formlose durch die Form berührt werden?

  1. Ayni schreibt:

    Unwissend fühlen zwischen den Wolken à la „Spüren Sie’s“ ist die beste Aller Genesungen im hiesigen GewahrSEIN.

    Dir, lieber Nitya
    Gesundheit, Wohlergehen und ein unangestrengtes Wochenende

  2. punitozen schreibt:

    Es ist offenbar, dass auch eine von der wirklichen noch so verschieden gedachte Welt
    Etwas—eine Form—mit der wirklichen gemein haben muss.
    Diese feste Form besteht eben aus den Gegenständen . Die Substanz der Welt k a n n nur eine Form und keine materiellen Eigenschaften bestimmen . Denn diese werden erst durch die
    Sätze dargestellt—erst durch die Konfiguration der Gegenstände gebildet . Beiläufig gesprochen: Die Gegenstände sind farblos .
    Zwei Gegenstände von der gleichen logischen Form sind—abgesehen von ihren externen Eigenschaften — von einander nur dadurch unterschieden, dass sie verschieden sind .
    Entweder ein Ding hat Eigenschaften, die kein anderes hat, dann kann man es ohneweiteres durch eine Beschreibung aus den anderen herausheben, und darauf hinweisen; oder aber, es gibt mehrere Dinge, die ihre sämtlichen Eigenschaften gemeinsam haben, dann ist es überhaupt unmöglich auf eines von ihnen zu zeigen . Denn, ist das Ding durch nichts hervorgehoben, so kann ich es nicht hervorheben, denn sonst ist es eben hervorgehoben . Die Substanz .ist das, was unabhängig von dem was der Fall ist, besteht . Sie ist Form und Inhalt
    Raum, Zeit und Farbe (Färbigkeit) sind Formen der Gegenstände. Nur wenn es Gegenstände gibt, kann es eine feste Form der Welt geben .
    Das Feste, das Bestehende und der Gegenstand sind Eins .
    ( In Erinnerung an Ludwig Wittgenstein )

    Form ist Leerheit .
    Leerheit ist Form .
    ( Diamantsutra )

    .

    .

  3. Eno Silla schreibt:

    Ich bin hier.
    Spürst du es?
    Dieses Hiersein.
    Ich und Du eins.
    Du sagst Ich und Ich ist Du.
    Vorstellung und Vorstellender.
    Kreisend, taumelnd, spiralisierend.
    Unausweichlich einander ausgeliefert.
    Anwesenheit – immer nur:
    Jetzt und Jetzt und Jetzt.

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