Konrad Kustos: die humanistische Grundprogrammierung

 

„‚Noch besser: Guck dir endlich deinen Knopf an!‘ – Lieber Nitya, diese Aufforderung gebe ich gerne zurück … Einseitiges Knopf-Angucken auf schulmeisterliche Anweisung hin ist nicht mein Ding.“ schrieb mir am Dienstag Marianne. Ich hab mir meinen ziemlich schwach ausgeprägten Knopf angeguckt, liebe Marianne, mit dem Erfolg, dass ich jetzt an seiner Stelle einen richtig dicken, fetten Knopf habe. Humanisten, auch Gutmenschen mit gehobenem Bildungsanspruch genannt, gab es in meiner Familie zur Genüge und ich habe wahrlich genug humanistische Grundprogrammierung abbekommen – ich hatte viel Zeit, hinter die Fassade zu gucken. Humanismus ist eine reine Ideologie, eine Ideologie, mit der man herrlich Kriege mit geradezu diktatorischen Mitteln wie Denkverboten, Anprangerung und Ausgrenzung usw. führen kann. Die Umkehrung des Goethe-Satzes trifft es voll und ganz: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.“

Ist das nicht Fredoo, den sie da an den Pranger gestellt haben?

Ich habe hier einen kleinen Textausschnitt aus dem Buch von Konrad Kustos gewählt, der diese unerträgliche Humanitätsduselei und den Mangel an Realitätssinn beispielhaft aufzeigt.

Täglich 300.000 Menschen sollten mit einer neuen Weltwasserwirtschaft an sauberes Wasser angeschlossen werden, forderte einst eine bündnisgrüne Staatssekretärin. Eine Zahl, die in ihrer Unverwirklichbarkeit aufzeigt, wie hilflos die Humanisten selbst bei der Verwirklichung ihrer kurzsichtigen Pläne sind. Aber was geschähe, wenn es dennoch gelänge? Derzeit rechnet die UN-Menschenrechtskommission mit täglich 6000 Toten aufgrund fehlender Wasserver- und entsorgung. Das wären mehr als zwei Millionen Menschen im Jahr, eine entsetzliche Zahl. Aber das Wasser ist nicht weniger geworden, es gibt nur mehr – zu viele – Menschen, die es verschmutzen und verbrauchen. Kann es eine – humane – Lösung sein, wenn noch mehr Menschen (nicht nur) Wasser verschmutzen, verbrauchen und Kinder zeugen? Ist es human, wenn die Malaria besiegt würde, dadurch zusätzliche Millionen überlebten und Kinder in die Welt setzen? Nicht einmal im linearen Denken zeigt sich hier die Spur einer ‚humanen‘ Perspektive.

Doch die humanistische Grundprogrammierung lässt alternative Denkmodelle nicht zu. China musste sogar auf weltweiten Druck seine von den USA als Verletzung der Menschenrechte angegriffene Ein-Kind-Politik – einer der wenigen hoffnunggebenden Politikansätze, der überhaupt nur in einer inhumanen Diktatur möglich war – aufgeben. Man stelle sich den Aufschrei nicht nur vonseiten des Papstes vor, wenn in relevantem Maße Zwangssterilisationen oder dem Trinkwasser zugesetzte Verhütungsmittel vorgeschlagen würden. Wachset und mehret euch, steht ja schon in der Bibel, entstanden in einer Zeit, als sich rund 40 Millionen Menschen auf der Welt verloren. Also werden weiter Kinder geboren und müssen elend aufwachsen, während sie durch ihre Masse die Überlebensfähigkeit der Menschheit zerstören.

aus: Konrad Kustos, „CHAOS mit SYSTEM“

Das sind wirklich gute Hinweise, über die einmal in aller Ruhe nachzudenken wäre: „Doch die humanistische Grundprogrammierung lässt alternative Denkmodelle nicht zu.“ oder „… einer der wenigen hoffnunggebenden Politikansätze, der überhaupt nur in einer inhumanen Diktatur möglich war.“ Es scheint, als ob die westlichen Demokratien nicht dazu in der Lage wären, auch nur die dringendsten Probleme der Welt zu lösen. Sie sind in ihrer grenzenlosen „Naivität“ so von den sog. Menschenrechten besoffen, dass sie blind für die Folgen geworden sind und sie können nicht mehr sehen, dass die, die angeblich (!?) das Böse wollen, letztlich das Gute erzeugen können. Immer feste druff auf die „Achse des Bösen“!

