Ramesh Balsekar: Die Bedeutung von Dharma ist Verzicht

 

Diejenigen, die durch das Vernehmen der Dharma Erleuchtung suchen, erlauben es Konzepten, in ihrem Verstand zu erscheinen, statt nach dem intuitiven Wissen zu suchen, indem sie das konzeptuelle Denken eliminieren. Sie können die Buddhaschaft nur nach unendlich langer Zeit erlangen. Der Höchste Weg besteht im plötzlichen Erwachen zu der Tatsache, dass dein eigener Mind der Buddha ist, dass es nichts gibt, was erreicht werden und keine Tat, die ausgeführt werden kann.

Die Schüler des Weges müssen erkennen, dass sich eine Hürde zwischen ihnen und dem Weg aufbauen kann, wenn sie sich auch nur in einen einzigen Gedanken verstricken. Ein Buddha zu sein bedeutet, von Gedanken-Augenblick zu Gedanken-Augenblick nicht zu objektivieren, also keine Aktivität zwischen Gedanken-Augenblick und Gedanken-Augenblick zu stellen. Es ist nicht notwendig, irgendwelche Lehren zu studieren. Du musst nur lernen, nicht zu suchen und dich an nichts zu hängen.

Das, was niemals geboren oder zerstört wird, ist Buddha. MIND ist ungeboren, wenn nichts gesucht wird; MIND ist nicht untergraben, wenn es keinerlei Bindung gibt. Die achtundvierzigtausend Methoden mit den achtundvierzigtausend Formen der Täuschung umzugehen – das sind nur Sprachbilder, um die Menschen an die Pforte zu locken, aber tatsächlich existiert keine Form oder Methode. Die Bedeutung von Dharma ist Verzicht. Das schließt den Dharma selbst mit ein!

aus: Ramesh Balsekar, „Ch’an und Tao im Licht von Advaita“

 

„Die Bedeutung von Dharma ist Verzicht“, sagt Ramesh, und als ich diese kleine Buddhafigur sah, dachte ich, das ist die vollkommene Verkörperung des so schwierigen Begriffs „Verzicht“.  Ich erinnere mich an eine andere Buddhafigur. Buddha als Asket, völlig ausgemergelt. Die meisten Menschen hätten diese Figur vermutlich zur Veranschaulichung des Begriffs „Verzicht“ vorgezogen. Hier sehen wir einen Burschen, dem es offensichtlich so rundum gut geht. Jedenfalls macht er einen äußerst zufrieden Eindruck auf mich. Und ich vermute, dass Ramesh seinen „Verzicht“ in dieser Weise verstanden wissen wollte. Da ist keiner, der etwas weglassen sollte, indem er sich allesmögliche verkneift wie der Asket, sondern jemand, dem jeder Augenblick vollständig in sich genug ist. Vielleicht könnte man auch sagen: Einfach ein grundlegend zufriedener Mensch. Nicht zufrieden, „weil er alles hat, sondern zufrieden ohne jeden Grund.“ Ramesh sagt: „Du musst nur lernen, nicht zu suchen und dich an nichts zu hängen.“ Warum sollte ein zufriedener Mensch etwas suchen oder an etwas hängen? Seine Zufriedenheit hat nichts mit irgendwelchen „Dingen“ zu tun, Dinge, die er nicht hat oder die er hat.

