Konrad Kustos: lineares und kybernetisches Denken

 

Verleger C. Pontenagel und Autor Konrad Kustos

Wahrheit als Grundlage des Wertens ist ein hohes Gut, auch wenn sie sich geschickt in der Komplexität der Welt versteckt. Als eine gesicherte Wahrheit kann der kybernetisch Denkende zumindest verbuchen, dass sich hinter jeder Wahrheit eine weitere, komplexere verbirgt. Wir finden Wahrheit durch Wahrnehmung, und die kann leicht trügen. Deshalb gibt es keine seriöse Suche nach ihr, die nicht den Skeptizismus gegenüber dem Gefundenen als wichtiges Handwerkszeug verwendet. Angesicht des Zustandes der Welt gilt es aber auch zu verhindern, dass die Skepsis gleich in Paranoia oder Apathie umschlägt. Dies umso mehr, als der technische Fortschritt den Menschen immer mehr in die Lage versetzt, sich selbst und anderen eine Pseudowahrheit zu präsentieren. „Ein Foto sagt nicht länger die Wahrheit, sondern schlägt nur eine Möglichkeit vor“, kommentierte dies der darob viel zitierte kanadische Journalist Toni Leighton. Es geht ja nicht darum, ob das Foto gefälscht ist oder nicht, vielmehr kann eine Medienveröffentlichung zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Umfeld die Wahrnehmung beeinflussen.

Die Wahrheit ist scheu, und sie wird immer scheuer. Wie kommen wir ihr nur näher? Keineswegs ist sie „irgendwo da draußen“, wie Agent Mulder vermutete, sondern überall um uns herum, und wir sind als Teil der Wirklichkeit in ihrer Mitte. Diese Mitte hat keine verortbare Lage im Koordinatensystem des Geistes. Die Forderung, sie zu finden, drückt nur die Notwendigkeit aus, Extreme zu vermeiden und gegengesetzte Faktoren bei der Wahrheitsfindung zu berücksichtigen.

aus: Konrad Kustos: „Chaos mit System“

 

Ooch, das ist eigentlich nix Besonderes. Unsere ganze sog. christlich-abendländische Kultur hat ihre Methoden vielleicht durch die sog. Aufklärung ein bisschen verfeinert, aber dadurch, dass sie immer noch felsenfest im linearen Denken verhaftet ist, kennt sie ja eigentlich nach wie vor nur richtig und falsch, schwarz und weiß und die Grundhaltung „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ oder „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“ Wir befinden uns geistig immer noch in der Steinzeit, wie uns Donald Trump kürzlich mal wieder mit seiner Mutter aller Bomben vorgeführt hat. Pierre Vogel und seine muslimischen Gesinnungsbrüder halten uns nur täglich unermüdlich den Spiegel vor die Nase und wir wollen und wollen uns ums Verrecken einfach nicht darin wiedererkennen.

Kybernetisch zu denken, ist erfüllend,
es entspricht unserer Natur, es macht Spaß.
Frei von den Fesseln
unserer linearen Kultur des Denkens,
Erkenntnisse auf sich einströmen zu lassen,
ist wie das Öffnen des Fensters
in einem stickigen Raum.

Konrad Kustos

Der Typ da oben auf seiner Wippe steht mitten zwischen Herz und Hirn und ist in jedem Augenblick damit zugange, dabei das Gleichgewicht auszubalancieren. Um das hinzubekommen, bedarf es eines Dritten, das weder Herz noch Hirn ist. Es bedarf der Bewusstheit, wofür auf dem Bild der schwarze Mann steht. Schwarz, weil es das große Unbekannte repräsentiert.

„Der technische Fortschritt versetzt den Menschen immer mehr in die Lage, sich selbst und anderen eine Pseudowahrheit zu präsentieren“, sagt Konrad Kustos, und Pierre Vogel ist ein schönes Beispiel dafür. Aber wer sich jetzt in die Brust wirft und sich als der Bessere fühlt, der mitleidig auf „diese muslimischen Idioten“ herunterguckt, der sollte einfach mal seinem Pfarrer auf der Kanzel zuhören oder unseren Damen und Herren Ministern oder noch besser sich selbst. Das ist die große Aufgabe dieser Zeit, endlich das kybernetische Denken kennenzulernen und, fast noch wichtiger, die Existenz der scheinbar nicht-existenten Bewusstheit zu erkennen, die alles steuert und doch von den im linearen Denken Gefangenen ununterbrochen unbemerkt bleibt.

Menschen wie Konrad Kustos, die das lineare Denken als Wurzel unserer Übel entlarven, werden nicht besonders gemocht. Umso verdienstvoller ist es, dass sich noch Verleger finden, die so ein Werk  wie „CHAOS mit SYSTEM“ verlegen. Menschen wie Konrad Kustos wurden noch nie gemocht. Man verbrannte ihre Bücher, wenn man sie nicht gleich mitverbrannte. Sie sind unbequem. Sie fordern uns auf, unsere uns so lieb gewordene „geistige“ Heimat zu verlassen und sich für das Undenkbare zu öffnen. Konrad Kustos sagt beispielsweise: „Als eine gesicherte Wahrheit kann der kybernetisch Denkende zumindest verbuchen, dass sich hinter jeder Wahrheit eine weitere, komplexere verbirgt.“ und „Wir können erst beginnen, die Welt zu verstehen, wenn wir verstehen, dass wir sie nie verstehen werden.“ Wer will schon so was hören oder lesen?! Unsere sog. geistige Heimat ist der dörfliche Stammtisch in unserer Lieblingskneipe. „Dahoam is Dahoam! Basta!“ Dort werden unsere christlich-abendländischen Werte noch am reinsten bewahrt. Wer meint, dass sie dort am wenigsten, dafür aber in sog. wissenschaftlichen, atheistisch-aufgeklärten Kreisen zu sehen sind, der irrt in aller Regel. Ich drehe schon längst die Hand nicht mehr um zwischen den einen und den anderen. Gläubig und dem linearen Denken verfallen sind meist beide Seiten.

