Osho: Seid unvollkommen und wachst weiter


Vollendung ohne jede Zukunft ist tot. Vollendung, die eine Zukunft hat, die für weiteres Wachstum offen ist, die in Bewegung bleibt, scheint unvollkommen zu sein. Aber das ist es gerade, was ich euch sagen will: Seid unvollkommen und wachst weiter, denn so macht es das Leben auch. Und versuche nicht, perfekt zu sein, sonst hörst du mit dem Wachsen auf. Dann magst du zwar aussehen wie eine Buddha-Statue, aber dann bist du auch so versteinert und leblos wie sie. Und weil das so ist – weil Vollkommenheit noch weiter wächst – fühlst du dich unvollkommen. Lass die Dinge, wie sie sind. Erlaube dir zu sein, wie du bist. Das ist der königliche Weg.

Oft wirst du abgelenkt sein, immer wieder wirst du deine Bewusstheit verlieren. Du meditierst, du sitzt in Meditation, und ein Gedanke taucht auf – und schon hast du dich vergessen; du folgst dem Gedanken, du hast dich von ihm einfangen lassen. Im Tantra muss nur eines überwunden werden – und das sind Ablenkungen. Aber wie? Da hilft nur eines: Ein unbeteiligter Beobachter zu bleiben, sobald ein Gedanke auftaucht. Schau ihn dir an, beobachte ihn, erlaube ihm, vor deinen inneren Augen vorbeizuziehen, aber halte dich auf keinen Fall daran fest, nimm weder für noch gegen ihn Stellung. Lass ihn so schlecht sein, wie er will. – dir kommt zum Beispiel der Gedanke, jemanden umzubringen – aber du stößt diesen Gedanken nicht von dir, du sagst nicht: „Weg mit diesem üblen Gedanken!“ Sobald du zu einem Gedanken Stellung beziehst, bist du ihm bereits verfallen, hast du dich ablenken lassen. Jetzt führt dich dieser Gedanke zum nächsten, von Pontius zu Pilatus. Und wenn ein guter Gedanke kommt, ein großherziger Gedanke, dann sagt nicht: „Ah, wie schön: Was bin ich doch für ein guter Mensch! Ich habe so edle Regungen, ich würde gern die ganze Welt erretten. Ich möchte allen zu ihrem Glück verhelfen.“ Enthalte dich jeder Stellungnahme. Ob gut oder schlecht, du bleibst unbeteiligter Zeuge. Trotzdem – anfangs wirst du dich viele Male ablenken lassen. Was also tun? Bist du abgelenkt, dann sei abgelenkt. Mach dir deshalb nicht zu große Sorgen, sonst wird aus dieser Sorge wieder eine Besessenheit. Sei ruhig abgelenkt! Ein paar Minuten lang werden deine Gedanken herumwandern, und dann plötzlich erinnerst du dich: „Ich bin schon wieder ganz woanders.“ Und damit ist es okay und du kommst wieder zurück. Fühl dich nicht deprimiert. Rede dir nicht ein, dass es schlimm ist, denn damit hast du wieder den Dualismus hergestellt: Gut und schlecht. Abgelenkt? – Okay! Du akzeptierst es und kommst wieder zurück. Mach dir deine Abgelenktheit nicht zum Vorwurf.

aus: Osho, „Tantra, die höchste Einsicht“

„Mach dir deine Abgelenktheit nicht zum Vorwurf.“ Ich glaube, Sätze wie dieser haben Tony Parsons so genervt, dass er seine Schülerschaft bei Osho hingeschmissen und fürderhin sein eigenes Ding gemacht hat. Und ich kann ihn gut verstehen. Was Osho da verzapft, ist natürlich jede Menge Unsinn. Wer bin ich, mir meine Abgelenktheit zum Vorwurf oder nicht zum Vorwurf zu machen?! Da ist niemand, der das könnte. Vorwürfe an mich tauchen auf oder tauchen nicht auf. Das ist alles. Das ist Tony Parsons „offenes Geheimnis“. Und er wurde nach dieser Erkenntnis nicht müde, das von allen Dächern in die Welt zu rufen.

Osho hat 1000 Wahrheiten erzählt, die sich zu allem Überfluss auch noch ständig zu widersprechen scheinen. Das hat viele völlig verwirrt. Sollte sie auch verwirren. Dabei sprach Osho die ganze Zeit zu sehr unterschiedlichen Menschen, deren Aufnahmefähigkeit eben sehr eng oder mehr oder weniger offen war. Tony Parsons geht da mehr nach dem „Friss-Vogel-oder-stirb“-Prinzip vor. Das widerspricht natürlich sämtlichen didaktischen Prinzipien. Um die hat sich Tony Parsons nie geschert. Ihm war es wichtig, dass von ihm Erkannte lupenrein rüberzubringen und er war nicht bereit daran irgendwelche Abstriche vorzunehmen. Osho konnte vielen Menschen helfen, die auch noch ganz am Anfang ihres Weges wahren. Und er sprach zu denen, zu denen er eigentlich gar nicht mehr hätte sprechen müssen. Da genügt dann völlig die Blume in Buddhas Hand. Tony Parson hat den großen Nachteil, dass man aus seinen einfachen, klaren und widerspruchsfreien Worten eine Lehre basteln kann und zukünftig was zum Festhalten hat. Da kann der gute Tony natürlich nix dafür, aber wer kann schon was für was auch immer?

Mich hat Oshos Widersprüchlichkeit nie gestört, ich hab sie immer total genießen können. Aber er hat u.a. auch genau das gesagt, was auch der Tony gesagt hat. Schließlich ist dieser Osho auch nicht auf der Brennsuppn dahergschommen, wie man in Deutschlands Süden zu sagen pflegt. Ich liebe den Kerl einfach, in all seiner Verrücktheit, seiner Widersprüchlichkeit, seiner Grenzenlosigkeit, ach und überhaupt. Deswegen „bin ich“ auch immer noch und bis an mein seliges Ende Sannyasin, auch wenn das manche nicht glauben wollen, weil ich dem Alten gelegentlich ans Bein pinkle. Aber wat mut, dat mut. Wie, was ein Sannyasin ist? Gar nix. Oder was zum Vergessen.

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