Wei Wu Wei: direkte Einsicht und relatives Verstehen

     

Erkennen wir in aller Klarheit den Unterschied
Zwischen direkter Einsicht in ganzheitlichem Geist
Und dem relativen Verstehen durch den Intellekt,
Der den Geist in Subjekt und Objekt spaltet,
Verschwinden all die scheinbaren Geheimnisse.

Denn darin liegt der Schlüssel,
Der die Tore der Unwissenheit öffnet.

aus: Wei Wu Wei, „Nachrufe“

Direkte Einsicht in ganzheitlichem Geist und relatives Verstehen durch den Intellekt, das sind – ZWEI? „Wir“ können es ja unterscheiden. Aber wer ist es, der da unterscheidet? Es ist natürlich der Intellekt, der durch seine Fähigkeit, relativ verstehen zu können, auch in der Lage ist, Unterscheidungen festzustellen. Es kann also nicht darum gehen, den Intellekt mit seiner Unterscheidungsfähigkeit baldmöglichst zu eliminieren, da er beispielsweise den menschlichen Organismus dazu befähigt, Aussagen von Politikern, Versicherungsvertretern oder anderen menschlichen Exemplaren zu bewerten und so feststellen zu können, wer vermutlich gerade lügt und wer nicht.

Wer in erster Linie zu einer direkten Einsicht in ganzheitlichem Geist kommen will, tut dies erst einmal aus der Position des relativen Verstehens durch den Intellekt. Die Idee, über das relative Verstehen hinauszukommen, darf nun keineswegs dazu führen, den Intellekt zu verurteilen und auf irgendeine Weise eliminieren zu wollen. Der Intellekt kann ganz wunderbar dazu dienen, seine eigene Begrenztheit zu erkennen und sogar darüber nachzudenken, ob er nicht nur höchst nutzbringende Eigenschaften hat, sondern auch ausgesprochen hinderliche, und zwar immer dann, wenn er versucht, in seiner Begrenztheit das Grenzenlose zu erfassen. Der Intellekt ist nur eine Manifestation des ganzheitlichen Geistes und deshalb unfähig, diesen zu verstehen. Wenn er aber in seinem Bemühen das vollständige Scheitern erfährt, kann es sein, dass sich „die Tore der Unwissenheit“ öffnen.

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4 Antworten zu Wei Wu Wei: direkte Einsicht und relatives Verstehen

  1. Elwood schreibt:

    Vielleicht verurteilen wir den Intellekt, weil wir uns ihn so mühsam erworben haben und doch bemerken, wie begrenzt er ist. Dazu scheint er auch noch ein Verfallsdatum zu haben.
    Aber ist dieser merkwürdige Begriff „Intellekt“ überhaupt in „Besitz“ zu nehmen? Von Wem?
    Solange ICH mlch bemühe das Unbegrenzte in das Begrenzte stopfen zu wollen, ist es mir auch nicht möglich zu bemerken, dass das ICH nur aus einer Unterscheidungswahrnehmung überhaupt seine Existenzempfindung bezieht. Fällt der Glaube vom „Besitz“, fallen auch die Bemühungen des Stopfens ab und das ICH mit dem Werkzeug „Unterscheidung“ (Dualität) kann wieder als ein Geschenk der Natur wahrgenommen werden.
    So lief es mir beim lesen „Eurer“ intellektuellen Gedankenfürze, durch „meinen“ unterscheidenen Gedankenfurz.

    Gefällt 2 Personen

  2. ananda75 schreibt:

    wunderbare Worte, weiser Mann –
    kein Einspruch ausnahmsweise mal 😆

    Alles Liebe ❤

    Gefällt 3 Personen

  3. kopfundgestalt schreibt:

    „Der Intellekt ist nur eine Manifestation des ganzheitlichen Geistes “
    Der Intellekt steht m.E. für sich. Braucht er eine Einbettung?
    Der Satz hat wohl eine Geschichte, auch Sprachgeschichte, die ich nicht kenne. Für sich allein genommen weiß ich nur zu raten, was er heißen soll.

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