Ikkyû Sôjun: Gefangen zwischen Leben und Tod

 

Ich liebe – ich denke –
Ich liebe – ich erinnere mich –
Liebe sprengt meine Brust,
Sprengt meine Gedanken.
Kein Gedicht, keine Prosa,
Nicht eine Silbe fällt mir ein.
Ich bin ein Erleuchteter,
Doch solches Wissen allein
Hilft meinem Herzen nicht.
Umso schmerzlicher jetzt,
So gefangen zu sein
Zwischen Leben und Tod.

aus: Ikkyû Sôjun, „Im Garten der schönen Shin“

„Ich bin ein Erleuchteter, doch solches Wissen allein hilft meinem Herzen nicht.“ Der Körper wird geboren und stirbt. Zwischen Geburt und Tod passiert dies und das, eine ganze Menge in der Regel, Süßes und Saures. Dem entkommt auch „der Erleuchtete“ nicht. Den Erleuchteten habe ich aus hygienischen Gründen in Tüddelchen gesetzt; muss ich im Folgenden nicht ständig wiederholen. Einem kleinen Rädchen im Getriebe einer Firma wird gern empfohlen, dass er sich, wenn er zum Chef gerufen wird, vorstellen soll, wie der sich morgens auf dem Klo ausscheißt wie jeder normale Mensch. Gleiches gilt selbstverständlich für jeden Erleuchteten. Ein Erleuchteter, was immer das sein soll, ist ein Mensch wie du und ich. Er hat vielleicht Zahnschmerzen oder Krebs, freut sich an einem guten Witz, isst und trinkt und, man sollte es nicht glauben, er atmet sogar wie Max Mustermann. Nix Besonderes also.
Ikkyû gehört zu den Leuten, die sich nie gescheut haben, sich in ihrem ganz gewöhnlichen Menschsein zu zeigen. „Das Volk“ mag so was, „die Spiris“ rümpfen darüber die Nase, weil sie glauben, längst über allem zu stehen und weiter zu sein als ihre Mitmenschen. Einmal schrieb Ikkyu:

Mein sterbender Lehrer
Konnte sich nicht selbst säubern
wie ihr Schüler mit dem Bambusstock.
Ich wischte ihm mit meinen bloßen Händen
seinen süßen Hintern ab.

Ein Erleuchteter bzw. gleich zwei. Na ja, und dann die Liebe und der Sex, Dauerbrenner in Ikkyûs Leben. Und er machte nie einen Hehl daraus. Und gesoffen hat er auch, also nee! Ecce homo!
„Ich bin ein Erleuchteter, doch solches Wissen allein hilft meinem Herzen nicht.“ Von welchem Wissen spricht er da? Huang-po sagt: „Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Dieser Geist, der ohne Anfang ist, ist ungeboren und unzerstörbar. Er ist weder grün noch gelb, hat weder Form noch Erscheinung.“ Das gilt für alle Lebewesen, also auch für dich und mich, gleichgültig ob erleuchtet oder unwissend. Und das ist schon der ganze Unterschied: Wissend (erleuchtet) oder unwissend. Und das bezieht sich genau auf das, was Huang-po so klar beschrieben hat. Ikkyû weiß darum und er ist ein Mensch. Andere glauben darum zu wissen (die Spiris) und wieder andere wissen nicht einmal, dass sie nicht wissen und es kümmert sie auch gar nicht. Letztere sind gegenüber den Spiris geradezu gesegnet. Gestern hatte ich ja diesen Oscar Wild-Spruch über die Tyrannei der Schwachen über die Starken im Blog. Das gilt auch und in besonderem Maße für die Spiris und Pfaffen jeglicher Art, diese Gutmenschen, die aus ihrer angeblichen Berufung einen Beruf gemacht haben.

Man sagt ja, zwischen dem Wissenden und dem Unwissenden passt kein Blatt Papier. Und doch scheinen Welten dazwischen zu liegen. Dabei ist doch alles immer da, direkt in diesem Augenblick vor unser aller Augen. – Lieba Georch Alois, irgendwie musste dit mit „Advaita tralala, heidinei………“ in die falsche Kehle gekricht haben. Dit is richtich harta Tobak! Wenn de dit ma, ohne et zu bejreifen, bejriffen hast, weesde, det nu keen Stein mea uffm annern steen tutet oda so. Und du, liebe Alexandra, kannst nur hoffen, dass der Georg Alois  deinen gestrigen Kommentar nicht gelesen hat, sonst hättste wahrscheinlich schwer eine auf die Mütze gekriegt mit deinem „Advaita tralala, heidinei………“! Als Pastorengattin haste ja bestimmt schon mal von „Jesus, ganz Gott UND ganz Mensch“ gehört. Aber das hat ja der werte Herr Fredoo gestern schon wunderbar auseinanderklamüsert und mir die Arbeit abgenommen.

