Huang-po: Deine Bewusstheit ist Buddha

 

Frage: Wo ist in diesem Augenblick, in dem irrtümliche Gedanken in meinem Geist aufsteigen, der Buddha?

In diesem Augenblick bist du dir dieser irrtümlichen Gedanken bewusst. Nun, deine Bewusstheit ist Buddha. Vielleicht kannst du verstehen, dass es, wenn du frei wärest von diesen trugvollen Gedankenvorgängen, keinen „Buddha“ gäbe. Warum? Wenn  du eine Regung deines Geistes erlaubst, eine Vorstellung von Buddha zu bilden, dann schaffst du ein objektives Wesen, das der Erleuchtung fähig ist. So erschafft jede Vorstellung eines Lebewesens, das der Befreiung bedarf, solche Wesen als Objekte deiner Gedanken. Alle Denkvorgänge und Gedankentätigkeiten stammen aus deinen Vorstellungen. Würdest du dir überhaupt nichts mehr vorstellen, wo könnte Buddha dann noch existieren? Du bist in der Lage von Manjushri, der von allen Seiten von diesen zwei eisernen Bergen erdrückt und eingezwängt wurde, als er der Vorstellung von Buddha als einer objektiven Wesenheit in sich Raum gewährte.

aus: Huang-po, Der Geist des Ch’an“

Ein Frosch sitzt am Ufer eines Sees. Kommt ein Skorpion daher und sagt: „Mein lieber Freund, ich kann nicht schwimmen. Wärst du so nett, mich huckepack zu nehmen und mich ans andere Ufer zu bringen?“ Sagt der Frosch: „Nö. Ich bin doch nicht blöd. Du wirst mich ja doch stechen.“ Sagt der Skorpion: „Aber liebster Frosch, dann würden wir ja beide ertrinken! Also sei kein Frosch und hilf mir. Oder liebst du mich etwa nicht?“ Dem Frosch wird angst und bange, denn er spürt die Drohung in der Frage, und er erklärt sich schnell zu dem Abenteuer bereit. Mitten auf dem See sticht der Skorpion zu. Schon im Absaufen röchelt der Skorpion begeistert: „Das ist wahre Liebe!“ Dieses den Göttern würdige Drama wird begleitet von der aufbrausender Musik des Walkürenritts von Richard Wagner, während sich der Himmel verdunkelt.

Huang-po: „Jede Vorstellung eines Lebewesens, das der Befreiung bedarf, erschafft solche Wesen als Objekte seiner Gedanken.“ Das ist das, was ich gestern mit den Homunkuli der Alchemisten verglichen habe, diesen Ausgeburten des Minds. Wie im Kleinen so im Großen: Das, was bei der Skorpion-Geschichte vielleicht völlig verrückt klingt, scheint im Großen die Normalität zu sein. Die Menschen sind seit geraumer Zeit vorzugsweise mit der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage beschäftigt und wollen es ums Verrecken nicht wahrhaben in ihrer pathologischen Lust am Untergang. Der Mensch ein Vernunftwesen? Dass ich nicht kichere!

„Du bist in der Lage von Manjushri, der von allen Seiten von diesen zwei eisernen Bergen erdrückt und eingezwängt wurde, als er der Vorstellung von Buddha als einer objektiven Wesenheit in sich Raum gewährte.“ Ich hoffe, dem großen Manjushri ist rechtzeitig ein Licht aufgegangen.
Aber nichts gegen diese doofen Gedanken, Gefühle, Vorstellungen, Muster, …! Huang-po stellt diese geile Frage: „Würdest du dir überhaupt nichts mehr vorstellen, wo könnte Buddha dann noch existieren?“ Das ist der Hintergrund der Aussage: Der Lotus wächst aus dem Schlamm. Aber das ist natürlich das Ideal. Wenn der Schlamm als Schlamm verherrlicht wird – ich möchte nicht wissen, was für Missgeburten dieser Schlamm kreiert. Insofern sind vielleicht Hilfsmittel wie etwa das Enneagramm oder Analysemethoden wie die Transaktionsanalyse  des brillanten Psyhiaters Eric Berne Möglichkeiten, dass der Schlamm seine erbärmliche Schlammhaftigkeit erkennen kann. Aber der Schlamm wäre nicht Schlamm, wenn er sich für diese Möglichkeiten öffnen wollte. Dafür ist er viel zu selbstherrlich. Aber auch das gehört zum Schlamm, aus dem potenziell (!) der Lotus wachsen kann.

Der Lotus wächst in dem Moment, wenn der Himmel aufreißt: „In diesem Augenblick bist du dir dieser irrtümlichen Gedanken bewusst. Diese Bewusstheit ist Buddha.“ Na ja, blöderweise wollen die meisten Menschen nicht, dass genau das passiert, obwohl sie das natürlich wieder heftig bestreiten würden. Bewusstheit ist jenseits jeder Dualität. Das zu begreifen, ist der Schlamm nicht fähig, da ihm die Bewusstheit hierfür fehlt.

 

 

 

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3 Antworten zu Huang-po: Deine Bewusstheit ist Buddha

  1. ananda75 schreibt:

    Guter Text!

    Das is ja auch das mit der Achtsamkeit
    Achtsamkeit ist nicht, darauf zu achten, dass wir immer alles richtig machen
    Achtsamkeit ist mitkriegen, was ist. Punkt.
    Eingeschlossen, wie es sich anfühlt
    Die eventuellen Folgerungen daraus – Ich will raus aus dem Schlamm / Ich mag meinen Schlamm, Sch… hält schließlich auch warm… das kommt dann schon von ganz alleine

    Die von mir hoch geschätzte Charlotte Joko Beck kann davon hundert-tausend Lieder singen
    Menschen kommen in’s Zen-Zentrum weil sie alles mögliche wollen
    Und dann sollen sie einfach nur wahrzunehmen, was ist
    Eingeschlossen der ganze Schlamm, der da ist
    iiiiiiiih – Schlamm – wer will das schon?
    Meditieren wollen wir und erleuchtet werden

    Lieben Gruß ❤

    Gefällt 4 Personen

  2. punitozen schreibt:

    ……Wenn der Schlamm als Schlamm verherrlicht wird – ich möchte nicht wissen, was für Missgeburten dieser Schlamm kreiert. ……

    SCHLAMM-ASSELN , lieber Nitya ,
    SCHLAM-ASSELN , Im Besonderen morgen – apokalyptisch um 5 vor Zwölf ,
    so ein Walkürenklangteppich wagnerisch- überfallartig ,
    eine Schlammassel nach der anderen erzeugt ,
    Ob DAS wohl ebenso Staatsoberholzköpfe inspiriert ,
    Atomwaffensperrverträge oder Umweltschutzabkommen zu brechen ?
    Ich weiß es nicht !
    Schon jener Gedanke , das an vielen Orten dieser “ Blauen ALL-Murmel “ mißliches geschieht
    ist ein Trug der asseliger Denkungsart . Es gibt in allen 8 Richtungen nur DAS
    EINS -SEIN
    HIER-JETZT
    Aahh !
    Liebe Grüße
    Punito
    ,

    Gefällt 3 Personen

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