Huang-po: Stufenweiser Fortschritt?

 

Wegen der aus dem dualistischen Denken entstehenden Hindernisse wies Bodhidharma einzig darauf hin, dass der ursprüngliche Geist und die Substanz von uns allen in Wahrheit Buddha ist. Er bot keine falschen Hilfsmittel zur Selbstvollendung an, er gehörte zu keiner Schule, die stufenweisen Fortschritt lehrt.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

Bodhidharma ist der Begründer des chinesischen Ch’an. Darin finden sich von Anfang an zwei Elemente, die für viele absolut unvereinbar sind: Das, wofür Gautama Buddha und Kashyapa stehen, symbolisiert durch das wortlose Hochhalten einer Blume, und das, was Bodhidharma bedingt durch die äußeren Umstände ins Spiel gebracht hat und wofür ich symbolhaft das Stichwort „Shaolin Kung Fu“ setze. Absolute Stille, offene Weite – nichts von heilig und wortloses Erkennen auf der einen Seite – und auf der anderen Seite ein Höchstmaß an aufmerksamem und bewusstem Handeln. Während es im ersten Fall in keiner Weise um stufenweisen Fortschritt geht, geht es im zweiten Fall nicht ohne ein jahrelanges intensives Training.

Für mich steht diese Haltung beispielhaft für das, was über Jesus gesagt wurde: „Ganz Gott und ganz Mensch.“ Oder ich denke an die Aufforderung von Jesus: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Da gibt es nicht diese unselige Trennung von Gott und der Welt, von Nicht-Handeln und Handeln. Von den „Weltlingen“ ist man das ja gewöhnt, dass das aber auch von den Spiris mit Fleiß und Eifer betrieben wird, erstaunt mich immer wieder. Aber es ist halt, wie es schon Heraklit feststellte: „Wachende haben eine Welt gemeinsam – Schlafende haben jeder eine Welt für sich.“ Kürzlich zitierte Werner Anahata Krebber den Dschuang Dsi: „Wo finde ich nur einen Menschen, der die Wörter zu vergessen weiß, so dass ich einige Worte mit ihm wechseln könnte?“ Das passt sehr schön dazu. In der Welt der Schlafenden finden sich nur Menschen, die ihre Wörter nicht zu vergessen wissen.

 

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9 Antworten zu Huang-po: Stufenweiser Fortschritt?

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Sind wir nicht alle Weltlinge?

  2. Hervorragend. Oder auch gar nicht hervorragend. Einfach nur eine Blume der Weisheit am Wegesrand. Oder eine Tasse Tee. So nahe kann das Absolute sein. Näher als unsre eigene Halsschlagader, wie es in einem heiligen Buch gesagt wird. Empfehlen kann ich dieses Buch zum Thema….

    „For almost two millennia, the story of Jesus has shaped the lives of countless people. Yet today, even though the majority of us grew up in a culture suffused by the mythos of Jesus, many of us feel disconnected from the essence of his teachings. With Resurrecting Jesus, Adyashanti invites us to rediscover the life and words of Jesus as a direct path to the most radical of transformations: spiritual awakening.

    Jesus crossed all of the boundaries that separated the people of his time because he viewed the world from the perspective of what unites us, not what divides us. In Resurrecting Jesus, Adya embarks on a fascinating reconsideration of the man known as Jesus, examining his life from birth to Resurrection to reveal a timeless model of awakening and enlightened engagement with the world. Through close consideration of the archetypal figures and events of the Gospels, Adya issues a call to „live the Christ“ in a way that is unique to each of us.

    „When the eternal and the human meet,“ writes Adya, „that’s where love is born–not through escaping our humanity or trying to disappear into transcendence, but through finding that place where they come into union.“ Resurrecting Jesus is a book for realizing this union in your own life, with heart and mind wide open to the mystery inside us all.“

  3. Marianne schreibt:

    Um Fortschritte oder „Stufen“ erkennen zu können, muss man vorher ein Konzept (eine Landkarte) haben, was das sein soll und wie die Phänomene zu deuten sind. Auch das Verfolgen von irgendwelchen Plänen, durch welche Übungen was erreicht wird, ist konzeptgesteuert (blah .. blah..)
    Ich kann mich auch nicht damit anfreunden, irgendwelchen korallenen, türkisen oder sonstigen Memen hinterherzujagen, die sich irgendwer irgendwann ausgedacht hat … geschweige denn, sehe ich irgendeinen tieferen Sinn darin, mich einer dieser Farben zuzuorden und mich dann mit Fragen der „Abwärtskompatibilität“ zu beschäftigen, wie es vor einiger Zeit im „Connection-Blog“ thematisiert wurde … http://connection.de/abwaertskompatibilitaet/
    Für mich persönlich ist das Entscheidende immer der Wohlfühlfaktor: Wenn sich etwas (körperlich) gut anfühlt, dann ist es mir durchaus ein paar Übungen wert … 🙂

  4. punitozen schreibt:

    HIER-JETZT
    Noch immer
    Nichts-vollendet
    Punito

  5. Alexandra schreibt:

    Sorry, sollte eigentlich ein link sein zu Voyager Staffel 2, Episode 3: das holo -Syndrom ..

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