Spiele der Erwachsenen (Eric Berne)

„Hauptsache, Empathie! Heute soll jeder dauernd Empathie zeigen, insbesondere mit Opfern. Die Strafjustiz bemüht sich tapfer, erreicht das verlangte Maß aber nie. Woran liegt das?“ schrieb der Bundesrichter in Karlsruhe Prof. Dr. Thomas Fischer vorgestern in der ZEIT (Fischer im Recht). Diese Welt geht nicht nur an der grenzenlosen Gier der Menschen zugrunde, sondern in demselben Maße an deren grenzenloser „Empathie“, die im Grunde nichts anderes ist als das verkappte Selbstmitleid derjenigen, die sich schon immer als Opfer gefühlt haben, aber in Wahrheit genauso Täter sind wie ihre Gegenspieler. Sie sind nur etwas gerissener. Das, was Oscar Wilde in seinem bekannten Spruch nur den Frauen zuweist, gilt aus meiner Sicht genauso für die Männer, die dasselbe Spiel spielen: „Die Geschichte der Frau ist die Geschichte der schlimmsten Tyrannei, die die Welt je gekannt hat. Die Tyrannei der Schwachen über die Starken. Es ist die einzig dauernde Tyrannei.“ Ich muss gleich an den „Women’s March“, den Marsch der Millionen, nach der Wahl des bösen Wolfs Donald Trump denken, der wie wir alle wissen, allen Frauen in den Schritt fasst und die Würde der Frau mit Füßen tritt. Wir brauchen unsere Bösewichter, um uns selbst etwas weniger beschissen zu fühlen und gleichzeitig dem angeblichen oder tatsächlichen Wolf den Garaus zu machen.

Was wäre das liebe Rotkäppchen ohne den bösen Wolf?
Und dabei hatte alles so nett angefangen!

Ach ja, die Wölfe – jetzt müssen die Jäger die Rehe abschießen, die den deutschen Wald auffressen wollen, und die Haifische und die … die ganze Achse des Bösen. Laotse, Tschuangtse und andere Taoisten wurden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass das empfindliche Gleichgewicht der Natur nicht durch unsere Eingriffe gestört werden darf, wobei es völlig gleichgültig ist, ob diese Eingriffe durch die menschliche Gier oder durch menschliches „Gutmenschentum“ motiviert werden.

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13 Antworten zu Konrad Kustos: die humanistische Grundprogrammierung

  1. Georg Alois schreibt:

    Das sind doch endlich mal wieder ein paar Zeilen, die sich lohnen sie zu lesen, die wieder Leben in die Bude bringen! Lieber Nitya, ich war schon kurz davor, Deinen Blog hier bei mir zu löschen, dieses Gebetsmühlen, Advaita tralala, heidinei……… UND DANN heute, Dein Artikel!!! Da ist doch noch richtig Leben im Nitya!
    Die einzige Umweltverschmutzung, wie es dem Papst Franziskus neulich so raus rutschte:“ Sie vermehren sich wie die Karnickel!“

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  2. fredoo schreibt:

    Pranger ? Ich ? … wie kommst Du darauf , werter Nitya ? … wenn Du das Bild genau betrachtest , wirst du eine höchst praktische Kopf und Gestenstütze erkennen , die mir beim Vortrag von meinem davor anbebrachten „hochweisen“ Text hilft , da ich mich anscheinend nicht davor zurückreißen konnte , mich auch „unverblümt davorne hinzustellen“ … 😉

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    • Nitya schreibt:

      „Höchst praktische und Gestenstütze“?

      Also ick weeß nich. Ick habs mir ma vorjestellt und sofort keine Luft mehr jekriecht und Nackenschmerzen als Gratisjeschenk. Und wat nu die Jestik betreffen tut, werta Fredoo, biste doch da auf wirklich sparsame Handbewejungen anjewiesen. Nee, nee, nee. Aba dit kenn ick, dassde dir manchma ums Verrecken nicht zurückhalten können tust. Denn musste einfachs Maul aufmachen.

