Niedergang

 

Wir leben in einer Welt der Gegensätze:

Wir wissen immer mehr – und immer weniger, damit anzufangen.

Wir wundern uns, was alles schiefgeht und wissen nicht, was wir dagegen tun können.

Wir handeln immer irrationaler und wünschen uns Verlässlichkeit.

Wir wollen uns eigentlich selbstverwirklichen und sehnen uns doch nach Geborgenheit.

Wir loben die Freiheit und sind Gefangene eines komplexen Systems von Abhängigkeiten.

Wir wissen, dass die Welt komplex ist und suchen nach immer einfacheren Lösungen.

Wir halten uns für aufgeklärt und lassen uns unser Denken und unsere Moral von fragwürdigen wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und weltanschaulichen Experten diktieren.

Wir huldigen dem Fortschritt und sind längst im Niedergang begriffen.
Wir suchen Ordnung und wir finden Chaos, schlimmer noch:

Chaos mit System: Die sieben Säulen des Niedergangs (Konrad Kustos)

In meinem gestrigen Beitrag konntet ihr den Namen dieses wundervollen, sehr engagierten Journalisten Konrad Kustos entdecken, der seine Öffentlichkeitsarbeit aufgegeben hat, nachdem ihm vermutlich linke Antifa-Leute mit roter Farbe auf seine Haustür das Wort „NAZI“ schmierten, so wie andere etwa mit dem Wort „MÖRDER“ geehrt werden. Außerdem wurde sein PKW fahruntüchtig gemacht. Gewalt gegen Geist, das hatten wir doch schon und das scheint sich seit Ewigkeiten zu wiederholen. Dass ausgerechnet die, die sich der Methoden der Nationalsozialisten im dritten Reich bedienen, ihren Mitbürgen das Wort „NAZI“ an die Tür schmieren, zeigt, wie geistig minderbemittelt oder perfide sie sind. Werner Ablass hat seinen Facebook-Account gelöscht, weil er, wie er berichtete, Morddrohungen gegen sich und seine Familie erhalten hat. Gegen Hamed Abdel-Samad wurde eine Fatwa ausgesprochen: „Es ist klar, dass Leute wie er den Islam beleidigen und den Tod verdienen“, äußerte sich Scheich Assem Abdel Meguid dazu. Die bekannteste Fatwa stammt vom iranischen Ayatollah Khomeini. Der Schiitenführer verlangte die Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie wegen angeblicher Gotteslästerung.
„Chaos mit System“, es ist nicht mehr zu übersehen und ich bekomme mit, wie sich immer mehr Angst ausbreitet. Auch dies, wie gehabt. Gestern hatte der Dude in seinem Blog diese politisch unkorrekten Bezeichnungen für das Gros der Weltbevölkerung auf Lager: „‚Schlafschafe‘ (aka ‚Sheeples‘), ‚Biozombies‘ (aka Bioroboter) oder auch ‚Enddegenerierte‘ sind noch nicht die heftigsten, erniedrigenden Begriffe, welche zum Gros der heutigen Weltbevölkerung bestens passen.“

Na ja, hin und wieder muss man sich ja Luft machen angesichts dieses allgemeinen Niedergangs des menschlichen Geistes. Der Dude merkte dazu u.a. an: „Tatsachengetreue Begrifflichkeiten sind eminent für eine realistische und adäquate Wahrnehmung der uns umgebenden, desaströsen Wirklichkeit hienieden auf dem drangsalierten Planeten Erde.“ Und: „Vergesst nicht, dass jeder Makake ein Vielfaches an natürlicher Intelligenz inne hat als der heutige Durchschnittstrottel.“