Dann sagt Ramesh: „Ein Buddha zu sein bedeutet, von Gedanken-Augenblick zu Gedanken-Augenblick nicht zu objektivieren, also keine Aktivität zwischen Gedanken-Augenblick und Gedanken-Augenblick zu stellen.“ Was meint Ramesh wohl damit? „Objektivieren“ bedeutet ja, sich von etwas zu trennen. Seher, Gesehenes und Sehen sind nicht eins, sondern, obwohl sie eins sind, sind aufgrund von Konzepten aufgespalten in „Subjekt“ – „sieht“ – „Objekt“. Und hier schließt sich wieder der Kreis zu unserer zufriedenen Buddhafigur. Der wirklich Zufriedene ist zufrieden in seiner Ungetrenntheit. Trennung erzeugt das Gefühl des Mangels und der Gier, den Mangel zu beseitigen und des Hasses, wenn dies nicht gelingt. So und nun versuch mal, jemandem zu verklickern, dass nicht er als Subjekt es ist, der ein Objekt sieht, und du verstehst, wie hoffnungslos es ist, davon zu träumen, dass eines Tages etwa die Amis den Indianern oder die Briten den Aborigines wieder ihr Land zurückgeben, das sie ihnen geraubt haben. Nondualismus vs. Dualismus, darum tobt kein harmloser Philosophenstreit, sondern das bedeutet zumindest für die Dualistenfraktion einen immerwährender Krieg und letztendlich einen kollektiven Selbstmord.

 

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28 Antworten zu Ramesh Balsekar: Die Bedeutung von Dharma ist Verzicht

  1. Hagen Unterwegs schreibt:

    „Es ist nicht notwendig, irgendwelche Lehren zu studieren.“

    Ist das nicht auch schon eine Lehre?

    Und musstest Du nicht Lehren studieren, um auf die Lehre, dass es nicht notwendig ist, eine Lehren zu studieren, zu stoßen?

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Hagen,

      da hast du recht.

      Und genau das ist das Elend, dass es dir mit deiner Feststellung darum geht, den offenkundigen „Fehler“ in der Aussage von Ramesh zu enthüllen, anstatt dich für die darin enhaltene Botschaft zu öffnen. Antoine de Saint-Exupéry sagte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Du hast anscheind nur mit dem Kopf zu verstehen versucht. Damit ist dir wohl das Wesentliche entgangen.

      Aber wie gesagt: Du hast zweifellos recht.

      Herzlichst
      Nitya

      Gefällt 2 Personen

      • fredoo schreibt:

        Es sei hinzugefügt … nix ist falsch an Lehren und daraus folgender Praxis …
        Absolut gar nix …
        Es ist lediglich festzustellen , dass die , die Lehren folgen , zumeist eine Erwartung daran in die Zukunft festzurren .
        Da wird nicht meditiert um der Meditation willen , sondern da wird „etwas“ erwartet als Resultat , als Gewinn , als Ziel .
        Das ist die Crux …
        Nicht die Lehre selbst , auch nicht die daraus folgende Praxis … erst die Erwartung auf Profit daraus lässt das Festzurren entstehen.
        Es sollte also nicht gesagt werden , lass die Lehre fallen , sondern die Erwartung …
        Doch wie es mit allen „imperativen“ Anweisungen und Konjunktiven so ist … müssig ist es mit ihnen und ebenso müssig es ohne sie zu „machen“ …

        Mir war es hilfreich , diese die Suche ja häufig begleitenden Anweisungen/Lehren/Praktiken nicht so sehr als Notwendigkeiten zu sehen , sondern mehr oder weniger als netten Zeitvertreib in einer Zeit der ja schon zu bemerkenden beginnenden automatischen inneren Abschüttelung der „devine hypnosis“ …
        Ramesh Balsekar , einst nach dem Nutzen von Meditation befragt : „warum denn nicht , wenn du gerade nichts wichtigeres zu tun hast .“

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      • Nitya schreibt:

        Sach ma, ganz ehrlich, werter Herr Fredoo: Hast du schon mal meditiert um der Meditation willen? Das, was man Meditation nennt, passiert, wenn sie passiert. Schon die Absicht zu meditieren, macht die schönste Meditation kaputt. 🙂

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      • ananda75 schreibt:

        Meditation um der Meditation willen…
        Schätze, dieser Satz hat auch für jeden eine andere Bedeutung…
        Ich habe manchmal einfach das Bedürfnis, mich hinzusetzen und zu meditieren
        Auch wenn ich zu Fuß unterwegs bin, da sogar sehr oft, kommt einfach der Gedanke auf, lieber in walking meditation weiter zu gehen
        Fällt das nu unter Meditation um der Meditation willen oder passiert es einfach?
        Ich seh keinen wirklichen Unterschied
        Absicht zu meditieren
        oder
        Absicht, mit der Meditation etwas zu erreichen
        Da seh ich eher einen Unterschied

        Gefällt 2 Personen

      • Nitya schreibt:

        „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich, und wenn ich esse, dann esse ich.“

        Muss man das irgendwie benennen?

