Prometheus, der Vorausdenker


Eben hab ich eine Amsel gesehen, wie sie aus dem im Efeu am Haus versteckten Nest davon flog, um für ihre Kinderchen einen Wurm zu suchen. Warum tut sie das? Sie tut es, weil sie es tun muss, so ist sie genetisch programmiert. Letztlich tut sie es, weil sie es tut.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an diesen Prometheus, diesen Titanen, der den Menschen das Feuer brachte und zur Strafe dafür von Zeus an einen Felsen im Kaukasus geschmiedet wurde. Dort hat ihn dann regelmäßig ein Adler heimgesucht, der ihm ein Stück seiner Leber entriss, die ihm sofort wieder nachwuchs. Foltermethoden waren offensichtlich auch im Olymp nicht unbekannt. Interessant ist der Name: Prometheus bedeutet der „Vorausdenkende“. Das Feuer, das Prometheus den Menschen brachte, war für diese eine der Grundlagen für ihre Zivilisation.

Die Menschen vor Prometheus könnten sich nicht sonderlich von einer Amsel unterschieden haben. Sie sind losgezogen, um sich was Fressbares zu holen und mussten sich gleichzeitig vor dem Gefressen-Werden schützen. Feuer steht auch für Geist, im Falle von Prometheus also auch für den vorausschauenden Geist, für das Denken und Planen und für Zeit. Kürzlich hörte ich den Spruch: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.“ Auf so eine Idee würde eine Amsel wohl nie kommen. Muss sie auch nicht, da sie in einem übertragenen Sinn ununterbrochen Bäume pflanzt. Der Mythos sagt, dass die Menschen von Prometheus das Denken und damit die Freiheit, über ihre genetische Programmierung hinauszuwachsen, geschenkt bekommen haben. Klar, dass das dem guten Zeus langsam zu bedrohlich wurde. Die Menschen könnten ja auf die Idee kommen, göttergleich werden zu wollen und den Olymp zu erobern. Da er die Tat von Prometheus nicht rückgängig machen konnte, musste er wenigstens diesen Typen bestrafen. Wer weiß, was der sonst noch anstellen würde.

Aber wie ist das denn nun mit diesem sog. Geschenk? Erwies es sich wirklich als Segen oder am Ende doch nur als Fluch für die Menschen und damit auch für die Tiere und Pflanzen und den Rest irdischen Lebens?

Hiroshima 1945, das hätte vielleicht nicht einmal der Blitz des Zeus vermocht.

Der Begriff Gender bezeichnet in den Sozialwissenschaften die durch Gesellschaft und Kultur geprägten Geschlechtseigenschaften einer Person in Abgrenzung zu ihrem biologischen Geschlecht. (Wiki) Und was wurde daraus? „2 x 3 macht 4 – Widdewiddewitt – und Drei macht Neune !! Ich mach‘ mir die Welt – Widdewidde – wie sie mir gefällt …. Hey – Pippi Langstrumpf – trallari trallahey tralla hoppsasa – Hey – Pippi Langstrumpf, die macht, was ihr gefällt.“ Pff, ich lass mir doch weder von der Gesellschaft noch von der Natur mein Geschlecht vorschreiben! Mein Geschlecht bestimme immer noch ich – ich – ich! Dieses Ich ist der Fluch des Geschenks, das uns Prometheus einmal gemacht hat.

Aber vielleicht kann uns dieser Fluch auch zum Segen werden? Wer über den Tellerrand dieses mickrigen Ich-Gedankens hinausschauen kann, wer entdeckt, dass er unendlich viel mehr ist als dieses Ich, wer entdeckt, dass er grenzenloses Bewusstsein ist, der wird die Ich-besessenen Götter weit hinter sich gelassen haben, der pfeift auch auf diesen lächerlichen Olymp. Dann wäre die schlimmste Befürchtung dieses Gartenzwergs Zeus wahr geworden.

Prometheus – Fluch oder Segen? Je nachdem …

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10 Antworten zu Prometheus, der Vorausdenker

  1. Alexandra schreibt:

    Ja, manchmal frage ich mich, was wohl das größere Übel ist: eine mögliche islamisierung, deren Ansätze wir verschlafen, der gewalttätige Raubbau an der Natur, an Tieren und Menschen in der dritten Welt, oder die Kriegslist mancher Nationen. Wenn alles Bewusstsein ist: dann ist der Mensch eher eine Krankheit für die Welt. Die Erde hat Mensch… nein, ich denke jetzt nicht weiter, schwarze karfreitagsgedanken…
    „Beobachten Sie es einmal genau. Zuerst kommt ein Gefühl der Existenz, der reinen Existenz. Maharaj, Maharshi und andere nennen es das reine Gefühl des „Ich bin“, nicht „Ich bin dies“ oder „Ich bin jenes“. Dieser primäre Gedanke, dem alle anderen folgen. Und unmittelbar danach, eigentlich simultan, erscheinen als Folge all Ihre anderen Gedanken. Und mit ihnen die Welt und Ihr Körper.“ ( Hermann Lehner, nur wer schlecht träumt will erwachen) das Gefühl der reinen Existenz, einatmen, ausatmen,,, und draußen den Frühling genießen…
    ich wünsche dir einen angenehmen Tag, lieber Nitya!

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  2. Gabi schreibt:

    Prometheus hat mich als Kind gegruselt. Jeden Anflug und Attacke des Adlers habe ich am eigenen Leib gespürt. Als Alibistudentin der Theaterwissenschaften war ich schwerstens von denen beeindruckt, die mit lodernder Stimme: „Bedecke deinen Himmel, Zeuss, mit Wolkendunst und übe, dem Knaben gleich, der Disteln köpft, an Wäldern Dich und Bergeshöhn…“ rezitieren konnten und sich mutig gegen die Götter stellten. Aber mein Prometheus hing immer noch an dem Felsen. Heute hast du mir mit dem Beitrag das Bewusstsein erweitert, besser als LSD.

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    • Nitya schreibt:

      Ich wirke wie Sean Connery, nur also wie LSD.

      Liebe Gabi, ich komm aus dem Grinsen überhaupt nicht mehr raus. Ich hoffe nun für mich, dass sowohl Sean Connery wie LSD angenehme Erfahrungen für dich waren!

      „Bedecke deinen Himmel, Zeuss, mit Wolkendunst und übe, dem Knaben gleich, der Disteln köpft, an Wäldern Dich und Bergeshöhn…“ Ja, das hat was. Ich erschauere bis in meine nicht vorhandnen Grundfesten.

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      • Gabi schreibt:

        Unbedingt angenehm. Muss gestehen, dass ich nur einmal LSD genommen hab, was nicht so angenehm war, entgegen den vorherigen Lobpreisungen der Substanz von Seiten der Freunde. Hab mir das aber so vorgestellt, LSD rein und dann macht es Klick! So war das heute mit Prometheus und von daher besser als LSD… In dem Sinn wünsche ich Sean Connery im Nityagewand über die Feiertage freche Amseln, emsige Eichhörnchen, winkende Blumen und göttliche Inspirationen mit denen Du uns dann erfreut.

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  3. Eno Silla schreibt:

    Karl Freitag wünscht schöne freie Tage!

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  4. punitozen schreibt:

    David Engels , Kulturhistoriker und Vorausdenker .

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