Osho: Vielleicht geht ihnen diese Welt durch die Lappen …

 

Gewöhnliche Menschen sind hinter weltlichen Zielen her. Natürlich verkrampfen sie sich dabei, aber nicht annähernd so schlimm wie die „religiösen“ Menschen; denn sie sind auf eine andre Welt aus, und die ist sehr weit weg, unsichtbar, und sie wissen nie ganz genau, ob es jene Welt überhaupt gibt. Und damit halsen sie sich eine neue Sorge auf: Vielleicht geht ihnen diese Welt durch die Lappen, und die andere existiert gar nicht! Sie sind immer und ewig verquält, ständig verstört. Hüte dich vor dieser Art von „Religiosität“. Für mich ist ein religiöser Mann gelassen und natürlich. Er macht sich keine Gedanken, weder um diese noch um jene Welt. Er macht sich überhaupt keine Gedanken, er lebt sein Leben und hat seine  Freude daran. Dieser Augenblick ist ihm der einzige: Der nächste Augenblick sorgt schon für sich selber. Wenn der nächste Augenblick kommt, empfängt er ihn mit Freude und Begeisterung. Ein religiöser Mensch ist nicht ziel-orientiert. Das Ziel mag zwar „Gott“ heißen – aber das läuft auf das gleiche hinaus.

aus. Osho, „Tantra – „Die höchste Einsicht“

Ansehen und Reichtum
Der Zen-Welt sind groß,
Rasend ist ihr Niedergang.
Nur falsche Priester gibt es,
Keine wahren Meister.
Man sollte
Eine Bootsstange nehmen
Und Fischer werden.
Auf Seen und Flüssen
Bläst heutzutage
Ein frischer Gegenwind.

Ikkyû Sôjun

Da habt ihr so einen völlig verkrampften „religiösen“ Burschen mit würdevoller Visage und Bischofshut. Der braucht so was auch, weil er sonst nix zu bieten hat, nur des Kaisers neue Kleider. Gewöhnliche Menschen seien nicht annähernd so schlimm wie die „religiösen“ Menschen, sagt Osho, weil sie auf eine andre Welt aus seien, und die ist sehr weit weg, unsichtbar, und sie wüssten nie ganz genau, ob es jene Welt überhaupt gäbe. Auf den Jahrmärkten gab es den billigen Jakob. Heute entsprechen ihm vielleicht ein wenig die 1 Euro-Läden. Aber der billige Jakob war meist einfach Klasse. Was der den Hausfrauen nicht alles aufschwatzte. Spezielle Lockenwickler für die feinen Damen und kleine Metallbroschen zum Befestigen von Umhängetüchern und dergleichen. Für uns Kinder viel interessanter waren natürlich die Maultrommeln und Vogelpfeiferln. Kennt ihr bestimmt alle.
So ein Tand, schmähte damals unser Vater verächtlich, war aber dann doch irgendwie angetan, wenn seine Sprösslinge mit den Vogelpfeiferln ein richtiges Vogelkonzert zustande brachten. Er selbst hätte sich ja nie daran gewagt: „Ich mach mich doch nicht lächerlich!“, meinte er und schritt würdevoll weiter. Aber wir Kinder wussten, was wir hatten. Da hatten wir auf jeden Fall was Besseres als die „Religiösen“, nicht nur unser Pfeiferl, sondern auch unsere Freude, Tand hin oder her. Kein Mensch hätte uns bestimmt religiös genannt, aber wahrscheinlich waren wir viel religiöser als diese doofen „Religiösen“ mit ihrer gruseligen Wichtigtuerei.

„Nur falsche Priester gibt es“, sagt Ikkyû, „keine wahren Meister“. Vielleicht sitzt neben euch in der U-Bahn ein wahrer Meister. Ob ihn überhaupt jemand als einen solchen erkennen würde? Also wenn ihr mal jemanden seht, der ganz gelassen und natürlich einfach nur so rumhängt, der sich keine Gedanken, weder um diese noch um jene Welt zu machen scheint und einfach nur sein Leben lebt und seine Freude daran hat, dann, dann … freut euch auch einfach eures Lebens.

Ikkyû hatte auch die Schnauze voll von den „Religiösen“. Schöne Scheiße, wenn man offiziell selbst ein Religiöser ist. Er träumte davon, eine Bootsstange zu nehmen und Fischer zu werden. Auf Seen und Flüssen bliese heutzutage ein frischer Gegenwind, meinte er.