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      • Hagen Unterwegs schreibt:

        Und damit stehen wir, lieber Nitya, an dem, was seit jeher meinen Scheideweg darstellt. Verstand vs. Intution; Sein vs. Machen.

        „Verstand“ und „Machen“ kann ich recht gut. Allerdings durfte ich lernen, dass sich auch meine beiden ganz persönlichen Dämonen – „Zwang“ und „Kontrollieren-Müssen“ in meinem Verstand recht häuslich eingerichtet haben. Und je mehr ich mache, desto unentdeckter bleiben beide.

        „Intuition“ und „Sein“ hingegen sind „meine Baustellen“. Ich habe bemerkt, dass die Natur, Stille und das Ritual Hilfen sein können, um mit dem „Sein“ in Berührung zu kommen.

        Ich habe aber auch gelernt – oder besser: lernen müssen – dass ich mit dem „Sein“ nicht in Berührung komme, wenn ich etwas dafür tue, um es zu erreichen. Von dem Monent an, an dem ich „sein“ will, „bin“ ich nicht mehr. Es bleibt zumeist unbefriedigend und enttäuschend.

        Die Momente, wo ich mit dem Bewusstsein, das ich mit „Sein“ beschreibe in Berührung kam, waren immer Momente, in denen ich es nicht erwartet hatte. Das waren Augenblicke tiefsten Sich-Verbunden-Fühlens. Aber halt nur mal längere, mal kürzere Momente; aber kein dauerhaftes Bewusstsein…

        (Obwohl, während ich dies schreibe, wird mir bewusst, dass dies nicht ganz so ist. Denn diese Momente haben tief in mir verankert, dass das Universum, Gott, das Leben oder wie auch immer ich es bezeichnen mag, mir grundsätzlich wohlgesonnen ist. Darüber hjnazs lehrten diese Momente mich: Tief in mir befindet sich ein Ort, der einfach nur „ist“ und in sich ruht. Das große „Aber“: Ich muss wieder etwas „tun“, um zu diesem Ort zu gelangen. )

        Seither befinde ich mich im Dilemma: Klar, ich musste mir Wissen aneignen, um überhaupt zu wissen, dass es soetwas wie „Sein“ überhaupt gibt. Ich musste mir Techniken aneignen, um aus meiner täglichen Matrix ausbrechen zu können. Und ich musste mir eine Praxis aneignen, um überhaupt zu erkennen, dass ich die beiden Dämonen „Zwang“ und „Kontrollieren müssen“ in meiner Schaltzentrale zu sitzen habe. Und doch weiß ich, dass das alles nicht notwendig ist, wenn es um das „Sein“ geht.

        Und in dieselbe Wunde legst Du, lieber Nitya, den Finger mit jedem Satz, den Du schreibst. Auf einer seltsam intuitiven Ebene kann ich zutiefst nachvollziehen und bejahen, was Du schreibst. Aber mein Verstand ärgert sich daran!

        Gab es in Deinem Leben keine Phase, in der Du Dir nicht „Wissen und spirituelle Technik“ angeeignet hast? Eine Phase, in der Du das „Sein“ zu einem Objekt gemacht hast, dem es nachzustreben galt? Eine Phase, in der Du „Lehre“ sondiert hast? Schließlich schreibst Du aus der Sicht eines spirituellen Menschens und nicht aus der Sicht eines Kapitalisten, eines Nationalsozialisten oder eines Versicherungsvertreters.

