Osho: der kleine und der große Geist

 


Das starke Licht des Geistes
Verbrennt mit einem Blitz
Den Schleier der Unwissenheit.

Tilopa

Die Buddhisten benutzen das Wort „Geist“ in zweierlei Sinn. Um es zu veranschaulichen: Geist mit einem kleinen „g“ und Geist mit einem großen „G“. Wenn sie vom Geist mit einem großen „G“ sprechen, meinen sie den Seher, das Bewusstsein. Wenn sie vom Geist mit einem kleinen „g“ sprechen, meinen sie das, was beobachtet wird. Und beides ist Geist – und darum benutzen sie für beides das gleiche Wort – nur mit dem bewussten kleinen Unterschied. Als Geist mit großem „G“ bist du der Zeuge, der Zuschauer, der Seher, mit kleinem „g“ dagegen das, was der Seher sieht: Gedanken, Gefühle, Wut, Gier, allesmögliche. Warum dasselbe Wort benutzen, warum Verwirrung stiften? Aus einem ganz bestimmten Grund: Wenn der Geist mit dem großen „G“ auftritt, verschluckt er ganz einfach den Geist mit dem kleinen „g“. So, wie die Flüsse im Meer aufgehen, wird die kleine Energie von der größeren absorbiert. …

Wenn du dich an den kleinen Geist klammerst, an dein Denken und deine Gefühle, bleibst du blind für alles, was jenseits dieses kleinen Geistes liegt – für den großen Geist – denn wie sollte das möglich sein? Wenn du dich festklammerst, klebt dein Bewusstsein an dem, woran du dich klammerst. Wie kannst du das Subjekt erkennen, wenn du dich an das Objekt klammerst?

aus: Osho, „Tantra, die höchste Einsicht“

Wikipedia weiß zum indianischen Manitu: „Sinngemäß bedeutet Manitu das Allumfassende Geheimnis bzw. die Große Kraft, die in allen Wesen, Dingen, Tätigkeiten und Erscheinungen enthalten ist. Wenn eine Wolke oder ein Gebrauchsgegenstand als Manitu bezeichnet wird, so deshalb, weil der Geist (vorübergehend) diese Form angenommen hat oder in ihr wohnt.“ Als dann die Weißen kamen, kamen die mit ihrem persönlichen Gottvater und damit mit ihrer Trennung zwischen Gott und der Welt. Was dann passierte, könnt ihr heute schön am Befinden der indigenen Bevölkerung sehen.

Nicht zu vergessen: Die Weißen, das sind wir, d.h., die Hautfarbe ist natürlich schnurzegal. Und wenn der Terror in unser Land kommt, dann können wir uns ganz wundervoll in unserem Spiegel erkennen. Wir waren kein bisschen besser, als wir über die Indianer herfielen und all die anderen. Es ist das dualistische Bewusstsein, um das es geht. Osho sagt: „Wenn du dich [an den kleinen Geist] festklammerst, klebt dein Bewusstsein an dem, woran du dich klammerst. Wie kannst du das Subjekt erkennen, wenn du dich an das Objekt klammerst?“ Die Dualisten, die „Kleingeister“, die blind geworden sind für das, was sie in Wirklichkeit sind, blind dafür, dass alles die Wirklichkeit ist, kleben an ihren bescheuerten Vorstellungen und tanzen um sie herum, als wären sie Gott.

Aldous Huxley hat in „Schöne neue Welt“ den „Wilden“ in der schönen neuen Welt dargestellt. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, hier gibt es ein PDF auf Dragão Nordestinos Blog dazu. Heute gibt’s „den Wilden“ fast nur noch in Büchern. Mit all den Tieren und Pflanzen sterben sie munter vor sich hin, bis sich auch die Deppen der Welt gegenseitig ausgerottet haben werden.

Spiritualität hat nichts mit Religion zu tun. Das ist auch so eine Verniedlichung. Wir haben Cowboy und Indianer gespielt, wir hätten auch Briten und Aborigines spielen können oder Römer und Kelten oder oder … Alles, worum es geht, ist der Kampf der Dualisten gegen … ja was denn … letztlich gegen sich selbst. Ein unglaublicher Selbsthass ist die giftige Frucht des Dualismus.

Die einzige Hoffnung zeigt Tilopa auf: „Das starke Licht des Geistes verbrennt mit einem Blitz den Schleier der Unwissenheit.“ Jetzt warte bloß nicht auf den Blitz! Komm endlich in die Puschen!