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  3. Alexandra schreibt:

    Aber, ist das nicht alles nur ein Spiel der Gedanken? Wollen wir das so? Oder können wir nicht anders?
    „Eine verwirklichte Person ist jemand, der weiß, dass das [höchste] Selbst die einzige Wahrheit,
    und alles andere nur ein Spiel der Gedanken ist.“
    [Sri Siddharameshwar Maharaj – aus „Amrut Laya“]

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    • fredoo schreibt:

      Jain … werte Alexandra … das Zitierte stimmt wohl … jedoch verstehen dies viele Sucher in Form eines „Anstatt“ , also sie entwickeln die Vorstellung , das das „übliche“ ausgetauscht wird durch dieses „Wissen“ …
      Dem ist aber nicht … so …
      Sondern es entsteht ein „sowohl als auch“ … Also ist da wie eh und je weiterhin das übliche Gedankenspiel , und damit ist auch nix anderes zu wollen oder können … denn dieses Gedankenspiel entsteht im quasi Universellen Kontext , und wird vom (eigenen) Organismus lediglich (passiv) „registriert“ …
      „Wir“ sind also (egal ob verwirklicht oder nicht ) immer nur Empfangsstation …
      Jede dieser Gedankenformen ist stets nur erscheinend , also gewissermassen „bodenlos“ … Dies Faktum wird jedoch durch eine Gewohnheit der Faszination durch diese Formen quasi „hypnotisiert“ übersehen … Doch dies einmal in UNMITTELBARKEIT bemerkt , macht dies für die weitere Zukunft des Organismus unvergessbar …
      Doch wird dadurch nix im weiteren ausgetauscht , verhindert oder „erhöht“ sondern lediglich ergänzt um das Wissen um die Bodenlosigkeit jeder Form !
      Es entsteht also kein „anders“ sondern ein „zusätzlich“ …

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  4. Marianne schreibt:

    Lieber Nitya,

    mir ging es ähnlich, mein gedrückter „Knopf“ schwoll auch immer mehr an durchs Hingucken … 😉
    Dass viel zu gut gemeinter Humanismus einen ziemlich faden Nachgeschmack erzeugen kann, habe ich in meiner Sozialisation auch erlebt: Mein Vater ließ zum Beispiel meine Mutter gerne im Unklaren über seine Einkommensverhältnisse, weil sie am liebsten alles gespendet hätte und das auch tat, wenn sie dran kam … 😦
    Ich glaube, mein „Knopf“ wurde durch die Überschrift „du kannst nicht lieben – du hasst“ getriggert …
    Im Buddhismus gibt es eine Praxis „liebender Güte“, im Englischen heißt das „lovingkindness“, den Ausdruck mag ich lieber. Die macht für mich schon Sinn und da steckt auch kein versteckter Hass als Motivation dahinter.

    Mit herzlichem Gruß
    Marianne

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    • Marianne schreibt:

      Wie eine sorgende Mutter
      das Leben ihres einzigen Kindes
      erhält und behütet,
      so halte dich selbst und alle Lebewesen
      mit einem grenzenlosen Herz
      liebender Güte
      als dein eigenes geliebtes Kind.

      Buddha

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Marianne,

      ob meine Mutter gern mal was gespendet hätte, weiß ich nicht. Sie hatte nie auch nur einen Pfennig zur Verfügung, den sie hätte spenden können, dafür hatte mein Vater schon gesorgt. Mein Vater ließ meine Mutter nicht im Unklaren über seine Einkommensverhältnisse: Das war bei uns absolutes Staatsgeheimnis und schon eine Nachfrage hätte eine Brüllerei ausgelöst. Mein Vater hatte einfach nichts zu verschenken, kein Haushaltsgeld und ganz bestimmt kein Taschengeld. Das einzige, was er zur Verfügung hatte und reichlich verschenkte, waren seine humanistischen Phrasen. Das hatte auch seine Vorteile. So verdiente ich mir schon mit 13 Geld auf dem Bau, um mir davon ein Fahrrad zu kaufen und arbeitete immer in den Ferien, um über die Runden zu kommen. Da hab ich mehr gelernt als auf dem doofen humanistischen Gymnasium. Nebenbei entwickelte ich auch eine kriminelle Ader und meine Panzerknackerfähigkeiten. Ohne Vaters totalen Geiz hätte ich das wohl nie zur Entfaltung gebracht.