        Wann und wie kam der eine Punkt, an dem Du realisiertest, dass es auf Wissen und spirituelle Technik nicht ankommt? Freilich, ohne die erworbene Lehre aufzugeben. Denn das, was Du verbreitest, ist ja trotz alledem nich immer eine Lehre – eine sehr klare sogar.

        Meine Gedanken verknoten sich…

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Hagen,

        einen wunderschönen Morgen! Ich hab mich sehr über deinen Kommentar gefreut. Ich hoffe, es verletzt dich nicht, wenn ich sage, dass ich auch grinsen musste, nicht über dich, aber über diese typisch deutsche Schwere eines Angehörigen des Volkes der Dichter und Denker. Hagen am Scheideweg, das hat doch was! Hagen und seine ganz persönlichen Dämonen!

        Ganz kurz vorweg: Wie wär’s denn – nicht mit Gemütlichkeit, das auch, nein – wie wär’s denn mit einem „Sowohl als Auch“ statt mit diesem „Entweder-Oder-Scheideweg“? Statt „Verstand vs. Intution, Sein vs. Machen“ also „Verstand und Intution, Sein und Machen“.

        Aber jetzt geh ich erst mal zum Frühstücken. Danach geht’s weiter.

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    • Nitya schreibt:

      Ich hab meine Nach-Frühstücks-Antwort ganz unten reingesetzt.
      Hier wurde mir die Kommentarschlange zu lang.

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  2. ananda75 schreibt:

    Ich hatte mal einen Freund, der lebt inzwischen leider nicht mehr…
    Dem hatte Osho den Namen „Dharma“ verpasst
    Den trug er auch viele Jahre lang, bis er irgendwann sagte „Schluss jetzt mit Dharma, es reicht“
    und hat sich selbst umgetauft in „Joy“ 😆

    Joy-Dharma – never born, never died 😉 … fällt mir da grad so zu ein 😉
    Irgendwann war er einfach da – und wie er da war 😆 und er wird bleiben in meinem Herzen

    Alles Liebe ❤

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  3. Alexandra schreibt:

    „Trennung erzeugt das Gefühl des Mangels und der Gier, den Mangel zu beseitigen und des Hasses, wenn dies nicht gelingt.“ Ja, sagt mein Inneres und dann kommt der verstand wieder mit seinem „aber…“ “ ignoriere oder beobachte den Verstand“, sagte neulich Samarpanin irgendeinem video.. der Verstand scheint sich bei mir immer wieder sehr aufzudrängen und dann zieht es mich zu all den verwirrenden und schrecklichen Nachrichten über das was in der Welt passiert… aber auch in die Stille, in den urgrund… und dann kommt ab und zu das Gefühl, das ist alles nur ein Traum. Faszinierend dann das ,was gerade das Leben zeigt… aber wenn ich die Nachrichten so höre, finde ich den Traum nicht lustig. So als Vergnügen gottes kann ich das nicht sehen. Aber vielleicht ist das alles ja gar nicht wahr? Nur das was jetzt hier vor meinen Augen ist, mit den Sinnen wahrgenommen werden kann… und auch das ist ja nicht real… aber, aber… ok, ich lass es und schau dann mal einfach …

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Alexandra,

      du darfst den Begriff „Vergnügen“ nicht unbedingt mit dem Wahren, Guten und Schönen in Verbindung bringen. Guck mal, was das für ein Vergnügen ist:

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      • Alexandra schreibt:

        Du meinst, am Ende kann ich über das Lachen, was ich vielleicht vormals als grauenhaft empfunden habe? Ich fürchte fast, es wird krieg geben. Evtl. Den 3. Weltkrieg. Donald Trump ist ein vollidiot, der tatsächlich Clinton noch übertrifft. Aber vielleicht sieht mein „Vergnügen“ darin aus, dass ich mich überhaupt mit dem ganzen Kram beschäftige. Im moment habe ich Angst. Aber vorhin habe ich im Park im Weimar die wunderbaren blütenteppiche bestaunt.

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      • Nitya schreibt:

        Es ging mir nicht um das, was deine Person als Vergnügen empfindet.

