Karl Renz: du bist das Verhaftetsein selbst

 

Aus einem „Okay“ wird immer wieder ein „nicht Okay“. Damit musst du klar kommen. Selbst wenn man es „Vorherbestimmung“ nennt, versucht man damit nur, es zu kontrollieren, denn die Freiheit oder der Frieden, der sich daraus ergibt, dass man es als Vorherbestimmung auffasst, hängt von der Idee ab. Also egal, was du tust, du machst dich damit von der Idee der Vorherbestimmung abhängig. Du kannst da nicht rauskommen. Nicht möglich.

Die Nichtverhaftung haftet so sehr an der Nichtverhaftung. Wenn ich gefragt werde, was man da machen kann, sage ich: Sei völlig mit dem verhaftet, was du bist, sei dieses absolute Sein. Denn du kannst nicht nicht mit dem verhaftet sein, was du bist, weil du das Verhaftet sein selbst bist. Du kannst nicht hinter dir lassen, was du bist.

In vollkommener Identifikation gibt es nur noch DAS, wo weder Verbundenheit noch Getrenntsein sein können. Die absolute Identifikation – dass du DAS bist – kann nicht gemacht werden – noch kann sie kommen. Du wirst nicht durch irgendwelches Verstehen zu DEM, nicht indem du wählst und nicht durch irgendeine Erfahrung. Du warst DAS, bist es und wirst es immer sein. Weil du DAS nicht nicht sein kannst. Das ist alles! Also sei ES!

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“

Gestern zitierte ich Günter Wohlfart mit seinem von einem Augenzwinkern begleiteten Hinweis: „Also werde ich als folgsamer Zhuangzi-Adept zum Nicht-Ruhm-Streber. Ist das nicht auch rühmlich? Na ja, ein Bisschen vielleicht. Kleiner Streber.“ Er zeigt damit auch die Vergeblichkeit aller Bemühungen, nicht das zu sein, was du bist.

Hagen schrieb kürzlich: „Und damit stehen wir, lieber Nitya, an dem, was seit jeher meinen Scheideweg darstellt. Verstand vs. Intution; Sein vs. Machen. ‚Verstand‘ und ‚Machen‘ kann ich recht gut. Allerdings durfte ich lernen, dass sich auch meine beiden ganz persönlichen Dämonen – ‚Zwang‘ und ‚Kontrollieren-Müssen‘ in meinem Verstand recht häuslich eingerichtet haben.“

Karl sagt dazu: „Sei völlig mit dem verhaftet, was du bist, sei dieses absolute Sein. Denn du kannst nicht nicht mit dem verhaftet sein, was du bist, weil du das Verhaftet sein selbst bist. Du kannst nicht hinter dir lassen, was du bist.“

Das ist das Ende aller Bemühungen, das Sein zum Besseren hin manipulieren zu wollen. Sein zeigt sich von Augenblick zu Augenblick – zeigt sich, als was es sich zeigt. Nicht „du“ zeigst dich, sondern das Sein zeigt sich als „du“.

Meinst du etwa,
du könntest das Universum
ergreifen und es verbessern?
Ich glaube nicht, dass du das kannst.
Das Universum ist vollkommen,
es kann nicht verbessert werden.
Es zu verbessern heißt, es zu zerstören.
Es zu ergreifen heißt, es zu verlieren.

Laotse

Was zerstörst du, was verlierst du? Das Bewusstsein für das Sein des gegenwärtigen Augenblicks, was selbst nichts anderes als Sein ist. Und dann schreibt der Karl den Ramesh-Schülern noch das ins Stammbuch: „Selbst wenn man es ‚Vorherbestimmung‘ nennt, versucht man damit nur, es zu kontrollieren, denn die Freiheit oder der Frieden, der sich daraus ergibt, dass man es als Vorherbestimmung auffasst, hängt von der Idee ab. Also egal, was du tust, du machst dich damit von der Idee der Vorherbestimmung abhängig. Du kannst da nicht rauskommen. Nicht möglich.“ Frei nach Wolf Biermann würde ich sagen: „Nenn es gar nicht oder summ!“

Oder mach so’n geiles Gedicht wie das gestern vom Günter Wohlfart. Der scheint auch schon beim Summen angekommen zu sein. Er summt ja nicht nur Gedichte aus dem Feuchtgebiet, sondern auch „Haikühe“. Hier aus der Reihe „der verrückten, aus der 17-Silben-Reihe tanzenden Haikühe“, schrieb der Günter im Mai 2011 auf Zypern:

Karpas

*

In flimmernder Mittagshitze

steht die Zeit

still

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8 Antworten zu Karl Renz: du bist das Verhaftetsein selbst

  1. Georg Alois schreibt:

    Die „Erleuchtung“ ………. Heidinei, da sitzen sie jahrelang in Meditation oder sonstigen Übungen und warten auf ….??, dass die Identifikation mit der Person wegfällt, auf das Sterben des Ich. Und dabei ist das nur ein „Fehler im System“, so nenne ich es. Nicht nur bei Suzanne Segal ist der Fehler passiert, und die ganzen Psycho-Ärzte waren ratlos. Jetzt ist es auch in meiner Verwandtschaft passiert, und dann bricht Panik aus. Und es passiert anscheint viel häufiger als man denkt. Depersonalisierung nennen das die Ärzte und die suchen jetzt das Zentrum im Hirn, wo die Personalisierung stattfinden soll. Ist das ein Affenhaufen…………

    Gefällt 3 Personen

  2. Hagen Unterwegs schreibt:

    Zitiert auf Deinem Blog. Welch Ehre… 😉

    Gefällt 1 Person

  3. fredoo schreibt:

    zu einer weiteren Textperle des Herrn Nitya bemerkt …
    ( eigentlich überflüssig da alles wesentliche gesagt wurde , aber wenn alles wesentliche besagt wurde , kann man ja immerhin der Unterhaltung willen auch mal das unwesentliche „besagen“ )
    Ja … diese Determination / Vorherbestimmung , die vor allem der Werner Ablass so gerne im Wort führt mit „es ist alles vorherbestimmt“ , liegt mir schon lange quer im Schlund …
    Ramesh hat diese Vokabel mit seinem perfekten Englisch ja tatsächlich oft benutzt .
    Doch wie ist Determination zu verstehen ?
    Ich pflege da ja immer die deutsche Sprache oder das Latein „bedeutungsmässig“ auszuquetschen …
    was meint denn De Termini … viele übersetzen halt ein ante termini … also eine Vor-der-Zeit … hmmm … was ist denn Termini ? … die Zeit wohl nicht , eher Zeiten … also Zeitpunkte … einander folgende punktförmige Zeiterscheinung …
    und das „De“ (oder auch Des) bedeutet ja gar nicht „Vor-“ sondern ist mit „Ent-“ besser übersetzt …
    wie in „Desillusionierung“ „Dehydrierung“ “ Demoralisierung“ und und
    Also bedeutet De-Termination eine Ent-Zeitung … eine Ent-Zeit-Verlaufung …
    Und was bleibt , wenn die ZeitFolge obsolet wird ? … doch wohl der unendliche ZeitPUNKT .
    Also gibt Determination keinen Hinweis auf eine Fremdbestimmung oder aus einer VorZeit-Bestimmung … sondern , genau genommen gar keine Bestimmung , schon gar nicht aus Vergangenheit …
    sondern womöglich das was ich ( etwas weitschweifig ) die > Ausführung der Unbegrenzten Intelligenz des Kontext des Jetzt nenne .
    Also , alles was „handelnd sich ereignet“ ist immer aus dem Gesamt (!) – Kontext von allem >< zu allem gefüttert / bedingt / begründet . Nix füttert/bedingt/begründet da nicht . Also eine echte "BreitbandBestimmung" . weder vor- noch nach- sondern stets aus allem und jetzt .
    Das meint für mich "Determination" …
    ( und ich denke auch so ähnlich meinte es Herr Ramesh , oder auch ganz anders 😉 )

    Gefällt 2 Personen

  4. ananda75 schreibt:

    Da stimm ich dem Karl mal voll und ganz zu 🙂

    Grad „praktischen Leben“ – das wir ja alle immer noch leben und in dem sich zeigt, was uns unsere schönen Worte und Gedanken wirklich bringen – ist die beste Lösung immer sich ergeben
    Surrender to life
    Einfach machen
    Das Einfachste – oft negativ besetzt 😆
    Die macht sich das wieder einfach 😆
    … dabei könnte es doch so schön kompliziert sein… und dann haben wir auch nix mehr zu kämpfen – was machen wir denn dann ?

    Alles Liebe ❤

    Gefällt 2 Personen

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