Oh Herr, lass Hirn wachsen!
Oh Herr, lass Herz wachsen!
Oh Herr, lass vor allem anderen
Bewusstheit auf uns niederprasseln!

Also das ist jetzt reine Spekulation von mir: Da gibt es in der Apostelgeschichte 2,1-4 diesen Bericht: Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des Heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. “ Vielleicht war das ja so’n Tag, an dem der Herr Bewusstheit niederprasseln ließ? Ausschließen kann ich gar nix – nur bitte, bitte, wartet nicht auf eine Wiederholung! Es ist alles schon da für den, der Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, aber „… mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie nicht; denn sie verstehen es nicht [dass es nicht zu verstehen ist].“ (mt. 13)

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11 Antworten zu Konrad Kustos: lineares und kybernetisches Denken

  1. punitozen schreibt:

    Wer aber weissagt, der redet den Menschen zur Besserung und zur Ermahnung und zur Tröstung. 4 Wer mit Zungen redet, der bessert sich selbst; wer aber weissagt, der bessert die Gemeinde. 5 Ich wollte, daß ihr alle mit Zungen reden könntet; aber viel mehr, daß ihr weissagt. Denn der da weissagt, ist größer, als der mit Zungen redet; es sei denn, daß er’s auch auslege, daß die Gemeinde davon gebessert werde. (4. Mose 11.29) (1. Korinther 12.10)
    6 Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete mit Zungen, was wäre es euch nütze, so ich nicht mit euch redete entweder durch Offenbarung oder durch Erkenntnis oder durch Weissagung oder durch Lehre? (1. Korinther 12.8) 7
    ( 1. Korinther – Kapitel 14.3 -6 )

    Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: Kybernetisches und lineares Denken | per5pektivenwechsel

  3. Alexandra schreibt:

    Guten Morgen lieber Nitya,
    Da sitze ich hier, höre draußen die Glocken läuten und hier drinnen die Nachtigall, während mein Mann Gottesdienst macht. Er hätte heute am Ostermontag auch verzichtete, aber das will“man“ hier so, schließlich war das immer so. Und das wird in der ev. Kirche brav demokratisch über den kV geregelt. Er predigt schon längst nicht mehr linear, aber wer das versteht? Naja‘ das ist nicht seine Sache und meine ist es auch nicht. Zum Glück gibt es dafür noch keine Scheiterhaufen und zum Rausschmiss reicht es auch noch nicht. Pierre Vogel… erinnert mich ein bisschen an meine evangelikalen Zeiten, da war ich auch missionarisch tätig. Damals war dann viel Hirn nötig, nachgeholfen hatte da schon immer mein atheistischer Schwager, um davon wegzukommen. Aber wie man sich in Deutschland freiwillig zum islam bekehren kann und das noch als Frau, das will mir beim besten Willen nicht ins Hirn. Aber Erdogan Referendum kam ja jetzt auch durch.
    Da bleibt nur eins: einatmen , Ausatmen, das Hirn nicht zu sehr tanzen lassen, wenns geht. Raus in die frische Luft und das Grün und die vogelstimmen einatmen… und sich klar machen, dsss das alles nur ein Traum ist…
    Liebe Grüße
    Alexandra

    Gefällt 3 Personen

  4. punitozen schreibt:

    ….Aber wer sich jetzt in die Brust wirft und sich als der Bessere fühlt, der mitleidig auf „diese muslimischen Idioten“ herunterguckt, der sollte einfach mal seinem Pfarrer auf der Kanzel zuhören oder unseren Damen und Herren Ministern oder noch besser sich selbst. …..

    Henning Scherf : „Es sind diese Khomeinis, vor denen wir unsere Verfassung schützen müssen. Das können Sie Ihrem Pastor Latzel ausrichten!“

    ….. Unsere ganze sog. christlich-abendländische Kultur hat ihre Methoden vielleicht durch die sog. Aufklärung ein bisschen verfeinert, aber dadurch, dass sie immer noch felsenfest im linearen Denken verhaftet ist, kennt sie ja eigentlich nach wie vor nur richtig und falsch, schwarz und weiß und die Grundhaltung „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ oder „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“

    Christlich fundamentalistische Seelenfänger in Aktion :

    Die etwas andere Nachfolge !!!

    Gefällt 1 Person

  5. Alexandra schreibt:

    Ich habe die ersten beiden Videos nur knapp 5 Minuten ertragen… leider muss ich sagen, dass viele russlanddeutsche sehr extreme glaubensauffassungen haben. Wir haben hier im Ort mennoniten, die sind ganz extrem. Und vermehren sich um die Wette mit den Türken.

    „Da war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen – keine Ahnung von der Sonne, dem Regenbogen in den Wolken, den Liedern der Nachtigall! Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird! Wenn diese Raupen ahnten, was ihnen als Schmetterling blühen wird: Sie würden ganz anders leben, froher, zuversichtlicher, mit mehr Hoffnung. Sie würden erkennen: Das Leben besteht nicht nur aus Fressen und der Tod ist nicht das Letzte.‘

    So dachte der gute Mensch und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren! Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein!‘

    Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlinghafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. Er versuchte, Vergleiche zu finden: ,Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut…‘ Und sie nickten und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans endlose Fressen. (Hofsümmer)

    Gefällt 2 Personen

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