        Du bist ein einziger Witz. Ich auch, keine Sorge.

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  4. fredoo schreibt:

    nun ja … meditation um der meditation willen , meinte ich ja in dem sinne ,
    dass einem plötzlich diese meditation „zugemutet“ wird … 😉

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  5. Eno Silla schreibt:

    In dieser kleinen, zerbrechlichen Nussschale Körper
    Treibe ich auf tosender Lebenssee.
    Hin und her geworfen von Wellenberg zu Wellental.
    Von Aufregung zur Ruhe.
    Von hektischem Treiben,
    Um meine Habseligkeiten zu bewahren,
    Bis zu entspanntem, angstfreiem Dahintreiben,
    In der stillen Flaute des Seins.
    Das alles kann ich sehen.
    Ausgesetzt dem Auf und Ab.
    Kann es fühlen, bin es.
    Nicht kontrollieren.
    Nur sein.
    Einverstanden sein.
    Und noch nicht einmal das,
    kann ich machen,
    In diesem unbegreiflichen, ewigen
    Jetzt.

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  6. punitozen schreibt:

    Das Wesen des Geistes, recht verstanden,
    Lässt sich durch Menschenwort nicht greifen noch vermitteln.
    Erleuchtung lässt sich nicht erlangen,
    Und der sie findet, sagt nicht, dass er weiß.
    ( Bodhidharma )

    Gefällt 4 Personen

  7. Nitya schreibt:

    Lieber Hagen, hier geht’s also weiter:

    Du schreibst: „‚Verstand‘ und ‚Machen‘ kann ich recht gut. Allerdings durfte ich lernen, dass sich auch meine beiden ganz persönlichen Dämonen – ‚Zwang‘ und ‚Kontrollieren-Müssen‘ in meinem Verstand recht häuslich eingerichtet haben. Und je mehr ich mache, desto unentdeckter bleiben beide.“ Was mit auffällt, ist die Wertung, „Verstand“ und „Machen“ scheinen in Ordnung zu sein, „Zwang“ und „Kontrollieren-Müssen“ sind es nicht. Klingt wie die „Achse des Bösen“ von George W. Bush, die um jeden Preis bekämpft werden muss. Dann kommst du zu deinen „Baustellen“: „Intuition“ und „Sein“. Davon hättest du gerne mehr, bist also mit dem gegenwärtigen Zustand nicht zufrieden und suchst nach Mittel und Wegen, mehr davon zu bekommen. „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.“ Niemand muss erlöst werden. Es ist immer schon alles vollkommen: Der Verstand, das Machen, der Zwang, das Kontrollieren-Müssen, die schwer zugängliche Intuition und das Sein, das sich dir angeblich ständig entzieht. Ich hab was zum Lachen für dich: Das alles IST Sein, nicht deine Vorstellung vom Sein, sondern das Sein höchst selbst. Es gibt kein anderes oder ein besseres Sein.

    Jetzt zu deiner ganz persönlichen Frage an mich: “ Gab es in Deinem Leben keine Phase, in der Du Dir nicht „Wissen und spirituelle Technik“ angeeignet hast? Eine Phase, in der Du das „Sein“ zu einem Objekt gemacht hast, dem es nachzustreben galt? Eine Phase, in der Du „Lehre“ sondiert hast? Schließlich schreibst Du aus der Sicht eines spirituellen Menschens und nicht aus der Sicht eines Kapitalisten, eines Nationalsozialisten oder eines Versicherungsvertreters. Wann und wie kam der eine Punkt, an dem Du realisiertest, dass es auf Wissen und spirituelle Technik nicht ankommt? Freilich, ohne die erworbene Lehre aufzugeben. Denn das, was Du verbreitest, ist ja trotz alledem nich immer eine Lehre – eine sehr klare sogar.“