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17 Antworten zu Osho: Vielleicht geht ihnen diese Welt durch die Lappen …

  1. ananda75 schreibt:

    Gott ist nicht das Ziel… Gott ist einfach … da … oder hier? jetzt könnten wir wieder die Sesam-Straße rausholen 😆 aber Gott hat das schon verstanden – wenn ich hier bin isser auch hier und wenn ich da bin ist er da – ganz einfach 😉

    Einen schönen Tag dir ❤

  2. kopfundgestalt schreibt:

    Fein gesprochen, gut gebrüllt, Löwe 🙂

  3. Alexandra schreibt:

    Für mich ist ein religiöser Mann gelassen und natürlich. Er macht sich keine Gedanken, weder um diese noch um jene Welt. Er macht sich überhaupt keine Gedanken, er lebt sein Leben und hat seine Freude daran.
    Nun ja, klingt nett aus unserer Sicht heraus mit gefüllten Bäuchen, aber das mit der Freude… wie viele können sich diese Gedanken gar nicht leisten, die Leben um zu überleben, vielleicht Klammern sie sich noch an ein bisschen Hoffnung, dass irgendwann mal was besser wird?

    • Nitya schreibt:

      das ist nicht nett

    • ananda75 schreibt:

      Hallo Alexandra,

      Mir scheint, das is genau andersrum…. wie viele von den Wohlstands-Bäuchen sind den heiter und gelassen?
      Guck dich doch mal um – Deutschland z.B., ganz weit oben im Sozial-Niveau und ein ständiges Gemecker und Gejammer überal
      Je reicher je gelassener? ganz sicher nicht.
      Wer viel Geld hat, hat viel Angst, es wieder zu verlieren
      Wer viel Geld hat, vernachlässigt andere Werte
      Wer viel Geld hat meint, er braucht keinen Menschen
      In der Bibel heißt es „Eher geht ein Kamel durch’s Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt“
      Und ich aus meiner Erfahrung kann sagen:
      Ich hatte schon viel Geld, Ich hatte schon wenig Geld.
      Ich hab schon in großen Häusern gewohnt und in kleinen.
      Das war nicht wirklich ausschlaggebend weder für mein Glück noch für den Glauben in Gott, der eben diese heitere Zufriedenheit gibt, die kein Geld in der Welt kaufen kann.

      Lieben Gruß ❤

      • Alexandra schreibt:

        Liebe ananda, das weiß ich auch. Mir geht es aber nicht um graduelle Unterschiede zwischen ein bisschen was haben und viel haben. Das Video ist leider raus, vielleicht erschien es auch nicht, bei mir aber schon. Sag mal jemandem der hungert, wirklich hungert!: Freu dich doch einfach mal am Leben! Das ist Zynismus pur! Ich kann jammern oder mich dessen erfreuen was gerade ist oder es wenigstens akzeptieren. Wenn ich jammere tue ich das auf hohem Niveau. Sag mal den Kindern im zerbombten Syrien, freut euch einfach! Wenn sie großes Glück haben, bekommen sie die heitere Zufriedenheit geschenkt. ( von wem eigentlich?) scheint aber nicht so vielen zu passieren.

      • ananda75 schreibt:

        Ich weiß schon, was du meinst
        Klar – In Extrem-Fällen des Elends ist schwer glücklich sein
        Das kann man aber auch sagen z.B. über jemanden, dem grad der Mann/ die Frau gestorben ist, der grad ne Krebs-Diagnose bekommen hat… irgendwas ist immer, was glücklich oder unglücklich macht …
        Ich glaub einfach nicht an kausalen Zusammenhang zwischen äußeren Umständen und innerer Zufriedenheit, das spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab und bedingt sich nur sehr bedingt gegenseitig

      • fredoo schreibt:

        hi Ananda … Mal nur so als Besserwiss … das mit dem „Kamel“ ist ein Übersetzungsfehler … es hätte Schiffstau/dicker Strick heißen müssen … nur ein Buchstabe anders im Originaltext , und alle Tierschützer müssten aufschreien … 😉

      • ananda75 schreibt:

        kicher – danke Fredoo – schätze, die Bibel ist voll von Kamelen 😉

      • Nitya schreibt:

        Ist dir bewusst, liebe Alexandra, dass du das alles aus einem gefüllten Bauch heraus schreibst? Es macht so wenig Sinn, wenn wir über andere schreiben, in deren Haut wir nicht stecken. Guck, ich hab als Kind den Krieg noch mitgekriegt und die Besetzungszeit und die Hungerjahre danach. Und ich kann dir eins sagen: Wir haben uns über jeden Dreck gefreut.

        Wir – und damit meine ich jetzt die mit den gefüllten Bäuchen, also uns – bedauern zutiefst das Elend der Hungernden und Sterbenden und Unterdrückten, wir sind vielleicht in irgendwelchen Hilfsorganisationen oder spenden am Sonntag in der Kirche für die Ärmsten der Welt. Nur eines tun wir nicht: Wir lassen die in unserem Land gewähren, die all diese Gräuel verüben. Ich als Bürger dieses Landes bin Teil dieser mafiösen Struktur, deren Folge ich dann so sehr bedauere.

