Osho: Drei Möglichkeiten – Empirie, Logik und Metaphorik

 

Obwohl wir Worte brauchen, um die Leere zu erklären,
Ist doch die Leere selbst nicht sagbar.

Tilopa

Es ist gut, wenn man Folgendes versteht. Es gibt drei Möglichkeiten, sich der Wirklichkeit zu stellen. Die eine ist der empirische Weg, der Weg des wissenschaftlichen Geistes – das Experiment mit der objektiven Welt: Nichts zu akzeptieren, was nicht durch das Experiment bewiesen wurde. Dann gibt es den zweiten Weg, den des logischen Verstandes. Er experimentiert nicht – er denkt nur, er argumentiert, findet das Für und Wider heraus und kommt allein durch Denkprozesse, durch Verstandesarbeit zu endgültigen Schlüssen. Und dann gibt es schließlich noch den dritten Weg – den metaphorischen Weg der Dichtung und der Religion. Diese drei Zugangsmöglichkeiten gibt es – drei Dimensionen, durch die man Zugang zur Wirklichkeit sucht. […]

Ich kann es auch so sagen: Wissenschaft ist der Weg des Tageslichts, des hellen Mittags: Alles klar, deutlich, mit Trennlinien versehen, das Andere steht sichtbar vor dir. Die Logik ist der Weg der Nacht – man tastet im Dunkeln herum nur mit dem Verstand, ohne jede experimentelle Unterstützung, durch bloßes Denken. Und Dichtung und Religion sind Wege des Zwielichts, sie liegen in der Mitte: Der Tag ist nicht mehr, die Helligkeit des Mittags ist verschwunden, die Dinge sind nicht so deutlich und klar. Die Nacht ist noch nicht hereingebrochen, die Dunkelheit hat noch nicht alles eingehüllt. Helligkeit und Dunkelheit begegnen sich, ein sanftes Grau herrscht vor, weder Weiß noch Schwarz – Grenzen treffen sich und verschwinden, alles wird ununterscheidbar, alles wird zu allem. Das ist der metaphorische Weg.

aus: Osho, „Tantra – die höchste Einsicht“

Osho spricht von drei Zugangsmöglichkeiten und nennt dann die unterschiedlichen Wege. Ich betone das deshalb, damit nicht jemand auf die komische Idee kommt, sich für einen Weg entscheiden zu sollen. Ich war mal eine Weile im Giordano Bruno-Forum aktiv. Die Mitglieder bekannten sich alle zum Weg der Wissenschaft. Dass ich da auf allen drei Wegen herumeierte, schmeckte ihnen gar nicht und ich wurde sehr bald zur Persona non grata. Schließlich war man hier unter Atheisten, Humanisten, Transhumanisten, … und da war natürlich jedes Eintauchen in das Zwielicht der Dämmerung ausgesprochen fehl am Platz. Das stank einfach zu sehr nach Religion. Und die mieden sie wie der Teufel das Weihwasser.

Und auf der anderen Seite waren die Spiris. Die Spiris? Was sollen die denn mit der Logik am Hut haben? Naja, wenn man genau hinguckt … habt ihr euch schon mal mit Theologen unterhalten? Also ich rede jetzt nicht von den Ausnahmen, die gibt’s ja Gott sei Dank immer, auch nicht von den sog. Mystikern. Ich rede von denen, die sich irgendein heiliges Buch unter den Arm geklemmt und darauf ihr ganzes Leben und ihre Lehren aufgebaut haben. Der Ausgangspunkt ist gewissermaßen ein Axiom, das nicht in Frage gestellt werden darf. Der Rest ist dann sehr logisch und Blablah ohne Ende. Schließlich hat man ja für dieses Blahblah ein Hochschulstudium im Rücken.

Ja und dann wird’s mächtig zwielichtig. Osho beschreibt das so: „Helligkeit und Dunkelheit begegnen sich, ein sanftes Grau herrscht vor, weder Weiß noch Schwarz – Grenzen treffen sich und verschwinden, alles wird ununterscheidbar, alles wird zu allem. Das ist der metaphorische Weg.“ Also mit solchen Leuten kann man doch nicht reden, die haben ja nicht einmal einen Standpunkt. Ganz abgesehen davon lassen die gar nicht mit sich reden. Beweise für ihre haltlosen Behauptungen, denen sie selbst ständig widersprechen, haben sie auch nicht vorzuweisen. Also, was soll man mit solchen Verrückten anfangen? Sie sind zu absolut nichts nütze.

Alle drei Möglichkeiten oder Wege stehen jedem Menschen potenziell zur Verfügung und er muss sich für keinen ausschließlich entscheiden. Jede Ausschließlichkeit wäre eine Verarmung. Osho war jemand, der alle diese Wege und noch einige darüber hinaus schamlos benützt hat. Und hinter allem war ein Riesengelächter. Die Menschheit ist komplett wahnsinnig geworden und führt einen riesigen Totentanz auf. Auch dies ist eine Manifestation, die aus dem Dämmerlicht schemenhaft sichtbar wird. Schein oder Wirklichkeit – wer kann das sagen, wer kann das wissen? Da sein in welcher Form auch immer …

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