    Also vorweg: Um eine Lehre verbreiten zu können, müsste ich erst mal eine haben. Ich habe aber keine. Ich erzähl einfach davon, wie mir etwas gerade erscheint. Das muss nicht für dich oder irgendeinen anderen stimmen, das muss nicht einmal für mich im nächsten Augenblick stimmen. Ich komm selbst aus dem Staunen nicht heraus. Oder wie Rumi es (ebenfalls staunend) sagt: „Wer spricht denn da mit meinem Munde?“

    Klar habe ich mir auch „Wissen und Technik“ angeeignet. Fällt mir gerade ein: ich habe z.B. mal eine „School of Huna“ gegründet, habe das ein paar Wochen mit einer Gruppe gemacht. Alle waren sehr zufrieden und wollten weiter machen … aber ich stellte fest: Ja, ist alles ganz nett, aber nicht meins und ich beendete die Geschichte wieder. So ging es mir mit allem Wissen und allen Techniken. Bis am Schluss nur noch eines übrig blieb: Die Blume in Buddhas Hand, die dieser wortlos Kashyapa reichte. Ist das eine Lehre? Nein, das ist das Fehlen jeglicher Lehre und jeglicher Technik. Bei mir war es ja keine Blume, sondern die schlichte Frage eines schlichten Menschen: „Spüren Sie’s?“ In diesem Augenblick war alles vollständig klar. Keine Worte, nur Bewusstsein. Klar hab ich auch danach noch tausend und eine Geschichte erforscht und ausprobiert. Irgendwie musste ich halt bis zu meinem seligen Ende noch ein bisschen „rumgschafteln“.

    Der Knackpunkt, lieber Hagen, scheint mir in dem zu liegen, was Buddha mal gesagt hat: „Handeln geschieht, doch gibt es keinen Handelnden.“ Du, lieber Hagen, kannst unmöglich der Handelnde sein (und bist es doch).

    Herzlichst
    Nitya

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    • ananda75 schreibt:

      Ihr Lieben,

      Ich les das gerne mit und dachte grad noch mal so an die „Vorne-Sitzer“
      Du, lieber Nitya, würdest dich wahrscheinlich nicht so bezeichnen – du bist eher ein Mitten-drin-Sitzer 🙂
      aber ich find, darin bist du schon echt ganz gut 🙂

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  8. fredoo schreibt:

    Es ist häufig so , dass sich ein ErwartungsDruck beim Sucher aufbaut , da er etwas „Anderes“ für sich erwartet … dass da sein künftiges (ER)leben bewusstER , feinstofflichER , intensivER , wahrER , klarER sein wird …
    Nun ja … da muss ich ihn enttäuschen.
    Nix is annerster ( wie mäh in Kassel sprechen tun ) …
    Und doch … ist all dies , auch – so – spürbar …
    Jedoch nicht > anstatt – sondern (fein) >zusätzlich …

    Und , das ist der besondere Witz , genau diese Erwartung eines „Anders für mich“ ist es , was letztlich vom „Bemerken“ abhällt …
    Denn dieses „zu bemerkende“ ist keinesfalls ein ExclusivEreignis einer „Erleuchtung“ , es durchdringt bereits jetzt unser aller Erleben , lugt manchmal ( in Schock,Orgasmus,DejaVue, u.ä.) kurz hervor , nur so unspektakulär und „simpel“ , da halt in Eigenqualität völlig „leer“ , und wir haben durch die erworbene Faszination für „die Show“ halt den Zugang zu „leer“ , den wir alle als Babys noch hatten , verloren , so dass diese kurzen „Einblicke“ zumeist un-bemerkt vorüberziehen und höchstens eine kurze Irritation auslösen …
    Doch „vorhanden“ , und allein wirkend , ist diese „Leere“ seit Anbeginn der Zeiten , auch in unserem Leben …