So und jetzt? Was tun jetzt wir, die wir uns unbedingt für klüger halten als diese „Enddegenerierten“? (Der Ausdruck hat mir am besten gefallen.) Wir Schlaumeier, die wissen, dass das alles nur die große Verarsche Gottes ist? Was tun wir, wenn uns morgen jemand das Wort „NAZI“ an die Tür schmiert oder uns irgendwelche ominösen Scheichs mit dem Tode bedrohen? Was tun wir, die wir unsere Eltern drangsaliert haben, weil sie durch ihr Verhalten das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg ermöglichten? Ich kann ja hier ganz leicht über Gottes Verarsche lachen, aber was tu ich ganz konkret, wenn es mir ans Leder geht?
Ich könnte mich jetzt aufblasen und groß rumtönen: „In mir pulst das Blut meiner keltischen Ahnen. Freiheit oder Tod! Tschakka!“ Aber ich weiß wirklich nicht, was Gottes Verarsche sich da für diesen komischen Nitya ausgeheckt hat. Ich kann nur sagen, ich habe volles Verständnis für jeden, der sich nicht als Don Quijote betätigen will und diesen unseligen Kampf führen will, der nicht zu gewinnen ist. Ich habe volles Verständnis für Konrad Kustos und er hat mein ganzes Mitgefühl und ich kann nur hoffen, dass er von wem auch immer fürderhin in Ruhe gelassen wird.

Sein Buch „Chaos mit System: Die sieben Säulen des Niedergangs“ habe ich mir sofort bestellt. Wer weiß, wie lange solche Bücher noch zu haben sein werden? Heute ist das Buch von Timothy Snyder eingetroffen, das Gerd Mersman kürzlich auf seinem Blog empfohlen hat. Verspricht eine spannende Lektüre zu werden.

Timothy Snyder

 

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12 Antworten zu Niedergang

  1. ananda75 schreibt:

    Zunächst einmal geht es doch um mein ganz persönliches – kleines! – Verhalten in meinem ganz persönlichen, kleinen! Leben, in meinem ganz alltäglichen Alltag und meinen ganz banalen Mitmenschen gegenüber.
    Ich kenn das doch von mir – große Reden schwingen über große Dinge, aber nicht sehn, was direkt vor meiner Nase ist.
    Der wichtigste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenüber steht und der wichtigste Moment ist immer jetzt.
    (Zitat, aber weiß ich mal wieder nicht, wo ich das her hab)
    Klar – ich will immer noch die Welt retten – so ganz in mir drin und wenn ich ehrlich bin 😉
    Aber da fang ich am besten erst mal mit mir an und wenn ich damit halbwegs okay bin, dann kann ich mich vielleicht meinem Nächsten widmen.
    Da kann ich was verändern.
    Im Domino-Effekt – das ist das, woran ich glaube.
    Wenn ich morgens meine halbe Stunde Yoga mach (und mich somit erst mal selbst rette), kann ich im Frieden mit mir und glücklich aus dem Haus gehen.
    Wenn mir dann einer in der Straßenbahn gegenüber sitzt, kann ich den anlächeln.
    Vielleicht geht der dann anders zur Arbeit
    Und vielleicht steckt er da wieder einen an.
    Das ist das, was ich machen kann.
    Man nennt das auch Realität 🙂
    Is wahrscheinlich nicht die einzige Realität, aber die, auf die wir uns hier geeinigt haben, auf unserem Planeten als Familie Mensch.
    Dazu gehören natürlich auch alle Großen, Guten, Bösen etc…. aber ich bin jetzt erst mal hier und von hier kann ich losgehen, einen Schritt nach dem anderenm –
    Jedes lebende Wesen als Teil meiner Familie und somit als gleich-wertig und gleich wichtig betrachtend.
    Am Anfang anfangen und wirklich machen.
    Alles andere sind Seifen-Blasen.

    Einen wunder-schönen Sonntag dir ❤

    • Nitya schreibt:

      Liebe andanda,

      ich glaub, ich hab die Story schon mal erzählt. Wir saßen mit Wolfgang Schmidbauer auf irgendeinem Berg in einer Hütte, um ein Problem zu wälten, das den Wolfgang Schmidbauer gerade umtrieb. Es ging um die Frage: Ist das, waswir als Therapeuten mit unseren Klienten veranstalten nicht reine Selbstbefriedigung?

