Dattatreya: Aufgabe aller Einbildung


Ein Yogi hat keinen bestimmten Weg.
Nur die Aufgabe aller Einbildungen – der Dualität –
führt zur Verwirklichung.
Sie stellt sich natürlicherweise ein.

aus: Dattatreya, „Avadhuta Gita“ (2.28)

Frage: Es sieht so aus, als ob es besser und immer besser wird, während du auf dem Weg bist, egal, auf welchem Weg man unterwegs ist. So erlebe ich das zumindest. Es wird immer besser.

Karl: Aber das, was besser wird, kann auch wieder schlechter werden. Die Idee von „besser“ ist bereits ziemlich schlecht.

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“

„Ein „Yogi“ – es gibt keinen Yogi und man kann kein Yogi werden – jedenfalls nicht ein Yogi, wie er von Dattatreya gemeint ist. Jemand, der seine dualistischen Einbildungen aufgegeben hat, wird von Dattatreya Yogi genannt oder Verwirklichter. Und das stellt sich natürlicherweise ein – oder anders gesagt, es geschieht, wenn es geschieht. Häufig wird das ja genau andersherum verstanden. Der eine will boxen und Weltmeister werden, der andere will seine Einbildungen aufgeben und Yogi werden. Andere wollen Schönheitskönigin werden oder Astronaut. Man weiß also, was man werden will und dann lernt man, wie man das wird. Mittlerweile schießen ja die Coaches wie Schwammerln im Herbst aus dem Waldboden, um den Leuten zu helfen, ihr Ziel zu erreichen. Und ein Ziel – was ist ein Ziel? Es ist nichts anderes als eine Einbildung, die aus einer dualistischen Haltung heraus geboren wurde. So wird das nichts werden können mit dem Yogi.

Na und der Karl? Da kommt jemand daher und schwärmt ihm vor, dass alles immer besser und besser würde, seit er auf dem Weg ist. Vielleicht ist es so, vielleicht scheint es nur so zu sein, vielleicht will er sich einfach nur ein bisschen als erfolgreicher Schüler präsentieren, was weiß ich? Und der Karl piekst natürlich sofort in die Luftblase hinein und sagt ganz trocken: „Aber das, was besser wird, kann auch wieder schlechter werden. Die Idee von ‚besser‘ ist bereits ziemlich schlecht.“ – ‚Besser‘ ist wie jede andere Wertung eine ziemlich dualistische Idee und trägt das ‚Schlechter‘ huckepack immer mit sich rum. Auch so wird das nix mit dem Yogi.

Ja aber … wenn ich einen giftigen Pilz als giftig bewerte und ihn nicht esse, ist es dann aus mit dem Yogi-Beruf? Muss ich als Yogi wirklich jeden Giftpilz essen? Das ist natürlich Käse. Bewerten und Bewerten sind halt nicht unbedingt dasselbe. Wenn ich die gegenwärtige Politik sämtlicher deutscher Parteien bewerte, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass sie absolut irre, kriminell und suizidal ist, giftiger als der giftigste Giftpilz. Hinter dieser Bewertung der relativen Wirklichkeit kann ich voll und ganz stehen. In der absoluten Wirklichkeit existieren dagegen keine Bewertungen, ganz gleich, was auf der relativen Ebene auch zu geschehen scheint.

 

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