    Diese Vorstellung eines dann „anderen“ Erlebens ist der Knackpunkt in Vorstellung der Sucher …
    Und erzeugt erst Vorstellungen von notwendiger Lehre und Praxis …
    Damit stelle ich diese L+P nicht in Frage , sondern die Vorstellung von ihrer Notwendigkeit …
    Das Erleben erlebt wie es erlebt , wie es erlebt hat , wie es (vorraussichtlich) erleben wird …
    Und L+P kann natürlich auch Form des Erlebens sein , doch wird eine Form immer die innere Essenz verdecken , und nicht ( wie von L+P erhofft ) diese offenbaren. Form bleibt Form bleibt Form .
    Jedoch wenn da einmal dann doch diese „Bodenlosigkeit“ jeder Erscheinung im Erleben ( angedeutet z.B. in „der Blume des Buddha“ ) erstmal in völliger Klarheit (=AHA) bemerkt wurde ( hier ist nicht die intellektuelle Erfassung gemeint , sondern die unerwartete , unveranlasste , quasi total absorbierende „Verschluckung“ im MOMENT ) , dann verbleibt danach besagtes Erleben weiterhin auch besagtes Erleben , es ist jedoch zusätzlich (!) eine WahrnehmungsQualität aufgetaucht , eine alles Erleben „durchdringende“ Gewissheit um die „innere Essenz“ der jeweiligen erscheinenden ErlebensForm , nämlich ihre „Bodenlosigkeit“ ! .
    Die ollen Advaitiker benutzen da das Bild der Perlenkette .
    Die Perlenreihe , Perle an Perle an Perle , steht für die Erlebnis-Erscheinungen in Raum und Zeit .
    Diese stehen so nah aneinander , folgen dicht auf dicht , dass die innere Schnur nicht bemerkt wird.
    Diese Perlenkette ist jedoch nur möglich , und wird gehalten , durch die unsichtbare Perlseidenschnur .
    Beides zusammen ( und nicht eines davon als „richtiger oder besser“ ) macht die Perlenkette aus.
    Und „um beides gewiss wissend“ ist das , was die Ollen „Jnani“ nennen , und was , recht hochtrabend wie ich finde , „erwacht“ genannt wird .
    Damit wird weiterhin dem Erleben die Aufmerksamkeit gewidmet , die erforderlich ist , um Leben mit einem Organismus stattfinden zu lassen … und gleichzeitig (!) ist zusätzlich (!) ein unvergessbares / unverdrängbares / unvermeidbares „Wissen um“ die (nur) ErscheinungsQualität dieses ErLebens vorhanden …

    ( und das beruhigt schon ziemlich das oft „unruhige Herz“ … 😉 )

    Gefällt 1 Person

    • ananda75 schreibt:

      Hallo Freedo,

      Da kan ich ma Wasser drauf kippen, auf die Mühle 🙂

      Seit kurzem is sich meine Wahrnehmung mal wieder am ändern (wie wir das hier so sagen im Ruhrpott 😉
      Kam ganz plötzlich und ist sehr deutlich – ich trau mich zur Zeit gar nicht richtig hinzugucken, denn ich seh manchmal plötzlich ALLES – Reiz-Überflutung bei Standbild – da müsste ich eigentlich jeden Augen-Blick anhalten und mir erssma alles in Ruhe angucken…. das ist ein bisschen seltsam und mir schwant, das hat was zu tun mit der ungemeinen Diskrepanz an Menge von Informationen, die wir sekündlcih aufnehmen und Menge derer, die wir verarbeiten – wobei der überwiegende Teil einfach irgendwo unter den Tisch fällt mangels Kapazität… aber wie auch immer:
      Ich könnte nicht sagen, dass ich mich in letzter Zeit besonders viel mit Lehre oder Praxis beschäftigt hätte – eher im Gegenteil – seit ein paar Wochen geh ich wieder arbeiten, weniger Zeit zum meditieren und so und überhaupt bin ich da viel gelassener geworden 😉
      Es kommte einfach so 🙂

      Lieben Gruß ❤

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  9. Inge schreibt:

    „Das alles IST Sein, nicht deine Vorstellung vom Sein, sondern das Sein höchst selbst. Es gibt kein anderes oder ein besseres Sein“. Dass ich diesen Satz heute abend noch hören/lesen durfte habe ich dir zu verdanken, lieber Hagen Unterwegs!

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