Du musst es dia aba ooch mit jeda Partai versauen, Nitya!
Ach ja. Wat soll ick armet Luder machen!

nischt als der eene Jeist

 

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12 Antworten zu Ikkyû Sôjun: Gefangen zwischen Leben und Tod

  1. ananda75 schreibt:

    Kommt ein Mann in eine Konditorei
    „Ich möchte Rumkugeln“
    „Na, dann kugeln Sie doch, mein Herr“
    … fiel mir grad so ein…

    Auf mich is auch grad mal wieder jemand sauer und ich hab nich die geringste Ahnung, wer nu Recht hat oder nich und es mir irgendwie ganz egal und es kugelt mich alles nur noch 😆
    Was soll ich tun? Nix 🙂

    Danke für deine Worte – Erfrischend am Abend 🙂

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  2. Alexandra schreibt:

    Lieber Nitya,
    Danke, Danke, der verstand rattert halt… aber wennste noch eenmal Pastorengattin sachst, krichste watt uff die Mütze! Der Herr Gemahl ist in erster Linie mal Mensch, und man sacht ja ooch nich Schornsteinfegergattin oder so. Naja, an die Kiste is ma ja jewöhnt.. http://www.gif-animationen.de/wp-content/gallery/smileys-gross/smileys-smilies-38.gif

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    • Nitya schreibt:

      Ick bin halt ne andere Generation, liebe Alexandra. Meine Mutter war immer die Frau Doktor, obwohl sie gar nie nicht gschtudiert hat. Wat nu deinen werten Jatten betrifft, ihr unterhaltet euch doch bestimmt mal hin und wieder nich nur übas Wetter, sondern ooch üba Jott un so’n Kram. Da muss doch bei dich wat hängen jeblieben sein oda nich?

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      • Alexandra schreibt:

        Meine Mutter hatte sich auch gefreut, wenn se mal mit Frau Dr. angesprochen wurde. Obwohl se nie studiert hatte. Und mein Vadder hatte einen Dr. Phil, obwohl er über Landwirtschaft promoviert hatte. Sachen gabs… aber das ist ja auch schon gefühlte 500 Jahre her. Also ich bin
        nicht so die jemeindemami, wie sie sich vielleicht manche Senioren wünschen würden. Aber daran hat man sich mittlerweile glaube ich gewöhnt. Und wenn nicht, ist mir das auch wurscht. Wenn das advaita-trallala eines gut hat, ist es das, dass mir mittlerweile so was wurscht ist. Und mit meenem verehrten Pastorengatten rede ich natürlich ständig über Gott und die Welt… und über advaita-trallala ( darüber eigentlich noch mehr…) aber unsern Kaffee kochen wa immer noch mit Wasser 💦🍷

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    • Nitya schreibt:

      Im übrigen hab ick die janze „feministische Welle“ total verpennt. Ick kenn dit halt noch so aus Windsbach. Da war die Frau Pfarrer die Jemeindemutti. Die Frau vom Trump is ja ooch „First Lady“ und keener weeß wie un warum.

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  3. Alexandra schreibt:

    Wär ja auch eigentlich schade, wenns leben nicht so weitergehen würde…

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  4. ananda75 schreibt:

    Ich komm dann noch mal ernsthaft hier hin zurück

    Wissend … erleuchtet = wissend – Diese Art von Erleuchtung hab ich mir ganz abgewöhnt
    Das nimmt doch kein Ende
    Wann bin ich wissend? Wenn ich alles weiß?
    Nicht-Wissen ist ungemein erlösend, befreiend
    Es reicht zu wissen, was ich grad in diesem Moment wissen muss und ich ziehe den Begriff Erlösung dem begriff Erleuchtung vor
    Je mehr weg fällt, je weniger ich hab und kann und zu wissen glaube, umso besser geht es mir
    Erleuchtung … dazu fällt mir ein, das Leben mit Humor zu betrachten… Mist-Verständnnisse, Streit, Schwierigkeiten – Wenn du in ein paar Jahren eh darüber lachen wirst, warum lachst du nicht schon heute darüber?
    Lächelnd und liebend durch’s Leben gehn zu können – Egal, was passiert, sich nicht jeden Schuh persönlich anzuziehen… Das Spiel zu mit zu spielen… In dem Wissen 😉 – All die Aufs und Abs… Maya, vergänglich, nicht wirklich wichtig… kommt und geht… Und da ist DAS, was bleibt, das jenseits aller schlauen Worte und alles tollen Wissens…
    So ungefähr stell ich mir das vor…

    Alles Liebe ❤

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  5. Eno Silla schreibt:

    Mit dem Schwert der Wachsamkeit,
    Bahne ich mir einen Weg,
    Durch des Traumes Dickicht.
    Mich unentrinnbar darin verstrickend,
    Nehme ich den Weg hindurch immer wieder auf.
    Geführt nur von SeinemDeinemEinem LichT,
    Das diesen verwirrenden Dschungel durchstrahlt,
    Stetig flüsternd – Komm, nun komm doch, mein kleiner Funke!

    Gefällt 5 Personen

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