      „Meine Mutti hat mich nie geliebt?“
      „Was hättest du dir den gewünscht?“
      „Das sie mir einfach mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte!“
      „Wie fühlt sich das an, dass du zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hast?“
      „Da macht nmich ganz traurig.“
      Jetzt fehlt nur noch: Lass es raus oder so.

      Ich glaube, irgendwie hatten wir alle ziemlich die Schnauze voll davon, immer nur um sich selbst und um diese Jammerei zu kreisen, während draußen vor der Tür die Post abging, was wir aber allesamt aus Leibeskräften zu ignorieren versuchten.

      Osho hatte zwar was gegen -isten, wie Punito richtig angemerkt hat, aber er vertrat auch den Standpunkt, dass du den Kriminellen den ganzen Raum überlässt, wenn du ihnen nicht den Weg versperrst. Und Bodhidharma nicht zu vergessen, der die Räuber erschlug, die das Shaolin-Kloster überfallen wollten.

      Noch einen feinen Sonntag!

      • ananda75 schreibt:

        Ich versperre Kriminellen den Weg – und auch ich hol auch immer mal wieder gerne aus in’s Große, ja, klar 😉 … und ich hab mich damals schon geweigert, ein „Oshiist“ zu werden 😆

        Jedoch, was die Therapie angeht… auch die macht Fortschritte…

        „Meine Mutti hat mich nie geliebt?“
        „Was hättest du dir denn gewünscht?“
        „Das sie mir einfach mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte!“
        „Wie hätte sich das angefühlt, wenn du die Aufmerksamkeit bekommen hättest?“
        Die Fünf Ebenen der Wahrnehmung
        Gedanken
        Verhalten
        Innere Bilder
        Gefühle
        Körper-Wahrnehmung
        Anfangen mit den Inneren Bildern, sich Szenen vorstellen, das Gefühl fühlen und im Körper wahrnehmen – kann dazu führen, Gedanken und dadurch Verhalten zu verändern.
        Indem man es jetzt wahr nimmt, kann man es dem Erinnerungs-Schatz hinzufügen.
        Für das Hirn ist es das Gleiche, ob ich etwas sehe oder mir vorstelle.
        Es funktioniert – ob nun „wirklich“ oder der Glaube Berge versetzt – Hauptsache, es funktioniert.

        Alles Liebe ❤

      • Nitya schreibt:

        Ein „richtiger“ Sannyasin ist „KEIN SANNYASIN“. 😉

      • ananda75 schreibt:

        Jawoll 🙂

  2. punitozen schreibt:

    Ach , lieber Nitya ,
    Wer sich vor einem ideologischen Karren spannt, hat seine “ guten Gründe “ in den Dienst der
    “ gerechten Sache “ einzutreten . Es besteht auch kein Widerspruch im Namen von “ Friede , Freude , Eierkuchen “ , ohne zögern und zaudern Gewalt anzuwenden ; gegen jene , die der
    „gerechten Sache “ entgegen treten , diffamieren oder mittels “ konterrevolutionärer Agitation “ ,
    danach trachten , den Zusammenhalt in “ eigenen Reihen “ aufzuweichen .
    Wer sich als “ Feind der guten und gerechten Sache “ erweist , was sie auch immer sein mag , hat damit zu leben , das dieses Leben , über kurz oder lang gefährdet ist – wenn er sich als Feind ,der “ guten und gerechten Sache , outet .

    Mich hat Herr Rajneesh“ Chandra Mohan Jain total versaut . das ich für die Sache aller “ Isten “
    und „Ies “ unbrauchbar geworden bin .

    Was kommt , kommt so oder so .
    Heute ist ein guterTag , und Morgen , schau`n wir mal

  3. Inge schreibt:

    „…dass du ihn vergessen tutest“ *das gefällt mir, endlich was zum lachen!
    In meinem mind ist die Lektion von gestern (Edgar Hofer) noch aktiv.

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