Günter Wohlfart: Die ganze Hos ist vollgeschurzt!

 

das Bild ist so lang bzw. hoch,
dass ich den Günter
einfach zersägen musste

Heute gibt’s mal wieder einen Festtagsessen für mich – und ich hoffe auch für euch. Der eine oder andere wird ihn wohl schon kennen, Fredoo jedenfalls ziemlich sicher über seine Zhuangzi-Seite. Ich behaupte mal ganz kühn, wer den Günter Wohlfart nicht mag, der wird sich vermutlich auch auf meinem Blog nicht wohlfühlen und ich frage mich gerade, was der dann hier überhaupt noch verloren hätte. So, nun lass ich mal lieber den „Nicht-Ruhm-Streber“ zu Wort kommen, bevor ich wieder ins Sabbeln komme:

Jetzt aber zur Philosophie, und die ist sehr ernst, vor allem die deutsche. Bissiger, witziger, spritziger Esprit ist der penée allemande unserer Geistesriesen schon immer fremd gewesen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ernst ist der Vorname der Eule der deutschen Schulphilosophie, die nach Hegel ihr Grau-in-Grau malt, wenn eine Gestalt des Lebens alt geworden ist. Ich bin zwar ein alter Kauz und mein Geschreibsel ist kaustisch, ätzend, lästerlich, aber kunterbunt, wie es einem alten Wilden zusteht: eine satirische Schüssel mit allerlei bunten, zum Teil auch verdorbenen Früchtchen. Nur mein Humor ist schwarz. Wie ich sehe, macht rosiger oder goldiger Humor für mich keinen Sinn. Ich bin ein altkluger Hund, kynisch. Heißt das etwa ‚zynisch‘? Aber nicht doch, da ist ein großer Unterschied. ‚Zynisch‘ schreibt sich mit ‚Z‘.

Noch ein Wort zu dem immer wieder mal gegen mich erhobenen Vorwurf des Pessimismus und zu meinem nickname ‚Professor doom and gloom‘. Ich bin zwar kein ‚Flöte spielender Pessimist‘ wie Schopenhauer, aber sicher auch kein ‚verbitterter und verwitterter‘. Vielleicht ein ironischer, ‚zartbitterer‘ Pessimist? Na ja… Der Schalk, der mir im Nacken sitzt, ist jedenfalls kein larmoyanter, sondern ein lachender.

Also ganz im Ernst: Der ironische Weg ist allein noch offen. Ich rede vom Denk-Weg und vom Schreib-Weg. Da gehen nicht viele mit. Umso besser. „Allein gehen Weg“, hat mein alter Zen-Freund Arifuku gesagt. Also: Arifuku zurücklassen und:

Auf geht’s!

aus: Günter Wohlfart,“BILDER – Ungereimte poetische Kleinigkeiten“

Günter und Barbara

Was gibt’s dazu zu sagen? Ich muss ja nicht zu allem meinen Senf abgeben. Ich möchte bloß sagen, dass ich mich ganz diebisch gefreut habe über die Texte, die Günter Wohlfart in seinen Blog gestellt hat.  Unbedingt anschauen! Da könnt ihr mal sehen, wo ein deutscher Philosophieprofessor landet, wenn er sich zu sehr ins Tao verliebt hat. Dies darf durchaus als ernste Warnung an jeden Taoistenanwärter verstanden werden (beinahe hätte ich Terroristenanwärter geschrieben). Also ich könnt ihn knuddeln, den Herrn Professor.

Es gilt, das Übelste zu überwinden: Das Geltungsbedürfnis, gipfelnd in der Ruhmsucht. Schon Zhuangzi, der große Alte, wusste es: Der ‚höchste Mensch‘ (zhi ren) ist nicht hochmögend,  er strebt nicht nach Ruhm, dem ‚köstlichsten Bissen der Eitelkeit‘ (Nietzsche). Also werde ich als folgsamer Zhuangzi-Adept zum Nicht-Ruhm-Streber. Ist das nicht auch rühmlich? Na ja, ein Bisschen vielleicht. Kleiner Streber.

Tja, dem Bisschen kann auch er nicht so gänzlich entkommen, was ihn mir nur noch sympathischer macht. Günter Wohlfart ist u.a. Ziegenhirtengehilfe im Mohair-Ziegenbetrieb seiner Frau Barbara und wartet seinen Garten am liebsten so: „er hockt mit der Blödigkeit des Dichters in der Nachmittagssonne und döst.“ Gut, dass es seine Barbara gibt; was würde wohl sonst noch aus ihm werden?  Aber mein altes Patriarchenherz grinst natürlich genüsslich bei diesem Bild.

Hier noch’n Gedicht von ihm, aus dem deutlich werden kann, wie tief er schon gesunken ist:

Feuchtgebiet

Der flotte Otto holt mich ein
O nein, o nein!
Wo ist ein Klo, ein Klo?!
Bei jedem Tritt,
Ein Pupselchen im Schritt;
Ich bin gebläht, geblääht!
Zu spät, zu spät!
Ich hab gefurzt –
– gefurzt?
Die ganze Hos ist vollgeschurzt!

Also rührt um Gottes willen nicht diesen Zhuangzi an!

 

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