  4. fredoo schreibt:

    Ja … es wirkt auch auf mich seltsam bigott … diese „Hilfs“manie … die übrigens oft nicht wirklich hilft , sondern sogar noch unfaire situationen betoniert oder gar erst herbeiführt … so hat nicht nur ein nüchterner Bericht enthüllt , das einer der Hauptgründe für die sich dauernd wiederholenden Hungersnöte in Ostafrika , die Nahrungsmittellieferungen des Westens sind … Kein witz , ich war selbst erstaunt … Während in dieser Region , die immer schon Dürre oder auch Feuer kannte , die Menschen früher einen zwar kargen , jedoch recht effektiven Notbehalt der Resourcen praktizierten , werden die Überschüsse ( die es halt auch im Ausgleich immer wieder mal gibt ) heute in Geld für meist westliche Konsumgürter umgesetzt , im Wissen , dass ja im Falle von Dürre schon die passenden Säcke eintrudeln werden , was sie aber oft erst nach dem Tod der schwächsten tun … Ähnliches gilt auch für viele „gutgemeinte“ Brunnenbohrungen , die das Grundwasser übermäßig abfischen , und den Ackerboden ausdörren lassen …
    Hilfe gutgemeint ist oft alles andere als Hilfe … und dient bei kritischer Betrachtung gar nicht dem Geholfenen sondern dient zuforderst den Bedürfnissen des Helfers und seinem diffizielen , meist unbewussten Bedürfniss nach Eigenüberhöhung in seiner „Hilfe“ …

  5. Ingeborg schreibt:

  6. Inge schreibt:

    mir gefällt das sehr, was Osho sagt:“ Für mich ist ein religiöser Mann gelassen und natürlich. Er macht sich keine Gedanken, weder um diese noch um jene Welt. Er macht sich überhaupt keine Gedanken, er lebt sein Leben und hat seine Freude daran.“ Sich Gedanken machen, ein schlechtes Gewissen haben und sich schuldig fühlen wegen dem Elend, das ich mir über die Medien ins Wohnzimmer hole. So gelange ich ins Gewohnte, in die Anhaftung, und niemand hat etwas davon. Ich bleibe bei Osho als Vorbild: “ Wenn der nächste Augenblick kommt, empfängt er ihn mit Freude und Begeisterung. Ein religiöser Mensch ist nicht ziel-orientiert.“

  7. fredoo schreibt:

    „““schätze, die Bibel ist voll von Kamelen“““ … und wie werte Ananda …
    das dickste Kamel ist wohl das so heilig gesehene Abendmahl , in dem das Sakrament des Blutes Christi mit Rotwein ausgedrückt wird … Das sich da um die Frage ist es „wirklich“ das Blut Christi oder steht es nur symbolisch dafür , deftigste Kriege unter Christen mit hundertausenden Toten ergaben , sei nur am Rande erwähnt … und das deshalb viele „Heiden“ das Christentum für kannibalisch halten , mit dem Verzehr von (echten) Fleisch und Blut des Messias sei auch nur so nebenbei erwähnt …
    Jedenfalls besteht das „dicke Kamel“ darin , dass Rotwein erst etwa 200 Jahre nach Christi erfunden wurde , und das einzig alkoholische Getränk der Hebräer im Jahre O ein vermaischtes Bier war … der Weißwein der Römer war extremstes Luxusgut … Es gab jedoch eine unvergorene Form von Traubensaft , der gerne des Abends getrunken wurde … Somit hat dieses Kamel immerhin tausenden zölibatären Mönchen ein gutes Gefühl ob ihres Trostrausches in der Einsamkeit ihrer Zellen geschenkt … immerhin … 😀

    • ananda75 schreibt:

      auch nicht schlecht 😆
      und interessant, danke!

      Dieses Kamel musste auch ein mir bekannter katholischer Priester reiten
      Ein ganz prima Mensch… die gibt’s ja auch unter katholischen Priestern, wobei ich den Katholizismus für wahres Heidentum halte… jedenfalls, dieser Mann, inzwischen geht er auf die achtzig zu… aber in noch relativ jungen Jahren stellte sich heraus, dass er Alkoholiker ist… und dann ging das los… die Messe abhalten dürfen ohne Wein zu trinken… das wollte die Kirche nicht akzeptieren
      In solchen Fällen zeigt sich dann der ganze Wahnsinn

      • fredoo schreibt:

        Ist schon kurios … damit ist das Christentum , die einzige Hochreligion , in der eine (massive) Droge im Zentrum ihres „Allerheiligsten“ steht …
        Kein Wunder dann und bezeichnend , dass die Kirche im weiteren der Jahrhunderte den Zugang und Nutzen aus besagter Droge mit ihren Weinbergen und Brauereien zum hervoragenden Geschäfts- und Beherschungsmodell entwickelt hatte ( und noch immer so betreibt ) .

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