 

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8 Antworten zu Osho: der kleine und der große Geist

    • Eno Silla schreibt:

      Der Postillon meint dazu:

      http://www.der-postillon.com/2017/04/giftgas-syrien.html

      Idlib (dpo) – Das massenhafte Ermorden von Menschen ist offenbar immer dann nicht mehr in Ordnung, sobald dies durch den Einsatz von Giftgas geschieht. Das geht aus den internationalen Reaktionen auf einen verheerenden Giftgaseinsatz in der syrischen Provinz Idlib hervor, bei dem mindestens 58 Menschen ums Leben kamen.
      „GIFTGASANGRIFF!!!“ titelten etwa mehrere Medien hysterisch und zeigten Bilder von sterbenden Menschen und toten Kindern, was an sich gerechtfertigt wäre, wenn dieselben Medien sonst nicht vergleichsweise unaufgeregt und oft nur am Rande über die täglichen Opfer des seit 2011 tobenden Krieges mit über 400.000 Toten und Millionen Flüchtlingen berichten würden.
      Allenfalls wenn von einer von ihnen nicht bevorzugten Kriegspartei Schulen oder Krankenhäuser bombardiert werden, ruft das massenhafte Morden gelegentlich auch ohne Giftgas ähnlich heftige Reaktionen in den Medien hervor.
      Auch zahlreiche Politiker aus den über 20 Ländern, die derzeit am Syrienkrieg beteiligt sind, zeigten sich empört. Sie bezeichneten den Giftgasangriff als schlimmes Kriegsverbrechen.
      Kein Wunder, dass alle Beteiligten prompt versuchten, den Angriff politisch zu instrumentalisieren oder – falls sie selbst unter Verdacht stehen – der jeweils anderen Fraktion zuzuschieben.
      Anschließend gingen sämtliche Kriegsparteien wieder dazu über, Menschen ganz regulär und gesellschaftlich akzeptiert durch Bomben, Raketen, Gewehrfeuer, Fassbomben, Drohnenangriffe oder – noch eleganter – indirekt durch Waffenlieferungen und Aufklärungsflüge umzubringen.

      • fredoo schreibt:

        zu Eno …nennt man derartiges nicht bigott ?

      • Eno Silla schreibt:

        Ja, scheinheilig, zynisch und pervers: mensch eben!

      • punitozen schreibt:

        Dulce et Decorum est

        Zweifach gebeugt wie alte Bettler unter ihrem Sack,
        X-beinig, hustend wie alte Weiber, fluchten wir uns durch Schlamm,
        Bis wir den herumgeisternden Leuchtkugeln den Rücken zuwandten
        Und unserer fernen Ruhe entgegentrotteten.
        Männer marschierten im Schlaf. Viele hatten ihre Stiefel verloren
        Aber hinkten auf blutigen Sohlen weiter. Alle wurden lahm, alle blind,
        Trunken von Erschöpfung, taub selbst für das Heulen
        Der fehlgegangenen Granaten, die hinter uns einschlugen.

        Gas! GAS! Schnell, Jungs! – eine ekstatische Fummelei,
        Um die plumpen Helme rechtzeitig aufzusetzen.
        Aber jemand schrie da noch und taumelte
        Und zappelte wie ein von Feuer oder Ätzkalk Verbrannter.
        Undeutlich, durch die beschlagene Scheibe und trübes grünes Licht
        Wie in einem grünen Meer, sah ich ihn ertrinken.

        In all meinen Träumen, vor meinen hilflosen Augen,
        Taucht er auf mich zu, flackernd, würgend, ertrinkend.

        Wenn auch du in erdrückenden Träumen liefest
        Hinter dem Wagen, in den wir ihn warfen,
        Und die verdrehten weißen Augen in seinem Gesicht sähest,
        In seinem hängenden Gesicht, wie das eines Teufels, der der Sünde müde ist,
        Wenn du hören könntest, wie bei jedem Stoß das Blut
        Gurgelnd aus seinen schaumgefüllten Lungen läuft,
        Ekelerregend wie der Krebs, bitter wie das Wiederkäuen
        Von Auswurf, unheilbare Wunden auf unschuldigen Zungen,
        Mein Freund, du erzähltest nicht mit so großer Lust
        Kindern, die nach einem verzweifelten Ruhmesglanz dürsten,
        Die alte Lüge: Dulce et decorum est
        Pro patria mori.

        ( Verfasst , Wilfred Owen ,1917 )

  1. Alexandra schreibt:

    Aber gestern hatten wir doch: „freut euch!“ Also bitte …. die paar tote sind doch woanders. Hahaha wie witzig doch dieses „Bewusstsein“ ist!!! Sorry, aber grad kann ich nicht anders.

  2. fredoo schreibt:

    zu punito …

    die alte lüge … süß und ehrenvoll ist es für das vaterland zu sterben ..
    ( das hat mein missglücktes großes latinum noch hergegeben )

    genau das hat mich konsequent den blauen berliner ausweis anstreben lassen , bereits mit 16 , um genau dieser „süße“ zu entgehen …

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