      Was nun die von dir erwähnte buddhistische Praxis „liebender Güte“ betrifft, hast du mir damit schon wieder einen Knopf gedrückt. Der Nitya scheint ein einziges Minenfeld zu sein. 😉

      Herzlichst
      das Minenfeld

      Gefällt 1 Person

  5. fredoo schreibt:

    Mal noch so bemerkt … zu Mariannes Zitat von „Buddha“ …
    Einmal – Ein englischer Professor hat mal mit seinen Studenten errechnet , dass der Herr Shakjamuni 250 Jahre lang jeden Tag nich unterbrochen von Essen , Stuhlgang oder Schlaf damit beschäftigt gewesen wäre , alle Zitate von sich zu geben , die ihm da so eilfertig „in die Schuhe geschoben werden“ .
    Nach meinen , zugegeben rudimentären , Kenntnissen des Palikonons , kann ich mir diesen auch nicht als Quelle des Zitates vorstellen …
    Desweiteren – speziell zu Herrn Shakjamuni ( so es ihn denn als tatsächliche historische Person je gegeben haben sollte ) … dieser hatte ja eine große Mönchsgefolgschaft um sich versammelt , und auch zumeist zu diesen gesprochen.
    Wer wird nun „Mönch“ ? doch zumeist eine Person , die in Konflikt mit dem gewohnt alltäglichen geraten ist … und mit dem Mönchsstatus eine Art psychische Hospitalssituation ergreift.
    Damit war der Abt wohl im hohen Maße erstmal Therapeut und erst später (für die halbwegs „Austherapierten“ ) ein „Berichter vom Eigentlichen“ …
    Diese Doppelfunktion dessen , „der davorne sitzt“ , einerseits , sozial die Persona „therapierend“, andererseits die „Persona umgehend“ , hinweisend berichten vom Unsagbaren , sollte gerade bei Zitaten bedacht werden . An wen , in welcher Disposition , war da das Zitat gerichtet ?
    War es „hilfreich“ gedacht , für ein gelingendes persönliches Erleben , oder war es „stimulierend“ gedacht , um „hinter/über/unter“ dieses Persönliche zu >schauen ? …
    Der Herr Shakjamuni erhob bei der „Version Hinweis“ gerne einfach das von Nitya so gerne erwähnte Blümelein .
    Je nach eigenem Fokus wird der Zuhörer so oder so „verstehen“ . Und es ist nahezu unvermeidbar , das demjenigen , der Zitate/Texte eher in „Richtung Blümlein“ „versteht“ , viele „sozial-therapierenden“ Aussagen eines Davorne-Sitzenden nicht nur unpassend , sondern geradezu „falsch“ erscheinen müssen , da sie als „Therapeutikum“ stets eine „Machbarkeit“ unterstellen müssen , die dem „Blümlein-Fan“ aus eigen erlebter „Bodenlosigkeit“ , geradezu als zentraler Irrtum erscheinen müssen …

    Es ist speziell in Foren oder Blogs schnell zu erkennen , wo da beim Schreiber der Fokus des „Verstehen-wollens bzw. -könnens“ besteht . Und daran ist dann auch , so oder anders „gefokust“ , nicht das geringste falsch .
    Der manchmal von Mancheinem gebotene Hinweis ( hier zumeist von Nitya ) … es nicht nur in die „Persona-Ebene“ gerichtet zu verstehen , was da gerade Thema ist … bietet lediglich eine (zusätzliche) Chance … es diesmal irgendwie „auch anders“ zu verstehen … (besser formuliert wie ich finde) … > es in „Ahnung bereits „wissend“ zu bemerken“ …

    Gefällt 2 Personen

    • Marianne schreibt:

      Ich habe das Zitat aus einem Buch von Jack Kornfield – die genaue Quellenangabe fehlt dort.
      Ansonsten, gut gebrüllt, Löwe, – kann deinen Ausführungen hier nur zustimmen. 🙂

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    • Nitya schreibt:

      Nun, werter Fredoo, da ich hauptberuflich immer noch so’n bisschen als Therapeut unterwegs bin, betrachte ich meinen Blog nicht als ein weiteres Feld, wen auch immer therapeutisch zu beglücken. Für mich ist er eher ein Ausgleich zu dem, was ich sonst so treibe. So eine Art Urlaub. Andere spielen Tennis oder Golf oder was weiß ich, ich erfreue mich an Buddhas Blümchen. Das war schon im Internat so: Die anderen spielten Fußball oder Skat, ich war in der Bibelgruppe, weil mich der ganze andere Kram eigentlich nicht sonderlich interessierte. Da hatte ich was, wo ich immerhin sagen konnte: Dies ist es nicht und das ist es auch nicht. Bis irgendwann der Punkt kam, an dem ich sagen konnte: Dies ist es und das auch und das ebenso.

      Gefällt 1 Person

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